Appenzell (Ort)

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Appenzell
Wappen von Appenzell
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Innerrhoden AI
Bezirk: (Mit Gemeinde identisch)
Politische Gemeinde: Appenzell
Schwende
Rütei2
Postleitzahl: 9050
Koordinaten: 748902 / 244081Koordinaten: 47° 19′ 51″ N, 9° 24′ 32″ O; CH1903: 748902 / 244081
Höhe: 778 m ü. M.
Einwohner: 5751 (31. Dezember 2006)
Website: www.appenzell.org
Luftansicht von Appenzell

Luftansicht von Appenzell

Karte
Appenzell (Ort) (Schweiz)
Appenzell (Ort)
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Das Dorf Appenzell, im ostschweizerischen Ortsdialekt Appezöll [ˌapːə'tsœlː],[1][2] ist der Hauptort des Schweizer Kantons Appenzell Innerrhoden. Der Ort liegt auf 780 m ü. M. am Fusse des Alpsteinmassivs.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Territorial liegt die Ortschaft Appenzell auf dem Gebiet der Bezirke (politische Gemeinden) Appenzell, Schwende und Rüte, wobei der grösste Teil des Dorfes dem Bezirk Appenzell angehört.

Wegen der Zugehörigkeit zu verschiedenen Bezirken wurde schon im 16. Jahrhundert für gemeindeübergreifende Aufgaben wie Baupolizei, Feuerwehr oder Wasser- und Energieversorgung eigens eine Spezialgemeinde gegründet, die Feuerschaugemeinde, welche das ganze Dorf Appenzell einschliesslich seiner Aussenquartiere umfasst.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Appenzell, im hochalemannischen Ortsdialekt Appezöll mit Betonung auf der letzten Silbe, wurde 1071 in der Form Abbacella erstmals erwähnt. Weitere frühe, aber gelehrt latinisierte Bezeugungen sind 1223 de Abbatiscella und 1244 in Abbatis Cella. Der Ortsname ist eine Zusammensetzung von althochdeutsch abbat «Abt» und althochdeutsch zëlla «Zelle, Kappelle; Speicher, Sammelstelle für Abgaben, Wirtschaftshof» und bedeutet damit «Wirtschaftshof des Klosters St. Gallen, Regionalstelle für die Naturalienabgabe, die der Grundherr (Abt) im inneren Landesteil erhebt».[1][2]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Appenzell ist das touristische Zentrum des Appenzellerlandes und Ausgangspunkt für Wanderungen ins Alpsteingebiet von Norden her. In dem sehenswerten Dorf kann man sich auch mit appenzell-typischen Souvenirs, etwa Alpaufzug-Motiven, eindecken.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmalspurbahnen und Hauptstrassen führen von Gossau, Altstätten sowie St. Gallen nach Appenzell. Zugverbindungen bestehen über Herisau nach Gossau (mit Anschluss nach Zürich), über Gais nach St. Gallen sowie in Richtung Alpstein bis nach Wasserauen. Postautokurse gibt es nach HaslenTeufen und nach Eggerstanden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortsbild Appenzells ist geprägt durch die Bauten aus der Zeit nach dem Brand von 1560. Teils bunt bemalte Holzhäuser mit geschweiften bzw. gebrochenen Giebeln verleihen ihm seinen besonderen Charakter, der am ursprünglichsten von den Häuserreihen in der Hauptgasse vermittelt wird. Typisch für den einheimischen Stil sind unter anderem die Häuser «Kreuz» und «Raben» an der Hauptgasse sowie die geschlossene Häusergruppe beim Gasthaus Falken an der Gaiserstrasse. Der Landsgemeindeplatz mit der Gerichtslinde ist von hohen und niedrigen Bauten unregelmässig begrenzt.

Kirchliche Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ladengeschäfte in Appenzell
Einzelhöfe bei Appenzell

Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius steht an erhöhter Stelle über dem linken Ufer des Flusses Sitter. Der Westturm, der Polygonalchor und die Krypta wurden um 1513, zum Teil nach 1560 erbaut. Das Langhaus von Enoch Breitenmoser stammt aus dem Jahr 1823. Das Innere beherbergt ein breites klassizistisches Schiff mit Doppelemporen. Der Hochaltar aus dem Jahr 1622 ist ein Werk von Bartholomäus Cades, die neobarocken Deckenbilder wurden von Franz Vettiger 1891 geschaffen. Der spätgotische Chor zeigt Wand- und Gewölbemalereien aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, so auch eine Dorfansicht um 1620 von Moritz Girtanner.[3]

Die reformierte Kirche wurde in den Jahren 1908–1909 von La Roche und Stähelin erbaut.

An der Hauptgasse steht die im spätgotischen Stil im Jahre 1561 erbaute Heiligkreuzkapelle; ein Ersatzbau für die 1560 bei einem Dorfbrand zerstörte Kapelle. Die Heiligkreuzkapelle wurde geweiht zu Ehren des Heiligen Kreuzes und der Vierzehn Nothelfer. Das Eingangsportal aus dem Jahr 1787 ist aus Sandstein. Die Kreuzwegstationen von 1787 stammen von J. A. Füxli. Restaurierungen der Kapelle erfolgten 1892 und 1964/65. Die barocken Holzbänke stammen ursprünglich aus der Kapelle St. Magdalena, Steinegg, und wurde 1949 montiert. 1964 wurde der Glasgemäldezyklus von Ferdinand Gehr mit den fünf Geheimnissen des Schmerzhaften Rosenkranzes gefertigt.[4]

