Autokraft

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Autokraft GmbH
Autokraft-Logo.svg
Basisinformationen
Unternehmenssitz Kiel
Webpräsenz http://www.bahn.de/autokraft
Bezugsjahr 2011
Eigentümer DB Regio AG (100 %)
Geschäftsführung Andree Bach (Sprecher), Tobias Krogmann, Daniel Marx, Tina Trautwein
Verkehrsverbund Schleswig-Holstein / (teilw. HVV)
Mitarbeiter ca. 740
Anzahl Fahrzeuge
Omnibusse 365 eigene und 455 angemietete Busse
Statistik
Fahrleistung 47,7 Mio. km
Haltestellen 6050
Einzugsgebiet 15.761 km²
Einwohner im
Einzugsgebiet
2,8 Mio.
Länge Liniennetz
Buslinien 19.900 km
Betriebseinrichtungen
Betriebshöfe 14 (Autokraft Flensburg: 5, Autokraft Kiel: 4, Autokraft Bad Oldesloe: 5)

Die Autokraft GmbH ist das größte Omnibus-Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein. Autokraft ist ein Tochterunternehmen der DB Regio und gehört innerhalb des DB-Konzerns zum Geschäftsfeld DB Bahn Regio. Die Autokraft betreibt den Regionalbusverkehr in Schleswig-Holstein sowie in einigen Städten auch ganz oder teilweise den ÖPNV.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Autokraft am 15. Juli 1945 vom aus Danzig geflüchteten Kurt Löwenthal in Kiel als Privatunternehmen (wieder)gegründet. Mit zwei Fahrzeugen und der Genehmigung der britischen Besatzungsmacht bediente er die Linie Kiel–Schilksee. Bereits 1945 konnten fünf weitere gebrauchte Busse organisiert und in der eigenen Werkstatt aufgearbeitet werden. Es kamen eigene Überlandlinien nach Ostholstein bis zur Fehmarnsundfähre hinzu, im Jahr 1946 zählte der Fahrzeugbestand der Autokraft GmbH zehn Busse und ein Busanhänger, es waren 30 Personen beschäftigt. Ende der 1940er Jahre konnten erste Neufahrzeuge (hauptsächlich Büssing) beschafft werden. Es gab Ausflugsfahrten zu den Badeorten an der Lübecker Bucht sowie nach Bad Harzburg, auf denen ein Bus mit Steward eingesetzt wurde, der Getränke reichte. Für Amerikaner wurden Europa-Rundreisen durchgeführt.

Im Jahr 1948 beteiligte sich die Autokraft GmbH mit 30 % an der ebenfalls von einem Flüchtling in Kiel gegründeten Verkehrs-Union GmbH, die Linienverkehr nach Flintbek und Schierensee sowie eine Fernlinie zur „Viermächte“-Stadt Berlin betrieb. Da die Konzessionen von Buslinien in Schleswig-Holstein bevorzugt an Privatunternehmen vergeben wurden, hatte die erst 1949 neu gegründete Deutsche Bundesbahn nur wenige davon. Diesen Mangel versuchte sie durch Kauf von diesen Privatunternehmen zu beheben. So übernahm sie 1951 die Autokraft GmbH, die Verkehrs-Union GmbH und die ebenfalls nach dem Krieg von einem Flüchtling gegründete Segeberger Verkehrsbetriebe GmbH (SVB), die als privatrechtlich geführte Tochterunternehmen weitergeführt wurden. Die Autokraft übernahm dabei die unternehmerische Führung. Die Lackierung der Busse änderte sich bei den beteiligten Betrieben in cremefarben mit zwei Grüntönen, das vorherige leuchtende Rot mit Beige verschwand.

