Gais AR

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AR ist das Kürzel für den Kanton Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Gais zu vermeiden.
Gais
Wappen von Gais
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Appenzell Ausserrhoden Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Mittellandw
BFS-Nr.: 3022i1f3f4
Postleitzahl: 9056
Koordinaten: 752253 / 247694Koordinaten: 47° 21′ 45″ N, 9° 27′ 16″ O; CH1903: 752253 / 247694
Höhe: 933 m ü. M.
Höhenbereich: 780–1250 m ü. M.[1]
Fläche: 21,21 km²[2]
Einwohner: 3066 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 145 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
12,7 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Ernst Koller
Website: www.gais.ch
Blick auf Gais AR.jpg

Lage der Gemeinde
Kanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton St. GallenKanton St. GallenBezirk HinterlandBezirk VorderlandBühler ARGais ARSpeicher ARTeufen ARTrogen ARKarte von Gais
Über dieses Bild
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Gais ist eine politische Gemeinde im Mittelland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gais liegt 15 km südlich der Stadt St. Gallen; an der Strecke der Appenzeller Bahnen, die St. Gallen mit Appenzell einerseits und via Stoss AR mit Altstätten andererseits verbindet. Die St. Gallen-Gais-Appenzell-Altstätten-Bahn war von 1889 bis 1987 eine selbstständige Bahngesellschaft.

Die Nachbargemeinden sind die ausserrhodischen Gemeinden Trogen und Bühler, die innerrhodischen Bezirke Schlatt-Haslen, Appenzell und Schwende-Rüte sowie die sanktgallischen Gemeinden Eichberg und Altstätten.

Gais umfasst eine Fläche von 2119 Hektaren. Davon sind 147 Hektaren Siedlungsfläche, 1004 Hektaren Landwirtschaftsfläche, 935 Hektaren bestockte Fläche und 33 Hektaren unproduktive Fläche.[5] Die Gemeinde liegt auf 933 m ü. M., wobei sich der höchste Punkt – der Hausberg Gäbris, ein bekanntes Ausflugsziel – auf 1246,8 m ü. M. und der tiefste auf 827 m ü. M. befindet.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1272 wird Gais erstmals urkundlich als «de Geis» erwähnt. Man vermutet, dass sich der Ortsname vom althochdeutschen Tiernamen geiz (= Ziege) ableitet und daher rührt, dass ursprünglich besonders viel Wild – darunter Ziegen – im heutigen Gemeindegebiet zu beobachten waren.[7] Damals gehörte Gais zur Abtei St. Gallen, bildete aber ein sogenanntes Sonderamt. Das bedeutete für die Ortschaft einen eigenen Ammann und ein eigenes Gericht und somit eine gewisse kommunale Eigenständigkeit. Eine erste Kirche wurde zwischen 1275 und 1333 erbaut, 1370 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben.[8]

Während der Appenzellerkriege (1401–1429) war Gais 1405 durch die Schlacht am Stoss- neben der Vögelinsegg 1403- einer der Kriegsschauplätze. Nach den Kriegen wurde Gais im neuen Land Appenzell Teil der Rhode Rinkenbach-Wies.[9] Kurz darauf schlossen sich die Rhode Rotenwies und die Rhode Rietli-Schachen dem neuen Gaiser Gebiet an.[10] Aufgrund der Vermehrung der Kirchgemeinschaft wurde 1460 eine neue Kirche an der Stelle der alten errichtet,[9] und es begann sich eine Siedlung um den Dorfplatz zu bilden, die 1467 als ville Gais erwähnt wird.[11]

1518 konnte sich Gais vom Kloster St. Gallen loskaufen und wurde somit zu einer Appenzeller Rhode.[12] Gais war eine Halbrhode: Die eine Hälfte gehörte zu den äusseren Rhoden, die andere zu den inneren Rhoden. Im Jahr 1525 bekannte sich Gais zur Reformation, was zu Spannungen innerhalb der Rhode führte: Während die Äusseren sich der neuen Glaubensrichtung zugewandt hatten, blieben die Inneren beim alten Glauben. Bis zur Landteilung 1597 lagen die beiden Halbrhoden praktisch dauernd im Streit.[13] Ab 1597 zählt die äussere Halbrhode Gais als vollwertige Kirchhöri zu Appenzell Ausserrhoden.[14] Die Gemeinde besass aber weiterhin Anrecht auf gewisse Teile der Alpen (bis 1674) und der Gemeinwerk «Mendle» (bis 1815) in Appenzell Innerrhoden.[9]

