Antoni Macierewicz

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Antoni Macierewicz (2014)

Antoni Macierewicz (* 3. August 1948 in Warschau) ist ein polnischer Politiker, im Kabinett der Ministerpräsidentin Beata Szydło seit November 2015 Verteidigungsminister Polens. Macierewicz war Abgeordneter des Sejm in der I., III., IV., VI. und VII. Wahlperiode, von 1991 bis 1992 Innenminister in der Regierung von Jan Olszewski, von 2006 bis 2007 Vizeminister für Verteidigung in der Regierung von Jarosław Kaczyński, von 2006 bis 2007 Leiter der Służba Kontrwywiadu Wojskowego (Militärischer Abschirmdienst) und ein führendes Mitglied der Partei Patriotische Bewegung (Ruch Patriotyczny).

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Macierewicz besuchte die Universität Warschau und beendete das Studium mit einem Magister in Geschichte.[1]

1968 bis 1989 gehörte er der demokratischen Opposition an. Er gilt als einer der Gründer des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (polnisch Komitet Obrony Robotników, abgekürzt KOR).

Von 1989 bis 1992 gehörte er der Partei Christlich-Nationale Vereinigung (ZChN) an, für die er 1991 in den Sejm einzog. Vom 23. Dezember 1991 bis zum 5. Juni 1992 war Macierewicz Innenminister in der Regierung von Jan Olszewski. Die unter seiner Verantwortung veröffentlichte Liste angeblicher ehemaliger Mitarbeiter des polnischen Geheimdiensts führte zur Ablösung der Regierung Olszewski.[2] Macierewicz schied daraufhin aus der ZChN aus und gründete die Akcja Polska, im Bündnis mit Olszewskis Ruch Odbudowy Polski (ROP) wurde er erneut 1997 Sejmabgeordneter, nach deren Zerfall gründete Macierewicz die Ruch Katolicko-Narodowy. Bei den Parlamentswahlen in Polen 2001 erlangte er als Listenkandidat der Liga Polnischer Familien erneut ein Mandat, schied aber aus der Fraktion aus. Vor den Parlamentswahlen 2005 gründete er gemeinsam mit Jan Olszewski die Ruch Patriotyczny, die bei den Wahlen lediglich 1,05 Prozent der Stimmen erhielt. Bei den Wahlen 2007 und 2011 erlangte er über die Liste der PiS erneut einen Parlamentssitz. Die Abgeordneten der Ruch Patrioticzny traten im Mai 2010 der PiS bei.[3]

Seit Juli 2006 war er für die Auflösung des Anfang der 1990er Jahre geschaffenen Polnischen Militärgeheimdienstes WSI zuständig und anschließend von Oktober 2006 bis November 2007 war er Leiter der neu geschaffenen Służba Kontrwywiadu Wojskowego.

Seit 20. Juli 2010 ist er Vorsitzender des PiS-Parlamentsausschusses, der sich mit der Erforschung der Flugzeugkatastrophe bei Smolensk beschäftigt. Macierewicz ist davon überzeugt, dass der Absturz auf ein Attentat zurückzuführen sei und die Wahrheit in der Öffentlichkeit unterdrückt werde.[4]

Politische Positionen[Bearbeiten]

Macierewicz ist anti-liberal und gegen die Mitgliedschaft Polens in der EU. Er ist Gründungsherausgeber der als „radikal anti-kommunistisch und antisemitisch“ beziehungsweise rechts-radikal bezeichneten Zeitschrift Głos.[5]

In einem Radiointerview mit Radio Maryja soll Macierewicz im Jahre 2002 erklärt haben, dass er die Protokolle der Weisen von Zion, deren Authentizität seiner Ansicht nach unterschiedlich bewertet werde, für „sehr interessant“ halte und die hierin vertretenen Thesen mit seinen Erfahrungen übereinstimmten.[6][7] Anlässlich seiner Ernennung zum Verteidigungsminister protestierte die Anti-Defamation League bei der polnischen Regierung und forderte Macierewicz auf, sich von seinen damaligen Äußerungen zu distanzieren.[8] Der Sprecher des amtierenden Ministers bezeichnete diese Anschuldigungen als eine Lüge und forderte daraufhin Entschuldigungen.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1], abgerufen am 7. Dezember 2015
  2. Piotr Wróbel: Historical Dictionary of Poland 1945-1996 S. 50
  3. Klaus Ziemer: Das politische System Polens: Eine Einführung S. 214, 215
  4. Helmut Fehr: Eliten und zivile Gesellschaft: Legitimitätskonflikte in Ostmitteleuropa S. 334
  5. Rafał Pankowski: The populist radical right in Poland, S. 121, 157
  6. Rafał Pankowski:The populist radical right in Poland, S. 121, 122
  7. Polish defence minister condemned over Jewish conspiracy theory The Guardian, 10 November 2015
  8. Der neue Verteidigungsminister und die jüdische Weltverschwörung Der Tagesspiegel, 13 November 2015
  9. Antoni Macierewicz na celowniku izraelskich mediów. Za Protokoły Mędrców Syjonu. In: wp.pl. 12. November 2015, abgerufen am 17. November 2015 (polnisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Antoni Macierewicz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien