Arvato Infoscore

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arvato infoscore GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 2005
Sitz Baden-Baden, Baden-Württemberg
DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Michael Weinreich (Vorsitzender der Geschäftsführung)
Mitarbeiter ~ 2200 (2013)[1]
Branche Kreditwirtschaft
Website www.arvato-infoscore.de

Die arvato infoscore GmbH ist ein Unternehmen mit Hauptsitz in Baden-Baden, das Inkassodienstleistungen, Forderungsmanagement und die Dienste einer Wirtschaftsauskunftei sowie die eines Direktmarketingunternehmens zusammenführt. Sie ist ein Tochterunternehmen der arvato AG.

Das Unternehmen entstand 2005 aus dem Zusammenschluss der Unternehmen AZ Direct und BFS finance mit der InFoScore-Gruppe. Die dem Bertelsmann-Konzern zugehörige Unternehmensgruppe[2] beschäftigte im Jahr 2013 rund 2200 Mitarbeiter in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn.

Durch die Zugehörigkeit zur arvato AG sieht sich die arvato infoscore in der Lage, in 22 Ländern ein effektives und effizientes Kundenbeziehungs- und Forderungsmanagement zu bieten. Konkret bedeutet dies, dass sie mit anderen Unternehmen der Arvato AG zusammenarbeitet und Daten für Scoring- und Direktmarketingdienstleistungen auch aus den Kundenbindungsprogrammen DeutschlandCard oder Webmiles bezieht. Nach eigenen Angaben verwaltet Infoscore Daten von rund 7,8 Millionen Verbrauchern, bei denen ein Risiko besteht.[3]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finance & Accounting, Billing & Payment, Utilities[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Risk Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • infoscore Consumer Data GmbH (DE)
  • informa Solutions GmbH (DE)
  • informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH (DE)
  • Riser ID Services GmbH

Collection[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • infoscore Forderungs-management GmbH (DE)
  • Nürnberger Inkasso GmbH (DE)
  • infoscore Finance GmbH (DE)
  • infoscore Business Support GmbH (DE)
  • BFS risk & collection GmbH (DE)
  • infoscore Inkasso AG (CH)
  • infoscore austria GmbH (AT)
  • Creditexpress Magyarország Kft. (HU)
  • Creditexpress Factoring Zrt. (HU)

Tätigkeitsschwerpunkte und Geschäftspraktiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter arvato infoscore sind ein Teil der Unternehmen der Arvato zusammengefasst, die sich mit den Bereichen Forderungszession, Inkasso, Kreditscoring und Direktmarketing beschäftigen. arvato infoscore bietet damit alle Dienstleistungen „rund um den Zahlungsfluss“ – von der Risikoprüfung über die Entstehung einer Forderung, die Rechnungsstellung und -abwicklung inklusive der Forderungsabsicherung und Vorfinanzierung bis hin zur Buchung der Zahlung oder der weiteren Beitreibung der Forderung.[4]

Ende 2011 hat Arvato Infoscore die Riser ID Services GmbH übernommen. Über diese sichert sich Arvato den Zugang zu nationalen und internationalen Einwohnermelderegistern. Gleichzeitig wird das Firmenportfolio mit einem Spezialisten in diesem Fachgebiet ergänzt. Arvato kann dadurch im Wettbewerb zum Beispiel mit der Firmengruppe von EOS und der Schufa bestehen. In diesem Zusammenhang sind die weiteren Entwicklungen im Gesetzgebungsprozeß zum Thema Meldegesetz für das Unternehmen von großer Bedeutung.

