Bielefeldverschwörung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Bielefeldverschwörung ist eine Satire, die behauptet, die Stadt Bielefeld gäbe es nicht. Sie wurde erstmals 1994 im deutschsprachigen Usenet veröffentlicht, kursiert seither als Dauerwitz im Internet und wurde so Teil der Internetfolklore, die zur Netzkultur gehört.[1] Sie wird als Beispiel genutzt, um die in sich geschlossene unangreifbare Argumentationsstruktur von Verschwörungstheorien aufzuzeigen.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Studentenparty im Jahr 1993 rutschte einem Bekannten des deutschen Informatikers Achim Held der Satz „Das gibt’s doch gar nicht“ heraus, als ihm jemand aus Bielefeld gegenüberstand. Die Idee einer Verschwörung wurde im Umfeld von Held weitergesponnen. Eine Rolle spielte hierbei auch, dass im Herbst 1993 die Autobahnabfahrten nach Bielefeld wegen Großbauarbeiten zeitweilig gesperrt waren.[2] Die erste bekannte öffentliche Erwähnung der Bielefeldverschwörung stammt von Held und wurde am 16. Mai 1994 im Usenet in der Newsgroup de.talk.bizarre veröffentlicht.[3] Helds Absicht war es dabei, gängige Verschwörungstheorien ins Lächerliche zu ziehen.[2] Die Auswahl der Stadt war Zufall.[4]

Diese Entstehungsgeschichte ist weniger bekannt als die Bielefeldverschwörung selbst; im Internet findet man zahlreiche Anekdoten und Gerüchte zu ihrer Entstehung.[5]
Unbekannt ist, ob die 1969 erschienene Geschichte Amerika gibt es nicht[6] von Peter Bichsel bei der Entstehung eine Rolle gespielt hat.[7] [8]

Das ZDF hat zum zehnten Geburtstag der Verschwörungstheorie ein Interview mit Achim Held, seinerzeit Informatikstudent in Kiel, geführt, in dem er angibt, dass die ganze Geschichte auf einer Studentenparty entstanden sei. Die Idee sei durch einen Bekannten entstanden, der viele Esoterikmagazine gelesen habe, und einen Anwesenden, der eingeworfen habe: „Bielefeld gibt es gar nicht“.[9]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Verschwörungstheorie“ verneint die Existenz der Stadt Bielefeld. Behauptet wird, dass alle Hinweise auf diese Stadt Teil einer groß angelegten Verschwörung sind, der Bielefeldverschwörung. Diese Verschwörung solle die Menschheit von dem Dasein einer Stadt namens Bielefeld überzeugen. Es gibt mehrere Varianten dazu, wer der Urheber dieser Verschwörung war oder ist: Genannt wurden zum Beispiel CIA, Mossad oder Außerirdische, die ihr Raumschiff als Universität getarnt hätten. Die Verschwörer würden z. B. dafür sorgen, dass zahlreiche Pkw und Lkw mit der Ortskennzeichnung BI auf dem Nummernschild in Deutschland verkehren.

Eine andere Version dieser Verschwörung argwöhnt, dass sich in Bielefeld der Eingang zu Atlantis befindet. Um SIE nicht aufmerksam zu machen, würden statt Bielefeld oft die Termini B*e*e*e*d, B**l*f*ld, Blfd, Bielefake oder B-Wort verwendet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 erschien ein Film mit dem Titel Die Bielefeld-Verschwörung im Stile eines Agententhrillers auf Basis des Textes von Held, in dem Held selbst mitspielt.[10] Der Film basiert auf dem Roman von Thomas Walden.[11][12][13][14] Produzenten waren Bielefeld-Marketing und das medienpädagogische Labor der Universität Bielefeld unter Leitung von Thomas Walden[15] und Fabio Magnifico. Gefilmt wurde ab Mai 2009 „in Griechenland und in Bielefeld“. Der Film wurde am 2. Juni 2010 im Cinemaxx Bielefeld uraufgeführt. Der Roman des ersten Teils erhielt 2012 eine Fortsetzung unter dem Titel Drachenzeit in Bielefeld: Aufgabe 2 der Bielefeld Verschwörung. Dieser Roman wurde in sieben Folgen von Mai 2012 bis April 2013 in Bielefeld als Theaterserie gespielt.[16][17]

