Benutzer:Neun-x

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50. KW

observations on Wikipedia behavior (Essay)

wie die Wikipedia sich selbst zerstört (Essay)

  • Ich bin 'Anfang 50'[1]
  • Ich finde es hilfreich, Begriffe in langen Artikeln mehrfach zu verlinken. Viele User lesen Artikel nur abschnittweise; auch ihnen soll der Service geboten werden, mit einem Klick zu einem anderen Lemma zu gelangen.
  • Ich wäge täglich ab, in welche Themengebiete / Artikel ich wie viel Zeit stecke. Ich lese Artikel kritisch[2]. Bevor ich einen Artikel zitiere, versuche ich, einen anderen besseren zu finden.
  • bei der WP teilen einige Besserwisser / "Gralshüter" / Prinzipienreiter anderen (idR ungefragt) mit, was (gemäß ihrer Auslegung oftmals diffuser WP-Regeln, z.B. WP:lit) unstatthaft, verwerflich, "gehtgarnicht" o.ä. ist. Ja mei … Jeder Mensch hat nur ein begrenztes Budget an Zeit bzw. Energie.
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Was & Warum

Was ich öfter mache (die folgenden Punkte basieren auf Büchern von Wolf Schneider, von Helga Esselborn-Krumbiegel und anderen einschlägigen Büchern) :

Rezeption

  • Auch die Rezeption eines Ereignisses gehört imo zum Ereignis – so wie das Echo zum Knall.
    • Z.B. gehört die posthume Wahrnehmung zu jeder Person der Zeitgeschichte (auch "geriet völlig in Vergessenheit" ist eine Information)
    • das (Presse)-Echo zu einem Ereignis E sagt nicht nur etwas über E, sondern auch über den Zustand der Gesellschaft, in dem E stattgefunden hat (siehe Vier-Seiten-Modell = Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun)
  • Panta rhei – heute einen Artikel mit Ewigkeitswert schreiben ist nicht möglich. Ruhig heute detailliert berichten und z.B. in 1/2 Jahr (wenn etwas eine bestimmte Richtung eingeschlagen hat) das Geschriebene kürzen.

Fußnote

In der französischen Wikipedia gibt es etwa 730.000 Artikel mit "Notes et références".

In der englischen Wikipedia heißt der Abschnitt 'Notes and References'.

Diplomarbeiten, Dissertationen, Habilitationen, Studien u.a. enthalten neben Zitationen (vgl. und s.) auch Anmerkungen. Zitat aus Anmerkung: Anmerkungen sind insbesondere in wissenschaftlicher Literatur üblich. Meist enthalten sie Belege, das heißt genaue Angaben der Stellen in Quellen oder in wissenschaftlichen Publikationen, auf denen die Ausführungen im Text basieren oder auf die sie sich beziehen. Der Sinn des Auslagerns bestimmter Informationen in die Anmerkungen besteht in der dadurch ermöglichten Übersichtlichkeit der Darstellung.

Selten sieht man in en.wp einen Abschnitt 'References' mit zwei Unterabschnitten 'Notes' (Anmerkungen) und 'Citations' (z.B. hier). Auch das deutsche Pendant sieht man selten. Welchen Vorteil sollte es haben, die beiden voneinander zu trennen ?

=> Der Begriff Fußnoten umfasst 'Einzelnachweise' und 'Anmerkungen.

Interwiki-Link

Um 2005 war die deutsche WP relativ "mickrig" und die englische weit voraus. Damals kam – afaik – die Diskussion "Interwikilinks oder nicht" auf (imo: leider – wie so oft in Deutschland – mit einem Schwarz-weiß-Bias: erlauben (ohne wenn & aber) o d e r "verbieten / verpönen". Inzwischen hat WP.de über 1,8 Millionen Stichwörter. Gleichwohl bleibt en.WP "die Mutter aller Wikipedias"; und Themen aus dem englischsprachigen Raum sind nach wie vor detaillierter bzw. oft aktueller. Manche englische Lemmata sind so speziell, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keiner ins Deutsche übersetzen wird. Und selbst wenn jemand es täte – der Artikel würde in de.WP vermutlich nicht gepflegt / aktualisiert. Ein Beispiel aus meinem Alltag: Ab und zu lese ich Artikel zum Thema Todesstrafe, gehe in den Artikel Todesstrafe und schaue nach, wie detailliert bzw. aktuell der jeweilige Informationsstand z.B. zu einem Land ist. Am 18. Januar 2015 las ich von 6 aktuellen Hinrichtungen in Indonesien => es gab keinen Abschnitt Todesstrafe#Indonesien. Ich legte den Abschnitt an, ergänzte dieses (difflink) und war froh, nach einigem Suchen den Artikel en:Capital punishment in Indonesia gefunden zu haben. Eine Stunde später löscht das jemand (Difflink) und schreibt keine Interwikiverlinkung.

