Oberwinter

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50.617.202555Koordinaten: 50° 36′ 36″ N, 7° 12′ 9″ O

Oberwinter
Stadt Remagen
Höhe: 55 m
Einwohner: 3693 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 53424
Vorwahl: 02228
Oberwinter (Rheinland-Pfalz)
Oberwinter

Lage von Oberwinter in Rheinland-Pfalz

Oberwinter ist einer von sechs Ortsbezirken und zugleich einer von acht Ortsteilen[2] der verbandsfreien Stadt Remagen im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Der Ortsbezirk gliedert sich in die Ortsteile Oberwinter, Rolandseck, Birgel, Waldheide und Bandorf (mit dem Wohnplatz Schmelzmühle). Am 31. Dezember 2013 betrug die Einwohnerzahl des Ortsbezirks 3693, die des Ortsteils Oberwinter 2489 (ohne Nebenwohnsitze).[1]

Geographie[Bearbeiten]

Oberwinter liegt am nördlichen Mittelrhein am linken Ufer gegenüber der Ortsgemeinde Rheinbreitbach. Das Gebiet des Ortsbezirks befindet sich naturräumlich großteils in der Honnefer Talweitung, die sich linksrheinisch durch ein über 100 m hohes Steilufer kennzeichnet, dem rechtsrheinisch ein wesentlich breiterer, halbmondartig aufgeweiteter Talbereich gegenüberliegt. Die Oberwinterer Rheinbucht, Standort eines Hafens, lässt das Ufer auf einer Länge von einem Kilometer deutlich zurücktreten. Am Hafendamm befindet sich die historische Stelle der Kiesbank Oberwinterer Grund. Im Norden des Ortsbezirks auf Höhe von Rolandseck hat Oberwinter Anteil an der Südspitze der Insel Nonnenwerth. Die Wohnbebauung des Ortsteils Oberwinter reicht bis auf Höhen von 100 m ü. NN, die des Ortsteils Waldheide bis zu 160 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Laurentius

Im Jahr 886 wird das Dorf urkundlich erstmals erwähnt. 1131 erfolgt die erstmalige urkundliche Nennung der Oberwinterer Pfarrkirche St. Laurentius. 1166 wird Birgel erstmals erwähnt. 1318 erhielt Burggraf Gerhard von Landskron die Herrlichkeit Oberwinter mitsamt dem Kirchspiel Birgel zu Lehen.[3] 1366 wurde die Herrschaft über den Ort als Mitgift von Kunigunde, der Erbtochter Gerhards, des Burggrafen von Landskron, an die Herren von Tomburg übertragen. (Die beiden Wappen von Landskron und Tomburg befinden sich unter dem Weinstock im Stadtwappen von Oberwinter.) 1441 wurde die Herrlichkeit Oberwinter geteilt. Die eine Hälfte ging als Mitgift an die Herren von Saffenburg, die andere Hälfte an die Herren Quadt von Landskron.

Am 27. November 1565 schlug die Geburtsstunde der Reformation in Oberwinter. Der katholische Kultus wurde offiziell aufgehoben. Bald darauf (1593) aber fielen beide Hälften der Herrlichkeit Oberwinter durch Gebietstausch an den Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg. Die Pfarrstellen in Oberwinter und Birgel wurden wieder katholisch. 1721 bis 1723 wurde die evangelische Kirche errichtet. Am 28. Februar 1784 wurde Oberwinter vom bis dahin schlimmsten Rheinhochwasser heimgesucht.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Oberwinter landesherrlich zum Herzogtum Jülich und unterstand als Herrschaft Oberwinter (mit Bandorf und Birgel)[4] der Verwaltung des Amtes (Sinzig-)Remagen. Nach der Inbesitznahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen (1794) und der Übernahme der französischen Verwaltungsstrukturen (1798) wurde Oberwinter der Mairie Remagen im Kanton Remagen zugeordnet. Die Gemeinde Oberwinter zählte zusammen mit Bandorf und Birgel gegen 1800 133 Häuser mit 762 Einwohnern, darunter drei jüdische Familien. Acker- und Weinbau waren die einzigen Gewerbe.[5] 1815 wurde das Rheinland dem Königreich Preußen zugesprochen und Oberwinter 1816 der neu gebildeten Bürgermeisterei Remagen im Kreis Ahrweiler zugeordnet.[6]