Am westlichen Dorfeingang steht das 1586 bis 1587 gegründete Kapuzinerkloster Mariä Lichtmess. Die Klosterkirche wurde 1688 neu gebaut, das Kloster erhielt 1925 einen Neubau von Hans Burkard. Das Kircheninnere beherbergt frühbarocke Altäre. Am Hochaltar ist eine Kreuzabnahme von Giulio C. Procaccini aus dem Jahr 1605 zu sehen, am Seitenaltar rechts eine Madonna mit Heiligen aus den Jahren 1610–1620 und am Seitenaltar links Mariä Lichtmess, 1935 von Johann Hugentobler geschaffen[5]. Das Kloster wurde per Ende August 2011 geschlossen, und das Gebäude gelangte an den Kanton Appenzell Innerrhoden zurück.[6]

Südlich der Hauptgasse steht das Kapuzinerinnenkloster Maria der Engel. Die Kirche wurde 1621/22 im Spätrenaissancestil durch die Misoxer Meister Giovanni Altern und Andrea Toscano erbaut. Das Innere der Kirche enthält eine kassettierte Tonne. Die Klostergebäude errichteten 1679–1682 Jost Mosbrugger und Christian Zünd nach einem Modell des Paters Marquard Imfeld[7]. Das Kloster wurde im April 2008 geschlossen; die Gebäude wurden einer Stiftung übergeben.[8][9]

Im westlichen Ortsteil Rinkenbach steht die 1661 erbaute Kapelle St. Anton mit einem frühbarocken Hochaltar aus dem Jahr 1666 und einer 1673 geschaffenen Kanzel im Knorpelstil. Die Seitenaltäre sind aus dem 18. Jahrhundert.

Nördlich des Ortes, auf der Steig in Mettlen, steht die Kapelle St. Karl, erbaut 1620.

In der Fraktion Sonnenhalb, südlich von Appenzell, steht die Kapelle Maria in Sonnenhalb. Diese entstand 1796 und wurde 1861 neu gebaut. Der Altar ist in ländlich verspätetem Barock mit gotischer Pietà um 1400 im «weichen» Stil.

Zwischen der Sitter und dem Bleichwäldibach liegt die Lourdeskapelle.

Weltliche Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof von Appenzell

Das Rathaus ist ein spätgotischer Bau aus den Jahren 1561–1563 von Hans Bilchenfelder. Die Fassadenfresken zeigen Darstellungen aus der Appenzeller Geschichte, geschaffen 1928 von August Schmid. In den Ratssälen sind Wandgemälde von Caspar Hagenbach d. J. aus dem Jahr 1567.[10]

Die Landeskanzlei wurde 1914 von Adolf Gaudy, der neue Flügel 1954 von Hans Burkard erbaut.[11]

Neben dem Kapuzinerinnenkloster steht das 1563–1570 erbaute sogenannte «Schloss», ein der Anlage nach spätgotisches, im Detail der Renaissance verpflichtetes Patrizierhaus[12].

Ebenfalls im Kern spätgotisch, aber mit klassizistischem Ausbau, ist das Haus Ebneter-Kölbener, in dem sich heute die Raiffeisenbank befindet. Im Erdgeschoss, der Schalterhalle der Bank, sind um 1580 geschaffene Wandmalereien (acht Tugenden) von Caspar Hagenbuch d. J. zu sehen.[13]

In Mettlen führt eine gedeckte Holzbrücke über die Sitter. Diese wurde wohl um 1766 von einem Mitglied der Baumeisterfamilie Grubenmann gebaut.[14]

Nördlich von Appenzell befindet sich der Burghügel mit der Ruine Clanx. Die Burg wurde 1219 unter Abt Ulrich VI. von St. Gallen erbaut. Ihre Zerstörung durch die aufständischen Bauern löste 1401 die Appenzeller Freiheitskriege aus. Die Ausgrabung der 1402 zerstörten Burg erfolgte 1949.[15]

Korporation Stiftung Ried[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältestes noch stehendes Haus der Korporation Stiftung Ried in Appenzell (17. Jahrhundert?)

Im südlichen Teil Appenzells, auf beiden Seiten der Bahnlinie, liegt das Quartier Ried. Es handelt sich dabei um eine ursprüngliche Armensiedlung, die bis heute als Korporation (Nutzungsgenossenschaft) organisiert ist und auf dem Land der 1483 gegründeten Stiftung Ried liegt. Je nach Vermögensverhältnissen entrichten die Bewohner für ihre Häuser keinen oder nur einen bescheidenen Bodenzins und sind umgekehrt gehalten, zweimal jährlich ein Seelenamt (Requiem) für die Stifterfamilie Küchenmeister in der Mauritiuskirche zu besuchen. Es handelt sich dabei um eine der ältesten heute noch aktiven sozialen Einrichtungen Europas.[16][17]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Appenzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stefan Sonderegger: Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. Bd. I. Huber, Frauenfeld 1958 (Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung VIII), S. 300.
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 91
  3. Fischer, 1984, 140–224.
  4. Fischer, 1984, 284–286.
  5. Fischer, 1984, 227–235.
  6. Kath.ch
  7. Fischer, 1984, 251–284.
  8. Kapuzinerinnen haben Kloster Appenzell verlassen. orden-online.de. Abgerufen am 6. Mai 2012.
  9. Leitbild und Konzept – Stiftung Kloster Maria der Engel Appenzell. maria-der-engel-appenzell.ch. Abgerufen am 6. Mai 2012.
  10. Fischer, 1984, 287–314.
  11. Fischer, 1984, 315.
  12. Fischer, 1984, 344–349.
  13. Fischer, 1984, 331.
  14. Fischer, 1984, 375, 376.
  15. Fischer, 1984, 480–483.
  16. Korporation Stiftung Ried
  17. Neuer Präsident für älteste Sozialeinrichtung