Da frage ich mich: Was soll das?? Die Kerntruppe der WP-Autoren besteht aus überdurchschnittlich bis weit überdurchschnittlich gebildeten / belesenen Menschen. Diese schreiben nicht nur für ihresgleichen, sondern "für alle" ("Otto Durchschnittsuser", Schüler, "Bildungsferne" usw.). (falls jemand eine elitäre wissenschafts-zentrierte Wikipedia möchte – nur zu …)

Die meisten "Otto Durchschnittsuser" kommen nicht auf die Idee, in en.WP zu suchen (die "Spalte links" kennen sie nicht, wo man ohne Umwege den "Schwesterartikel" in en.WP und in anderen Sprachen anklicken kann). Falls jemand en:Capital punishment findet, findet er in diesem Artikel KEINE Länder-Links – z.B. keinen zu 'Indonesien'.

Ich habe nach einigem Suchen en:Capital punishment in Indonesia gefunden.

Und dann – ich wiederhole mich – löscht das jemand und schreibt keine Interwikiverlinkung.

Dass Interwikilinks in nicht-gängige Sprachen nur wenigen nützen, liegt auf der Hand. Englisch ist aber nun mal die Weltsprache Nr. 1; Links ins Englische helfen vielen Wikipedia-Usern – allen, die der englischen Sprache halbwegs mächtig sind.

Ich beobachte seit Jahren in de.WP eine Tendenz zum "Prinzipienreiten" (Motto: Prinzipien sind kein Käse mit Löchern). Es gibt offenbar bei einigen eine tiefe Sehnsucht nach "Regeln ohne Ausnahme" (=> Komplexitätsreduktion).

Natürlich kann man bei jeder Regel die Ausnahme(n) weglassen / verpönen / verbieten. Wenn man dies tut, ist imo der Schaden deutlich größer als der Nutzen.
Zitat aus WP:IAR: Du bist nicht verpflichtet, alle Regeln auswendig zu lernen und genau nach ihnen zu handeln, um hier mitarbeiten zu können. [IAR] bedeutet auch, dass manche Wikipedia-Richtlinien nicht perfekt sind und es sinnvolle Ausnahmen geben kann.

relative Zeitangaben

WP-Artikel enthalten (leider immer noch) viele relative Zeitangaben. Viele Sätze stehen (dito) im Präsens, sind aber schon mehrere Jahre alt. Alte Belege sind ein Indiz dafür, wie lange diese Sätze schon in der WP stehen. Viele WP-Leser haben nicht die Medienkompetenz zu erkennen, dass ein Satz im Präsens veraltet sein könnte.

"die" Nationalsozialisten

Die WP enthält zahlreiche Sätze der Art Nach der Machtergreifung der Nazis ...

Im Januar 1933 gab es einige Millionen nationalsozialistisch denkende / empfindende Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und -milieus. Nicht alle ergriffen die Macht - maßgebliche Akteure der Machtergreifung waren relativ wenige NSDAP-Aktivisten (siehe auch Alte Kämpfer). Viele von ihnen erhielten bald hohe Posten im Staat und/oder in der NS-Bewegung; das NS-Regime formierte sich). Die Formulierung "die" Nationalsozialisten suggeriert, es habe eine homogene Masse von Nationalsozialisten gegeben; das waren sie nicht.

Ähnliches Beispiel (Artikel Leningrader Blockade, Einleitung): Der Massentod durch Verhungern wurde von den Deutschen gezielt herbeigeführt [...] Klingt imo wie "von allen Deutschen". "von der Wehrmacht" wäre imo weniger pauschal.

schon erst bereits

Ob schon oder erst (= bereits) etwas geschah … ist beides POV.

Beispiel: Schon sechs Jahre nach dem Krieg begann das Wirtschaftswunder. (oder erst?)

Ähnlich immerhin . Beispiel: Sein Skatblatt hatte immerhin 32 Punkte. (oder hatte es nur 32 Punkte ? .... beides POV.

zwischen

"zwischen 1934 und 1938 entwickelt" ... 1935 bis 1937 ?

