Lichtensteig

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Lichtensteig
Wappen von Lichtensteig
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Toggenburgw
BFS-Nr.: 3374i1f3f4
Postleitzahl: 9620
UN/LOCODE: CH LSG
Koordinaten: 724343 / 241946Koordinaten: 47° 19′ 0″ N, 9° 5′ 0″ O; CH1903: 724343 / 241946
Höhe: 625 m ü. M.
Fläche: 2,82 km²
Einwohner: 1871 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 663 Einw. pro km²
Website: www.lichtensteig.ch
Lichtensteig

Lichtensteig

Karte
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Über dieses Bild
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Lichtensteig eine Kleinstadt und politische Gemeinde im Kanton St. Gallen (Schweiz). Sie befindet sich im Wahlkreis Toggenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind Oberhelfenschwil, Bütschwil und Wattwil.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichtensteig wurde erstmal 1228 urkundlich als ein befestigte Ort der Grafen von Toggenburg mit Namen Liehtvnsteige erwähnt. Die Geschichte Liechtensteigg ist eng mit der Geschichte der Burg Neu-Toggenburg verbunden. 1310 wird erstmals ein Schultheiss aus Liechtensteig erwähnt. 1400 stellte Graf Donat Lichtensteig erstmals einen Freiheitsbrief aus. Durch diesen und weitere Briefe erlangte Lichtensteig Stadtrechte und eine eigenen Markt, eine eigene Verwaltung, ein eigenes Gericht und das Münzrecht. Damals hatte das Städtchen 400 Einwohner. Regiert wurde das Städtchen von einem Zwölferrat, wobei sechs Räte von den Bürgern jährlich zur Maiengemeinde gewählt wurden. Die anderen sechs Räte bestellte der Landesherr. Der Schultheiss wurde auf Vorschlag des Rates vom Landesherrn bestimmt. Im Jahre 1425 wird eine Stadtschule erwähnt. 1435 errichtete der letzte Graf von Toggenburg im Städtchen eine Kirche. Von 1531 bis 1967 benutzen Katholiken und Protestanten die gleiche Kirche. Nach dem Alter Zürichkrieg kaufte Fürstabt Ulrich Rösch von St. Gallen 1468 die Grafschaft Toggenburg und damit Lichtensteig. Lichtensteig wurde Sitz des Landvogts der Fürstabtei St. Gallen. Als erster Landvogt wurde der Lichtensteiger Albrecht Miles ernannt. 1469 bestätigte der Abt die Freiheitsbriefe. Bis 1798 residierten die toggenburgerischen Landvögte des Klosters St. Gallen in Lichtensteig. In Lichtensteig versammelten sich der toggenburgerische Landrat, das Landgericht und der Kriegsrat, ab 1529 auch die reformierte Synode, nachdem 1524 die Mehrheit der Bürger sich der Reformation angeschlossen hatten. 1652 wird erstmals ein Landschiessen in Lichtensteig urkundlich erwähnt. Das Landschiessen ist das älteste Freischiessen der Schweiz. Am 1. Februar 1798 erklärte der letzte Landvogt Karl Müller-Friedberg das Toggenburg für frei, ohne den Abt in St. Gallen vorher zu konsolidieren. Für 3 Monate war Lichtensteig Hauptort eines Toggenburger Freistaats. Im gleichen Jahr kommt das Städtchen an den Kanton Säntis. 1803 wird Lichtensteig Bezirkshauptort im neuen Kanton St. Gallen. 1870 nimmt die Toggenburgerbahn Wil – Ebnat ihren Betrieb auf. Der Bahnhof Lichtensteig, der sich auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Wattwil befindet, wird durch den Bau der Bodensee-Toggenburg-Bahn 1910 zum Verkehrsknotenpunkt. 1967 errichtete die reformierte Gemeinde ein eigenes Gotteshaus. 1970 die Katholische. Damit wurde die gemeinsame Nutzung des alten Gotteshauses nach 430 Jahren beendet. Die 1868 errichtete paritätische Kirche wurde 1968 abgebrochen. 1868 wurden die beiden konfessionell getrennten Schulen zu einer Schule vereint.[2][3]

Die UBS-Filiale in Lichtensteig, gegründet als Toggenburger Bank im Jahr 1863, ist Ursprung der heute grössten Bank der Schweiz.