Am 18. September 1780 brach in Gais ein Feuer aus, das nahezu das ganze Dorf samt der Kirche verwüstete.[9] Kurz danach wurde mit dem Wiederaufbau nach ursprünglicher Dorfplanung begonnen. So hatte das Dorf zwar nicht mehr seinen ursprünglichen Charakter, doch das neue Ortsbild mit klassizistischen Bürgerhäusern und Rokoko-Einflüssen spielte beim kurtouristischen Erfolg der Gemeinde eine bedeutende Rolle.[15] Die Bauarbeiten fanden in den 1780er-Jahren ihren Abschluss.

Zwischen 1749 und 1860 war Gais ein bekannter Molkenkurort. Ihre Anfänge als Kurort nahm die Gemeinde dank eines todkranken – wahrscheinlich tuberkulösen – Zürchers. Er kam 1749 nach Gais und genas überraschend dank einer Molkenkur und der Bergluft. Seither kamen immer mehr Gäste, darunter auch namhafte Persönlichkeiten, zu Erholungszwecken nach Gais. 1860 begann der Niedergang des Kurortes: Noch ohne Bahnverbindungen schaffte Gais den Übergang zum modernen Kurort nicht und wurde vom ausserrhodischen Heiden abgelöst.[16]

Ab 1836 wurden nach Altstätten und Bühler führende Strassen ausgebaut. Weiter wurde Gais 1889, 1904 und 1911 an die Eisenbahnstrecken von St. Gallen, Appenzell und Altstätten angeschlossen.[9]

Im Jahre 1884 wurde eine katholische Kirchgemeinde gegründet, die ein Jahr später eine erste Kapelle errichtete. Ab 1920 versammelte sich die katholische Kirchgemeinde in der «Rähn»-Remise, die 1976 einen eigenen Kirchturm mit Glocke erhielt.[17]

1977 wurde Gais für die weitsichtige Planungsarbeit zur Erhaltung und Pflege des schönen Ortsbilds mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet.[18] Der Wakkerpreis wird durch den Schweizer Heimatschutz verliehen und ist nach Henri-Louis Wakker benannt.[19]

Aufgrund der günstigen Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr hat sich Gais seit 1980 zunehmend zu einer Wohngemeinde entwickelt. Mehrere Neubauquartiere setzten ab 1960 markante Akzente.[9]

Im Unterschied zu den anderen Ausserrhoder Gemeinden hat sich der Begriff «Rhode» als Bezeichnung für die Allmendgenossenschaften der alten Gemeinwerke auf Gaiser Boden erhalten. Sie blieben als selbständige Korporationen (Rhode Hackbühl, Rhode Rietli-Schachen und Rhode Rotenwies) bis heute bestehen und mehrten besonders im 19. Jahrhundert ihren Grundbesitz.[9] Es handelt sich dabei vor allem um Forst- und Landwirtschaftsgebiete.

2022 feiert die Gemeinde Gais ihr 750-Jahr-Jubiläum.[20]

Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer von 1923

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[21][9]
Jahr 1667 1850 1870 1888 1900 1920 1941 1960 1980 1990 2000 2010 2020 2022
Einwohner 1870 2480 2552 2476 2854 2788 2254 2488 2388 2662 2770 3065 3067 3101

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell spielten Milch- und Viehwirtschaft eine bedeutende Rolle in der Gaiser Geschichte. Hinzu kamen ab dem 16. Jahrhundert Solddienst und Textilgewerbe. Ab Beginn des 17. Jahrhunderts war die Leinwandweberei ein wichtiger Erwerbszweig für die Bevölkerung. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts verlagerte sich die Produktion vermehrt zur Baumwolle. Gais profitierte zwar wirtschaftlich weniger vom Textilgewerbe als seine Nachbargemeinden; trotzdem trug die Branche massgebend zum Wohlstand der Gemeinde bei. Im 19. Jahrhundert wurden, vor allem entlang des Rotbachs zwischen Gais und Bühler, mehrere Textilfabriken erstellt (Spinnerei, Druckerei und Appretur im Strahlholz 1802–1929; Bleicherei, Färberei und Appretur im Strahlholz ab 1805; verschiedene Stickfabriken und Textilhandelshäuser ab 1872; sechs Zwirnereien ab 1875).[9] Mit dem Ersten Weltkrieg begann der Niedergang des Gewerbes, insbesondere der Heimindustrie.[13] Eine Ziegelei war 1846–1917 in Betrieb.[9]