Tatsachenbehauptung

Beispiel: Beide sind enge Vertraute des russischen Präsidenten Putin. Richtig ist: Beide gelten als enge Vertraute … Mag sein, dass Putin sie für enge Vertraute hält (sonst hätte er wohl andere auf die Posten gesetzt) – kann aber sein, dass sie insgeheim Putin-Hasser (geworden) sind und auf eine Gelegenheit warten, ihm zu schaden.

Gegensatz

…konstruktion. Beispiele:

  • Gazprom ist aber nicht nur im Erdgasbereich tätig. Es ist kein Gegensatz, im Erdgasbereich und daneben in weiteren Bereichen tätig zu sein.
  • Dabei rügte der FBI-Direktor James B. Comey zwar den "extrem sorglosen" Umgang von Clinton mit ihren Mails, sah aber keinerlei Anhaltspunkte für strafbares Verhalten.
Selbstverständlich kann jedermann/-frau auch etwas Nicht-Strafbares rügen. =>
Comey äußerte, er sehe keinerlei Anhaltspunkte für strafbares Verhalten. Gleichwohl äußerte er, Clintons Umgang mit ihren Mails sei "extrem sorglos" gewesen.

Scheinkausalität

In der WP stehen unzählige Sätze der Art: Weil dasunddas passiert war, machte NN diesundjenes. Meist ist diese monokausale Behauptung tatsächlich keine Kausalität, sondern ein Fehlschluss (btw: Correlation does not imply causation). Wenn man einen Beleg dafür hat (und es enzyklopädisch relevant erscheint) kann man schreiben NN äußerte, er habe diesundjenes gemacht, weil dasunddas passiert war. (→ Kausalattribuierung, Attributionsfehler )

FAZ.net (nach den Anschlägen von Nizza, Ansbach, bei Würzburg und St. Etienne): Bald wissen wir alles

Aktiv statt Passiv

siehe WP:Guter Artikel#Aktiv, Passiv und andere Umschreibungen

Siehe auch hier:[3]

Floskeln

verfügt über

Beispiel: Das Flugdeck verfügt über zehn Parkpositionen für Flugzeuge. Synonym: Das Flugdeck hat acht Parkpositionen für Flugzeuge. 'verfügt über' ist eine (imo sinnfreie / funktionslose) Sprachfloskel (vielleicht verbreitet von Leuten, denen vor Jahrzehnten aufm Gymnasium eingebleut wurde, einfache Verben wie 'sein' und 'haben' zu vermeiden). 'Verfügung' ist ein juristischer Begriff; z.B. verfügt jeder Kontoüberhaber über sein Konto, wenn er Geld überweist, abhebt o.ä. (siehe Verfügung#Zivilrecht).

… und andere vermeintlich hochsprachliche Begriffe: lediglich (statt 'nur') usw. usw.

sowohl als auch

Beispiel 1: "Frau Merkel ist Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende"
Beispiel 2: "Frau Merkel ist sowohl Bundeskanzlerin als auch CDU-Vorsitzende"

Letzteres impliziert eine Hervorhebung / Betonung. 'Beispiel 2' verdient keine Betonung, denn in Deutschland ist es recht üblich, dass der Bundeskanzler (m/w) zugleich auch Vorsitzender seiner Partei ist.
Beispielsatz mit Hervorhebung: Hermaphroditen haben sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen bzw. Geschlechtsorgane (Artikel Hermaphroditismus, Satz 1).

belief sich

Umsatz belief sich auf => Umsatz betrug
Die Kosten der Modernisierung beliefen sich auf ... => die Modernisierung kostete

Luft und Bläh

„Keinen Beifall verdienen die Luftwörter (Jean Paul): erfolgen, bewirken, bewerkstelligen; [...] die toten Verben (Reiners): sich befinden, liegen, gehören, es gibt; die Blähverben: aufweisen .. weilen.“[4] (sSiehe auch hier:[3])

dementsprechend

dementsprechend … imo meist eine [#Scheinkausalität]]. duden.de nennt als Alternativen
also, aus diesem Grund, daher, danach, darauf, daraufhin, darum, demgemäß, demzufolge, deshalb, deswegen, entsprechend, folglich, hiernach, infolgedessen, insofern, insoweit, mithin, somit; (gehoben) sonach; (bildungssprachlich) ergo .
todo …

nicht zuletzt

Nicht zuletzt durch den Umstand, dass die Opfer [...], war die Öffentlichkeit verwirrt.“ Sondern ... zu vorletzt ? oder zu vor-vor-letzt? Gemeint ist wohl: Unter anderem durch [...] war die Öffentlichkeit verwirrt. 'Nicht zuletzt' impliziert, dass es mehr als einen Faktor (hier: der Verwirrung) gab.

