Cizre

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Cizre
Wappen fehlt
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Cizre (Türkei)
Red pog.svg
Cizre-tigris-tr-1973.jpg
Cizre mit dem Tigris im Vordergrund und der Cudi-Bergkette im Hintergrund
Basisdaten
Provinz (il): Şırnak
Koordinaten: 37° 20′ N, 42° 12′ OKoordinaten: 37° 19′ 30″ N, 42° 11′ 45″ O
Höhe: 377 m
Einwohner: 118.953[1] (2017)
Telefonvorwahl: (+90) 486
Postleitzahl: 73 200
Kfz-Kennzeichen: 73
Struktur und Verwaltung (Stand: 2015)
Gliederung: 10 Mahalle
Bürgermeister: Kadir Kunur (HDP)
Website:
Landkreis Cizre
Einwohner: 140.372[1] (2017)
Fläche: 444 km²
Bevölkerungsdichte: 316 Einwohner je km²
Kaymakam: Ahmet Adanur
Website (Kaymakam):
Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis

Cizre ([dʒizˈɾe], kurdisch Cizîr, auch Cizîra Botan; arabisch جزيرة ابن عمر, DMG Dschazīrat Ibn ʿUmar; aramäisch ܓܙܝܼܪܵܐ Gziro) ist eine türkische Stadt und ein Landkreis in der Provinz Şırnak in Südostanatolien. Die Stadt vereint etwa 85 % der Landkreisbevölkerung von 140.372 Einwohnern (Stand Ende 2017), die überwiegend kurdischer Abstammung sind.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Cizre liegt 45 km von der Provinzhauptstadt Şırnak entfernt an der türkisch-syrischen Grenze am Fluss Tigris. Unmittelbar nördlich der Stadt wurde der Cizre-Staudamm des Tigris errichtet. Cizre markiert den Punkt, an dem der Tigris am weitesten entfernt vom Euphrat ist. Der Tigris ist ab Cizre schiffbar, was der Stadt eine Bedeutung als Hafen gab. In Cizre endet die wichtigste Fernstraße (Fernbusverkehr) in den Südosten der Türkei mit dem Grenzübergang in den äußersten Nordostzipfel Syriens und dem nahegelegenen Grenzübergang (Silopi) in den nordwestlichen Irak (Dreiländereck).

Östlich der Stadt ist der Cudi Dağı (2.114 m), an dem nach islamischer Tradition Noach mit seiner Arche Noah gestrandet ist. Die Stadt liegt am nördlichen Ende der Dschazīra-Ebene. In Cizre leben mehr als doppelt so viel Menschen wie in der Provinzhauptstadt Şırnak.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der antike aramäische Name der Stadt war Gazarta d' Kardū. Unter den Persern hieß sie Gazarta. Auch die Festung Bāzabdā, bekannt aus den Feldzügen Schapurs II., wird mit Cizre oder Eski Hendek[2] gleichgesetzt. Die Abbasiden benannten die Stadt nach ihrem Statthalter Omar in Djasirat-ibn ʿUmar um. Unter den kurdischen Fürsten hieß die Stadt Cizîra Botan. Die Aq Qoyunlu nannten sie Ceziretuşşeref (Ehrenwertes Cizre). Der osmanische Name der Stadt lautete Cezire-i İbn-i Ömer. Nach der Gründung der Türkei 1923 wurde der Name zum heutigen Cizre verkürzt.

