Gais AR

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AR ist das Kürzel für den Kanton Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Gais zu vermeiden.
Gais
Wappen von Gais
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Mittellandw
BFS-Nr.: 3022i1f3f4
Postleitzahl: 9056
Koordinaten: 752253 / 247694Koordinaten: 47° 21′ 45″ N, 9° 27′ 16″ O; CH1903: 752253 / 247694
Höhe: 933 m ü. M.
Fläche: 21,23 km²
Einwohner: 3073 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 145 Einw. pro km²
Website: www.gais.ch
Karte
Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton St. Gallen Kanton St. Gallen Bezirk Hinterland Bezirk Vorderland Bühler AR Gais AR Speicher AR Teufen AR Trogen ARKarte von Gais
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Gais ist eine politische Gemeinde im Mittelland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Gais AR

Gais liegt zwischen Teufen und Appenzell an der Strecke der Appenzeller Bahnen. Bekannter Ausflugsort ist der Gäbris auf 1251 m ü. M. Gais ist der Endpunkt der Eisenbahnlinie Altstätten – Gais. Von Altstätten im Rheintal gelangt man über den Pass Stoss AR über eine direkte Strassenverbindung nach Gais.

Die Nachbargemeinden sind Trogen, Bühler, Schlatt-Haslen, Appenzell, Rüte, Eichberg und Altstätten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1272 wurde de Geis erstmals erwähnt. Unter der Abtei St. Gallens bildete Gais ein Sonderamt mit eigenem Ammann und Gericht. Bereits im 14. Jahrhundert bestand eine gewisse kommunale Eigenständigkeit; unter dem Siegel von Konrad Geppensteiner, dem Ammann ze Geiss, traten die Gaiser 1377 dem Schwäbischen Städtebund und 1401 dem sogenannten Volksbund der Gotteshausleute bei. Die Schlacht am Stoss um 1405, ein bedeutendes Ereignis der Appenzeller Kriege (1401-1429), fand auf dem Gemeindegebiet von Gais statt.

Im neuen Land Appenzell kam Gais zur Rhode Rinkenbach-Wies; für den weiteren Werdegang waren die kirchlichen Verhältnisse bestimmend. Das erste Gotteshaus für die zuvor nach St. Laurenzen in St. Gallen und nach Appenzell kirchgenössige Gaiser Bevölkerung wurde zwischen 1275 und 1333, vermutlich um 1315 errichtet. Vor 1370 wurde sie zur Pfarrkirche mit Marienpatrozinium erhoben. Ihr schlossen sich mit der Zeit auch die nach Marbach und Altstätten kirchgenössigen Leute der zu Trogen gehörenden Teilrhode Rotenwies und des dem Meieramt Altstätten zugeordneten Hofes Rietli an. Trotz unterschiedlicher Verwaltungstradition - Rhodenstruktur für Rotenwies, rheintalische Hofverfassung für Rietli und Sonderamtstatus für Gais - und der genossenschaftlichen Strukturen, über die jede dieser Gegenden spätestens ab dem 15. Jahrhundert für die Nutzung ihrer Gemeinwerke wie der Wälder verfügte, bildete sich aufgrund der gemeinsamen Trägerschaft der Gaiser Kirche allmählich die heutige Gemeinde heraus. Der um 1460 erfolgte Kirchenneubau und das Bekenntnis zur evangelischen Glaubenslehre 1525 förderten diesen Prozess und liessen die Kirchhöri Gais auch als politische Einheit in Erscheinung treten. 1527 bis 1597 besuchten die im Hauptort Appenzell ansässigen Reformierten hier den Gottesdienst. Die Landteilung von 1597 brachte den Anschluss an Appenzell Ausserrhoden. Gaiser Anteilsrechte an Alpen und Gemeinwerk Mendle in Innerrhoden bestanden aber bis 1674, teilweise gar bis 1815 fort. Hackbüel, Rotenwies und Rietli-Schachen blieben als selbstständige Korporationen bis heute bestehen und mehrten besonders im 19. Jahrhundert ihren Grundbesitz.

Die 1467 als ville Gais erweiterte Siedlung, die sich bei der Kirche entwickelte, wurde planmässig um einen grossen Dorfplatz angelegt. Der Wiederaufbau nach dem Dorfbrand von 1780 folgte dem alten Grundriss. Der neue Baustil der Häuser veränderte zwar den Ortscharakter, verlieh dem Platz aber zugleich ein einheitliches Gepräge. Im 19. Jahrhundert vergrösserte sich der Ort allmählich zum Haufendorf. Nach 1960 setzten mehrere Neubauquartiere zusätzliche Akzente. Für die Pflege des ästhetisch ansprechenden Ortsbildes erhielt die Gemeinde 1977 den Wakkerpreis.

