Ballermann 6

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Strandlokal Ballermann 6. Zur Beschreibung des gleichnamigen Films siehe Ballermann 6 (Film).
Ballermann 6, Mai 2007
Das Lokal im Februar 2016 bei Nacht

Ballermann 6 ist ein Strandlokal an der Platja de Palma auf der spanischen Baleareninsel Mallorca. Es liegt im Ortsteil Ses Cadenes des Stadtteils S’Arenal der Inselhauptstadt Palma. Der Name ist eine Verballhornung der Bezeichnung „Balneario Nº 6“ (spanisch für „Heilbad“). Das Wort Ballermann ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine Schusswaffe und Ballern ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für das Trinken größerer Mengen Alkohol.

Das Strandcafé, an dem sich insbesondere deutsche Touristen versammeln, besteht aus einem Stahlhäuschen von circa 10 × 3 Meter Grundfläche und ist ausgestattet mit Theke, Zapfanlagen, Toiletten und Vorratsraum. Davor befindet sich eine abgegrenzte Terrasse mit Bestuhlung und Sonnenschirmen. Das Ganze wird von einer halb lichtdurchlässigen Stahlkonstruktion zwischen zwei Lichtmasten überspannt, die tagsüber Schatten und nachts Licht spendet.

Es gibt auf einer Strecke von etwa vier Kilometern ungefähr alle 270 Meter insgesamt 15 fast baugleiche Strandlokale (Balneario Nº 1 bis Balneario Nº 15 – die Zählung erfolgt von Südosten nach Nordwesten), wobei die Nummerierung den Touristen auch zur Orientierung dient. Insbesondere der Balneario Nº 6 (Ballermann 6) hat seinen Ruf durch den Massentourismus aus Deutschland erhalten. Die deutsche und teilweise europäische Presse berichtet bevorzugt über die Szene am Ballermann 6. Dort wird vor allem deutsches Bier und spanische Sangría getrunken, die früher in Plastikeimern mit extra langen Trinkhalmen serviert wurde. Dies wurde umgangsprachlich als Eimersaufen bekannt.

Seit einigen Jahren hat die mallorquinische Regierung den Verkauf alkoholischer Getränke in Eimern verboten. Trotzdem werden die Partys am Ballermann immer noch als Erstes mit diesem Begriff in Verbindung gebracht, der Begriff „Ballermann“ ist inzwischen z. T. zum Synonym für eine bestimmte Lebenshaltung oder Partymentalität geworden.

Mythos und Stereotyp Ballermann 6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lokal im Mai 2001
Strand am Ballermann 6

Der Mythos Ballermann, der zugleich zum Klischee oder Stereotyp stilisiert wurde, assoziiert ein ganz bestimmtes Szenario, das sich dort in ungefähr dieser Form auch immer wieder ereignet: Zum typischen Ambiente des Ballermann gehört demnach die mehr oder weniger laute Beschallung mit einer Musikform, die sich auf Kompilationen mit Titeln wie „Ballermann-Hits“ u. ä. wiederfindet. Zu einer Mischung aus volkstümlichem Schlager, Eurodance und Kirmestechno werden vorwiegend Texte in deutscher Sprache gesungen, die sich meist um Sex, Alkoholkonsum und die lokalen Begebenheiten − Urlaub, Sonne, Strand und den Ballermann selbst − drehen. Die Titel werden im Strandlokal per Außenlautsprecher zu den Öffnungszeiten dargeboten, werden aber auch in anderen Lokalen vor Ort gerne gespielt. Diese Musik ist Ausdruck eines Lebensgefühls, das auch in Deutschland in Form öffentlicher oder privater „Ballermann-Partys“ in Erscheinung tritt. Vergleichbare Szenarien sind beim Kölner Karneval, auf dem Münchner Oktoberfest und im Winter auf so genannten Après-Ski-Partys z. B. im österreichischen Ischgl zu beobachten.

Als Stars dieser Szene gelten u. a. Jürgen Drews und Mickie Krause. Regelmäßig treten auch Dieter Thomas Kuhn, Michael Wendler und Tim Toupet in solchen Lokalen auf. Beliebt sind – auch außerhalb der Saison – die Kölner Karnevalsgruppen Paveier und Höhner, deren Hits, teilweise im Kölner Dialekt, Kölner Karnevalsfreunde in die Szene mitbrachten.