Im Jahre 1887 fiel die Entscheidung für den Bau eines Winterschutzhafens in Oberwinter. Ausschlaggebend dafür war der Oberwinterer Grund, eine breite Kiesbank, die sich inmitten des Stromes gebildet hatte.[7] In den Jahren 1888 bis 1891 wurde die Bucht von Oberwinter durch einen 800 Meter langen Damm abgeschlossen, wodurch ein rund 5 Hektar großer, staatlicher Sicherheitshafen entstand.[8] Heutzutage hat der Hafen in der Hauptsache eine Funktion als Hochwasserschutz für Oberwinter, nicht mehr so sehr als Schutzhafen für die Schifffahrt. Seit 1956 ist er Heimathafen für den Bonner Yacht-Club 1911 sowie seit 1957 für den Yacht-Club Mittelrhein Bad Godesberg.

Außenstelle der Botschaft der Ukraine (2013)

Im Jahre 1885 gehörten zur Gemeinde Oberwinter die Wohnplätze Bandorf mit 145, Birgel mit 83, Mühlenloch mit 9, Rolandseck mit 125, Schmelzmühle mit 9 und Unkelstein mit 9 Einwohnern.[9] 1910 zählte die Gemeinde in der damaligen preußischen Rheinprovinz 1522 Einwohner.[10]

Im Dezember 1994 wurde Oberwinter Standort der Botschaft der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, nachdem diese das ehemalige Restaurant „Zur Waldheide“ auf den Rheinhöhen gekauft und umgebaut hatte. Anlässlich des Staatsbesuches des ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma wurde sie am 4. Juli 1995 offiziell eröffnet. Nach der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin 1999 richtete die Ukraine dort die Außenstelle Bonn der Botschaft ein, ihre einzige Außenstelle sowie die einzige außerhalb von Bonn verbliebene diplomatische Vertretung (→ Botschaft der Ukraine (Remagen)).

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1585 500 1943 2.035 1990 2.677
1767 750 1963 3.201 1995 2.669
1817 677 1975 2.841 2000 2.621
1866 1.447 1980 2.858 2005 2.686
1905 1.583 1985 2.670 2010 2.592

Einwohner mit Nebenwohnsitzen, vor 1969 Gemeinde Oberwinter[1][11]

Politik[Bearbeiten]

Der Ortsbezirk Oberwinter wird durch einen aus zwölf Mitgliedern bestehenden Ortsbeirat und einem Ortsvorsteher vertreten.[2]

Bis zur Eingliederung in die Stadt Remagen am 7. Juni 1969 war Oberwinter eine eigenständige Gemeinde.[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Bahnhof Rolandseck und das Richard-Meier-Gebäude bilden das Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Eberhard Bosslet – Regenfänger 2001

Am Ende der Landzunge des Yachthafens von Oberwinter steht die 2001 realisierte, weithin sichtbare Skulptur „Regenfänger“ von Eberhard Bosslet, die aus Ausrüstungsgegenständen des Baugewerbes besteht. Sie ist eines der acht Kunstwerke des Skulpturenufers entlang des Rheins von Remagen bis zum Bahnhof Rolandseck.

Hotel Decker am Rheinufer, 1897
Rolandseck mit Bahnhof, vom Rolandsbogen aus gesehen

Zu den Sehenswürdigkeiten des Stadtteils zählen die katholische Pfarrkirche St. Laurentius (Erstnennung 1131, heutiger Bau 1865/66), das Haus Schwanen aus dem Jahre 1671, das Haus Wirtz aus dem 18. Jahrhundert, das Zettelmeiersche Haus aus dem 17. Jahrhundert und die Evangelische Kirche aus den Jahren 1721–1722[13]. Als ein Wahrzeichen von Oberwinter gilt „De ahl Pump“, eine Wasserpumpe von 1780[14].

