Ernsthausen (Burgwald)

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Ernsthausen
Gemeinde Burgwald
Koordinaten: 50° 59′ 4″ N, 8° 44′ 2″ O
Höhe: 247 m ü. NHN
Fläche: 7,8 km² [LAGIS]
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 35099
Vorwahl: 06457

Ernsthausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Burgwald im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist der südlichste der fünf Ortsteile Burgwalds, 10 km südlich von Frankenberg (Eder) und 23 km nördlich von Marburg (Lahn) gelegen. Die nordwestlichen und nördlichen Grenzen bilden die Gemarkungen der Burgwalder Ortsteile Birkenbringhausen, Wiesenfeld und Bottendorf, die östliche Grenze der zu Rosenthal (Hessen) gehörende Stadtteil Roda. Die Gemarkungsgrenze im Süden und Südosten zu den Münchhäuser Ortsteilen Münchhausen und Wollmar markiert auch die Kreisgrenze zwischen den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf. Im Westen liegt Berghofen, ein Stadtteil von Battenberg (Eder).

Ernsthausen liegt am westlichen Rand des Burgwalds. Durch den Ort fließen die Wetschaft und der Senkelbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Siedlungsspuren auf dem Gebiet der Gemarkung stammen aus der Eiszeit, Fundort ist der Richtung Roda gelegene Weiboldskopf.[1]

Der Ortsname geht auf den Namen einer Ansiedlung zurück, die unter der Leitung eines Mannes mit Namen Ernst gegründet wurde.[2] Orte mit der Endsilbe -hausen gehen vor allem auf Gründungen im 9. und 10. Jahrhundert zurück, der Zeit der späten Karolinger. Ursprünglich wird der Ortskern aus einigen wenigen Häusern bestanden haben, die entlang der heutigen Darmstädter Straße in der so genannten Öül-Ecke (Eulenecke) erbaut wurden. Die Situation in den ersten Jahrhunderten bleibt im Dunkeln.

Der Ort wurde 1303 das erste Mal urkundlich erwähnt. In der Urkunde wurde dem Ritter Eckhard von Helfenberg die Hälfte des Zehnten in Ernesthusen lehensweise übertragen als Ausgleich für die Übergabe ihm gehörender Güter in Gasterfeld bei Wolfhagen an den hessischen Landgrafen Heinrich.[3]

Im 14. Jahrhundert geriet der Ort weitgehend unter den Einfluss der im 13. Jahrhundert in Wiesenfeld von Battenberger Grafen gegründeten Johanniterkommende. Nach dem Aussterben des dortigen Adelsgeschlechts wurden die Gebiete zum Spielball der beiden hessischen Regionalmächte, des Erzbistums Mainz und der Landgrafschaft Hessen, wobei die Letztere bei der Zuteilung von Wiesenfeld und Ernsthausen die Oberhand behielt.[4]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1971 wurde der bis dahin selbständige Ort Ernsthausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die neue Gemeinde Burgwald eingegliedert.[5]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Eingemeindung im Jahre 1971 war der Ort politisch selbstständig und hatte auch einen eigenen Bürgermeister. Bis 1834 wurde das Amt durch einen Schultheiß versehen. In Ernsthausen waren als Bürgermeister tätig (in Klammern die Hausnummer):[6]

  • 1834 Thielemann Röß (Nr. 4)
  • 1838–1846 Hermann Engel (Nr. 28)
  • 1846–1859 Heinrich Engel (Nr. 93)
  • 1859–1860 Johannes Banf (Nr. 79)
  • 1860–1873 Johannes Tripp (Nr. 20 bzw. 79)
  • 1873–1890 Karl Schwieder (Nr. 94)
  • 1890–1904 Hermann Engel (Nr. 89)
  • 1904–1919 Heinrich Tripp (Nr. 50)
  • 1919–1934 Hermann Hofmann (Nr. 107)
  • 1934–1945 Georg Trusheim (Nr. 45)
  • 1946–1948 Nikolaus Engel (Nr. 11)
  • 1948–1956 Heinrich Tripp (Nr. 46)
  • 1956–1971 Jakob Hirth (Nr. 164)

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche in Burgwald-Ernsthausen

Im Ort sind eine Vielzahl von Vereinen aktiv und prägen das sportliche und kulturelle Leben der Gemeinde. Diese werden im Folgenden aufgelistet (Gründungsdatum in Klammern). Weitere Vereine sind gemeindeweit tätig.

