Bahnkraftwerk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Bahnkraftwerk ist ein Kraftwerk, welches Bahnstrom erzeugt. Während die Österreichischen Bundesbahnen fast nur reine Bahnkraftwerke betreiben, sind solche in anderen Ländern, wie beispielsweise in Deutschland, eher selten. Weitaus verbreiteter sind Kraftwerke, in denen sich sowohl Industriestromgeneratoren, als auch Bahnstromgeneratoren befinden. Daneben gibt es bahneigene Kraftwerke, die keine Bahnkraftwerke sind, da sie keinen Bahnstrom erzeugen können, sondern ausschließlich Strom für das öffentliche Netz (in D-A-CH: 50 Hz Drehstrom statt 1623 Hz Einphasenstrom).[1] Bahnkraftwerke sind als Wasserkraftwerke, konventionelle Wärmekraftwerke und Kernkraftwerke ausgeführt. Auch Wind-[2] und Solarparks[3] für die alleinige Erzeugung von Bahnstrom wurden schon realisiert.

Bahnstromnetze des Eisenbahn-Fernverkehrs in Europa

Die Bahnstromgeneratoren für Wechselstrom mit verminderter Frequenz, dem Standard u. a. der DACH-Staaten, sind erheblich größer als die für das öffentliche Stromnetz, die zugehörigen Turbinen sind Sonderanfertigungen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerke in Deutschland, die ganz oder teilweise der Bahnstromerzeugung dienen:

Existierende Windparks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Märkisch-Linden
  • Hoher Fläming
  • Elsdorf II

Existierende Wasserkraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Existierende Kernkraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Teil der Bahnstromversorgung ist abweichend von der aktuellen Werbestrategie der DB AG[4][5] kein „grüner Bahnstrom“ im Sinne des allgemeinen Begriffsverständnisses.

Existierende Thermische Kraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterhin bestehen Verbindungen zu den Kraftwerken der Österreichischen und der Schweizerischen Bundesbahnen, über die mit dem deutschen Bahnstromnetz elektrische Energie ausgetauscht werden kann.

Ehemalige Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahneigenes Kraftwerk für 300 V Gleichstrom der Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft von 1884

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Österreichischen Bundesbahnen[6] produzieren ihren Bahnstrom zum überwiegenden Teil selbst. Die Energie wird derzeit zu 93 Prozent aus erneuerbarer Energieträgern (zumeist Wasserkraftanlagen) gewonnen. Sechs Prozent der Energie wird aus Windenergie und Biomasse zugekauft.[7] Überdies wurden Verhandlungen geführt über mögliche Beteiligungen an Windkraftanlagen. So wurden 2010 von Windanlagenbauer Leitner Gespräche bestätigt und als mögliche Standorte das Burgenland angeführt.[8] Im Burgenland verfügt die ÖBB derzeit über keine Anlagen zur Stromerzeugung.

Bahneigene Kraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle bahneigenen Kraftwerke werden unbesetzt betrieben und von der Zentralen Leitstelle Innsbruck gesteuert und überwacht.

Spullersee
Dieses Speicherkraftwerk wurde in den Jahren zwischen 1919 und 1925 als zweites Kraftwerk der Österreichischen Staatsbahnen zur Versorgung der Arlbergbahn errichtet. Der Bau eines derartigen Großkraftwerks war zur damaligen Zeit eine technische Pionierleistung und fand Bewunderung in ganz Europa.
Braz
Dieses Laufkraftwerk befindet sich 10 km westlich vom Kraftwerk Spullersee. Es wurde in den Jahren zwischen 1947 und 1954 zur Deckung des erhöhten Energiebedarfs der Österreichischen Staatsbahnen errichtet. Das Kraftwerk Braz bildet die Unterstufe des Kraftwerkes Spullersee. Das Kraftwerk Braz wird von der Alfenz beziehungsweise mit vom Kraftwerk Spullersee abgearbeitetem Wasser bedient.
Fulpmes
Dieses Laufkraftwerk wurde in den Jahren zwischen 1977 und 1983 etwa 20 km südlich von Innsbruck im Gemeindegebiet Fulpmes im Stubaital errichtet. Die Besonderheit daran ist, dass es in der schwedischen Bauweise, d. h. als Schachtkraftwerk errichtet wurde. Das Triebwasser wird unterhalb von Fulpmes im Stubaital gefasst. Die installierte Leistung beträgt 15 MW, wobei zwei Francisturbinen bei einem Gefälle von 182 m arbeiten. Vor der Fertigstellung des Kraftwerkes Fulpmes betrieben die ÖBB das „Ruetzkraftwerk“ in Schönberg, das ursprünglich zur Stromlieferung an die Mittenwaldbahn erbaut wurde.
Kraftwerksgruppe Stubachtal
Gruppe von vier hochalpinen Speicherkraftwerken in den Hohen Tauern; Ausbau zum Pumpspeicher, größtes Kraftwerk der ÖBB.
Obervellach
Dieses Laufkraftwerk wurde gemeinsam mit dem Speicherwerk Kraftwerk-Enzigerboden 1929 für die 16,7-Hz-Bahnstromversorgung der Gisela-Bahn in Betrieb genommen. Seit der Elektrifizierung der Tauernbahn 1935 werden außerdem die beiden Steilrampen mit jeweils 700 Höhenmetern versorgt.
Obervellach II
Erst in Planung wird Obervellach II ab 2024 um 30 Prozent mehr Strom liefern als die alten Anlagen bei Obervellach und Mallnitz es heute tun. Das Kraftwerk ist derzeit (Stand 05/2018) in der Ausschreibungsphase.
Lassach
Dieses Laufkraftwerk wurde 1905 im Zuge der Baustelleneinrichtung für den Eisenbahn-Tauerntunnel errichtet. Es liegt zwischen Obervellach und Mallnitz am Mallnitzbach. Es liefert keinen Bahnstrom, sondern Drehstrom, der in das Netz der „KELAG“ (Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft) eingespeist wird.
Rosenbach
Dieses wurde 1902 im Zuge der Baustelleneinrichtung für den Eisenbahn-Karawankentunnel errichtet. Es liefert keinen Bahnstrom, sondern Drehstrom.