Über das Unternehmen informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH betreibt Arvato Infoscore das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS). In diese Datenbank melden die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) organisierten Versicherungsunternehmen Personen oder versicherte Sachen, die entweder aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen zu Risikogruppen zählen, einen auffälligen Versicherungsverlauf haben oder z.B. Lebensversicherungen abgeschlossen haben, die bestimmte Leistungshöhen überschreiten. Im Gegenzug fragen wiederum andere Versicherungen das HIS beim Abschluss neuer Versicherungen ab. Bei vorliegenden Einträgen entscheidet diese Versicherung dann, ob und unter welchen Bedingungen sie eine neue Police ausstellt.[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 geriet das Unternehmen Arvato Infoscore wegen zweifelhafter Auskünfte in Kritik. Der NDR berichtete von einem Fall, in dem eine Kölnerin in einem Onlineshop für 100 Euro einen Tontopf kaufen wollte. Der Versandhändler teilte ihr mit, dass man gerade an sie nur per Nachnahme oder Vorauskasse liefere und nicht auf Rechnung, wie an normale Kunden. Ihre Kreditwürdigkeit wurde als zu schlecht eingeschätzt. Der Versandhändler verließ sich auf die Bewertung der Infoscore Consumer Data GmbH (ICD). Diese musste zugeben, dass sie praktisch nichts über die Kundin außer Namen und Adresse wusste. Obwohl keine negativen Angaben vorlagen, bewertete ICD die Kundin aufgrund einer soziodemografischen Einschätzung mit der nahezu schlechtesten Note. Nach einem Prüfbericht des baden-württembergischen Landesdatenschutzbeauftragten wurden außerdem veraltete Daten benutzt.[6]

Im April 2013 geriet Arvato Infoscore neben anderen Auskunfteien abermals in Kritik, nachdem das WDR-Verbrauchermagazin „markt“ anhand von 80 Beispielen, die WDR-Zuschauer der Redaktion zu Verfügung gestellt hatten, häufig unvollständig und nicht nachvollziehbare Bonitätsauskünfte recherchierte. Weiterhin heißt es in dem Bericht: „Wie markt bei seinen Recherchen herausfand, häufen sich seit zwei Jahren die Beschwerden über die Bertelsmann-Tochter Arvato-Infoscore mit Sitz in Baden-Baden. Ihr werden ungenaue oder sogar falsche Bonitätsauskünfte vorgeworfen. Die Datenschutzbeauftragte mehrerer Bundesländer bestätigen die wachsende Kritik. In dem Beitrag schildert markt einen konkreten Fall aus NRW.“[7]

2015 wurde bekannt, dass im Portal für Mieterselbstauskünfte nur über die Angabe von Name, Adresse und Geburtsdatum einer Person Auskünfte erteilt werden. Infoscore gibt hier für ca. 20 Euro Auskunft über Schulden, Pfändungen und Ratenzahlungen – ohne weitere Überprüfung der Identität. Infoscore schrieb dazu, dass im Online-Portal darauf hingewiesen werde, dass unzulässige Auskunftsanfragen strafbar seien.[8]

2016 deckten SWR-Recherchen auf, dass die Deutsche Bahn Nachforderungen, die das Unternehmen an Fahrgäste hat, die ohne Fahrkarte unterwegs waren, ohne deren Wissen von Arvato Infoscore eintreiben ließ. Gleichzeitig verwendete Arvato Infoscore nach Presseberichten die Informationen zur vermeintlichen Schwarzfahrt offenbar auch, um die Kreditwürdigkeit der Personen in der Auskunftei zu senken. Auch sei die Kreditwürdigkeit einiger Kunden der Bahn dabei irrtümlich heruntergestuft worden.[9][10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. arvato infoscore GmbH: Daten und Fakten. Abgerufen am 17. Dezember 2013.
  2. news aktuell (auf presseportal.de): InFoScore-Gruppe und arvato-Töchter fusionieren. 17. Februar 2005, abgerufen am 17. Dezember 2013.
  3. ndr.de
  4. arvato infoscore GmbH: Über arvato Financial solutions. Abgerufen am 12. März 2016.
  5. GDV – Die Deutschen Versicherer: HIS Informationsbroschüre des GDV. Abgerufen am 17. Dezember 2013 (PDF).
  6. heise.de
  7. news aktuell (auf presseportal.de): Bonitätsauskünfte von Schufa & Co. oft unvollständig und nicht nachvollziehbar. 15. April 2013, abgerufen am 22. Dezember 2013.
  8. Peter Hornung: Datenleck bei Bertelsmann-Tochter Infoscore (Memento vom 25. März 2015 im Internet Archive), NDR Info, 24. März 2015, abgerufen am 10. Mai 2016
  9. Bahn gibt Kundendaten weiter, tagesschau.de, 10. Mai 2016, abgerufen am 10. Mai 2016.
  10. Zeit online: "Kundendaten der Bahn in fremden Händen", Zeit.de vom 10. Mai 2016, abgerufen am 10. Mai 2016.

Koordinaten: 48° 46′ 43″ N, 8° 12′ 57″ O