Nachdem Gais zwischen 1749 und 1860 als Molkenkurort berühmt war, gestaltete sich die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts im Bereich des Tourismus als schwierig. Ab etwa 1880 erlebte der Tourismus dank Ferienkolonien[22] und neu eröffneter Pensionen einen Aufschwung. Gais wurde zu einer beliebten Wandergegend. Nach 1905 verloren die Unterkünfte ihre Attraktivität und der Tourismus ging stark zurück.[23]

In den Nachkriegsjahrzehnten war die Ansiedlung von Mittel- und Grossbetrieben in Gais eine Herausforderung, da die Gemeinde im Ruf einer Schlafgemeinde und einer vorsichtigen Wirtschaftspolitik stand. Dies wiederum führte zu einer höheren Lebensqualität im Dorf.[24]

Heute sind über 130 verschiedene Gewerbe in Gais eingetragen. Darunter sind Unternehmen wie die Klinik Gais AG und holzverarbeitende Unternehmen.[25] Die Klinik Gais AG, in den späten 1950er-Jahren gegründet, ist auch heute noch der grösste Arbeitgeber in der Gemeinde.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Koller ist der aktuelle Gemeindepräsident (Stand Juli 2022). Gais verfügt über einen siebenköpfigen Gemeinderat, der unter der Leitung des Gemeindepräsidenten steht. Der Rat wird für eine vierjährige Amtszeit von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern im Majorzverfahren bestimmt. Der Gemeinderat ist ein politisches Organ der Exekutive und kümmert sich im Rahmen seiner Kompetenzen um die laufenden Geschäfte der Gemeinde. Es gibt auf Gemeindeebene keine begrenzte Anzahl Amtszeiten. Folgende Personen bilden den Gemeinderat Gais für die Amtszeit 2019–2023 (Stand Juli 2022):[26]

  • Ernst Koller, Gemeindepräsident
  • Beat Signer, Gemeinderat
  • Markus Keiser, Gemeinderat
  • Katja Pantaleo-Palancon, Gemeinderätin
  • Doris Oetiker, Gemeinderätin
  • Dylan McGhee, Gemeinderat
  • Andrea Keiser, Gemeinderätin

Aufgrund der Einwohnerzahl hat Gais im Kantonsrat in Herisau, der Legislative des Kantons, vier Sitze. Die Personen werden im Majorzverfahren von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Die Kantonsrätinnen und Kantonsräte vertreten die Interessen der Gemeinde auf kantonaler Ebene. Folgende Personen vertreten aktuell Gais im Kantonsrat (Stand Juli 2022):[27]

  • Jaap van Dam, Kantonsrat, parteilos (Fraktion SP)
  • Mathias Tischhauser, Kantonsrat, FDP
  • Astride Bischof, Kantonsrätin, FDP
  • Ernst Zingg, Kantonsrat, parteilos

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde nicht in öffentlichen Schulhäusern, sondern in Schulstuben unterrichtet. Diese waren oft in den Wohnungen der Lehrer eingerichtet. Die Lehrer brauchten bis 1801 keine pädagogische Ausbildung. Der wöchentliche Schullohn wurde von den Eltern der Schüler bezahlt und durfte nicht über drei Batzen betragen. Ab 1650 wurde angeordnet, dass die Schule auch während des Sommers stattfinden solle. 1777 wurde in Gais eine Freischule eingerichtet. Durch diese Schule war es auch ärmeren Kindern möglich, Bildung zu erhalten. Die obligatorische Schulzeit betrug zu Beginn sieben Jahre. 1910 wurde ein achtes Schuljahr Pflicht. Nach Vereinbarung mit dem Gemeinderat Bühler konnten die Lernenden ab 1983 von der ersten bis zur sechsten Klasse die Schule in Bühler besuchen, da es in Gais zu wenig Platz für die Schüler hatte.[28]