Bereits 1952 übernahm die Autokraft die restlichen 70 % der Verkehrs-Union in Kiel. In der Von-der-Tann-Straße wurde ein neuer, größerer Betriebshof bezogen, der bis 1983 auch als Firmensitz dient. Die Rendsburger Omnibus Verkehrsgesellschaft mbH Auto Peifer (ROVG) wurde 1957 von Deutscher Bundesbahn und Deutscher Bundespost (DBP) übernommen. Sechs der Überlandlinien gingen an die DBP, den Rest betrieb die DB unter der Führung der Autokraft weiter. Zum 1. Januar 1960 wurde die Firma Langbehn in Timmendorfer Strand mit neun Bussen und 16 Beschäftigten und u. a. einer Linie nach Lübeck übernommen. Sie wurde in die Verkehrs-Union GmbH überführt, die zu diesem Zweck von der Autokraft reaktiviert wurde. Aufgrund der Geltendmachung der Namensrechte von einer anderen Firma wurde der Name in Ostsee Omnibus GmbH (OOG) geändert. In die OOG wurden auch der Bahnbusverkehr im Raum Lübeck und die Firma Guske in Bad Oldesloe. 1963 wurde die Kiel-Hamburger Autobus-Fernfahrt GmbH von der Bundesbahn erworben, die unternehmerische Führung wurde ebenfalls der Autokraft übergeben. 1965 wurden die bisher unter eigenem Namen aufgetretenen Tochterunternehmen Kiel-Hamburger Autobus-Fernfahrt GmbH, Ostsee Omnibus GmbH (OOG), Rendsburger Omnibus Verkehrsgesellschaft mbH (ROVG) und Segeberger Verkehrsbetrieb GmbH (SVB) in die Autokraft integriert. 1970 hatte die Autokraft rund 300 Beschäftigte, 110 Busse wurden auf 64 Linien eingesetzt. Anfang der 1970er Jahre entstand durch die Neuordnung des Schulsystems mit der Auflösung der weiterführenden Schulen in den kleinen Orten größerer Bedarf an Schulverkehren.

Linienbus der AK Husum
Logo der Autokraft in den 2000er Jahren
Setra-Gelenkbus der AK in Bad Segeberg

Mitte der 1970er Jahre beschloss die Bundesregierung, die Buslinien der Deutschen Bundespost und der Deutschen Bundesbahn in privatrechtlich geführte regionale Verkehrsgesellschaften zu überführen. Hierfür wurden zunächst einige Modellregionen ausgewählt, in denen die Regionalisierung getestet werden sollte. Im Rahmen dieses Modellversuches übernahm die Autokraft am 1. Januar 1976 den landesweiten Postreisedienst der Deutschen Bundespost in Schleswig-Holstein (OPD Kiel). Durch die Übernahme des Bundespost-Personals gab es Schwierigkeiten mit dem Dienstrecht zu bewältigen. Durch die Übernahme kamen 94 Postbusse zur Autokraft, die Wagennummern der 400er Gruppe bekamen und teilweise auf die Autokraft-Farben umlackiert wurden. 1978 bekam die Autokraft eine neue Muttergesellschaft, die Vereinigte Bundesverkehrsbetriebe GmbH (VBG), die zu 52,85 % von der Deutschen Bundesbahn und zu 47,15 % von der Deutschen Bundespost gehalten wurde.

Am 1. April 1982 übernahm die Autokraft auch den Postbus-Stützpunkt Hamburg-Bergedorf mit seinen neun Postbussen und sieben Regionalbuslinien zum Kreis Herzogtum Lauenburg. Am 1. November 1982 wurden schließlich die letzten vier Bahnbuslinien in Schleswig-Holstein, die bisher von der Bahnbus-Verkehrsstelle Hamburg Hbf geleistet wurden, an die Autokraft übergeben. Dadurch wurde die Autokraft das landesweit größte Omnibusunternehmen. Am 10. September 1983 wurde in Kiel-Wellsee ein neuer Betriebshof für die im Kieler Raum eingesetzten Busse mit Zentralwerkstatt eingeweiht.