Lebensgrundlage bildeten traditionell Milch- und Viehwirtschaft sowie seit dem 16. Jahrhundert Solddienst und Textilgewerbe. Ab 1800 wurden am Rotbach mehrere Textilfabriken erstellt. Es waren dies eine Spinnerei, Druckerei und Appretur im Strahlholz 1802-1929; eine Bleicherei, Färberei und Appretur im Strahlholz ab 1805; Stickfabriken und Textilhandelshäuser ab 1872 und sechs Zwirnereien ab 1875. Eine Ziegelei war 1846-1917 in Betrieb. Die Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit traf die Heimindustrie, während die Fabriken grösstenteils überleben konnten. Weltberühmt war Gais zwischen 1749 und 1860 als Molkenkurort. Der Wandel zum modernen Luftkurort gelang aber nicht wirklich, so dass der Fremdenverkehr nach 1860 trotz der Eröffnung mehrerer Pensionen massiv zurückging.

Die Strassen nach Altstätten und Bühler wurden ab 1836 ausgebaut, die Eisenbahnstrecken von Gais nach St. Gallen, Appenzell und Altstätten 1889, 1904 und 1911 eröffnet. Das kantonale Lehrerseminar in der Rieseren bestand 1833 bis 1866. Die 1884 gegründete katholische Kirchgemeinde errichtete 1885 eine Kapelle. Das Gemeindekrankenhaus von 1904 wurde 1982 in ein Krankenheim umgewandelt. 1958 wurde die erste medizinische Rehabilitationsklinik der Schweiz in Gais eröffnet. 1980 befanden sich unter den insgesamt 731 Wohngebäuden 120 Ferienhäuser und rund 50 Ferienwohnungen in sonstigen Gebäuden. Landwirtschaft, Textilindustrie sowie Handwerk und Gewerbe bilden seit dem 2. Weltkrieg die Haupterwerbszweige. Seit 1980 entwickelt sich Gais zunehmend zur Wohngemeinde. Nach 1960 stieg der Wegpendleranteil beträchtlich an und lag im Jahr 2000 bei knapp der Hälfte der arbeitstätigen Personen.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner[3]
1667 1870
1850 2480
1900 2854
1950 2422
1980 2388
2000 2770
2010 3065

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Gais befand sich von 1995 bis 2013 der Sitz der Meteomedia AG. 1959 wurde eine Klimastation für medizinische Rehabilitation eröffnet. Es war die erste medizinische Reha-Klinik der Schweiz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfanlage mit den traditionellen Holzhäusern mit geschweiften Giebeln und einigen repräsentativen Steinbauten entstand hauptsächlich nach dem Brand von 1780. Die Häuser um den Dorfplatz und an der Webergasse bis zur Schwantleren im Nordosten bilden den Kern des Orts.

Die Reformierte Kirche Gais wurde 1781–1782 von Hans Ulrich Haltiner erbaut. Im Innern finden sich sehenswerte Rokoko-Stuckaturen von 1782 aus dem Umkreis von Andreas und Peter Anton Mosbrugger.

Das Haus zum Ochsen am Dorfplatz hat an der Rückseite einen Haubenturm. Es wurde 1796 von Konrad Langenegger als Kurhaus des alten «Ochsen» erbaut.

In der nördlichen Häuserreihe am Dorfplatz steht das 1781 erbaute Haus Eisenhut mit mehrfach geschweiftem Giebel.

Das 1783 für den damaligen Landeshauptmann Jakob Gruber gebaute freistehende Haus verbindet spätbarockes Stilgefühl mit der einheimischen Bauweise. Es weist ein Rokokoportal und einen über der Mittelachse hohen, doppelt geschweiften Quergiebel aus. Das Obergeschoss wird durch Kolossalpilaster gegliedert.

Die Schlachtkapelle am Stoss, östlich von Gais, wurde im 15. Jahrhundert zur Erinnerung an den 1405 errungenen Sieg der Appenzeller über ein österreichisches Heer (Schlacht am Stoss) erbaut und 1955 von Johann Hugentobler umgestaltet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Werder: Zur Aktualdynamik der Kulturlandschaft des Appenzeller Mittellandes, 1984
  • K. Rechsteiner und A. Weishaupt: Geschichte der Gemeinde Gais, 2002
  • Eugen Steinmann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Band 2: Der Bezirk Mittelland. (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 97). Birkhäuser Verlag, Basel 1980, ISBN 3-7643-1174-6. S. 288–359.
  • Eugen Steinmann: Gais. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 213). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1977, ISBN 978-3-85782-213-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2016.
  2. Thomas Fuchs: Gais. In: Historisches Lexikon der Schweiz
  3. Thomas Fuchs: Gais. In: Historisches Lexikon der Schweiz