Cizre leitet sich vom arabischen Wort Dschazira (arabisch جزيرة ‚Insel‘) ab, da hier der Tigris bei Hochwasser die Stadt wie eine Insel umspült.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung der Stadt nahm mit ihrer Bedeutung vom 19. bis zum 20. Jahrhundert ab. 1890 betrug sie 9.560 und fiel bis 1940 auf 5.575 Einwohner zurück. 1960 stieg sie auf 6.473, 2000 lag sie bei 69.591 und beträgt heute über 100.000 Einwohnern. Der Landkreis ist der größte in der Provinz und besteht neben der Kreisstadt mit dem Bürgermeisteramt (Belediye) aus 31 Dörfern (Köy), von denen sieben über 1.000 Einwohner haben. Die größte Ortschaft davon ist das Dorf Dirsekli mit 3.068 Einwohnern. Der überwiegende Teil der Bevölkerung sind Kurden. In der Vergangenheit gab es auch arabische und aramäische Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das in Cizre verehrte Grab des »Propheten Noah«.

Cizre war möglicherweise das Zentrum des eisenzeitlichen Königreiches von Kumme. Im 10. Jahrhundert war die Stadt, zusammen mit Mosul, das Zentrum der ʿUquail.[3] Die Stadt wird mit dem Ort Bāzabdā gleichgesetzt. Dort überquerte Alexander der Große auf seinem Zug gegen die Perser den Tigris. Im Mittelalter gehörte Cizre zu verschiedenen Reichen wie den Marwaniden, den Zengiden und Ayyubiden. Ab dem 16. Jahrhundert war Cizre Teil des Osmanischen Reiches.

Die Stadt war vom 15. bis zum 19. Jahrhundert Sitz des kurdischen Fürstentums von Botan, das zeitweise ein Vasall verschiedener Reiche war. Dort herrschte die kurdische Familie der Azizan, deren letzter Herrscher Bedirxan Beg war.

Im Zuge einer neuen Eskalation zwischen dem Staat und der PKK kam es in einigen südöstlichen Städten zu Verhängung von Ausgangssperren, so auch in Cizre.[4] Nach Medienberichten aus dem Januar 2016 ist Cizre in vielen Bezirken mittlerweile eine Geisterstadt, ganze Stadtteile seien verwüstet und glichen den Bildern von den umkämpften syrischen Städten. Viele Menschen seien geflohen.[5]

Am 11. Februar 2016 erklärte die türkische Regierung die Militäraktion gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der südostanatolischen Stadt Cizre für beendet. Der Einsatz sei „sehr erfolgreich“ gewesen, sagte Innenminister Efkan Ala. Die Ausgangssperre in Cizre bliebe bis auf Weiteres in Kraft.[6] Am 26. August 2016 kam es bei einem Kontrollpunkt der Polizei zu einem Terroranschlag. Nach Angaben des Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci wurden bei dem Anschlag mindestens elf Polizisten getötet und 78 weitere verletzt. Zu dem Autobombenanschlag bekannte sich die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK.[7]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima ist warm-gemäßigt mit trockenen Sommern, die aber in diesem Bereich besonders heiß sein können (effektive Klimaklassifikation: “Csa”[8]) Cizre hält aktuell mit 48,6 °C den Rekord für die höchste in der Türkei gemessene Temperatur[9]