1874 wurden die Ortschaften Hof, Loreto und Blatten von der Gemeinde Oberhelfenschwil auf Lichtensteig übertragen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1910 1536
1960 2032
1990 2046
2010 1924

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1978 besteht eine Gemeindepartnerschaft zwischen Lichtensteig und Adelberg in Baden-Württemberg, die 1991 erneuert und bekräftigt wurde. Volknand von Staufen aus dem Geschlecht der Toggenburger hatte auf eigenem Besitz im Schwäbischen 1178 das Kloster Adelberg gegründet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1910 die BT eröffnet wurde, bekam Lichtensteig einen neuen Bahnhof.

Lichtensteig liegt an der Hauptstrasse 16, die Wil und Wildhaus verbindet; eine Umfahrungsstrasse, als Autostrasse klassiert, entlastet die Stadt vom Transitverkehr. Sie liegt auch an der Hauptstrasse 8 und ist damit der Ausgangspunkt des Wasserfluhpasses.

Seit am 24. Juni 1870 die Toggenburgerbahn auf der Strecke WilEbnat-Kappel den Betrieb aufnahm, ist Lichtensteig mit dem auf Wattwiler Gemeindegebiet liegenden Bahnhof von der Eisenbahn erschlossen. Als die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) am 1. Oktober 1910 die Strecke RomanshornSt. Gallen–Wattwil eröffnete, wurde der Bahnhof durch einen etwas südöstlich gelegenen Keilbahnhof ersetzt. Das Stationsgebäude des ersten Bahnhofs ist erhalten geblieben. Lichtensteig wird von den Linien S 4, S 8 und S 9 der S-Bahn St. Gallen bedient. Die Linie St. Gallen–Wattwil–Nesslau-Neu St. Johann mit dem Wasserfluhtunnel Lichtensteig–Brunnadern und dem Bahnhof Lichtensteig steht heute im Eigentum der Südostbahn (SOB). Die Strecke Wil–Lichtensteig gehört den SBB.

Der zwischen Lichtensteig und Ebnat-Kappel verkehrende Ortsbus des Busbetriebs Lichtensteig–Wattwil–Ebnat-Kappel (BLWE) verbindet das Städtchen mit Wattwil. Ein Postautokurs führt vom Bahnhof Lichtensteig nach Krinau.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat eine mittelalterliche Altstadt («Städtli»). Die ältesten Häuser, die auch Teil der Stadtmauer sind, werden auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Seit 2016 gehört Lichtensteig zum Verein Die schönsten Schweizer Dörfer.[4]

Das auffälligste Baudenkmal ist die Katholische Kirche St. Gallus (1968–1970) von Walter M. Förderer. Sie steht auf einem Hügel oberhalb der Altstadt und zählt zum Baustil Brutalismus.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeweils im August finden die Jazztage, das grösste Jazzfestival der Ostschweiz, in Lichtensteig statt. Im September findet der Schweizerische Photoflohmarkt statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Studer: Das Städtchen Lichtensteig im Toggenburg. Hrsg. in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Lichtensteig. (Schweizerische Kunstführer, Band 577/578, Serie 58). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 1995, ISBN 3-85782-577-4.
  • Arnim Müller: Lichtensteig. Geschichte des Toggenburger Städtchens. Politische Gemeinde Lichtensteig, Lichtensteig 1978.
  • Robert Forrer: Lichtensteig, das Gewerbestädtchen im Toggenburg. Politische Gemeinde Lichtensteig, Lichtensteig 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lichtensteig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Historisches Lexikon der Schweiz Lichtensteig. Abgerufen am 28. September 2018.
  3. Die Geschichte Lichtensteigs im Überblick. Abgerufen am 18. September 2018.
  4. Lichtensteig im Verein Die schönsten Schweizer Dörfer. In: www.lichtensteig.ch. Abgerufen am 23. November 2016.