Anna, die Schule und der liebe Gott

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Buchcover

Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern ist ein im Jahr 2013 veröffentlichtes Sachbuch des deutschen Philosophen und Publizisten Richard David Precht.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch beschreibt Precht das derzeitige deutsche Schul- und Bildungssystem aus seiner Perspektive und kritisiert dieses scharf. So würde etwa zu viel Zeit auf das Auswendiglernen von Fakten gelegt, die Lehrpläne wären zu starr und die 45-Minuten-Unterrichtsstunde sei überholt. Er fordert eine „Bildungsrevolution“ und grundlegende Änderungen.

So schlägt er vor, die klassischen Schulfächer zu reduzieren und eher auf gemeinsame Projekte zu setzen. Schulnoten, Hausaufgaben und das Sitzenbleiben sollen abgeschafft, stattdessen sollen Kopfnoten wie „Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit, Fairness und Teamgeist“ eingeführt werden. Das achte Schuljahr solle ein reines „Abenteuerprojektjahr“ werden, da die Jugendlichen durch die Pubertät weniger schul- und aufnahmefähig seien. Ganztagsschulen sollen zur Regel werden.[1] Außerdem will Precht den Mathematikunterricht komplett durch ein Computerprogramm ersetzen, so dass die Schüler Mathematik nur am Computer in ihrem eigenen Tempo lernen. Laut Precht sei es falsch, dass jeder Mensch eine naturwissenschaftliche Grundbildung haben müsse. Es sei deshalb falsch, dass die Schulen naturwissenschaftlich aufrüsten.[2]

Zehn Prinzipien sollen bei der Orientierung hin zur neuen Schule als Schmuckstück helfen:[3]

  1. Es gilt, die intrinsische Motivation des Kindes zu pflegen.
  2. Man möge das Kind individuell lernen lassen.
  3. Die Welt des Wissens ist als Verstehen von Sinn und Sinnhaftigkeit der Dinge und der Zusammenhänge der Welt zu sehen.
  4. Die Bindung in der Gemeinschaft soll als wichtiger Lernfaktor berücksichtigt werden.
  5. Es möge Beziehungs- und Verantwortungskultur geschaffen werden.
  6. Werte und Wertschätzung sind zu fördern.
  7. Lernfreundliche Schularchitektur ist relevant.
  8. Die Konzentrationsfähigkeit ist zu trainieren und zu pflegen.
  9. Ein spezielles Monitoring soll die persönliche Bewertung von Schüler*innenleistung gewährleisten.
  10. Die Ganztagsschule bringt in vielen Bereichen entscheidende Vorteile.

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch wurde in der Presse überwiegend verrissen.

Jürgen Kaube attestiert Precht in der FAZ eine „durchgängige intellektuelle Schlampigkeit“. Er stelle durchaus „richtige Beobachtungen“ an, die jedoch nur Bekanntes wiederholen. Das meiste, worauf Precht sich berufe, kenne dieser „mehr vom Hörensagen“. So behaupte er, Humboldts Schule habe keiner Prüfungen bedurft, weil man die Persönlichkeit eben auch nicht prüfen könne. Tatsächlich sei Wilhelm von Humboldt jedoch ein „wahrer Prüfungsenthusiast“ gewesen, da durch diese soziale Ungleichheiten gemindert würden.[4][5]

Dieser Einschätzung schließt sich Regina Mönch ebenfalls in der FAZ an. Prechts Ideen seien „unscharf“ und „polemisch“. Zudem unterschlage er Fakten. Beispielsweise führe er für die Abschaffung von Noten und Sitzenbleiben die skandinavischen Länder als Vorbild an, dort würden jedoch viele Eltern die Wiedereinführung ebendieser Methoden fordern.[6]

Peter Praschl bezeichnet das Buch in der Welt als „sinnlos, überflüssig, ein 352 Seiten langes Ärgernis“. Zwar stimme die Diagnose Prechts über das Bildungssystem, nichts an ihr sei jedoch originell. Praschl bezweifelt zudem, dass eine Bildungsrevolution in Deutschland überhaupt möglich wäre. Das Buch von Precht brauche deshalb niemand, es sei denn, man habe „das Bedürfnis nach einer monströsen Depression“.[7]

Laut Nina May in der Oberhessischen Presse lese sich das Buch eher wie die „realitätsferne Vision eines selbsternannten Heilsbringers, der mit Modebegriffen und Medienhype Altbekanntes als Sensation verkauft“. Zwar klängen die Argumente gut, ließen sich jedoch „leicht in Frage stellen“. Auch seien seine Verbesserungsvorschläge für eine „Schule der Zukunft“ nicht „revolutionär“.[8]

Hingegen beurteilt Katja Weise das Buch im NDR als positiv. Die „ideale Schule“, wie Precht sie skizziere, mache „Spaß“ und erinnere in „ihrer Struktur in mancherlei Hinsicht an das Harry-Potter-Zauberinternat Hogwarts“. Wirklich vorzustellen „vermag man sie sich kaum“. Aber das sei „vielleicht auch gar nicht so wichtig“, da Precht „provoziere und begeistere“. Er würde „Ansätze bündeln“ und bringe auf „unterhaltsame Weise frischen Wind in eine festgefahrene Debatte“.[9]

Ebenfalls positiv beurteilt wurde das Werk von Uwe Wittstock im Focus Spezial „Die besten Bücher 2013“. Prechts Buch sei ein „glänzend sortiertes Arsenal von Argumenten für den radikalen Umbau unserer Pädagogik“. Precht zeige auf, dass unsere Vorstellungen von Schule immer noch aus dem 19. Jahrhundert stammen würden.[10]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kulturradio rbb: Richard David Precht: „Anna, die Schule und der liebe Gott“, vom 23. April 2013
  2. News4Teachers – Das Bildungsmagazin: Precht mischt die Politik auf – und beleidigt Wanka, vom 22. Juli 2013
  3. Richard David Precht: Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern. Goldmann Verlag (2013), S. 288ff.
  4. Jürgen Kaube: Oh ihr Rennpferde, fresst einfach mehr Phrasenhafer!. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (28. April 2013)
  5. Rezensionen auf Perlentaucher. Abgerufen am 4. Oktober 2013
  6. Regina Mönch: Vergesst Precht!. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (6. Mai 2013)
  7. Peter Praschl: Ihr Buch ist ein sinnloses Ärgernis, Herr Precht! In: Die Welt (22. April 2013)
  8. Nina May: Computer statt Mathelehrer? In: Oberhessische Presse (25. April 2013)
  9. Katja Weise: Schule soll Spaß machen! (Memento vom 25. April 2013 im Internet Archive). In: Norddeutscher Rundfunk (22. April 2013)
  10. Uwe Wittstock: Die Schule braucht eine Revolution! In: Focus Spezial. S. 68–69.