Railroad Development Corporation

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Die Railroad Development Corporation (RDC) ist ein US-amerikanisches Unternehmen zum Betrieb von Eisenbahnen weltweit. Sitz des Unternehmens ist Pittsburgh. Zu den Geschäftsfeldern gehört auch die Unterstützung bei der Privatisierung staatlicher Bahngesellschaften, indem das Unternehmen als Investor auftritt und später den Betrieb sicherstellt.

Die Gesellschaft entstand 1990, um die angeschlagene Pittsburgh and Lake Erie Railroad zu retten. Zu diesem Zweck übernahm sie diese Gesellschaft. Der Rettungsversuch wurde jedoch vom Management der P&LE zunichtegemacht und die RDC stand als Eisenbahngesellschaft ohne Eisenbahn da. 1991 suchten Versender in Iowa einen neuen Betreiber für die Iowa Interstate Railroad. Die RDC stieg ein und hat mittlerweile ihren anfänglichen 20-%-Anteil auf 100 % aufgestockt.

Als in den 1990er Jahren viele Staaten in Zentral- und Mittelamerika begannen, ihre Eisenbahnen zu privatisieren, stieg die Gesellschaft in diesen Geschäftsbereich ein und betrieb 2006 acht Eisenbahnen in Amerika, Afrika und Europa. Im Jahr 2014 waren es noch fünf Unternehmen, die ein Streckennetz von über 2.100 Kilometer bedienten.[1]

2006 erregte die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten Aufsehen, als sie zwei chinesische Dampflokomotiven der Klasse QJ importierte. Die Loks sollten zukünftig vor Touristenzügen eingesetzt werden.

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Railroad Development Corporation betreibt beziehungsweise betrieb folgende Eisenbahngesellschaften:[1]

Nord- und Südamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolumbien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferrocarril del Pacífico (FDP)

Nördlich von Cali wird von Palmira nach Buenaventura am Pazifik seit 2012 eine fast 200 Kilometer lange Schmalspurstrecke zusammen mit einer kolumbianisch-israelischen Investorengruppe betrieben. Langfristig ist eine Umstellung auf Normalspur und eine Ausweitung des Netzes um weitere 300 Kilometer geplant.[2]

Peru[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferrocarril Central Andino (FCCA)

Zusammen mit peruanischen Investoren betreibt die RDC diese 591 km lange Eisenbahnstrecke in Peru, die Huancayo und Cerro de Pasco mit Lima und dem Pazifikhafen Callao verbindet.

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iowa Interstate Railroad (IAIS)

Die Iowa Interstate Railroad ist eine regionale Eisenbahngesellschaft in Iowa in den Vereinigten Staaten. Sie betreibt eine rund 1000 km lange Strecke der vormaligen Rock Island zwischen Chicago und Omaha.

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belgien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurorail

Im Dezember 2014 hat sich RDC an dem belgischen Logistikunternehmen Eurorail mit 25 Prozent beteiligt, um die seit 2012 bestehende Zusammenarbeit in dem Gemeinschaftsunternehmen RégioRail zu verstärken.[3]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurde 2009 das Tochterunternehmen RDC Deutschland GmbH (RDCD) gegründet, das seit 7. April 2015 eine 15-jährige Lizenz als Eisenbahnverkehrsunternehmen besitzt.[4] Zum ersten 1. April 2016 wurde die Unternehmensstruktur geändert. Die RDC Deutschland fungiert als Holdinggesellschaft der operativen Gesellschaften Hamburg-Köln Express GmbH, RDC Autozug Sylt GmbH und BTE Beteiligungsgesellschaft GmbH.

Hamburg-Köln-Express GmbH (HKX)

Die Gesellschaft wurde 2009 gemeinsam mit Locomore gegründet und betreibt seither als einer der wenigen Konkurrenten der DB Fernverkehr Schienenpersonenfernverkehr in der Relation Hamburg–Köln.[5] RDCD ist an der Hamburg-Köln-Express GmbH mit 75 Prozent beteiligt und deckt deren bisherigen Jahresfehlbetrag.[6]

Bahntouristikexpress GmbH (BTE)

Seit 2016 ist RDCD über die BTE Beteiligungs GmbH an der Bahntouristikexpress GmbH (BTE) beteiligt.[7] BTE betreibt seit Dezember 2016 den im Fernverkehr operierenden Autoreisezug Hamburg–Lörrach. Das ist damit das zweite Fernverkehrsengagement der RDCD in Deutschland nach dem HKX.