fand(en) den Tod

Im Verlauf des Krieges fanden etwa sechs Millionen Polen den Tod. => Im Zweiten Weltkrieg starben etwa sechs Millionen Polen.

verlor ... ein Lokomotivführer sein Leben => "starb ein Lokomotivführer"

kam zu

"der ... kam eine erhebliche Bedeutung zu" ist eine #Tatsachenbehauptung (und eine Floskel mit einem inhaltsleeren Adjektiv: was ist schon erheblich ?)

Personifikationen

"die Kämpfe forderten über 170.000 Gefallene und 500.000 verwundete Soldaten sowie den Tod mehrerer zehntausend Zivilisten" ? "Die Verhandlungen mit Byzanz fanden kurz vor Ottos Tod einen erfolgreichen Abschluss" "Die Herrschaft des Nationalsozialismus währte bis .. 1945".


"Kämpfe" fordern nichts. Verhandlungen finden nichts. "Der Nationalsozialsozialismus" kann nicht herrschen.

Personifikationen sind imo kein wikistyle. Wolf Schneider nannte das imaginäre Subjekt eine Journalisten-Unsitte ; "forderte Todesopfer" nannte er einen "der abgeschmacktesten .. des Nachrichtenjargons". (siehe auch hier)

"der Krieg brach am 1. September 1939 aus" ? Vulkane brechen aus, Kriege nicht.

"Die sozialistische Zeitschrift Monthly Review relativiert dies."[5] Zeitschriften können nicht handeln. Es ist ein großer Unterschied, ob ein freier Journalist in einem Namensartikel in einer Zeitschrift mal etwas schreibt, ob ein Stammredakteur, ein Chefredakteur oder ein Herausgeber etwas schreibt; und es ist auch ein Unterschied, ob er 1mal etwas schreibt oder ob er eine Meinung jahrelang/wiederholt/regelmäßig vertritt. - Präzision ist eine schöne Sache (macht aber viel Arbeit).

besitzt

"Das Kraftwerk besitzt einen Druckwasserreaktor vom Typ XY". Imo besser: Das Kraftwerk hat ..."(die Begriffe Besitz und Eigentum haben eine juristische Konnotation; siehe unten)

Vorfeld

Zitat: Zur Erreichung der definierten Ziele war im Vorfeld eine Truppenaufstockung nicht ausgeschlossen worden. [...] Im Vorfeld der Afghanistan-Konferenz hatte Präsident Karzai ..."

Im Duden. Bd. 2, Das Stilwörterbuch. Grundlegend für gutes Deutsch ist die Formulierung erwähnt (wirklich nur erwähnt - nicht empfohlen: 9., völlig neu bearb. Auflage 2010, Seite 987) - Hinweise der Art ungenau: "vor" der Konferenz könnte auch zur Zeit der Kreuzzüge sein ... ohne Worte.

unmittelbar

fünfundsechzigtausendmal in WP-Artikeln verwendet ...

Euphemismus

"Im Verlauf des Krieges fanden etwa sechs Millionen Polen den Tod." (Geschichte Polens) ... was für ein Euphemismus ! (→ Deutsche Besetzung Polens 1939–1945, Sowjetische Besetzung Ostpolens 1939–1941, siehe auch Verbrechen der Wehrmacht)

Wahlen, Wahlergebnisse

"verloren Stimmen" ? meist ist gemeint "Stimmanteile" . Nicht die Zahl der Stimmen entscheidet, sondern die Quote an den insgesamt abgegebenen gültigen Stimmen.

"Die XY-Partei verlor " ? ... sie erhielt einen geringeren Stimmanteil als bei der Wahl zuvor. Wozu beim Thema Wahlen / Wahlergebnisse diese ganze Metaphorik mit Sieg, Niederlage, mit Personifikationen (z.B. Helmut Schmidt gewann die Wahl anstatt die Bundes-SPD) usw. ?

"die XY-Partei erreichte" ? 'erreichen' konnotiert mit aktivem Zutun / Handeln. Es gab grottige Wahlkämpfe, nach denen eine Partei ein Spitzenergebnis erhielt, und vice versa. Attributionen sind meist POV/TF (weil unbelegbar).

Sonstiges

Der Antrieb des Schiffe besteht aus einem Zweitakt-Dieselmotor . "Besteht aus" impliziert zwei oder mehr Teile => passt hier nicht.