Der ebenfalls auf der Bielefeldverschwörung basierende Film Bielefeld – stirb stilvoll wurde am 18. April 2011 in München uraufgeführt.[18][19][20] Die Krimikomödie stellt Wahrheit mit Bielefeld gleich. Da es Bielefeld laut der Bielefeldverschwörung nicht gibt, existiere auch keine eindeutige Wahrheit. Gedreht wurde unter Regie von Daniel Mechling mit Mirjam Novak und Cecilia Lanzi ab April 2010 in München.

Der Cartoonist Ralph Ruthe, der in Bielefeld geboren wurde, hat sich des Themas in dem kleinen Video Zeugenschutzprogramm angenommen.[21] In der Fernsehserie Wilsberg des ZDF wurde das Thema in den Episoden Aus Mangel an Beweisen und Die Bielefeld-Verschwörung aufgegriffen.[22] Bundeskanzlerin Angela Merkel erwähnte bei der Verleihung des Deutschen Sozialpreises im November 2012 in Bielefeld geführte Bürger-Gespräche mit dem Nachsatz „… so es denn existiert“ und fügte an: „Ich hatte den Eindruck, ich war da“.[23]

Von Seiten der Stadt Bielefeld selbst wird die Bielefeldverschwörung unterschiedlich wahrgenommen. Einerseits schaffen Anfragen in Form von E-Mails einen Bearbeitungsbedarf, andererseits wird das Thema vom Stadtmarketing aufgegriffen. So stand zum Beispiel die 800-Jahr-Feier der Stadt 2014 unter dem Motto „Das gibt’s doch gar nicht“.[9][24] Das Stadttheater Bielefeld hat sich des Themas in dem Stück „Verschwörer – Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ von Tobias Rausch angenommen.[25]

Die israelische Regisseurin Sapir Heller kreierte 2015 in einer Münchner Galerie das Das Bieleveld Projekt. In einer multimedialen Installation werden Hintergründe zu den verschiedenen Mythen und Verschwörungstheorien aufgedeckt, die sich um diese Stadt ranken. Bekannte und renommierte Künstler stellen performativ ihre Arbeiten aus, rund um die Frage nach der Existenz und Identität ihrer Heimat. „Nach dem, was Bieleveld wirklich ist. Falls es ist.“[26]