  • Brieftaubenzuchtverein Gut Flug (Februar 1932)
  • Evangelischer Posaunenchor Ernsthausen (1882)
  • Freiwillige Feuerwehr Ernsthausen (10. März 1934)
  • Heimat- und Kulturverein Ernsthausen (2001)
  • Landfrauenverein Ernsthausen (10. April 1978)
  • Radfahrerverein Wanderlust Ernsthausen (17. Juni 1911)
  • Reit- und Fahrverein Ernsthausen (1982)
  • Schützenverein Ernsthausen (10. Februar 1971)
  • TSV Ernsthausen (13. Juli 1924)

Ortsneckname Brüchhinkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brüchhinkel heißt auf Hochdeutsch übersetzt Bruch- bzw. Sumpfküken. Der Name ist der Erzählung nach darauf zurückzuführen, dass die Ernsthäuser neue Futtergebiete erschlossen, indem sie ihr Federvieh auf den feuchten Wiesen im Wetschaft- und Senkelbachtal weiden ließen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundschule in Burgwald-Ernsthausen mit Lahn-Eder-Radweg

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 252 zwischen Korbach und Marburg. Burgwald-Ernsthausen (früher Ernsthausen Kr Frankenberg) ist eine Haltestelle der Burgwaldbahn, auf der dieselgetriebene Schienenbusse des Typs VT 628 während der Woche in einstündlichem und sonntags in zweistündlichem Rhythmus verkehren. Die Haltestelle wurde im Jahr 2011 barrierefrei umgebaut. Der Lahn-Eder-Radweg, der von Marburg nach Frankenberg führt, erreicht von Ernsthausen im Süden kommend über das Gebiet der Burgwalder Ortsteil Wiesenfeld und Burgwald die ehemalige Kreisstadt Frankenberg.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Völker, Karl-Hermann: Julius Dehnhard. Bilder aus dem Leben eines Ernsthäuser Lehrers. In: Wiesenfelder Beiträge zur Heimatgeschichte. Nr. 1. Eigenverlag K.-H. Völker, Waldenserstraße 3, 35099 Burgwald-Wiesenfeld, Burgwald-Wiesenfeld 1979.
  • Stöhr, Ulrich; Briel, Reinhold; Briel, Johannes: Ernsthausen 1303–2003. Gemeinde Burgwald, Burgwald 2003.
  • Literatur über Ernsthausen in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernsthausen (Burgwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hammann, Gustav: Aus Ernsthausens Geschichte. Linien und Einzelbilder. In: Bottendorfer Brief. Band 12. Bottendorf 1967, S. 2.
  2. Stöhr, Ulrich; Briel, Reinhold; Briel, Johannes: Ernsthausen 1303–2003. Gemeinde Burgwald, Burgwald 2003, S. 13.
  3. Stöhr, Ulrich; Briel, Reinhold; Briel, Johannes: Ernsthausen 1303–2003. Gemeinde Burgwald, Burgwald 2003, S. 17.
  4. Stöhr, Ulrich; Briel, Reinhold; Briel, Johannes: Ernsthausen 1303–2003. Gemeinde Burgwald, Burgwald 2003, S. 24.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 390.
  6. Stöhr, Ulrich; Briel, Reinhold; Briel, Johannes: Ernsthausen 1303 - 2003. Gemeinde Burgwald, Burgwald 2003., S. 272