Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung

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Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung
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Rechtsform: Stiftung des öffentlichen Rechts
Zweck: Wahrung des Andenkens an das politische Wirken Helmut Schmidts; politische Bildungsarbeit
Vorsitz: Meik Woyke
Kuratorium: Peer Steinbrück (Vors.)
Susanne Schmidt (stellv. Vors.)
Geschäftsführung: Meik Woyke
Bestehen: seit 1. Januar 2017
Mitarbeiterzahl: 16 (Stand: 2020)
Sitz: Hamburg
Website: www.helmut-schmidt.de

kein Stifter angegeben

Die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung (BKHS) ist die jüngste der sechs überparteilichen Politikergedenkstiftungen der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2017 durch den Deutschen Bundestag errichtet, um „das Andenken an das politische Wirken Helmut Schmidts für Freiheit und Einheit des deutschen Volkes, für den Frieden und die Einigung Europas sowie für die Verständigung und Versöhnung unter den Völkern zu wahren“.[1] Im Rahmen ihrer politischen Bildungsarbeit soll sie zudem insbesondere jungen Menschen diejenigen Themen vermitteln, die Schmidt als Politiker und Publizisten beschäftigten (siehe Aufgaben).

Die Stiftung hat ihren Hauptsitz in der Hamburger Innenstadt und eine Außenstelle im ehemaligen Wohnhaus Schmidts im Stadtteil Langenhorn, in dem sich auch das private Helmut Schmidt-Archiv befindet.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsitz der Stiftung in der Hamburger Innenstadt (Kattrepel 10)

Die BKHS ist eine bundesunmittelbare Stiftung des öffentlichen Rechts. Sie wird durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt finanziert und untersteht der Rechtsaufsicht der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Stiftungsorgane sind das Kuratorium, dessen Mitglieder vom Bundespräsidenten für die Dauer von fünf Jahren bestellt werden, und der vom Kuratorium ernannte Vorstand. Dem Kuratorium gehören derzeit Peer Steinbrück (Vorsitz), Susanne Schmidt (stellvertretende Vorsitzende), Dirk Fischer, Johannes Kahrs, Giovanni di Lorenzo und Sandra Maischberger an.

Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer ist seit 1. Juli 2019 der Historiker Meik Woyke,[2] ehrenamtliche Vorstandsmitglieder sind außerdem Hans-Gerhard Husung und Bernd Neuendorf.[3] Von 2017 bis 2019 hatten Stefan Herms und Knut Nevermann als ehrenamtliche Vorstände die Stiftungsgeschäfte geleitet.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmer einer Fachtagung der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung im Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg im Januar 2020

Die Stiftung soll laut Errichtungsgesetz

  1. einen Beitrag zum Verständnis der Zeitgeschichte und der weiteren Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland sowie
  2. zur Aufarbeitung, Darstellung und Weiterentwicklung der Verantwortung Deutschlands in der Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik im europäischen und globalen Umfeld leisten
  3. Sie soll ferner dazu beitragen, die Kenntnisse zu den geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in Europa und der Welt zu vertiefen und zu erweitern.[1]

Neben der historischen Arbeit bestehen drei Programmlinien: „Europa und Internationale Politik“, „Globale Märkte und soziale Gerechtigkeit“ und „Demokratie und Gesellschaft“. Sie greifen thematische Impulse aus Helmut Schmidts Biografie auf und beschäftigen sich mit aktuellen politischen Fragen der Gegenwart. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Zukunft der transatlantischen Beziehungen: Hierzu veranstaltet die Stiftung bereits mehrere wissenschaftliche Fachtagungen[4] und setzte zusammen mit dem German Marshall Fund eine hochkarätig besetzte Expertenkommission ein, die bis zum Herbst 2020 Empfehlungen vorlegen soll.[5]

Die Stiftung arbeitet eng mit der 1992 gegründeten privaten Helmut und Loki Schmidt-Stiftung (HLS) zusammen, in Archivfragen außerdem mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Bundesarchiv.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut-Schmidt-Forum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Hauptsitz in der Hamburger Innenstadt unterhält die Stiftung das Helmut-Schmidt-Forum, in dem neben Ausstellungen und Führungen auch regelmäßig Lesungen, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen angeboten werden. Am 7. Dezember 2018 eröffnete hier die erste Fotoausstellung „100 Jahre in 100 Bildern“, in der bis Ende März 2020 ein Motiv pro Lebensjahr des früheren Bundeskanzlers gezeigt wurde, darunter z. T. zuvor unveröffentlichte Aufnahmen. Nach einer Umbaupause soll hier ab dem 10. November 2020 eine neue Dauerausstellung präsentiert werden.[6]

Wohnhaus in Langenhorn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnhaus Schmidt in Langenhorn, Ansicht von der Straße

Im Dezember 1961 bezogen Helmut und Loki Schmidt mit ihrer Tochter Susanne ein Haus in Hamburg-Langenhorn. Hier empfing Helmut Schmidt Freunde, Politiker und Künstler; zu seinen Gästen zählten u. a. Valéry Giscard d’Estaing, Henry Kissinger, Juan Carlos I., Leonid Breschnew, Oskar Kokoschka sowie die Mitglieder der von Schmidt begründeten „Freitagsgesellschaft“.[7][8]

Nach Schmidts Tod am 10. November 2015 erbte die von den Eheleuten bereits 1992 gegründete private Helmut und Loki Schmidt-Stiftung die Liegenschaft, die als authentischer Geschichtsort erhalten werden soll. Aufgrund der räumlichen Beschaffenheit sind Führungen hier nur in begrenztem Umfang möglich und werden ausschließlich über die BKHS angeboten.[9]

Helmut Schmidt-Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbau des Helmut-Schmidt-Archivs in Langenhorn

Ebenfalls in Langenhorn befindet sich das Helmut Schmidt-Archiv, das die privaten Nachlässe von Helmut und Loki Schmidt sowie ihres engen Freundes Karl Wilhelm Berkhan verwahrt. Es umfasst über 3.500 Akteneinheiten, 284 Fotoalben und eine umfangreiche Bibliothek. Nachdem Schmidt bereits 1978 ein kleines Bibliotheksgebäude hatte anbauen lassen, erwarben die Schmidts 1992 die benachbarte Doppelhaushälfte zur Unterbringung des Archivs. 2006/07 erfolgte ein weiterer Anbau, seitdem lagern die Nachlässe in einem eigenem Magazinraum.

Das Archiv gehört ebenfalls der privaten Helmut und Loki Schmidt -Stiftung. Mitarbeiter der BKHS erschließen und verzeichnen die hier verwahrten Nachlässe und schaffen so die Voraussetzungen für ihre öffentliche Nutzung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b § 1 und 2 des Gesetzes über die Errichtung einer Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung vom 13. Oktober 2016 (BGBl. I S. 2358)
  2. Dr. Meik Woyke wird Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer. In: helmut-schmidt.de. 25. Februar 2019, abgerufen am 5. März 2020.
  3. Kuratorium | Mitarbeiter/innen. In: helmut-schmidt.de. Abgerufen am 4. März 2020.
  4. FOTAR2020. Abgerufen am 4. März 2020.
  5. Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung und German Marshall Fund gründen „Transatlantic Task Force“. In: helmut-schmidt.de. Abgerufen am 4. März 2020.
  6. Jana Werner: „Die Menschen lieben Schmidt nach wie vor“. In: DIE WELT. 18. Dezember 2019 (welt.de [abgerufen am 4. März 2020]).
  7. Olaf Wunder: Brandt und Breschnew waren zu Besuch: So wurde Schmidts Bungalow zur Legende. In: mopo.de. 22. Dezember 2018, abgerufen am 4. März 2020.
  8. Hansjörg Müller, Hamburg: Helmut Schmidts Wohnhaus in Hamburg erlebt einen Besucheransturm. In: Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 4. März 2020]).
  9. Für kleine Besuchergruppen: Legendärer Schmidt-Bungalow öffnet am Freitag seine Türen. In: mopo.de. 4. April 2019, abgerufen am 4. März 2020.