Brodnica

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Brodnica in Kujawien-Pommern. Zum Dorfe Brodnica in Großpolen, siehe Brodnica (Großpolen)
Brodnica
Wappen von Brodnica
Brodnica (Polen)
Brodnica
Brodnica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Powiat: Brodnica
Fläche: 22,87 km²
Geographische Lage: 53° 15′ N, 19° 24′ OKoordinaten: 53° 15′ 0″ N, 19° 24′ 0″ O
Höhe: 95 m n.p.m.
Einwohner: 28.616
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 87-300 bis 87-302
Telefonvorwahl: (+48) 56
Kfz-Kennzeichen: CBR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: ToruńBydgoszcz
Schienenweg: Brodnica–Jabłonowo Pomorskie
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 22,87 km²
Einwohner: 28.616
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1251 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0402011
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Jarosław Radacz
Adresse: ul. Kamionka 23
87-300 Brodnica
Webpräsenz: www.brodnica.pl



Brodnica ([brɔdˈɲiʦa], deutsch Strasburg in Westpreußen oder Strasburg an der Drewenz) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im ehemaligen Westpreußen an der Drewenz, südlich der Danziger Bucht und südlich von Marienwerder (Kwidzyn), etwa 45 Kilometer (Luftlinie) südöstlich von Graudenz (Grudziądz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strasburg (Strasbg.) an der Drewenz südlich von Marienwerder und südöstlich von Graudenz auf einer Landkarte von 1908.
Strasburg 1738–1745 (Georg Friedrich Steiner)
St.-Katharinen-Kirche

Strasburg wurde 1262 erstmals als Strasberg urkundlich erwähnt. Der Deutsche Orden plante mit der Errichtung einer befestigten Siedlung an einem wichtigen Übergang über die Drewenz, seiner damaligen östlichen Landesgrenze, sich vor Einfällen der heidnischen Prußen und Litauer abzusichern. Der Ort wird 1298 im Rahmen eines litauischen Überfalls erstmals als Stadt erwähnt.[2]

Mit dem Zweiten Thorner Frieden 1466 kam die Stadt als Teil des Kulmerlands zum autonomen, unter polnischer Schirmherrschaft stehenden Preußen königlichen Anteils. Das Kulmerland war fortan Polonisierungsversuchen ausgesetzt, mit dem Hauptziel, den autonome Region Preußen Königlichen Anteils möglichst in eine polnische Provinz umzuwandeln. Dieses wurde 1569 anlässlich der Bildung der Union von Lublin, durch die der Doppelstaat Polen-Litauen entstand, erneut versucht: Durch sein staatsstreichartiges Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag kündigte König Sigismund II. August die Autonomie des Königlichen Preußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[3][4] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs von den ehemaligen Städten des Preußischen Bundes von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[3] Während der polnischen Herrschaft wurden das Kulmer Land und das Michelauer Land fast vollständig polonisiert: bei der Wiedervereinigung West- und Ostpreußens 1772 fanden sich hier als rein deutsche Distrikte nur Stadt und Stadtbezirk Thorn sowie die Thorn-Kulmer Niederung.[5] Dies hatte auch daran gelegen, dass sich der ursprünglich deutsche Adel aufgrund erhaltener Privilegien rapide polonisierte.[6][7]

Im Rahmen der ersten polnischen Teilung kam Strasburg 1772 zum Königreich Preußen. Während der Franzosenzeit kam Strasburg 1807 vorübergehend zum Herzogtum Warschau. Durch den Wiener Kongress 1815 fiel es an Preußen zurück. Ab 1818 war Strasburg Sitz des Landratsamtes des Kreises Strasburg in Westpreußen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Strasburg eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt und mehrere gewerbliche Betriebe.[8]

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Strasburg 1920 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Es wurde die Ortsbezeichnung Brodnica eingeführt. Im Jahr 1934 kündigte die polnische Staatsregierung das deutsch-polnische Minderheitenschutzabkommen einseitig auf. Als Folge des Polenfeldzugs 1939 wurde das Territorium des Polnischen Korridors in das Reichsgebiet zurückgegliedert, und das Kreisgebiet wurde nun dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem Strasburg bis 1945 gehörte. Die Synagoge der Stadt wurde 1939 zerstört.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Strasburg am 22. Januar 1945 von der nach Westen vorrückenden Roten Armee besetzt. Bis zum Ende des Krieges verloren etwa 1.000 Einwohner der Stadt ihr Leben. Nach Kriegsende wurde Strasburg im Sommer 1945 von dersowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit ganz Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens vorläufig unter polnische Verwaltung gestellt. Als Ortsbezeichnung wurde wieder Brodnica eingeführt. Soweit deutsche Stadtbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit aus Strasburg vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 1.283 in 228 Haushalten (Feuerstellen)[9]
1783 1.853 mit der Garnison (315 Personen, die zu zwei Schwadronen eines 1773 gebildeten Husaren-Regiments gehören), meistens Lutheraner, 27 Juden[10]
1802 1.768 [11]
1807 2.113 [9]
1816 1.994 davon 713 Evangelische, 1.131 Katholiken und 150 Juden[11]
1821 2.356 [11]
1826 2.669 [9]
1831 2.585 zum größten Teil Deutsche[12]
1852 3.959 [13]
1864 5.014 davon 2.739 Evangelische und 2.275 Katholiken[14]
1871 5.305 davon 2.700 Evangelische und 2.300 Katholiken (2.000 Polen)[15]
1875 5.454 [16]
1880 5.801 [16]
1890 6.122 davon 2.587 Protestanten, 3.048 Katholiken und 480 Juden (2.000 Polen)[16]
1905 7.217 mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 141), davon 2.702 Protestanten und 318 Juden[8]
1910 7.951
1931 8.521 ca. 800 Deutsche[17]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2006 32.588

