Bombardier Challenger 600

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Bombardier Challenger 600
Challenger 601 der kanadischen Streitkräfte
Challenger 601 der kanadischen Streitkräfte
Typ: Businessjet
Entwurfsland: KanadaKanada Kanada
Hersteller: Bombardier Aerospace
Erstflug: 8. November 1978
Produktionszeit: Seit 1978 in Serienproduktion

Die Bombardier Challenger 600 ist eine Familie von Geschäftsreiseflugzeugen, die von William P. Lear unter der Bezeichnung LearStar 600 für den Einsatz im Kurz- und Mittelstreckenbereich konzipiert wurde. Das Design des LearStar 600 wurde vom kanadischen Unternehmen Canadair gekauft, welches das Konzept unter dem Namen Challenger 600 verwirklichte. Auch nach der Übernahme von Canadair durch Bombardier wurde das Projekt weitergeführt und um neue Varianten ergänzt.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Challenger 600[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Canadair Challenger 600 war die ursprüngliche Version. Als Antrieb dienten zwei Mantelstromtriebwerke ALF-502L von Avco Lycoming, deren Strahltriebwerkssparte heute Teil von Honeywell International ist. Der Schub lag bei 33,6 kN je Triebwerk.

Challenger 601[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Challenger 601 der Bundeswehr

Nach der CL600 war bei der Challenger 601-1A die größte Veränderung im Antrieb zu finden. Hier wurden die anfälligen Avco-Lycoming-ALF-502L-Triebwerke durch modernere und leistungsstärkere General Electric CF-34-3A ersetzt. Der maximale Startschub stieg hierdurch um circa 20 Prozent, zudem sank der Treibstoffverbrauch deutlich. Das Triebwerk basiert auf dem bereits an der A-10 der US Air Force in gleicher Anordnung am Rumpf bewährten General Electric TF34. Zu den weiteren Neuerungen der CL-601 zählt die Einführung von Winglets, ein moderneres EFIS-Cockpit von Honeywell sowie die serienmäßige Einführung eines Zusatztanks im äußersten Heck des Flugzeugs (der dieses auch verlängerte). Hierdurch wurden die maximale Abflugmasse und die Reichweite gesteigert. Zuvor war dieser so genannte „Tailtank“ als Option eines Zulieferers im Nachrüstsatz erhältlich.

Challenger 604[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Challenger 604

Der Typ Challenger 604 ist eine Weiterentwicklung der Challenger 600 bzw. 601 für bis zu 19 Passagiere. Durch den Einbau zusätzlicher Tanks im Heck konnte die Reichweite gegenüber der CL601-3R um 819 km (im Vergleich zur CL600 sogar um 2272 km) vergrößert werden. Hierdurch wurde die Challenger zum Langstreckenflugzeug. Die deutlichsten Veränderungen zur letzten CL601-Version (CL601-3R) wurden mit dem Einbau eines Glascockpits von Rockwell Collins vorgenommen. Zudem erhielt das Flugzeug ein deutlich verstärktes Fahrwerk mit größeren Reifen, wodurch auch die Bremsen vergrößert und verbessert werden konnten. Die Triebwerke wurden gegenüber der CL601 nochmals leicht in der Leistung gesteigert, was sich vor allem in einer besseren Start- und Steigflugleistung bemerkbar macht. Der Schub der neuen CF-34-3B ist im Normalbetrieb auf 38,8 kN begrenzt, kann jedoch inklusive der sogenannten Automatic Power Reserve (APR) auf bis zu 41 kN gesteigert werden.

Challenger 605[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bombardier Challenger 605 weist im Innern einige Neuerungen auf, während Aerodynamik und Triebwerke unverändert blieben. Zu den Verbesserungen zählen insbesondere größere Fenster sowie eine neuentwickelte Avionik. Äußerlich kann man die 605 von der 604 unter anderen am geänderten Heckkonus sowie an den höher liegenden Fenstern unterscheiden.

