Sylt-Shuttle

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Sylt-Shuttle Richtung Westerland am Ende des Hindenburgdamms in Morsum/Sylt
Ein Sylt-Shuttle durchfährt den Bahnhof Morsum

Sylt-Shuttle, auch als DB Autozug SyltShuttle bekannt, ist ein Autotransportzugangebot im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Die Züge verkehren zwischen Niebüll und Westerland auf der Insel Sylt. Anders als beim Autoreisezug wird nur eine kurze Entfernung von 39 km zurückgelegt. Die Fahrt mit dem Sylt Shuttle ist der einzige Weg, um mit Kraftfahrzeugen vom deutschen Festland aus nach Sylt zu gelangen. Betreiber ist derzeit die DB Fernverkehr AG. Zukünftig will die Railroad Development Corporation mit ihrer Tochter RDC Deutschland unter der Marke Autozug Sylt als zweiter Autotransportanbieter in den Markt eintreten.

Anlagen und Fahrzeuge[Bearbeiten]

Ein Blick über den Autozug während der Fahrt
Werkstatt des Sylt-Shuttle in Niebüll

Da es keine öffentlich befahrbare Straße vom Festland nach Sylt gibt, befördern Züge die Fahrzeuge auf dem letzten Abschnitt der Marschbahn von Niebüll über den Hindenburgdamm nach Westerland. Dieser Abschnitt ist 39 Kilometer lang. Die Fahrzeit beträgt inklusive Ver- und Entladung etwa 45 Minuten. Alternative zum Fahrzeugtransport zu und von der Insel Sylt ist die Fährverbindung zwischen List auf Sylt und der dänischen Insel Rømø mit dem Fährschiff der Rømø-Sylt-Linie.

DB Autozug SyltShuttle[Bearbeiten]

Verladen werden die Fahrzeuge auf eigens dafür konstruierten Autotransportwagen (sogenannte „Westerland-Einheiten“). PKW dürfen unten bis 1,65 m Höhe, oben bis 2,70 m aufweisen.[1] Während für den PKW-Transport Doppelstockwagen eingesetzt werden, werden LKW, Busse sowie PKW mit Dachaufbauten und einer Gesamthöhe über 2,70 m[2] auf Flachwagen verladen. Die maximale Höhe über alles beträgt 4,05 m.[3] Während der Überfahrt bleiben die Fahrer und Insassen in den Fahrzeugen sitzen.

Für den Transport von Motorrädern und Motorradfahrern entstanden im Jahr 2001 im Ausbesserungswerk Neumünster fünf spezielle Motorradwagen des Typs Bomd 277. Diese Spezialwagen wurden aus ehemaligen Halbgepäckwagen der Bauart BDms 276 umgebaut und bieten Platz für 32 Sitzplatzreisende und acht Motorräder. Seit dem Fahrplan 2016 werden die Motorradwagen nicht mehr eingesetzt. Stattdessen werden Motorräder auf den Flachwagen transportiert, die Fahrer werden in einem Sprinter befördert.

In der Regel werden die Autozüge von Lokomotiven der DB-Baureihe 218 gezogen, oft wegen starker Winde und des hohen Luftwiderstandes der Autozugwagen mit zwei Maschinen. Zwischen 2003 und 2008 wurden auch Lokomotiven der Baureihe 215.9 eingesetzt. Diese Baureihe entstand 2003 und 2004 im Ausbesserungswerk Bremen-Sebaldsbrück durch Umbauten aus der BR 215.[4] Die Doppeltraktionen der Loks der Baureihe 218 sollten ab Ende 2015 durch jeweils eine neue Lok der Baureihe 245 abgelöst werden, derzeit sind aber erst 2 Lokomotiven vor Ort.[5][6]

Der Betrieb unterhält seine Autotransportwagen, die „Westerland-Einheiten“ und Flachwagen sowie die Diesellokomotiven der Baureihe 218 in einer am Bahnhof Niebüll errichteten Werkstatt. Das ehemalige Unterhaltungswerk in Husum war an die Nord-Ostsee-Bahn übertragen worden.

RDC Autozug Sylt[Bearbeiten]

Logo RDC Autozug Sylt

Bisher ist nur bekannt, dass die RDC mit Flachwagen der Bauart Res und Sps starten will. Neue Doppelstockwagen sind geplant, werden aber erst 2017 verfügbar sein.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Kraftfahrzeuge nach Sylt zunächst über Kopframpen, die ursprünglich der Viehverladung dienten, auf Flachwagen verladen. Schon 1950 wurden 20.000 Fahrzeuge über den Hindenburgdamm befördert. Nun ergaben sich jährlich steigende Beförderungszahlen, so dass 1959 eine Ausweiche auf dem Damm gebaut werden musste, um auf der noch eingleisigen Verbindung Begegnungen zuzulassen. Im Jahr 1961 wurde das Kreuzungsgleis in Keitum ebenfalls auf seine heutige Länge von rund 630 m verlängert. Bald konnten die Kopframpen den Ansturm nicht mehr fassen und die Verladebahnhöfe in Niebüll und Westerland erhielten 1964 Doppelstockanlagen. Im Bw Husum wurden Doppelstockwagen Laees549[8] für die speziellen Verhältnisse des Hindenburgdamms umgerüstet und 1968 entstanden neue Verladeanlagen für diese zweistöckigen Züge. 1970 wurden 261.000, 1980 schon 533.000 und 1986 sogar 641.000 Fahrzeuge befördert. 1972 wurden weitere Kreuzungsgleise bei Emmelsbüll und Morsum gebaut.[9]