RDC Autozug Sylt GmbH

RDCD beantragte 2014 Fahrplantrassen für den Rahmenvertrag für die Fahrplanjahre 2016 bis 2025[8] bei der DB Netz. Mit diesem wollte sie sich langfristig ab Dezember 2015 Zugangsmöglichkeiten für den bei der Deutschen Bahn als „Sylt-Shuttle“ vermarkteten, lukrativen Autoreisezugverkehr zwischen Niebüll und Westerland sichern.[9]
Für den Zeitraum der Rahmenvertragsperiode wurden der RDCD Anfang 2015 sechs Fahrplantrassen in Richtung Sylt und fünf in Richtung Niebüll durch DB Netz zugesprochen. Weitere sieben Rahmenverträge erhielt RDCD im Herbst 2015 für den Zeitraum 2017–2020. Für den Netzfahrplan 2015/16 beantragte RDCD darüber hinaus weitere 28 Trassen.[4] Auch DB Fernverkehr beantragte für seine Autozüge auf dieser Verbindung Trassen, so dass es zu Konflikten zwischen diesen Anmeldungen in der Fahrplanung kam. Aufgrund der längeren Gesamtfahrstrecke der DB-Züge und der damit höheren Trasseneinnahmen, erhielten zunächst diese circa 70 Trassen, RDCD erhielt weitere fünf Trassen, so dass für den Betrieb des RDC Autozug Sylt nun insgesamt 16 Trassen zur Verfügung stehen. Die Züge der Deutschen Bahn bestehen dabei aus einem Autozugteil und einem Triebwagen der Baureihe 628, der über Niebüll hinaus bis teilweise Hamburg verkehren soll. Gegen diese Vergabeentscheidung legte RDCD Einspruch bei der Bundesnetzagentur ein.[10]
Im Januar 2016 startete RDCD Probefahrten mit einem lokbespannten Zug (MAK ME 26) und einstöckigen Autotransportwagen,[11] die bis 2017 durch 150 neu gebaute Autoreisezugwagen ersetzt werden sollen.[12] Zur Vorbereitung der Betriebsaufnahme wurde am 5. Februar 2016 die Tochtergesellschaft RDC Autozug Sylt GmbH gegründet.[13] Der reguläre Betrieb wurde am 18. Oktober 2016 zunächst mit einem eingeschränkten Angebot aufgenommen.[14]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RégioRail

RégioRail ist ein zusammen mit dem belgischen Logistikunternehmen Eurorail International 2012 gegründetes Eisenbahnverkehrsunternehmen im Güterverkehr, das ausgehend von Frankreich auf dem europäischen Markt expandieren soll.[15]

Ehemalige Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Afrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malawi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Central East African Railways

Unter dem Namen Central East African Railways betrieb die RDC die früher staatlichen Eisenbahnen von Malawi Railways und Caminhos de Ferro de Moçambique Nord. Das Netz umfasst rund 1700 Kilometer (797 Kilometer in Malawi, 918 Kilometer in Mosambik). Die Beteiligung wurde zum 12. September 2008 an die Investorengruppe Insitec verkauft.

Nord- und Südamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argentinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ALL Central

ALL Central war ein zusammen mit der América Latina Logística zwischen 1993 und 2013 betriebenes 5690 Kilometer großes Breitspur-Streckennetz in Argentinien zwischen Buenos Aires und Mendoza.

ALL Mesopotámica

ALL Mesopotámica war ein ebenfalls zusammen mit der América Latina Logística ein zwischen 1993 und 2013 betriebenes 2740 Kilometer großes Normalspurstreckennetz in Argentinien nördlich von Buenos Aires, im Gebiet zwischen den Flüssen Paraná und Uruguay.

Guatemala[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferrovías Guatemala

Die RDC war Mitinhaber der Konzessionskonsortiums zum Betrieb der 322 Kilometer langen Schmalspurbahn, die Guatemala-Stadt mit dem Atlantik verbindet, sowie der bisher stillgelegten Strecken nach Mexiko und El Salvador. Der Betrieb auf der Strecke wurde zum 1. Oktober 2007 eingestellt, nachdem die Regierung die Konzessionsvereinbarung für schädlich ansah. Im Juli 2012 entschied ein guatemaltekisches Gericht, dass RDC eine Entschädigung zusteht, wenn im Gegenzug auf die Beteiligung verzichtet wird.[16]

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Estland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eesti Raudtee

Die RDC gehörte zum Konsortium, das die estnische Frachtgesellschaft seit der Privatisierung betrieb. Im Januar 2007 erfolgte der Verkauf der Beteiligung.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Company Overview. Railroad Development Corporation, 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014 (englisch).
  2. Colombia: Ferrocarril del Pacífico. Railroad Development Corporation, 2013, abgerufen am 20. Dezember 2014 (englisch).
  3. RDC invests in Eurorail. Railroad Development Corporation, 12. Januar 2015, abgerufen am 13. Januar 2015 (PDF, englisch, französisch).
  4. a b Ringen um den SyltShuttle. In: Bahn-Report. Band 33, Nr. 195, 1. Mai 2015, ISSN 0178-4528, S. 15 (Website [abgerufen am 9. Mai 2015]).
  5. Pressemeldung bei newstix.de vom 1. November 2009
  6. Jahresabschluss zum 31. Dezember 2013. Bundesanzeiger, 20. Januar 2015, abgerufen am 22. August 2015.
  7. Veröffentlichung im Registerportal der Länder, HRB 87061. Amtsgericht Köln, 15. März 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  8. DB Netz:„Anmeldung von Rahmenverträgen“, abgerufen am 1. Juni 2015
  9. Kerstin Schwenn: Konkurrenz für Deutsche Bahn. Amerikanische Privatbahn will Sylt-Autozug betreiben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Oktober 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  10. Sylter Rundschau:Syltshuttle-Konflikt verzögert Bahnfahrplan
  11. Ab Frühjahr 2016: Der AUTOZUG Sylt von RDC. RDC Deutschland, Januar 2016, abgerufen am 7. Februar 2016.
  12. Jürgen Jacobsen:Sylt-Shuttle: Zwei Anbieter – viele offene Fragen, ndr.de, 5. Mai 2015, abgerufen am 1. Juni 2015.
  13. RDC gründet eigene RDC AUTOZUG Sylt GmbH. RDC Deutschland, 5. Februar 2016, abgerufen am 7. Februar 2016.
  14. Bahn-Konkurrent: Erster RDC-Autozug verlässt Sylt, NDR, 18. Oktober 2016, abgerufen am 19. Oktober 2016.
  15. France: RegioRail. Railroad Development Corporation, 5. April 2014, abgerufen am 23. Mai 2014 (englisch).
  16. Railway Gazette International: 6. Juli 2012: RDC wins case in Guatemala railway dispute

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]