Bottendorf (Burgwald)

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Bottendorf
Gemeinde Burgwald
Koordinaten: 51° 1′ 43″ N, 8° 48′ 46″ O
Höhe: 301 m ü. NHN
Fläche: 16,16 km² [LAGIS]
Einwohner: 2094
Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 35099
Vorwahl: 06451

Bottendorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Burgwald im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Hessen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Bottendorf liegt im Landkreis Waldeck-Frankenberg, etwa 4 km südlich der ehemaligen Kreisstadt Frankenberg (Eder) und etwa 30 km nördlich der Universitätsstadt Marburg, am nordwestlichen Rand des Burgwaldes, des größten zusammenhängenden Waldgebietes in Hessen.

Durch Bottendorf fließt das Burgwald-Flüsschen Nemphe, das in Frankenberg in die Eder mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fränkische Wehrbauernsiedlung „Boppindorf“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Ursprünge der Siedlung datieren auf die Jahre 725–775 n.Chr. In diesen Jahren gaben fränkische Könige im Nemphetal Wehrbauern Ackerland zur Besiedlung. Diese Wehrbauernsiedlungen dienten zur Sicherung der fränkischen Nordgrenze gegen die Westfalen, damals Teil Sachsens.

Die mittlere der sieben neuen Ansiedlungen stellte Bottendorf mit Meierhof, Kapelle und Pfarrei dar. Der Name Bottendorf leitet sich nach Ansicht einiger Historiker von dem Dorfgründer „Dorf des Boppo“ ab. Boppo war ein im Mittelalter weit verbreiteter Name. Die erste Erwähnung findet sich 1233 unter dem Namen Boppindorf.

Im Norden lagen Odersdorf (Dorf des Odrad=Der reichen Rat gibt), Wickersdorf (Dorf des Wighardt=Der im Kampf Starke) und Hadubrandsdorf (Hadu=Kampf und brandt=Schwert). Südlich, nempheaufwärts, lagen Wolkersdorf (Dorf des Volker=Herr des Volkes), Helmersdorf (Dorf des Helmholdt) und Nonnendorf, dessen Namensursprung vermutlich auf die später vom Stift Wetter dort gegründeten Nonnenhöfe zurückgeht. Um 1350 wurden, außer Wolkersdorf, die übrigen fränkischen Ansiedlungen aufgegeben und die Bewohner siedelten nach Bottendorf um.

Schloss und Domäne Wolkersdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Wolkersdorf, 1625
Margarethe von der Saale

Einen weiteren Ursprung des heutigen Bottendorfs bildet das 1250 von der Familie von Helfenberg südlich von Bottendorf gegründete Wolkersdorf. Der Mittelpunkt dieser Siedlung, die bald darauf um eine Kirche mit romanischem Wehrturm und romanischem Schiff erweitert wurde, war eine wassergeschützte Turmburg.[1] Bereits 1260 bestand eine Pfarrei, die zum Dekanat Kesterburg (Christenberg) gehörte.

1414, nach dem Tod Rudolphs V. von Helfenberg, wurden die Landgrafen von Hessen alleinige Besitzer der Burg Wolkersdorf.[2] 1479 begann Landgraf Heinrich III., „der Reiche“, mit dem fast vollständigen Neubau eines befestigten Jagdschlosses, das hauptsächlich zur Ausübung der landesherrlichen Vorrechtes der „Hohen Jagd“ dienen sollte. Es bestand aus der Kernburg mit zwei parallel angeordneten viergeschossigen Wohnflügeln und einer umlaufenden Mauer mit runden Ecktürmen. Eine Vorburg ergänzte das Ensemble. Architekt war der landgräfliche Hofbaumeister Hans Jakob von Ettlingen.[3]

Geschichtlich bedeutend wurde das Jagdschloss Wolkersdorf durch die zweite Ehe des Landgrafen Philipp I. (genannt „der Großmütige“) im März 1540. Philipp versuchte, seine Bigamie, auf die er selbst die Todesstrafe ausgestellt hatte, vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, indem er seine zweite Ehefrau Margarethe von der Saale zwei Jahre im Schloss Wolkersdorf versteckt hielt, wo sie ihren ersten gemeinsamen Sohn Philipp bekam.

Ihren Landbesitz fassten die Landgrafen zu einer Domäne zusammen. Die dort beschäftigten Tagelöhner, die teilweise polnischen Ursprungs waren, wurden in Bottendorf sesshaft.

In den Jahren von 1811 bis 1813 ließ Jérôme Bonaparte, Napoléon Bonapartes jüngster Bruder, der von 1806 bis 1813 als dessen Statthalter und König von Westphalen in Kassel residierte, das Schloss Wolkersdorf zum Abriss verkaufen. Heute erinnern nur noch Mauerreste und die Wolkersdorfer Teiche an die ehemalige Schlossanlage.