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • St.-Katharinen-Kirche, gotischer Backsteinbau, erbaut im 13. und 14. Jahrhundert, mit Innenausstattung im Stil der Renaissance und des Barock
  • Pfarrkirche der Unbefleckten Empfängnis der Seligen Jungfrau Maria, Barockbau, erbaut 1752 bis 1761, geweiht am 1. August 1762.
  • Ehemalige Evangelische Kirche, erbaut 1827 bis 1830 im klassizistischen Stil, geweiht am 4. April 1830. Letzter evangelischer Gottesdienst am 1. Januar 1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg von der Katholischen Kirche übernommen, heute kirchliche Schule
  • Von der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichteten und nach 1785 abgebrochenen Burg des Deutschen Ordens sind der 54 Meter hohe Turm mit Aussichtsetage, Mauerreste und Teile des Kellers erhalten, in denen sich eine archäologische Ausstellung befindet[18]
  • Von der ebenfalls in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichteten Stadtbefestigung sind neben Mauerresten das Kulmer Tor mit einem backsteingotischen Stufengiebel (heute Galerie für zeitgenössische Kunst) und der Storchenturm erhalten
  • Anna-Wasa-Palast, errichtet 1564, 1606 bis 1625 Wohnsitz der schwedischen Prinzessin Anna Wasa (1568–1625), der Schwester des polnischen Königs Sigismund III. Wasa, 1678 bis 1698 rekonstruiert, 1945 ausgebrannt, nach Rekonstruktion von 1960 bis 1970 dient das Gebäude heute als Bibliothek
  • Das Ende des vierzehnten Jahrhunderts erbaute Rathaus wurde im Jahre 1631 durch einen Brand zerstört. Später wurde es von Gebäuden umgeben und schließlich 1868 bis auf den erhaltenen achteckigen Turm abgerissen.
  • Getreidespeicher aus dem 17. Jahrhundert, heute Stadt- und Regionalmuseum

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brodnica liegt an der Landesstraße 15 Richtung Ostróda und hat einen früher bedeutenden Bahnhof. Im Personenverkehr wird jedoch nur die Bahnstrecke Działdowo–Chojnice westwärts, Richtung Jabłonowo Pomorskie und Grudziądz bedient, während sie ostwärts genauso wie die Strecken nach Kowalewo Pomorskie und Bahnstrecke Tama Brodzka–Iława nicht mehr betrieben wird. Die Strecke aus Sierpc wird nur noch im Güterverkehr bedient.

Mit Deutschland besteht eine regelmäßige Fernreisebuslinienverbindung.

Bahnhof Brodnica

Landgemeinde Brodnica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Brodnica, zu der die Stadt Brodnica selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 126,96 km², auf der 7795 Menschen leben (30. Juni 2015).

Hauptartikel: Brodnica (Landgemeinde)

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen Partnerschaften mit folgenden Städten;

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brodnica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Hans Plehn, Geschichte des Kreises Strasburg in Westpreußen (Leipzig 1900) S. 32 f.
  3. a b Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  4. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  5. Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Land und Leute in Westpreußen. In: Zeitschrift für preußische Geschichte und Landeskunde. Band 7, Berlin 1870, S. 189–229, insbesondere S. 192–193.
  6. Xaver Frölich: Geschichte des Graudenzer Kreises. Band 1, Graudenz 1868, S. 103.
  7. Bernhard von Winckler: Westpreußische Studien. In: Altpreußische Monatsschrift, Band 3, Königsberg 1866, S. 415–440.
  8. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 19, Leipzig/ Wien 1909,S. 95–96.
  9. a b c Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 215–216.
  10. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Part II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 42–44.
  11. a b c Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 386–387, Ziffer 713.
  12. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 437, Nr. 46.
  13. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 359.
  14. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 190–191, Nr. 291.
  15. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 50–51, Ziffer 5.
  16. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Strasburg. 2006.
  17. Der Große Brockhaus. 15. Auflage. Band 18, Leipzig 1934, S. 234.
  18. http://www.zamkipolskie.com/brodnica/brodnica.html Burg des Deutschen Ordens