Füllwörter

"Ein Füllwort ist ein Wort, das den Text nicht inhaltlich ergänzt, sondern lediglich füllt. [...] In der geschriebenen Sprache außerhalb der wörtlichen Rede sind sie oft überflüssig, da sie einen Text unnötig aufblähen, ohne zur Verständlichkeit beizutragen, und ihn dadurch schlechter lesbar machen. Füllwörter werden daher auch als Flickwort, Unwort oder Blähwort bezeichnet und gelten als unprofessionell." (Zitat aus Füllwort; siehe auch Füllwort#Beispiele

Beispiel: (ohne Füllwort): Die Regierung schlug vor, XY zu tun. Die Gewerkschaften waren dagegen, weil sie ... befürchteten.

(mit): Die Regierung schlug vor, XY zu tun. Die Gewerkschaften waren jedoch dagegen, weil sie ... befürchteten.

'jedoch' ändert nichts an der Satzaussage und hat keinerlei Funktion. Genauso hier: der Golf V [wurde] mit einer Vierlenker-Hinterachse ausgerüstet, die verbesserte Fahreigenschaften insbesondere in Kurven mit sich brachte, jedoch teurer in der Produktion war. Oft sind teurere Dinge besser - besser aber billiger könnte man hervorheben.

schreiblabor.com: Füllwörter geben "dem Autor in der deutschen Sprache schier unüberschaubare Möglichkeiten [..], beispielsweise eine bestimmte Haltung auszudrücken oder Texte mit Emotionen zu versehen." Genau das sollen enzyklopädische Texte nicht.

FVG

Viele Funktionsverbgefüge haben keine inhaltliche Funktion, z.B. 'in Erwägung ziehen', 'Verzicht leisten', 'Stimmenthaltung üben'. Siehe auch Kanzleistil.

Synonymitis

Die Zeit 20/2012 / Wolf Schneider: Misstrauen wir den Synonymen. Nur Deutschlehrer lieben sie. "Verwirrend [..] ist es, auch die Substantive, die tragenden Begriffe eines Textes, der lexikalischen Varianz zu unterwerfen, wie Journalisten es lieben; albern gleich aus vier Gründen.

Erstens: Für die meisten konkreten Dinge sind Synonyme einfach nicht vorhanden. Nicht für Tisch zum Beispiel (Vierbeiner wäre zwar korrekt, ist aber schon für den Hund vergeben). Nicht für Wind, denn Sturm ist mehr und Brise weniger. Viele sinnverwandte Wörter sind, zum Zweiten, absolut nicht austauschbar: der Hund nicht gegen den Köter, das Gesicht nicht gegen Fratze, Fresse und Visage.

Oft folgt, drittens, aus der Synonymitis eine vorhersehbare Zwangshandlung: Aus der Polizei werden die Ordnungshüter, aus der Bundesbank die Währungshüter, aus der Wahl wird der Urnengang. Den Radiosprecher, der diese Missgeburt über den Sender lassen musste, stört es zu Hause am Wahlabend nicht im Geringsten, das Wort Wahl hundertmal zu hören und zu sagen.

Das Vierte, das Schlimmste aber: Schon die Suche nach einem Tauschbegriff verletzt das Urvertrauen in die Sprache, das alle Hörer, alle Leser selbstverständlich haben: dass einer, der dasselbe meint, selbstverständlich auch dasselbe sagt – und dass er, wenn er plötzlich etwas anderes sagt, nur etwas anderes meinen kann. Goethe ist Goethe – und weder der Dichterfürst noch der Wirkliche Geheime Rat, und kein Weihnachtsbaum hat je darauf gewartet, dass er in der Zeitung als der nadlige Geselle aus den heimischen Wäldern wiederkehrt.

"where possible use the same word or phrase for the same thing, similar word-patterns for similar or comparable things, and different words, phrases, and word-patterns for different things."

irreführende Signalwörter

Beispiele:

  • allerdings drückt als Adverb eine Einschränkung aus (duden.de). Manche Autoren (in der WP und anderswo) verwenden allerdings als Füllwort (= funktionloses Wort). Man liest 'allerdings' als Signalwort und wartet - vergeblich - darauf, dass etwas Einschränkendes folgt.
  • während wird meist zeitlich verwendet – selten soll es einen Gegensatz ausdrücken. Beispielsatz für Letzteres:
Während Italien außenpolitisch in der ersten Zeit der Mussolini-Herrschaft eine Aufrechterhaltung des Status quo unterstützte, näherte es sich später aber an Deutschland an.
Das 'während' am Satzanfang schickt imo den Leser in die Irre. Besser wäre:
In der ersten Zeit der Mussolini-Herrschaft unterstützte Italien außenpolitisch eine Aufrechterhaltung des Status quo; später näherte es sich aber an Deutschland an.
  • [http://www.duden.de/rechtschreibung/schlieszlich 'schließlich' ist doppeldeutig:
    • nach einer langen Zeit des Wartens, nach vielen Verzögerungen, nach einer langwierigen Prozedur; endlich, zum Schluss, zuletzt
    • drückt aus, dass die jeweilige Aussage nach Auffassung des Sprechers eine allein ausreichende und sofort einleuchtende Erklärung, Begründung für etwas anderes darstellt]
Letzteres ist POV (die "Auffassung des Sprechers" soll nicht in WP-Artikel).

Bandwurmsätze

gruselige Beispiele:

  • Angesichts der Überlegungen von Hugo Preuß, der dafür eintrat das Land Preußen wegen seiner Größe zu teilen und daher dafür eintrat, eine preußische Landesversammlung erst nach grundsätzlichen Entscheidungen auf nationaler Ebene zusammentreten zu lassen, war dieser frühe Termin Teil des Versuchs der preußischen Regierung eine mögliche Zerschlagung zu verhindern. (aus: Preußische Landesversammlung#Entstehung und Aufgaben)
  • Durch das am 13. März gemäß Art. III Abs. 2 des von der Diktatur Dollfuß’ erlassenen Bundesverfassungsgesetzes vom 30. April 1934 über außerordentliche Maßnahmen im Bereich der Verfassung, des sogenannten „Ermächtigungsgesetzes 1934“[1], ohne Beteiligung des Parlaments durch die Bundesregierung beschlossene Bundesverfassungsgesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich[2] endete die rechtliche Existenz des diktatorischen österreichischen Bundesstaates. (aus: Anschluss Österreichs#Einleitung moniert von einer IP am 14.2.16 und einer IP am 15.2.16. ... ohne Worte
  • Dies und ein seit Mai 1966 stattfindendes Pogrom mit zehntausenden ermordeten Süd-Ost-Nigerianern die im Nord-Westen des Landes lebten – also innernigerianischer Migranten, mehrheitlich – aber nicht ausschließlich – Igbos, die nun in ihre Ursprungsregion Biafra zurückflüchteten – führten schließlich dazu, dass der Militärgouverneur der Süd-Ostregion Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu vom Volk der Igbo am 30. Mai 1967 die Unabhängigkeit der Region Biafra ausrief. (Biafra-Krieg#Krieg und Folgen )
  • Im Anhang I Nummer 2.6. der Richtlinie 2007/46 zur Schaffung eines Rahmens für die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen wird die Leermasse, als die Masse des Fahrzeugs mit Aufbau in fahrbereitem Zustand oder Masse des Fahrgestells, einschließlich Flüssigkeiten, Werkzeug, Ersatzrad (sofern vorhanden) und Fahrer und, für Kraftomnibusse, Masse des Mitglieds des Fahrpersonals, wenn das Fahrzeug über einen Sitz für das Fahrpersonal verfügt, definiert. (Leergewicht#Richtlinie 2007/46)

Wahl / Wahlen

In der Wikipedia (z.B. in der deutschen, der englischen, der französischen und anderen) wird unterschieden zwischen "Wahl" und "Wahlen". U.a. gab es deshalb zahlreiche Artikelverschiebungen.

Wenn an einem Wahltermin mehrere Gremien gewählt werden (z.B. in das Parlament und der Präsident, dann spricht man von Wahlen. Wird nur 1 Gremium gewählt, spricht man von Wahl, z.B. Bundestagswahl (z.B. der Bundeswahlleiter und das Bundeswahlgesetz)

Beispiele für Wahlen:

Ein Vergleich:

"Bundestagswahlen 2013" = 22.400 google-Treffer (mit " ")

"Bundestagswahl 2013" 538.000 google-Treffer (dito)

=> 4 % zu 96 %

Manchmal gibt es 2 Wahlgänge zu 1 Wahl; der 2. Wahlgang ist dann eine Stichwahl und wird nur anberaumt, wenn im 1. Wahlgang keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit bekommen hat.