Challenger 650[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bombardier Challenger 650 ist die neueste Version, die 2015 auf der EBACE in Genf zum ersten Mal gezeigt wurde. Sie besitzt modernere CF-34-Triebwerke, eine modernisierte Avionik und die Kabine wurde neu gestaltet.[1] Die Schweizerische Rettungsflugwacht will ab 2018 damit ihre alten Challenger 604 ablösen.[2]

Militärische Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben zahlreichen zivilen Unternehmen setzen auch mehrere Streitkräfte Flugzeuge der Challenger-600-Baureihe als Verbindungs- und VIP-Flugzeug für hochrangige Militärs und Politiker ein.

  • AustralienAustralien Royal Australian Air Force – Die No. 34-Squadron (Staffel) der australischen Luftwaffe ist am Flughafen Canberra stationiert und setzt drei Challenger 604 als Ergänzung zu ihren zwei Boeing Business Jets ein.
  • KanadaKanada Royal Canadian Air Force – Die kanadische Luftwaffe setzt die Challenger als CC-144 ein. Die Flugzeuge sind in Trenton, Ontario, bei der 412. Transportstaffel stationiert. Die vorherige Challenger-Staffel der kanadischen Luftstreitkräfte war die 434. Transportstaffel.
  • TschechienTschechien Vzdušné síly Armády České republiky – In der VIP-Flotte der Tschechischen Republik wird neben dem ACJ319 die Challenger in der Version Cl-601-3A eingesetzt, diese Flugzeuge sind in Prag-Kbely stationiert und der 241. Transportstaffel zugeteilt.
Ehemalige Betreiber
  • DeutschlandDeutschland Deutsche Luftwaffe – Die Maschine in der Variante Challenger 601 war in Deutschland bei der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung von 1986 bis 2011 im Einsatz. Die Flugbereitschaft setzte die Challenger überwiegend für den politischen und parlamentarischen Bereich ein. Für das Bundesministerium der Verteidigung wurden auch Transport-, Kurier- und Verbindungsflüge ausgeführt. Durch drei Rüstsätze waren auch MedEvac-Flüge möglich. Die Bundeswehr besaß sieben Maschinen dieses Typs mit den Kennzeichen 12+01 bis 12+07. Das Muster wurde 2011 durch die Bombardier Global 5000 ersetzt, die mit rund 9.500 km eine substantiell größere Reichweite hat und geringfügig kürzere Startbahnen verwenden kann.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Challenger 600 Challenger 601 Challenger 604/605
Länge 20,85 m
Spannweite 18,85 m 19,61 m
Höhe 6,3 m
Flügelfläche 41,8 m² 45,71 m²
Rumpfdurchmesser 2,69 m
Kabinenlänge 8,66 m
Kabinenbreite 2,19 m (Boden)/2,49 m (Maximal)
Kabinenhöhe 1,85 m
Kabinenvolumen 32,56 m³
Reichweite 5.925 km 6.235 km 7.427 km
Höchstgeschwindigkeit Mach 0,855
max. Reisegeschwindigkeit Mach 0,82
übliche Reisegeschwindigkeit Mach 0,8
Langstreckenreisegeschwindigkeit Mach 0,74
Dienstgipfelhöhe 12.500 m
max. Startmasse 18.325 kg 19.550 kg 21.863 kg
Startstrecke  ?  ? 1.780 m
Landestrecke  ?  ? 846 m
Besatzung 2
Passagiere je nach Bestuhlung üblicherweise bis zu 12; maximal bis 19
Triebwerke Avco Lycoming ALF-502L General Electric CF-34-3A General Electric CF34-3B
Schubkraft 33,6 kN 40,7 kN 38.84 kN (41 kN APR)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bombardier Challenger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bombardier zeigt Challenger 650 auf der EBACE, abgerufen am 17. Juni 2015
  2. Tages-Anzeiger: Rega kauft Jets für 130 Millionen Franken, abgerufen am 17. Juni 2015
  3. Søren Augustensen: Denmark's Challengers. In: Air International. Nr. 4. Key Publishing April 2015, ISSN 0306-5634, S. 82–85.
  4. The Royal Danish Air Force. In: forsvaret.dk. Flyvevåbnet, abgerufen am 20. März 2015 (englisch).