Eine wichtige Episode der Bildungsgeschichte von Gais war der Betrieb der Vor- und Fortbildungsanstalt für Lehrer auf der Riesern, die der Pädagoge Hermann Krüsi, Bürger von Gais und ehemaliger enger Mitarbeiter von Johann Heinrich Pestalozzi, 1833 ins Leben rief. Dieses erste und einzige Lehrerseminar in Appenzell Ausserrhoden, zusammen mit einer privaten Knabenanstalt und einem Institut für Mädchen am selben Ort, leitete Krüsi bis zu seinem Tod 1844.[29]

Heute gibt es in Gais Kindergärten, eine Primarschule und eine Sekundarschule. Das Oberstufenzentrum teilt sich Gais mit der Nachbargemeinde Bühler. Die dritte Oberstufe wird in Bühler besucht. Die einzige weiterführende Schule des Kantons Appenzell Ausserrhoden (Sekundarstufe II) ist die Kantonsschule Trogen.

Kunst und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1885 fand in Gais das erste Mal die Viehschau statt. Dabei präsentieren die Bauern aus der Gemeinde ihre Kühe, unter denen die schönste gekürt wurde. 1904 fand in Gais die zweite Viehschau statt. Mit seltenen Ausnahmen findet die beliebte Veranstaltung auch heute noch jedes Jahr im Herbst statt.[30]

Zu den bedeutendsten klassischen Appenzeller Bauernmalern gehörte der 1845 in Gais geborene Johann Ulrich Knechtli. 1880 begann er zu malen. Knechtli wurde berühmt für seine heiteren Sennenszenen, und seine Tafelbilder waren von grosser Ausdruckskraft. Beinahe in jedem seiner Bilder sind in Bächen auslaufende Schneebänder zu erkennen.[31]

Lilly Langenegger-Eisold wurde 1944 in Zürich geboren und arbeitete im Kindererholungsheim in Gais. Ab 1969 widmete sie sich dem Malen. Sie arbeitet in den Bereichen der Bauernmalerei und der Radierung. Langenegger-Eisold illustrierte die Kinderbücher Flöckli, das Geisslein und Bläss und Zita, die heute noch bekannt sind.[32]

2021 entstand aus der Grafiksammlung Gais ein modernes Museum. In der Ausstellung sind verschiedenste Ortsansichten der Gemeinde zu betrachten. Ebenfalls sind die berühmten Federzeichnungen von Johann Ulrich Fitzi ausgestellt. Er zeichnete insgesamt sieben verschiedene Ansichten der Gaiser Umgebung. Als Höhepunkt der Ausstellung gilt ein Buffet aus Nussbaumholz.[33]

In Gais gab es mehrere Chöre. 1857 wurde der spätere Männerchor im Gasthaus «Traube» gegründet. In den 1860er-Jahren wurde der Frauenchor ins Leben gerufen, früher wurde dieser auch «Töchterchor» genannt. 1911 vereinigten sich die beiden Chöre und es entstand der «Gemischte Chor Gais». Dieser trägt heute (Stand 2022) den Namen «Chor Gais» und zählt 45 aktive Mitglieder.[34]

1890 wurde in der Gemeinde die «Musikgesellschaft Gais» gegründet. Ein erstes grösseres Problem war die Anschaffung der Instrumente, das aber durch die grosszügige Unterstützung der Bevölkerung behoben werden konnte. Durch den damaligen Dirigenten Markus Schai wurde die Gesellschaft 1964 in eine Brass Band umfunktioniert.[35]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Erstgründung 1855 des Turnvereins Gais erfolgte fünf Jahre später dessen Auflösung. 1881 erfolgte die zweite Gründung. 1913 etablierte sich der Frauenturnverein. Heute stellt der Turnverein elf verschiedene Riegen, darunter Geräteturnen und Unihockey.

Der Schwingclub Gais wurde 1946 gegründet und zählt ungefähr 50 Schwinger. Der Schwingclub Gais organisiert jährlich den Lichtmess-Schwinget und ist an diversen Dorf-Aktivitäten präsent.[36]

1990 kam die Idee eines Schwimmclubs auf. Der Gaiser Schwimmclub bietet eine Schwimmschule, «Schwimmen für alle» und eine Sportgruppe an. Letztere trainiert während vier Einheiten und bereitet sich auf nationale und internationale Wettkämpfe vor.