Das Lemma - z.B. Parlamentswahl in Frankreich 2007 - wird dann aber nicht umbenannt. Es ist 1 Wahl mit 1 Ergebnis: 1 neugewählte Abgeordnetenkammer).

Besitz ≠ Eigentum

Besitz und Eigentum sind nicht das gleiche. Besitz benennt die tatsächliche Herrschaft einer Person über eine Sache (z.B. ist ein Mieter Besitzer der gemieteten Wohnung), Eigentum die rechtliche Sachherschaft (Eigentümer ist der Vermieter). Das wird laufend verwechselt, leider auch vom "Haus- und GrundBESITZERverein"[6], der eigentlich Eigentum meint.

gestorben / verstorben

http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-abc-verstorben-gestorben-a-344430.html

Sätze der Art "Max Mustermann starb am tt.mm.jjjj" berichten vom Sterben, nicht vom Verstorben-sein.

SPO

SPO = Subjekt - Prädikat - Objekt (aka 'wer tut was')

Textbeispiel:

Gemeint war: Der König berief die Ständeversammlung ein (oder, wenn man die Ständev. in den Mittelpunkt stellen möchte: Die Ständeversammlung wurde vom König einberufen)


=> SPO ist am lese(r)freundlichsten und verständlichsten.

Akusativ und Nominativ von 'die oberste Autorität' sind gleich (nicht zu unterscheiden) - erst am Ende des Satzes merkt man, dass ein WP-Benutzer ohne Grund / Zweck / Nutzen die Reihenfolge von Subjekt und Objekt vertauscht hat.

"SPO" hat einen weiteren Vorteil. Dazu ein Beispiel: im Artikel Margot Honecker steht Neben zahlreichen Auszeichnungen, u. a. dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold (verliehen 1964) und dem Karl-Marx-Orden (verliehen 1977 und 1987), verlieh ihr die Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań (Polen) am 18. Januar 1974 die Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.).

Hätte der Autor mit dem Subjekt angefangen, hätte er gemerkt, dass der Satz verkorkst ist: Die Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań (Polen) (Subjekt) verlieh ihr neben zahlreichen Auszeichnungen, u. a. dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold (verliehen 1964) und dem Karl-Marx-Orden (verliehen 1977 und 1987) am 18. Januar 1974 die Ehrendoktorwürde. Richtig ist: die Universität verlieh nur den Ehrendoktor; andere Institutionen verliehen die anderen Orden.

So liest es sich, wenn das Subjekt (zu) weit hinten im Satz steht: Mit der Bildung einer Übergangsregierung (einer Regierung der Technokraten) wurde am 13. November 2011 durch Staatspräsident Giorgio Napolitano der parteilose Wirtschaftswissenschaftler Mario Monti beauftragt. Erst die Worte 19 bis 23 sind die Subjektgruppe.
SPO => Staatspräsident Giorgio Napolitano beauftragte am 13. November 2011 den parteilosen Wirtschaftswissenschaftler Mario Monti mit der Bildung einer Übergangsregierung. geändert

Metaphern

Medien berichten nach Wahlen von Wahlsiegen, Wahlniederlagen, etc pp. Die Spitzenkandidaten werden als Wahlsieger apostophiert - als jemand, der eine "Niederlage erlitten" oder einen "Wahlsieg errungen" hat. Die Begriffe Sieg und Niederlage sind militärische Begriffe; sie konnotieren mit den Begriffen kämpfen und Kampf.

Ist das sachlich / wikistyle ? alle genannten Begriffe sind Metaphern - imo klischeehafte Metaphern (sie werden gedankenlos verwendet).

Im Artikel Margaret Thatcher stand: In der Parlamentswahl vom 3. Mai 1979 führte Thatcher die konservative Partei zum Sieg. Wirklich ?

Manchmal führt ein Spitzenkandidat / seine Partei einen als "gut" rezipierten Wahlkampf - und trotzdem erhält er bei der Wahl relativ wenige Stimmen ; manchmal ist es umgekehrt. Vielleicht hat Thatcher die Wahl 1979 gewonnen wegen Fehlern der Labour Party und/oder wegen des Auftretens der Gewerkschaften zuvor. Vielleicht gewann sie ihn auch trotz ihre Wahlkampfes ... vielleicht hätte sie auch gewonnen, wenn sie / ihre Partei überhaupt keinen Wahlkampf geführt hätte ...

Ich plädiere für Formulierungen wie "Kaniddat X erhielt XY Prozent der abgegebenen Stimmen". Das ist neutral und belegbar.