Eine neue Phase brachte in Niebüll eine neue Verladeanlage auf der Ostseite des Bahnhofs mit großem Stauraum und einer direkten Zufahrt von der Bundesstraße 5, die den Engpass am Bahnübergang in der Gather Landstraße vom Zufahrverkehr zur Autoverladung befreite. Weiterhin wurden jährlich, besonders zu Ostern, neue Rekorde in den Beförderungszahlen erreicht. Mit den Westerland-Einheiten wurden 1989 neu gebaute Züge mit Laaseks555-Wagen dazu beschafft. Ältere Wagen werden für Saisonverstärkungen immer noch unterhalten.

2003 scheiterten Pläne der Connex-Tochter Nord-Ostsee-Bahn, ebenfalls einen Shuttleverkehr einzurichten, nachdem DB Autozug keinen Zugang zu den Verladeterminals gewährte. Die für den Verkehr vorgesehenen Flachwagen wurden zurückgegeben.[10] Nachdem die DB auch für den Jahresfahrplan 2004 keine aus Sicht von Connex zumutbaren Trassen auf eine entsprechende Anmeldung zugeteilt habe, wandte sich Connex mit einer Beschwerde an das Eisenbahn-Bundesamt. Dieses untersagte der Deutschen Bahn im Oktober 2003, Großvaterrechte bei der Trassenkonstruktion auszuüben.[11] Am 21. Juni 2005 bestätigte das Verwaltungsgericht Köln in vier Eilverfahren die Auffassung der Deutschen Bahn bezüglich der Großvaterrechte sowie der Bevorzugung regelmäßiger Verkehre, wie beispielsweise Taktverkehren.[12]

Mitte Januar 2011 entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass DB Autozug Bedingungen veröffentlichen muss, unter denen andere Bahnunternehmen die Autoverladestationen mitnutzen können. Diese Auffassung hatten zuvor auch die Bundesnetzagentur und das Verwaltungsgericht Köln vertreten.[13] In letzter Instanz hat das Bundesverwaltungsgericht dies am 8. Januar 2015 bestätigt[14].

Ende September 2013 wurde DB AutoZug aufgelöst und auf deren Muttergesellschaft DB Fernverkehr verschmolzen. Seit dem firmiert der Sylt-Shuttle unter DB Fernverkehr AG - Inselverkehr Sylt.

Am 6. Oktober 2014 bewarb sich die Railroad Development Corporation Deutschland (RDCD), ein Tochterunternehmen der US-Eisenbahngesellschaft RDC, für die Übernahme der Verbindung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 mit fast 50 Prozent mehr Abfahrten.[15] Aufgrund einer Entscheidung der Bundesnetzagentur dürfen entgegen der ursprünglichen Absicht von RDC allerdings nur 11 Fahrten in einem festen Rahmenvertrag vergeben. Diesen gewann RDC Deutschland für den Zeitraum von Dezember 2015 bis Dezember 2025. Weitere Rahmenverträge wurden der DB Fernverkehr für den Intercity (6) und der nah.sh für den SPNV zugeschieden. Die übrigen Autozugtrassen werden jährlich neu vergeben.

Da nach vergaberechtlichen Kriterien Trassen mit höheren Entgelten und demzufolge längeren Strecken zu bevorzugen sind, meldete die DB Fernverkehr für den Jahresfahrplan 2016 vom bisherigen Endpunkt Niebüll bis nach Bredstedt und in Tagesrandlage bis Hamburg-Altona verlängerte Trassen an. Das Betriebskonzept des als „Sylt Shuttle plus“ vermarkteten Angebots sieht vor, einen Dieseltriebwagen der Baureihe 628 an das hintere Ende des Autozuges zu kuppeln. Der Autozug endet dabei weiterhin in Niebüll, während der Triebwagen bis Bredstedt und einmal täglich bis Hamburg-Altona (als Überführungsfahrt zum Bahnbetriebswerk Hamburg-Eidelstedt) verlängert wird.[16]

DB Netz sprach RDC Deutschland gegenüber dem Rahmenvertrag fünf weitere Trassen zu, rund 70 gingen an DB Fernverkehr.[17] Demzufolge wird es ab März 2016 zwei Betreiber geben, das Fahrtenangebot wird sich nahezu verdoppeln.[18]

Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • Im Jahr 1993 wurde ein Kleinlastwagen samt Anhänger von einem Flachwagen des Autozugs geweht. Die Insassen wurden dabei leicht verletzt.
  • Am 3. September 2009 kam es zu einem tödlichen Unfall auf dem Hindenburgdamm, als durch eine Windböe (acht bis neun Windstärken) ein mit Styropor beladener Lastwagen von einem Flachwagen des fahrenden Autozuges heruntergeweht wurde. Der Fahrer wurde herausgeschleudert und verstarb noch an der Unfallstelle.[19] Das Landgericht Flensburg verurteilte einen Zugbegleiter der Bahn zu einer Geldstrafe in Höhe von 3750 Euro. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Zugführer für den Unfall verantwortlich war, weil er den Lastwagen nicht vorschriftsmäßig verzurrt hatte. Bereits vor dem Unfall im September 2009 kam es zu einer Diskussion über die Sicherheit auf dem Hindenburgdamm. Eine Arbeitsgruppe wurde eingesetzt, um ein neues Notfall-Konzept zu erarbeiten. Dieses Notfall-Konzept wurde im Dezember 2011 vom Kreis Nordfriesland vorgestellt.[20]
  • Am 15. Juli 2012 stürzte ein zweijähriger Junge aus einem auf einem Flachwagen des Autozuges stehenden Wohnmobil und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.[21] Vor diesem Hintergrund entflammte erneut die Diskussion über die Sicherheit der eingesetzten Autotransportwagen. Am 4. Februar 2013 gab die Bundespolizei der Deutschen Bahn die Empfehlung, im Autoreisezug Anschnallpflicht einzuführen.[22]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Autozug Sylt – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.syltshuttle.de/syltshuttle-de/anreise/pkw.html
  2. http://www.syltshuttle.de/file/2306068/data/sylt_shuttle_tarif2015.pdf
  3. https://www.syltshuttle.de/syltshuttle-de/anreise/lkw/ueberfahrt.html
  4. Eisenbahn-Kurier (Hrsg.): Baureihe 225
    Eisenbahn-Kurier (Hrsg.): Baureihe 215 – Unterbaureihe 215.9.
    Arbeitsgemeinschaft Drehscheibe e. V. (Hrsg.): Drehscheibe. Heft 211 November 2008. Köln 4. Oktober 2008, ISSN 0934-2230, S. 32.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDeutsche Bahn: Traxx ME für Sylt-Shuttle bestellt. In: eurailpress.de. 10. Juni 2014, abgerufen am 29. November 2015.
  6. Deutsche Bahn bestellt sieben TRAXX Mehrmotoren-Diesellokomotiven für den Sylt-Shuttle. Archiviert vom Original am 14. Juli 2014, abgerufen am 29. November 2015 (Pressemitteilung).
  7. Michael Stitz: „Eisenbahn ist immer Teamarbeit“. In: Sylter Rundschau. 12. Mai 2015, abgerufen am 29. November 2015.
  8. http://www.maerklinist.de/pages/original/hindenburgdamm/hindenburgdamm.htm
  9. Hans Bock: Die Marschbahn. Verlag Boyens & Co., Heide 1989, ISBN 3-8042-0458-9.
  10. Meldung Kein Connex-Sylt-Shuttle. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2003, ISSN 1421-2811, S. 297.
  11. Meldung EBA beanstandet Trassenvergabe. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2003, ISSN 1421-2811, S. 528.
  12. Meldung DB AG gewinnt Prozess zur Trassenvergabe. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2005, S. 360.
  13. Bahn-Monopol nach Sylt fällt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 11, 14. Januar 2011, S. 18.
  14. BVerwG 6 B 35.14. Bundesverwaltungsgericht, 8. Januar 2015, abgerufen am 29. November 2015.
  15. Pierre Boom: Syltshuttle: Neuer Betreiber bringt sich ins Spiel. In: Sylter Rundschau. 29. November 2015, abgerufen am 9. Oktober 2014.
  16.  Baureihe 628: Das Blechspielzeug als Schimmelreiter. In: Drehscheibe. Nr. 265, August 2015, S. 26.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFriederike Reußner: Sylt-Shuttle: Sieg für die Deutsche Bahn. In: Sylter Rundschau. 10. Juli 2015, abgerufen am 13. Juli 2015.
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPierre Boom: Syltshuttle-Konflikt verzögert Bahnfahrplan. 20. August 2015, abgerufen am 29. November 2015.
  19. Sylt: Lastwagen vom Autozug geweht. sh:z, 4. September 2009, abgerufen am 29. November 2015.
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNeues Einsatzkonzept für den Hindenburgdamm. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 13. Dezember 2011, abgerufen am 29. November 2015.
  21. Stephanie Lamprecht: Schwerer Unfall Junge (2) stürzt aus Sylt-Shuttle - Vater springt hinterher. In: Hamburger Morgenpost. 15. Juli 2012, abgerufen am 29. November 2015.
  22. Günter Schellhase: Sylt-Shuttle: Jeder soll sich anschnallen. In: Kieler Nachrichten. 4. Februar 2013, abgerufen am 29. November 2015.