Die Gemeinde Gais bietet die Möglichkeit des Langlaufs. Auf mehreren Loipen kann während der Wintermonate trainiert werden, auch nachts.[37]

Institutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schildwirtschaft «Ochsen» (heute Restaurant «Falken»), die sich am Dorfplatz befindet, wurden die Molkenkuren eingeführt. Später wurde sie zum Kurhaus umfunktioniert. Bis 1814 war der «Ochsen» die einzige Kuranstalt in Gais. 1901 wurde der Betrieb mangels Gäste geschlossen.[38]

Als erste der Schweiz wurde 1958 die medizinische Rehabilitationsklinik in Gais eröffnet.[9] Sie behandelt Patienten, die an Herz-Kreislaufproblemen, an psychosomatischen und internistischen Problemen oder an Krebserkrankungen leiden und will den Patienten helfen, in ihre eigenen Umfelder zurückzufinden.[39] Das hauseigene Hallenbad ist öffentlich zugänglich und auch Kulturveranstaltungen finden des Öfteren statt.[40]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Dorfanlage mit den traditionellen Holzhäusern mit geschweiften Giebeln und einigen repräsentativen Steinbauten entstand hauptsächlich nach dem Brand von 1780. Die Häuser um den Dorfplatz und an der Webergasse bis zur Schwantleren im Nordosten bilden den Kern des Orts.
  • Die reformierte Kirche wurde 1781 bis 1782 von Hans Ulrich Haltiner erbaut. Im Innern finden sich Rokoko-Stuckaturen von 1782 aus dem Umkreis von Andreas und Peter Anton Mosbrugger.
  • Das Haus zum Ochsen am Dorfplatz hat an der Rückseite einen Haubenturm. Es wurde 1796 von Konrad Langenegger als Kurhaus des alten «Ochsen» erbaut.
  • In der nördlichen Häuserreihe am Dorfplatz steht das 1781 erbaute Haus Eisenhut mit mehrfach geschweiftem Giebel.
  • Das 1783 für den damaligen Landeshauptmann Jakob Gruber gebaute freistehende Haus verbindet spätbarockes Stilgefühl mit der einheimischen Bauweise. Es weist ein Rokokoportal und einen über der Mittelachse hohen, doppelt geschweiften Quergiebel aus. Das Obergeschoss wird durch Kolossalpilaster gegliedert.
  • Die Schlachtkapelle am Stoss, östlich von Gais, wurde im 15. Jahrhundert zur Erinnerung an den 1405 errungenen Sieg der Appenzeller über ein österreichisches Heer (Schlacht am Stoss) erbaut und 1955 von Johann Hugentobler umgestaltet.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle zwei Jahre findet in Gais der Abschlussappell der Militärübung Blue Flag – Fo(u)r Peace Central Europe statt, zuletzt im Juli 2019.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Albasini (* 1980), Radrennfahrer, lebt in Gais
  • Heinrich Altherr (1909–1993), Mundartschriftsteller
  • Bartholomäus Anhorn der Ältere (1566–1642), evangelisch-reformierter Pfarrer und Historiker in Graubünden und Appenzell, gestorben in Gais
  • Hans Buschor (1933–2017), katholischer Priester, 1972–1994 Pfarrer in Gais
  • Sandra Graf (* 1969), Leichtathletin, lebt in Gais
  • Johannes Gruber (1640–1710), Textilunternehmer, Regierungsmitglied und Landammann, geboren in Gais
  • Jakob Gruber (1676–1750), Landwirt, Regierungsmitglied, Tagsatzungsgesandter und Landammann, geboren in Gais
  • Johann Ulrich Grunholzer (1810–1880), Gemeindeschreiber, Landschreiber und Politiker, geboren in Gais
  • Samuel Heim (1764–1860), Unternehmer, geboren in Gais
  • Johann Heinrich Heim (1802–1876), Nationalrat und Regierungsrat, geboren in Gais
  • Heinrich Jakob Heim (1828–1892), Pfarrer, geboren in Gais
  • Stefan Höhener (* 1980), ehemaliger Rennrodler, geboren in Gais
  • Johannes Hofstetter-Meier (1838–1902), Textilunternehmer, Kantonsrat und Regierungsrat, geboren in Gais
  • Albert von Keller (1844–1920), Maler, geboren in Gais
  • Johann Ulrich Knechtli (1845–1923), Appenzeller Bauernmaler, geboren in Gais
  • Louis Kürsteiner (1862–1922), Bauingenieur, geboren in Gais
  • Lilly Langenegger-Eisold (* 1944), Malerin, lebt in Gais
  • Albert Oehlen (* 1954), zeitgenössischer Künstler, lebt in Gais
  • Johannes Rechsteiner (1618–1665), Gemeindepräsident, Landammann und Tagsatzungsgesandter
  • Eduard Schweingruber (1899–1975), reformierter Theologe, bis 1941 Leiter des Kurhauses «Kardia» in Gais
  • Nicolas Senn (* 1989), Hackbrettspieler, Moderator, lebt in Gais
  • Emil Walser (1909–1972), Volksmusikant und Komponist, geboren in Gais
  • Lorenz Wetter (1654–1734), Kaufmann, Landesseckelmeister, Landesstatthalter, Landammann und Tagsatzungsgesandter, geboren in Gais
  • Johann Konrad Zuberbühler (1787–1858), Pädagoge, Ratsherr, Gemeindepräsident, Landrat und Schulinspektor, geboren in Gais