Im Rahmen der Bahnreform wurde zum 1. Januar 1996 die DB ZugBus Schleswig-Holstein gegründet, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG. Zu ihr gehörten die Autokraft (Bus) und die Regionalbahn Schleswig-Holstein (Zug). Diese Organisationsform wurde mittlerweile aufgegeben, womit die Autokraft zur DB Regio AG kam. Das Unternehmen war Mitglied im Verbund der Berlin Linien Bus.

Der Touristik-Reiseverkehr wurde am 1. April 2001 an die Firma Minicar in Kiel verkauft, die weiterhin mit der Autokraft zusammenarbeitete.

Aktuelles Liniennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Setra-Bus im Zentralen Omnibusbahnhof in Hamburg auf dem Weg nach Berlin im Auftrag der Autokraft GmbH
Schnellbus Niebüll–Flensburg

Die Autokraft betreibt überwiegend Linienverkehr in vielen Kreisen von Schleswig-Holstein. Daneben betreibt sie die meisten Regionalbuslinienverbindungen zwischen den Mittel- und Oberzentren Schleswig-Holsteins und teilweise auch nach Dänemark sowie diverse Leistungen im Stadtverkehr. Darüber hinaus betreibt die Autokraft die Flughafenzubringer-Buslinie Kielius und eine Linie von Flensburg zum Flughafen Hamburg. Eine weitere Flughafenzubringer-Buslinie zum Flughafen Lübeck-Blankensee (Traveliner) wurde am 28. Februar 2013 nach Einstellung des Passagierflugverkehrs dort eingestellt. Autokraft war darüber hinaus auch im Netz des Berlin Linien Bus bis zur Auflösung tätig.

Der überwiegende Teil der Betriebsleistung wird durch eigene Fahrzeuge erbracht. Der Betrieb wird von mehreren Niederlassungen und Standorten aus organisiert. Einen Teil der Betriebsleistung erbringen Subunternehmer mit Auftragsleistungen für die Autokraft.

Liniennummernschema[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die erste Stelle der vierstelligen Liniennummern im Regional- oder Kleinstadtverkehr lässt sich die Linie einem Kreis zuordnen. Dieses Schema lässt sich auch auf Linien anwenden, die nicht von der Autokraft bedient werden (z. B. Stadtverkehre in Klein- und Mittelstädten wie Elmshorn, Schleswig, Ratzeburg oder Niebüll).

Ein- bis dreistellige Liniennummern finden sich vor allem im Orts- oder Stadtverkehr der kreisfreien Städte oder angrenzenden Gemeinden (z. B. Linien 4 und 7 im Ortsverkehr Flintbek) und werden teilweise gemeinschaftlich mit dem lokalen Verkehrsbetrieb bedient (z. B. Linien 501/502 Flintbek–Kiel–Strande mit der KVG Kiel).

Schnellbuslinien der Autokraft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Niebüll – Flensburg
(erste Schnellbuslinie in Schleswig-Holstein, verkehrt seit dem 1. September 2000)
  • Bad Segeberg – Lübeck
(verkehrt seit dem 4. November 2002, die Busse sind seit April 2014 mit kostenlosem WLAN ausgerüstet[1].)
  • Rendsburg – Eckernförde
(verkehrt seit dem 12. Dezember 2003)
  • Husum – Flensburg – Sonderburg (DK)
(im Rahmen des INTERREG-IIIA-Projektes „Weiterentwicklung des grenzüberschreitenden ÖPNV – Projekt Grenztrafik“ entwickelt, verkehrt seit dem 21. Juni 2004)
  • Flensburg – Kappeln
(verkehrt seit dem 6. Dezember 2005)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sechzig Jahre Autokraft · Seit 1945. Chronik 60 Jahre Autokraft, Verlag Dieter Hanke, Bonn 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Autokraft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Schnellbus kostenlos im Internet surfen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Basses Blatt. 16. April 2014, S. 3, ehemals im Original; abgerufen am 21. Mai 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/www.swiflet.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.

Koordinaten: 54° 18′ 27″ N, 10° 7′ 23″ O