Cizre (Region Sirnak)
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
88
 
6
-1
 
 
106
 
7
0
 
 
109
 
11
3
 
 
103
 
16
8
 
 
52
 
22
13
 
 
4.3
 
28
18
 
 
1.8
 
33
22
 
 
0.1
 
33
23
 
 
5.2
 
29
19
 
 
46
 
21
12
 
 
77
 
13
5
 
 
91
 
8
1
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Meteoroloji Genel Müdürlüğü, Daten: 1950–2015[10]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Cizre (Region Sirnak)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 6,1 7,1 11,1 16,2 22,1 28,4 33,3 33,3 28,7 21,2 13,1 7,8 Ø 19,1
Min. Temperatur (°C) −1,1 −0,2 3,2 7,7 12,8 18,3 22,4 22,9 18,5 12,1 5,3 0,6 Ø 10,3
Niederschlag (mm) 88,0 106,1 109,0 103,0 51,9 4,3 1,8 0,1 5,2 45,5 77,4 91,4 Σ 683,7
Regentage (d) 8,4 9,1 9,5 9,8 6,8 1,6 0,5 0,2 0,8 5,3 6,7 8,5 Σ 67,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
6,1
−1,1
7,1
−0,2
11,1
3,2
16,2
7,7
22,1
12,8
28,4
18,3
33,3
22,4
33,3
22,9
28,7
18,5
21,2
12,1
13,1
5,3
7,8
0,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
88,0
106,1
109,0
103,0
51,9
4,3
1,8
0,1
5,2
45,5
77,4
91,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Meteoroloji Genel Müdürlüğü, Daten: 1950–2015[10]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen 2014 wurde mit Leyla Îmret (BDP) eine 26-jährige Friseurin aus Bremen zur Bürgermeisterin gewählt. Sie erhielt 81,6 Prozent der Stimmen.[11] Imret wurde in Cizre geboren und wuchs seit ihrem siebten Lebensjahr in Deutschland auf. 2013 ging sie in ihren Geburtsort zurück.[12] Am 11. September 2015 wurde sie vom türkischen Innenminister Selami Altınok wegen angeblich „terroristischer Propaganda“ und „Anstiftung zur Rebellion“ ihres Amtes enthoben.[13] İmret wurde im Jahr 2015 einmal und im Folgejahr zweimal festgenommen und anschließend freigelassen. Später floh sie nach Deutschland.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Cizre soll sich das Grabmal von Noah befinden. Des Weiteren existiert im Keller der Abdaliye-Medrese eine Türbe, die den Protagonisten des kurdischen Nationalepos Mem û Zîn zugeschrieben wird. Die Große Moschee (Ulu Cami) ist eine der bedeutendsten Moscheen in Südostanatolien. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert.[14]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Cizre gibt es den Fussballclub Cizrespor, der während der im September 2018 beginnenden Saison 2018/2019 in der 3. Liga spielt.[15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cizre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Nufusune.com, abgerufen am 25. Oktober 2018
  2. Nigel Pollard: Soldiers, cities, and civilians in Roman Syria. University of Michigan Press, Ann Arbor 2000, S. 288
  3. M. B. Rowton: Urban Autonomy in a Nomadic Environment. In: Journal of Near Eastern Studies, 32/1/2, 1973, S. 201–215
  4. Luisa Seeling: Ganze Städte in der Türkei sind Sperrgebiet. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Dezember 2015
  5. Gerd Höhler: Droht der Türkei ein Bürgerkrieg? In: handelsblatt.com. 16. Dezember 2015, abgerufen am 11. Februar 2016.
  6. Türkei verkündet Sieg gegen PKK in Cizre.@1@2Vorlage:Toter Link/www.faz.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: FAZ, 11. Februar 2016
  7. 11 dead, scores injured in blast at police HQ in south-east Turkey. In: ABC News. 26. August 2016 (net.au [abgerufen am 29. Juli 2018]).
  8. World Maps of Köppen-Geiger climate classification. Abgerufen am 12. März 2015.
  9. Serhat Sensoy, Mesut Demircan, Yusuf Ulupınar: Climate of Turkey. (PDF). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mgm.gov.tr
  10. Klimainformationen Region Sirnak. Staatlicher Türkischer Wetterdienst (Meteoroloji Genel Müdürlüğü), abgerufen am 12. März 2015.
  11. secim.haberler.com
  12. Frank Nordhausen: Türkei: Friseurin aus Bremen wird Bürgermeisterin. In: fr-online.de. 8. April 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  13. Leyla İmret: Die kurdische Bürgermeisterin aus Bremen und der „Bürgerkrieg“ von Cizre.
  14. A. Beril Tuğrul: A Radiographic Study of the Door of the Great Mosque (Ulucami) at Cizre. In: Journal of Near Eastern Studies, 55/33, 1996, S. 187–194
  15. Cizrespor. Abgerufen am 29. Juli 2018.