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Werder: Zur Aktualdynamik der Kulturlandschaft des Appenzeller Mittellandes. 1984.
  • Karl Rechsteiner, Achilles Weishaupt: Geschichte der Gemeinde Gais. 2002.
  • Eugen Steinmann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Band 2: Der Bezirk Mittelland (= [Die Kunstdenkmäler der Schweiz], Band 97). Birkhäuser Verlag, Basel 1980, ISBN 3-7643-1174-6. S. 288–359. Digitalisat.
  • Eugen Steinmann: Gais (= Schweizerische Kunstführer, Nr. 213). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1977, ISBN 978-3-85782-213-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS – generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Der Kanton in Zahlen. (Broschüre)
  6. Appenzeller Kalender. Abgerufen am 3. August 2022.
  7. Ortsnamen. Abgerufen am 3. August 2022.
  8. Thomas Fuchs: Gais. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  9. a b c d e f g h i j k Thomas Fuchs: Gais. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  10. Eugen Steinmann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Schweiz. 1. Auflage. Band 70, Nr. 2. Birkhäuser Verlag, Basel 1980, ISBN 3-7643-1174-6, S. 288–301.
  11. Leben in Gais. Abgerufen am 3. August 2022.
  12. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. Hrsg.: Gemeinde Gais. 2002, S. 27 f.
  13. a b Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. Hrsg.: Gemeinde Gais. H. Kern, Gais 2002, ISBN 3-9522543-0-4, S. 63.
  14. Appenzeller Kalender. Abgerufen am 3. August 2022.
  15. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 85–88.
  16. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 226–230.
  17. Katholische Kirche Gais. Abgerufen am 3. August 2022.
  18. Heimatschutz=Patrimoine. Abgerufen am 3. August 2022.
  19. Appenzeller Zeitung, Gemeinde Gais, 29. Januar 2011, S. 49.
  20. 750 Jahre Gais. Abgerufen am 3. August 2022.
  21. Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden (CSV-Datensatz) (CSV) In: Bundesamt für Statistik. Bundesamt für Statistik. 2019. Abgerufen am 7. Juli 2022.
  22. 1876, das Jahr der ersten Ferienkolonie. Abgerufen am 3. August 2022.
  23. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 233.
  24. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 198.
  25. Gewerbe. Abgerufen am 3. August 2022.
  26. Gemeinderat. Abgerufen am 19. Juli 2022.
  27. Kantonsrat Mitglieder. Abgerufen am 3. August 2022.
  28. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Die Geschichte der Gemeinde Gais. S. 342.
  29. Krüsi : Direktor des appenzellischen Lehrerseminars in Gais. Abgerufen am 3. August 2022.
  30. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 273.
  31. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 289.
  32. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 291.
  33. Museum Gais. Abgerufen am 2. August 2022.
  34. Chor Gais. Abgerufen am 2. August 2022.
  35. Musikgesellschaft Gais. Abgerufen am 2. August 2022.
  36. AKSV. Abgerufen am 2. August 2022.
  37. Langlaufzentrum Gais. Abgerufen am 2. August 2022.
  38. Achilles Weishaupt, Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Gais. S. 226–230.
  39. Medizinische Fachbereiche. Abgerufen am 2. August 2022.
  40. Appenzeller Zeitung, Gemeinde Gais, 29. Januar 2011, S. 49.