Canadair North Star

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Canadair North Star
Canadair North Star 1960 in Prestwick
Canadair North Star 1960 in Prestwick
Typ: Langstreckenflugzeug, Transportflugzeug
Entwurfsland: Kanada 1921Kanada Kanada
Hersteller: Canadair
Erstflug: 15. Juli 1946
Indienststellung: 19. November 1946
Produktionszeit: 1946–1950
Stückzahl: 71
Canadair C-2 North Star
Canadair C.4 Argonaut

Die Canadair North Star war ein Transport- und Verkehrsflugzeug des kanadischen Herstellers Canadair mit vier Kolbenmotoren. Es handelte sich um eine eigenständige Weiterentwicklung der Douglas DC-4/C-54. Die durch die Fluggesellschaft BOAC erworbenen Maschinen erhielten die Bezeichnung C-4 Argonaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. November 1944 übernahm Canadair Aircraft Ltd. den Flugzeugbau der Canadian Vickers Ltd. Neben den in Produktion befindlichen Consolidated PBY Canso-Patrouillenflugbooten existierte bereits ein Vertrag über die Entwicklung einer verbesserten Douglas DC-4.

Die neue Canadair North Star wurde 1946 vorgestellt. Die von der Royal Canadian Air Force (RCAF) bestellte Version C-54GM war bis auf die Motoren weitgehend identisch mit der Douglas C-54G Skymaster.

Bei der stärker modifizierten DC-4M stammten der Bug, das Fahrwerk und der verkürzte Rumpf von der Douglas DC-6, Heck, Leitwerk und Teile der Tragflächen von der DC-4. Von der C-54 übernahmen die Konstrukteure Teile des Rumpfs und der Tragflächen sowie das Cockpit. Statt der von Douglas verwendeten Sternmotoren erhielten die Flugzeuge den stärkeren, aber sehr lauten Rolls-Royce Merlin-V12-Motor, der eine deutlich höhere Geschwindigkeit ermöglichte. Bei reiner Economy Class-Bestuhlung fanden bis zu 62 Passagiere Platz. Im späteren Einsatz auf Charterflügen wurden maximal 80 Passagiere untergebracht.

Der Prototyp der North Star führte seinen Erstflug am 15. Juli 1946 durch. Canadair baute insgesamt 71 Maschinen unter den Bezeichnungen C-54GM, DC-4M, C-4 und C-5. Mit Ausnahme der C-5 erhielten alle Maschinen den Merlin-Motor; 47 Flugzeuge wurden mit einer Druckkabine ausgestattet. Das Flugzeug kam von den 1940er bis in die 1970er Jahre bei mehreren Fluggesellschaften zum Einsatz, ebenso bei der Royal Canadian Air Force. Einige Maschinen wurden zu Frachtern umgebaut und bis 1975 genutzt.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Canadair North Star/C-54GM wurde in mehreren Varianten produziert sowie in andere umgebaut:[1][2]

  • DC-4M-X North Star: Prototyp, kam später in den Besitz der Royal Canadian Air Force (RCAF)
  • C-54GM North Star Mk 1: sehr ähnlich der Douglas C-54G; Militärtransporter der RCAF mit vier Rolls-Royce Merlin 620-Motoren, ohne Druckkabine, 23 Exemplare gebaut
    • DC-4M-1 North Star Mk M1 : sechs von 1947 bis 1949 leihweise von Trans-Canada Airlines genutzte Flugzeuge der RCAF
      • North Star Mk M1 ST : zu Passagierflugzeugen umgebaute North Star Mk M1
  • DC-4M-2 North Star: Passagierflugzeuge der Trans-Canada Airlines mit Druckkabine. 20 Exemplare gebaut.
    • DC-4M-2/3 North Star : mit Rolls-Royce Merlin 622-Motoren und Dreiblatt-Propellern; auch North Star M2-3.
    • DC-4M-2/4 North Star : mit Rolls-Royce Merlin 624-Motoren und Vierblatt-Propellern; auch North Star M2-4.
    • North Star Mk 1 ST : zu Passagierflugzeugen umgebaute North Star Mk 1
  • C-4 Argonaut: 22 von der BOAC beschaffte Maschinen mit Rolls-Royce Merlin 626-Motoren
  • C-4-1 North Star: vier Exemplare der Canadian Pacific Air Lines
    • North Star C-4-1C : zu Frachtflugzeugen umgebaute North Star C-4-1
  • C-5 North Star: einzelner VIP-Transporter der RCAF mit vier Pratt & Whitney R-2800-Sternmotoren

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu gebaute Maschinen der Zivilversion wurden von den Fluggesellschaften Trans-Canada Air Lines, Canadian Pacific Air Lines und BOAC beschafft. Die ohne Druckkabine gelieferten Maschinen der kanadischen Luftwaffe erfüllten unterschiedlichste Transportaufgaben.

Nach Ausmusterung bei den Erstbetreibern gingen fünf Flugzeuge an die dänische Flying Enterprise, sieben an Air Links, etliche an British Midland Airways, vier an Aden Airways, fünf an East African Airways und weitere u. a. an die venezolanische Linea Expressa Bolivar (LEBCA).

Die mit dem leiseren Pratt & Whitney Double Wasp R-2800-Motor ausgestattete C-5 war als VIP-Transporter eingerichtet und beförderte unter anderem den kanadischen Premierminister und Königin Elisabeth II. Nach siebzehn Jahren wurde sie außer Dienst gestellt und verkauft.

Zivile Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aden
Burundi
  • König von Burundi (1)
Kanada
Dänemark
Italien
  • (Hank Wharton) (1)
Kenia
Mexiko
Großbritannien
Vereinigte Staaten
Venezuela

Militärische Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KanadaKanada Kanada
El SalvadorEl Salvador El Salvador
  • Fuerza Aerea Salvadorena (1)
RhodesienRhodesien Rhodesien
  • Royal Rhodesian Air Force (4)

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 21. September 1955 stürzte am Flughafen Tripolis nach drei fehlgeschlagenen Anflugversuchen eine Argonaut der BOAC (G-ALHL) ab, als die Maschine beim vierten Versuch 360 m vor der Landebahn Bäume streifte und abstürzte (Controlled flight into terrain). 15 der 47 Personen an Bord wurden getötet.[3]

Technische Daten (DC-4-M2 North Star)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten
Besatzung 7
Passagiere 44
Länge 28,89 m
Spannweite 35,81 m
Höhe 8,38 m
Flügelfläche 135,8 m²
Leergewicht 19.731 kg
Startgewicht 33.112 kg
Reisegeschwindigkeit 523 km/h
Höchstgeschwindigkeit 568 km/h
Dienstgipfelhöhe 10.970 m
Reichweite 6.212 km
Triebwerke vier Rolls-Royce Merlin 622-Kolbenmotoren mit je 1.313 kW

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Milberry, Larry. The Canadair North Star. CANAV Books, Toronto 1982, ISBN 0-07-549965-7.
  • Pickler, Ron und Milberry, Larry: Canadair: The First 50 Years. CANAV Books, Toronto 1995, ISBN 0-921022-07-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Canadair North Star – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. René Francillon: McDonnell Douglas Aircraft since 1920. Putnam, London 1988, ISBN 0-85177-827-5, S. 327-330.
  2. Peter Berry, Tom Dunstall, Michael Ford, John A. Whittle: The Douglas DC-4. Air-Britain (Historians), Hutton, Brentwood, 1967, S. 80 ff.
  3. Unfallbericht G-ALHL, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.