Birgit Kelle

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Birgit Kelle 2011

Birgit Heike Kelle (* 31. Januar 1975[1] in Heltau, Rumänien, als Birgit Heike Götsch) ist eine deutsche Journalistin und Publizistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birgit Kelle siedelte 1984 als Rumäniendeutsche in die Bundesrepublik Deutschland über. Sie studierte einige Semester Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dann folgte ein Volontariat beim Badischen Verlag in Freiburg.[2]

2005 war sie Mitbegründerin der christlichen Monatszeitung VERS1[3] und führte sie als Chefredakteurin bis zur Einstellung der Zeitung 2008.[4]

Birgit Kelle ist Kolumnistin beim Meinungs- und Debattenportal The European (Kolumne Volle Kelle)[5] und schreibt bzw. schrieb unter anderem für Die Welt,[6] den Focus,[7] das Online-Portal kath.net,[8] die Freie Welt,[9] das Online-Magazin des Kopp Verlags,[10] den Bayernkurier,[11] eigentümlich frei[12][13] und die Junge Freiheit.[14] Sie war seit 2011 wiederholt Gast verschiedener Talkshows (beispielsweise Beckmann,[15] Maybrit Illner,[16] hart aber fair,[17] Lanz,[18] Menschen bei Maischberger) und wurde so einem größeren Publikum bekannt.[15][19]

Kelle ist Vorsitzende des Vereins „Frau 2000plus“.[1] Seit Oktober 2010 ist sie Vorstandsmitglied von New Women For Europe (NWFE), einem heterogenen Dachverband von 28 kleinen Frauenorganisationen aus 13 EU-Ländern mit nach eigenen Angaben insgesamt rund 1100 Mitgliedern, der in das gemeinsame Transparenz-Register des Europäischen Parlaments und der Kommission eingetragen ist.[20] Des Weiteren ist Birgit Kelle Mitglied der CDU.[21]

Kelle ist mit dem Journalisten, Medienunternehmer und Autor Klaus Kelle verheiratet. Das Ehepaar hat vier gemeinsame Kinder und wohnt in Kempen am Niederrhein.

Standpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kelle engagiert sich nach eigener Aussage „für einen neuen Feminismus abseits von Gender-Mainstreaming und Quoten“.[22] Sie vertritt die Auffassung, dass der traditionelle Feminismus ausgedient habe. Ihr Verein Frau 2000plus setzt sich für eine „neue Kultur der Frau“ ein.[23] Sie wünscht sich einen „femininen Feminismus“, durch den der Wunsch nach Familie besser verwirklicht werden könne, und tritt dafür ein, dass Frauen sich statt für ein Leben aus Karriere und Kindern auch für ein traditionelles Familienleben entscheiden dürfen, ohne deswegen benachteiligt zu werden.[23] Im September 2012 hielt sie vor dem Ausschuss des Familienministeriums ein Plädoyer für das Betreuungsgeld.[23] 2014 organisierte sie gemeinsam mit der Zivilen Koalition Kundgebungen gegen den baden-württembergischen Bildungsplan unter dem Motto „Demo für alle“, das man von ähnlich gelagerten Demonstrationen in Frankreich im Jahre 2013 übernahm.[24]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der taz schrieb Simone Schmollack, Kelle propagiere „das Mutterdasein als ein heiliges Frauenideal“.[25]

Ihr Artikel „Dann mach doch die Bluse zu!“ vom 29. Januar 2013 im The European, in dem Kelle Laura Himmelreich die Verantwortung für das sexistische Verhalten von Rainer Brüderle dieser gegenüber zuwies, wurde aufgrund der großen Verbreitung in sozialen Netzwerken laut den Diensten Werben & Verkaufen und 10000 Flies das „Social-Media-Phänomen des Jahres“.[26][27] Über die erweiterte Buchfassung Dann mach doch die Bluse zu schrieb Danuta Szarek auf Focus Online: „Es liest sich, wie der nochmals gewählte Titel ‘Dann mach doch die Bluse zu’ vermuten lässt: unterhaltsam provozierend, polemisch, sarkastisch.“[28] Auch Alexander Wallasch in der Tageszeitung taz befindet, dass Kelles Buch das Zeug habe, „eine von Alice Schwarzer, Bascha Mika oder Élisabeth Badinter dominierte Debatte zu beleben – und tatsächlich zum Bestseller zu werden“, allerdings seien „Versuche, eine konservative Haltung zum neuen Modernen zu erklären, […] noch selten überzeugend gelungen.“[29]

Andreas Kemper kritisierte in der taz, Kelle stelle sich als moderne Feministin dar, doch sie unterstütze die erzkonservativen Legionäre Christi. Ihr Antifeminismus sei so „alt und erstickend wie der missionarische Eifer der Legionäre Christi“.[24]