Zusammenwachsen der beiden Ansiedlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1912 die staatliche Domäne Wolkersdorf aufgelöst wurde, wurden Bottendorf und Wolkersdorf zum heutigen Bottendorf zusammengefasst. Die ansässigen Tagelöhner erhielten neues Bauland und die beiden Ansiedlungen wuchsen zusammen. In dieser Epoche bildete sich ein breit gefächerter Handwerkerstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs, nicht zuletzt durch die Ansiedlung von Menschen, die in den Wirren des Krieges ihre Heimat verloren hatten, Bottendorf zu seiner heutigen Größe.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1974 wurde der bis dahin selbständige Ort Birkenbringhausen in die neue Gemeinde Burgwald eingegliedert.[4]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alljährlich stattfindende Heimatfest, mit seinem reichen Festzug, welches auf dem großen Bottendorfer Festplatz stattfindet, wird abwechselnd von einem der örtlichen Vereine ausgerichtet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bottendorf, welches den größten Ortsteil der Gemeinde Burgwald darstellt, befindet sich das Hessische Forstamt Burgwald, das mehrere Revierförstereien betreut. Neben ihm bieten einige im Ort ansässige, mittelständische Unternehmen, unter anderem des Holz- und Metallbaus und der Kunststofftechnik, Arbeitsplätze in Bottendorf. Viele Bewohner arbeiten aber auch in den Industriebetrieben im nahe gelegenen Frankenberg (Eder) und in Allendorf (Eder) und Battenberg (Eder).

Bottendorf ist nach dem Regionalen Raumordnungsplan, auf Grund seiner guten Infrastruktur, als Kleinzentrum eingestuft.

Außerdem ist Bottendorf Sitz der Geschäftsstelle der Entwicklungsgruppe Region Burgwald.

Bräuche und Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spitzname „Worschte-Mäuler“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dörfer und Städte im Altkreis Frankenberg und deren Bewohner haben meistens einen oder mehrere Spitznamen, die auf örtliche Besonderheiten anspielen. Diese sind auch heute noch durchaus gebräuchlich.

Von den Bottendorfern spricht man im Allgemeinen als den „Worschte-Mäulern“. Wie Pfarrer Dr. Gustav Hammann im 1972 erschienenen Bottendorfer Brief Nr. 26 beschreibt, geht dieser Name auf den unstillbaren Hunger der armen Bottendorfer Bevölkerung nach Wurst zurück. Größtenteils als Tagelöhner auf der nahe gelegenen Wolkersdorfer Domäne, als Knechte und Mägde in den umliegenden Bauerndörfern und im Holzwald beschäftigt, hatten die Bottendorfer daheim nur mehr als schmale Kost. Nur die wohlhabenderen Familien im Ort konnten sich leisten, ein Schwein zu schlachten. So erklärt es sich, dass die Bottendorfer, wenn sie in der Fremde arbeiteten, immer zuerst nach der angebotenen Wurst griffen.

Es gibt eine Anekdote, nach der ein Gastwirt, nach dem Weg nach Bottendorf gefragt, antwortete:

„Nach Bottendorf? Ganz einfach Junge, immer den Worschteschalen nach!“

Obwohl der Spitzname auf die Armut der früheren Bewohner des Dorfes zurückgeht, tragen die Bottendorfer ihn heute nicht ohne einen gewissen Stolz. Man ist stolz auf die heimischen Wurstspezialitäten und jeder Bottendorfer wird behaupten, dass die „Rote Wurst“, wie man in Nordhessen zu Mettwurst sagt, nirgends so gut, wie in Bottendorf sei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Maus (* 5. Juni 1888 in Bottendorf; † 16. Februar 1945 in Hochstadt bei Lichtenfels) war ein deutscher Pädagoge, Mitglied der Bekennenden Kirche und christlicher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Geschichte derselben siehe Wolkersdorf: Burg südlich bei Bottendorf (Burgwald) südlich von Frankenberg / Eder, Burgenlexikon, Private Webseite, Stand: 22. Mai 2014, abgerufen: 3. November 2016
  2. Schloss Wolkersdorf - Burgen und Schlösser im Landkreis Waldeck-Frankenberg
  3. Reinhard Gutbier: Der landgräfliche Hofbaumeister Hans Jakob von Ettlingen. Eine Studie zum herrschaftlichen Wehr- und Wohnbau des ausgehenden 15. Jahrhunderts. 2 Bde. Darmstadt, Marburg 1973, hier Bd. 1, S. 99 - 105.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 390.