Am 25. Januar 2017 wurde auf Facebook der Ortsname Bielefeld zu "Bielefeldverschwörung" geändert. Erste Erklärungsversuche des Seitenbetreibers wiesen darauf hin, dass im userbestimmten Teil des Netzwerks ein Konsens zur Umbenennung geherrscht haben müsse, wodurch es zur Umbenennung des Ortsnamens kam.[27] Laut Mimikama seien die Namen Bielefeld und Bielefeldverschwörung in der Datenbank zum Namen Bielefeldverschwörung zusammengefasst worden, wie es bereits schon mal der Fall war, als Germany zu Langenfeld-Thüringen wurde.[28][29] Kurze Zeit später war der korrekte Name wieder hergestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther Butkus (Hrsg.): Rätselhaftes Bielefeld. Die Verschwörung. Pendragon, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-86532-188-6.
  • Thomas Walden: Die Bielefeld-Verschwörung. Der Roman zum Film. Pendragon, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-86532-194-7.
  • Thomas Walden: Drachenzeit in Bielefeld: Aufgabe 2 der Bielefeld Verschwörung. tredition, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8472-3859-1.
  • Karl-Heinz von Halle (Pseudonym): Gibt es Bielefeld oder gibt es Bielefeld nicht? Eichborn-Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-8479-0546-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katharina Miklis: Aus Bielefeld? Das gibt’s doch nicht! In: der Freitag. 7. April 2010, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  2. a b "Ich habe die Bielefeld-Verschwörung unterschätzt" (Interview mit Achim Held), einestages auf Spiegel Online vom 15. Mai 2014.
  3. Achim Held: Die Bielefeld-Verschwoerung. In: de.talk.bizarre. Google Groups, 16. Mai 1994, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  4. Martin Motzkau: „Gibt’s doch gar nicht“: Der Mann hinter der großen Bielefeld-Verschwörung. In: Welt Online. 25. Januar 2013, abgerufen am 4. März 2013 (deutsch).
  5. Volker Backes: „Bielefake“-Schöpfer: „Es musste schon eine farblose Stadt sein“. In: Spiegel Online. 4. Juni 2010, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  6. Peter Bichsel: „Amerika gibt es nicht“. In: Kindergeschichten. Luchterhand-Verlag 1969. Suhrkamp Verlag 1997; 12. Auflage 1997. ISBN 978-3-518-39142-6
  7. Amerika gibt es nicht, Quetzal Leipzig
  8. taz-Artikel vom 13. Oktober 2010
  9. a b Mario Sixtus: Die Stadt, die nicht sein darf. In: Sixtus.net. 5. Juni 2004, archiviert vom Original am 31. Januar 2008, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  10. Die Bielefeld Verschwörung in der Internet Movie Database (englisch)
  11. Eine Stadt und ihr Witz: „Bielefeld-Verschwörung“ wird verfilmt. In: Spiegel Online. 13. Februar 2009, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  12. „Bielefake“-Satire: Wir sehen uns nur in dieser Welt… In: Spiegel Online. 4. Juni 2010, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  13. Die Bielefeld Verschwörung. Universität Bielefeld, 11. März 2010, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  14. Film: „Die Bielefeldverschwörung“ startet im Kino. In: FOCUS Online. 2. Juni 2010, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  15. http://www.bielefeld-marketing.de/de/service/bibewegt/meldung.html?idpm=2009-02-24-12.50.51.299681
  16. Rouven Ridder: Drachenzeit in Bielefeld. Neue Westfälische, 28. Juni 2012.
  17. Drachenzeit in Bielefeld. Trashtheater Bielefeld, abgerufen am 21. November 2016.
  18. Bielefeld – stirb stilvoll in der Internet Movie Database (englisch)
  19. Daniel Mechling – Portfolio / Eigene Projekte. In: Daniel Mechling. 20. April 2011, abgerufen am 1. Oktober 2013 (deutsch).
  20. Erstaufführung von Amateurfilm im Münchner Gloria Palast: Premiere von „Bielefeld – Stirb stilvoll“ ein voller Erfolg. In: Nachrichten München. 19. April 2011, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  21. Ralph Ruthe: Zeugenschutzprogramm. In: YouTube. 15. Oktober 2007, abgerufen am 6. September 2012 (Online-Video, deutsch).
  22. „Wilsberg“: Zwei Krimis und ein Internet-Intermezzo. In: Westfälische Nachrichten. 26. Januar 2012, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  23. Auch Merkel zweifelt an Existenz Bielefelds. In: Die Welt. 27. November 2012, abgerufen am 25. Januar 2013 (deutsch).
  24. 800 Jahre Bielefeld – Das gibt’s doch gar nicht! Bielefeld Stadtmarketing GmbH, archiviert vom Original am 22. November 2011, abgerufen am 6. September 2012 (deutsch).
  25. Verschwörer – Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Theater Bielefeld, abgerufen am 20. Februar 2015.
  26. Das Bieleveld Projekt. In: facebook. Abgerufen am 6. Juni 2015.
  27. Angela Wiese, Jens Reichenbach: Bielefeld heißt plötzlich Bielefeldverschwörung., Neue Westfälische, 26. Januar 2017, abgerufen am 26. Januar 2017.
  28. Nadine Grunewald: Bei Facebook heißt Bielefeld jetzt Bielefeldverschwörung., in: Neue Osnabrücker Zeitung, 26. Januar 2017, abgerufen am 26. Januar 2017.
  29. Bielefeldverschwörung auf Facebook!, ZDDK / minikama, 26. Januar 2017, abgerufen am 26. Januar 2017.

Koordinaten: 52° 1′ 17″ N, 8° 32′ 6″ O