Bahnfremde Kraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wienerbruck
Dieses Speicherkraftwerk wird von der „EVN AG“ (Energieversorgung Niederösterreich AG) betrieben, die für die Oberleitung der Mariazellerbahn zuständig ist. Das Speicherkraftwerk liegt in Annaberg im südlichen Niederösterreich und wird vom Wasser der Lassing und der Erlauf mit einer Gesamtleistung von 6,6 MW gespeist. Hiervon werden 4,5 MW als Einphasenwechselstrom mit einer Frequenz von 25 Hz für die Mariazellerbahn bereitgestellt.
Weyer
Dieses Laufkraftwerk am oberösterreichischen Ennsfluss nahe der steirischen Grenze wird von der Ennskraftwerke AG im Schwellbetrieb betrieben. Die Gesamtleistung der beiden Maschinensätze beträgt 36,8 MW. Die Leistung des Maschinensatzes für Einphasenwechselstrom beträgt 18 MW.
St. Pantaleon
Dieses Ausleitungskraftwerk an der Mündung der Enns in die Donau wird von der Ennskraftwerke AG im Schwellbetrieb betrieben. Die Gesamtleistung der beiden Maschinensätze beträgt 51,9 MW. Die Leistung des Maschinensatzes für Einphasenwechselstrom beträgt 25 MW.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wird der Bahnstrom zum Teil aus Kraftwerken der SBB und aus fremden Kraftwerken gewonnen.[9]

Kraftwerke der SBB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerke mit SBB-Beteiligung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fremde Kraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmut Biesenack: Energieversorgung elektrischer Bahnen. Vieweg+Teubner-Verlag, 2006, ISBN 3-519-06249-6[10]

Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • EN 50163: Bahnanwendungen – Speisespannungen von Bahnnetzen (Deutschland: DIN EN 50163; VDE 0115-102:2005-07 und DIN EN 50163/A1 VDE 0115-102/A1:2008-02; Österreich: ÖVE/ÖNORM EN 50163 Ausgabe: 1. April 2008)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Z.B: KW Rosenbach und KW Lassach — ÖBB Infrastruktur AG: Werksgruppe Mitte. In: oebb.at. Abgerufen am 25. September 2016.
  2. DB Energie nimmt dritten Windpark ans Netz (Memento vom 25. September 2016 im Internet Archive). Pressemitteilung der Deutschen Bahn. Abgerufen am 25. September 2016.
  3. Weltweit erstes Bahn-Solarkraftwerk in Betrieb. In: iwr.de. Abgerufen am 25. September 2016.
  4. Bahnstrom Regenerativ Endbericht (PDF; 3,7 MB)
  5. DB: Grüne PR statt grünem Strom (Memento vom 24. Oktober 2013 im Internet Archive)
  6. ÖBB Infrastruktur: Daten zur Energieversorgung (Memento vom 11. Januar 2016 im Internet Archive)
  7. ÖBB Infrastruktur:93 Prozent erneuerbare Energie
  8. Leitner-Windparks mit ÖBB?:Verhandlungen mit den ÖBB laufen
  9. Bahnstrominfrastruktur der SBB, Seite 24 (PDF; 3,37 MB) (Memento vom 3. Juli 2006 im Internet Archive)
  10. Energieversorgung elektrischer Bahnen