Der damalige Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, kritisierte Kelle als Beispiel für Menschen, die mit dem Begriff „Gender“ wenig anfangen könnten. Kelles „Aufschrei“ gegen einen „vermeintlichen Genderwahn“ verstehe er als eine „populistische Anbiederei an veränderungsunwillige konservative Kreise“.[30]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2013 erhielt Kelle den Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten, der von der Förderstiftung konservative Bildung und Forschung in Berlin in Zusammenarbeit mit der Jungen Freiheit vergeben worden ist. Die Laudatio hielt Andreas Unterberger.[31]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Birgit Kelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vereinsregisterblatt VR 2320 des Amtsgerichts Neuss
  2. Volontariat/Studium. In: Junge Freiheit. 23. November 2013.
  3. Die drei wichtigsten Bücher des Jahres (Memento vom 5. Februar 2007 im Internet Archive)
  4. christ konkret Veranstaltungsportal
  5. Kolumne „Volle Kelle“. In: The European.
  6. Pro: Brauchen wir das Betreuungsgeld? In: Die Welt. 7. November 2011.
  7. Ein Plädoyer von Birgit Kelle. In: Focus, 12. März 2012.
  8. Birgit Kelle: Reden wir doch von unserem Glück! In: kath.net, 10. Juli 2012.
  9. Birgit Kelle: Dann mach' doch die Bluse zu! auf: Freie Welt. 29. Januar 2013.
  10. Birgit Kelle: Deutsche Vierfachmutter fragt Grossfamilien wo seid ihr. auf: Kopp-Online. 15. März 2012.
  11. Birgit Kelle: Klassische Familie im medialen Abseits (Bayernkurier Nr 8/14 vom 22. Februar 2014), Familiäre Keimzellenforschung (Bayernkurier Nr 44/13 vom 2. November 2013), Plädoyer gegen die Mütter-Diskriminierung (Bayernkurier Nr 4/13 vom 26. Januar 2013)
  12. Birgit Kelle: My personal Heino: Eigentlich ein Duo. In: eigentümlich frei. Nr. 131, April 2013, S. 25 (online [PDF]).
  13. Birgit Kelle: Biologie statt Ideologie: Echte Männer braucht das Land. In: eigentümlich frei. Nr. 136, Oktober 2013, S. 28 (online [PDF]).
  14. Birgit Kelle: Freiheit statt Quote. In: Junge Freiheit, 18. März 2012.
  15. a b Glaubenskrieg um das Betreuungsgeld - was ist moderne Familienpolitik? In: Beckmann, 27. April 2012.
  16. Birgit Kelle bei Maybrit Illner. In: Maybrit Illner via YouTube, 2011 (Video).
  17. Video: Birgit Kelle bei hart aber fair, ARD 2012
  18. Video: Birgit Kelle bei Markus Lanz, ZDF 2013
  19. Presseclub. Frauen an den Herd oder an die Macht? Der Streit um Betreuungsgeld und Frauenquote. In: wdr.de“. 15. April 2012, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  20. Transparenz-Register. New Women for Europe. Registriernummer 96939897420-73. In: Website der Europäischen Union. Europäische Kommission, Generaldirektion Kommunikation, 13. Januar 2013, abgerufen am 19. Februar 2013.
  21. Tobias Blasius: Birgit Kelle ist die Anwältin der Hausfrauen. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 7. März 2014, abgerufen am 21. März 2014.
  22. Birgit Kelle bei The European. Abgerufen am 16. April 2013.
  23. a b c WestArt-Talk mit Birgit Kelle: Birgit Kelle vor dem Ausschuss des Familienministeriums. auf: WDR. 23. September 2012.
  24. a b Andreas Kemper: Militante Feministin Gottes. In: die tageszeitung, 8. September 2014.
  25. Simone Schmollack: Schlichte Welterklärungen und Mutterideal. In: die tageszeitung, 8. Juni 2011.
  26. Birgit Kelle: Dann mach doch die Bluse zu! In: The European. 29. Januar 2013.
  27. Christian Gehl: „Dann mach doch die Bluse zu“: Das Social-Media-Phänomen des Jahres. In: W&V vom 5. Februar 2013.
  28. Danuta Szarek: „Hirn oder Hintern – Frauen müssen sich entscheiden, was sie betonen wollen“. In: Focus. 30. August 2013, abgerufen am 5. September 2013.
  29. Alexander Wallasch: Mutti macht mobil. In: die tageszeitung. 6. September 2013, abgerufen am 22. Februar 2014.
  30. Von Intersexualität und queerer Theologie. In: pro, 8. April 2014.
  31. Birgit Kelle und Karl Feldmeyer erhalten Gerhard-Löwenthal-Preis. In: Junge Freiheit. 23. November 2013, abgerufen am 21. März 2014.