Im Film Ballermann 6 mit Tom Gerhardt aus dem Jahre 1997 wurde das Thema des Ballermann 6 und ebendieses Lebensgefühl auf die Leinwand gebracht.

Exzessive Partykultur und Sauftourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Begriff Ballermann werden häufig auch insgesamt Formen von exzessiver Party-Kultur sowie das Segment des Sauf- und Party-Tourismus bezeichnet, auch jenseits von Mallorca, so beispielsweise in Bulgarien. Entsprechende Lokale sind dort in Goldstrand und Sonnenstrand zu finden. Die Orte werden bei dem überwiegend jugendlichen Publikum wegen der vergleichsweise günstigen Getränkepreise immer beliebter. Von den örtlichen Gastronomen durchaus gewünscht, gelten die dortigen Partymeilen als Ballermann am Balkan. Auch in Berlin-Friedrichshain ist von zunehmendem Ballermann-Tourismus die Rede.

Reaktionen auf dieses Image und auf Beeinträchtigungen für die einheimische Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regierung der Balearischen Inseln hat nach der Fußball-WM 2006 eine bereits seit längerem bestehende Begrenzung von Außen-Musikbeschallung auf 64 dB festgesetzt. Die Lokale an der Platja de Palma müssen ab Mitternacht die Außen-Musik komplett einstellen, was für viele der Touristen einen erheblichen Einschnitt an „Ballermann-Stimmung“ bedeutet. Die Schallbegrenzung betrifft die gesamte Insel Mallorca. Dezibel-Begrenzer an den Musikanlagen und Doppeltüren zur Außenschall-Begrenzung sind inselweit Pflicht bei Lokalen mit nächtlichen Öffnungszeiten.

Die Balneario-Lokale selbst haben von ca. 2:00 bis 11:00 Uhr morgens geschlossen. Bereits im Jahre 1998 ist das deutschsprachige Schild mit der Aufschrift „Ballermann 6“, welches im gleichnamigen Film noch zu sehen war, entfernt worden. Im gleichen Jahr gab es Demonstrationen der Gastronomen gegen die geplante Einführung einer früheren Sperrstunde.

Im Jahr 2013 wurde erstmals ein Alkoholverbot am Ballermann verordnet, um in der Hochsaison ein besseres Bild abzugeben. Zwischen 22 und 1 Uhr nachts war vom Ballermann 6 bis Ballermann 4 eine Alkoholstreife der Polizei unterwegs. Das Alkohol- und „Saufverbot“ galt vom 28. Juni 2013 bis einschließlich 1. September 2013.

2014 beschloss der Stadtrat von Palma mit der „Verordnung für zivilisiertes Zusammenleben“[1] einen Verbote-Katalog, um am „Ballermann“ für mehr Ordnung und Sauberkeit zu sorgen.[2]

Der Ursprung: Ballermann 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einzelhandelskaufmann Karl-Heinz Schmiedmeier gründete Ende der 1960er in Karlsruhe die Imbissbude Ballermann und betrieb diese bis zum Februar 2016.[3] Sie wechselte nahe der Universität mehrfach ihren Standort. Inspiration für den Namen war eine Flasche „Ballantines“-Whisky sowie der mit zwei Pistolen bewaffnete Cowboy Fuzzi aus den Zorro-Filmen. Geschäftspartner aus Mallorca besuchten den auch im Automatenhandel tätigen Schmiedmeier in Karlsruhe und kopierten die Geschäftsidee des Fast-Food-Verkaufs bis spät in die Nacht auf die Baleareninsel.[4][5]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ordenanza para garantizar y fomentar la convivencia cívica en la ciutat de Palma de Mallorca (PDF, Faltblatt), Ajuntament de Palma
  2. Stephanie Schuster: Neue Verordnung: Die Benimm-Regeln in der Übersicht, Mallorca Zeitung, 22. Mai 2014
  3. Abschied vom Ballermann1: Karlsruher Kult Imbiss macht dicht bei ka-news, abgerufen am 23. Februar 2016
  4. Stadtwiki Karlsruhe zum Ballermann, abgerufen am 18. Januar 2016
  5. Geschichte des Ballermann 1, abgerufen am 18. Januar 2016

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sacha Szabo: Ballermann. Das Buch. Phänomen und Marke. Eine wissenschaftliche Analyse eines außeralltäglichen Erlebnisses. Tectum, Marburg 2011. ISBN 9783828827912

Audio-Satire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Balneario Nº 6 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 39° 30′ 56,1″ N, 2° 44′ 42,2″ O