Metaphern sprechen tendenziell stärker die Imagination an, während der Vergleich eher rational fassbar ist. (Fußnote 3 des Artikels 'Metapher')

In einer Enzyklopädie ist eine möglichst rationale, sachliche, nüchterne Ausdrucksweise "angesagt". Viele Metaphern sind funktionslos / entbehrlich. Noch ein Beispiel: "die Luftflotte spielte eine entscheidende Rolle bei den erfolgreichen Kesselschlachten 1941" . Das war kein Spiel; sie spielte keine Rolle (Theater) ... => geändert.

Vergangenes

Vergangenes wird im Präteritum referiert.

beide Adjektive Dativ

Eduard Engel, Deutsche Stilkunst, Seite 81:

"bei Goethe steht "nach überstandenem sorgenvollem Leben" (nicht sorgenvollen),

"nach bezahltem teurem Lehrgeld" (und weitere Beispiele)

=> beide Adjektive mit Dativendung (-m)
http://lektorat-online.at (danke @Dmicha für diesen Link :-)

Schriften aus dem Vor-Internet-Zeitalter

Passiert leider viel zu oft

auskommentierte Hinweise

z.B. Beleg fehlt o.ä. ]

Sonstiges

in en:WP gibt es shortened footnotes. Das macht die Fußnoten lesefreundlich kurz und trotzdem eindeutig (a.a.O.)

  • Schreibkontroversenlabor SKOLA – eine webbasierte Lernumgebung, die vom Projektteam in Rahmen des LOEWE-Schwerpunkts "Kulturtechniken und ihre Medialisierung" entwickelt wurde. Ziel des Projektes ist es, auf dieser Basis Lehrkonzepte für den Bereich Deutsch als Wissenschaftssprache weiter zu entwickeln (www.uni-giessen.de)
  • eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche (Beispiel) hilft jedem Interessierten, sich schnell einen Eindruck von eienm Buch zu verschaffen. Früher musste man dazu in Buchgeschäfte oder Bibliotheken - heute kann man es 24/7 im Internet. Gute Bücher machen Werbung für sich selbst - der Name des Autors wird 'unwichtiger'. Gerade für unbekannte (oft junge) Autoren ist 'Blick ins Buch' eine große Chance. Neue (gute) Bücher haben gegen angestaubte "Standardwerke" bessere Chancen als früher. Konkurrenz belebt das Geschäft und freut den Kunden.

Fußnoten

  1. Ereignisse wie die Geiselnahme von München, der Deutsche Herbst, die Kernschmelze in Harrisburg 1979, der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan 1979, die Nachrüstungsdebatte, die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl motivierten mich, schon als Kind bzw. Jugendlicher wissen zu wollen, wie "die Welt" bzw. die Gesellschaften, politische Systeme, Institutionen funktionier(t)en. So wurde ich früh zur Leseratte.
  2. siehe auch Journalismus in der Krise
  3. a b Wolf Schneider a.a.O. S. 73:
    „Wer elegantes und interessantes Deutsch schreiben will, [..] hält sich [..] bei allen Verben mit dem Passiv und dem Infinitiv zurück, und viele Verben, von erfolgen bis instrumentalisieren, versucht er überhaupt zu meiden.“
  4. Wolf Schneider, a.a.O. S. 66 f.
  5. aus: Mao Zedong, Einleitung, 11. Satz
  6. http://www.haus-und-grund-muenchen.de/

Blasenkrebs

Hallo Neun-x, du hast neuere Zahlen für die Häufigkeit von Blasenkrebs gesucht. Die verlässlichste Quelle ist der "Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland" des Robert-Koch-Instituts (RKI), vorher hieß das schlicht "Krebs in Deutschland". Die aktuellste Version ist von 2016 und hier zu finden. Daten zum Blasenkrebs ab Seite 49. Neuerkrankungen: 22.270 Männer und 7.210 Frauen. Interessant ist das "Lebenszeitrisiko", also das Risiko, überhaupt an Blasenkrebs zu erkranken. Bei Männern liegt es bei 2,5% , bei Frauen bei 0,8%. Das Lebenszeitrisiko, an Blasenkrebs zu sterben, liegt bei Männern bei 0,9% und bei Frauen bei 0,4% (Daten aus "Krebs in Deutschland" 2009/2010 (RKI). Übrigens sehr schön, dass du Wolf Schneider zitierst. Ich bin auch gegen Synonymitis. Schöne Grüße, --IGeL-Monitor 2 (Diskussion) 10:14, 7. Nov. 2018 (CET)