Im Ortsteil Rolandseck liegt der 1856–58 erbaute Bahnhof Rolandseck, in dessen Räumen und in einem Neubau sich seit dem 29. September 2007 das Arp Museum Bahnhof Rolandseck befindet. Im selben Ortsteil befindet sich auch der Wildpark Rolandseck.[15]

Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr[Bearbeiten]

Fähre Bad Honnef–Rolandseck

Am Nordrand des Oberwinterer Hafens befindet sich das Werftzentrum Mittelrhein, das auf die 1947 durch die französische Besatzungsmacht gegründete und 1952 privatisierte Schiffswerft Oberwinter sowie die ab 1977 dort ansässige Schiffswerft Schmidt zurückgeht. Eine weitere Werft in Oberwinter war die Schiffswerft Clausen, die vor allem Fähren und Fahrgastschiffe herstellte.

Die Hauptverkehrsstraße in Oberwinter ist die am Rheinufer verlaufende Bundesstraße 9.

Über den Bahnhof Oberwinter besteht Anschluss an die Ahrtalbahn, die Mittelrheinbahn und den Rhein-Express. Dadurch bestehen durchgehende Verbindungen nach Koblenz Hbf, Bonn Hbf, Köln Hbf und Düsseldorf Hbf.

Im Ortsteil Rolandseck befindet sich die Anlegestelle der Fährverbindung zwischen Bad Honnef und Rolandseck. Diese geht zurück auf eine frühere Gierseilfähre an gleicher Stelle. Zwischen Rolandseck und Rolandswerth befindet sich außerdem noch der Anleger der Fährverbindung zur Insel Nonnenwerth.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Adolf Galland (1912–1996), berühmter Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, lebte und starb in Oberwinter
  • Annemarie Renger (1919–2008), Präsidentin des Deutschen Bundestages (SPD), lebte und starb in Oberwinter-Birgel
  • Hermann Scheer (1944–2010), Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD), lebte in Oberwinter
  • Erwin Wickert (1915–2008), Schriftsteller und Botschafter, lebte und starb in Oberwinter
  • Eugen Gerstenmaier (1906–1986), Widerstandskämpfer, Präsident des Deutschen Bundestages (CDU), lebte und starb in Oberwinter
  • Erich Topp (1914–2005), Konteradmiral der deutschen Marine, lebte auf der Rheinhöhe in Oberwinter-Birgel
  • Horst Walter Endriss (* 1938), Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, lebt auf der Rheinhöhe in Oberwinter-Birgel
  • Ralf Schmitz (* 1957), Pionier der Gehörlosenseelsorge, Gründer und erster Pfarrer der ersten katholischen Gehörlosengemeinde in Deutschland
  • Robert Landfermann (* 1982), Jazzmusiker

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberwinter – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Quelle: Einwohnerstatistik der Stadt Remagen
  2. a b Hauptsatzung der Stadt Remagen vom 15. Dezember 2009 (PDF-Dokument)
  3. H. Atzler, H. Wilms: Oberwinter 886-1986. Remagen 1986, S.17.
  4. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 283.
  5. Rheinischer Antiquarius, III.Abt., Bd.9, S. 386f.
  6. Chronik des Orts auf der Internetpräsenz des Oberwinterer Rathausvereins
  7. Fuchs: 100 Jahre Hafenanlage Oberwinter
  8. Wilhelm Knippler: Aake und Schelche, Tauer und Tjalken. Eine Fibel zur Rheinschiffahrt, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1969, S.90
  9. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen (PDF), Band XII Provinz Rheinland, Verlag des Königlich statistischen Bureaus (Hrsg.), 1888, Seite 38
  10. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Ahrweiler
  11. H. Atzler, H. Wilms: Oberwinter 886-1986. Remagen 1986, S. 144.
  12. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 193 (PDF; 2,1 MB)
  13. Michael Schankweiler-Schell: Die ev. Kirche zu Oberwinter - Sinn evangelischen Kirchenbaus, Heimatjahrbuch des Landkreises Ahrweiler 2005, S. 153ff.
  14. Regenfänger, arp museum Bahnhof Rolandseck
  15. www.wildpark-rolandseck.de