Codlea

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Codlea
Zeiden
Feketehalom
Wappen von Codlea
Codlea (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Brașov
Koordinaten: 45° 42′ N, 25° 27′ O45.69583333333325.449722222222565Koordinaten: 45° 41′ 45″ N, 25° 26′ 59″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 565 m
Fläche: 125,2 km²
Einwohner: 21.708 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 173 Einwohner je km²
Postleitzahl: 505100
Telefonvorwahl: (+40) 02 68
Kfz-Kennzeichen: BV
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Munizipium
Bürgermeister: Cătălin Gheorghe Muntean (ACD+PNL+PC)
Postanschrift: Str. Lungă, nr. 33
loc. Codlea, jud. Brașov, RO–505100
Website:
Stadtzentrum

Codlea (deutsch Zeiden, ungarisch Feketehalom) ist eine Stadt im Burzenland[2] am Fuße des Zeidner Berges (Măgura Codlei, 1294 m) im Kreis Brașov in Siebenbürgen, Rumänien.

Geschichte[Bearbeiten]

Zeiden wurde vom Deutschen Orden im 13. Jahrhundert gegründet, wurde erstmals 1265 urkundlich erwähnt.[3]

Bei der Besiedlung soll der Ort aus zwei Straßen bestanden haben; die Langgasse führte nach Norden, die Marktgasse nach Westen. Der Anfang beider bildete den Anger, den späteren Marktplatz. Die Anfänge des rumänischen Ortsteils reichen auch bis ins 13. Jahrhundert zurück. Dieses Viertel entstand südwestlich der sächsischen Siedlung und bildete sich als eigener Ortsteil mit Straßennetz aus; beide Ortsteile wuchsen aber allmählich zu einem Ort zusammen.

Die Hauptbeschäftigung der Zeidner im Mittelalter waren Landwirtschaft, Viehhaltung und Forstwirtschaft. Die wirtschaftliche Stärke des Ortes war der Getreide-, Flachs- und Gemüsebau. Intensiv wurde auch die Imkerei betrieben. Mit Beginn des 14. Jahrhunderts entwickelte sich das Handwerk mit den Zünften der Wagner, Schmiede, Fassküfer, Leinweber und Schuster.

Ende des 19. Jahrhunderts musste das Zunfthandwerk den ersten Industriebetrieben weichen. 1878 gründeten die Brüder Hornung eine Möbelfabrik, ein Jahr später Johann Horvath eine Werkzeugfabrik. 1896 entstanden die ersten Gewächshäuser, und 1903 wurde ein Elektrizitätswerk errichtet. Gefördert von den I.G. Farben, wurde 1936 die Chemiefabrik gegründet.

Durch die Flurbereinigung Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Voraussetzung für die Entwicklung einer modernen Landwirtschaft geschaffen. Während der Flachsanbau zurückging, weiteten sich der Gemüse-, Obstbau sowie der Blumenanbau aus.

Die Verstaatlichung in den Jahren 1945–1948 und die Deportation der arbeitsfähigen, überwiegend deutschsprachigen, Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg hemmten den wirtschaftlichen Aufschwung.[4]

1950 wurde Codlea zur Stadt erklärt.

Soziales[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren ca. 350 Zeidnerinnen und Zeidner in Deutschland und Österreich verblieben. Die ersten Zusammentreffen gab es in München, Offenbach am Main und Stuttgart, wo 1953 die „Zeidner Nachbarschaft“ gegründet wurde. 1954 wurde der erste „zeidner gruß“ der Zeidner Nachbarschaft herausgegeben, war somit weltweit das erste Heimatblatt einer siebenbürgisch-sächsischen Heimatortsgemeinschaft in Deutschland und wird seitdem fast jedes Jahr zweimal herausgegeben.

Die in Deutschland aus ehemaligen Bewohnern des Ortes bestehende Stiftung Zeiden unterstützt finanziell die Förderung der Jugend- und Altenhilfe und auch hilfsbedürftige Personen im Ort. Außerdem unterstützt man soziale, wirtschaftliche und kulturelle Projekte vor Ort. Geplant ist auch die Archivierung der Pfarrakten.[5]

Demografie[Bearbeiten]

Volkszählung Ethnie
Jahr Einwohner Rumänen Ungarn Deutsche Andere
1850 3.807 795 - 2.698 314
1900 4.449 1.436 233 2.771 9
1930 5.354 2.007 175 3.110 62
1956 9.309 5.191 555 2.908 49
1977 22.449 17.579 1.232 3.402 236
1992 24.547 22.423 961 691 472
2002 24.286 22.518 917 367 484
2011[1] 21.708 17.930 569 213 2.996

Seit der offiziellen Erhebung von 1850 wurde in Codlea die höchste Einwohnerzahl 1992 ermittelt. Die höchste Bevölkerungszahl der Rumänen wurde 2002, der Deutschen und der Magyaren wurde 1977 und die der Roma (1.121) 2011 registriert. Des Weiteren wurden bei fast jeder Aufnahme Ukrainer (höchste Einwohnerzahl 19 1930), Serben und Slowaken registriert.[6]

2009 wurden noch 451 Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde gezählt (Siebenbürger Sachsen).[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Kirchenburg[8] aus dem 13. Jahrhundert hat einen ovalen Grundriss mit 85 Metern Durchmesser und umfasst somit den größten Kirchenburghof des Burzenlandes. Von den fünf Türmen die einst an der Ringmauer der Kirchenburg standen, sind heute noch der Schmiedeturm, umgebaut zum heutigen Glockenturm, der Böttcher- und der Weberturm erhalten.
    Inmitten der Kirchenburg steht die romanische Saalkirche ohne angebauten Kirchturm.[9] Die Kassettendecke des Langhauses mit den 252 bemahlten Felder, ist – laut Inschrift – 1702 entstanden.[3] Geschaffen von Johannes Stolz, Thomas Fayt, Simon Playger und Thomas Groß ist von Letzterem in einem der Felder ein Porträt[10] erhalten geblieben. Jedes Feld bedecken verschiedene Abwandlungen der Lutherrose welche einen abwärts gerichteten gedrechselten Zapfen aufweisen. Das mittlere achteckige Medaillon mit einer Größe von 12 Felder, trägt die Autoreninschrift, das Entstehungs- sowie das Renovierungsdatum, welchem der Zeidner Maler Eduard Morres im Jahr 1959 seinen Glanz wieder gab.
    Die 1789 unter Benutzung eines bereits vorhandenen Instrumentes, von dem aus Schlesien stammenden Orgelbauer Johannes Prause geschaffene Orgel, ist eine der wertvollsten ihrer Art in Siebenbürgen. Am 7. August 2004 wurde mit einer Spende aus Deutschland eine neue Glockenturmbeleuchtung installiert; auch die orthodoxe Kirche wurde damit ausgestattet. Seit Anfang August 2004 gibt es auch eine Informationstafel am Eingang der Kirche. Sie beinhaltet alle wichtigen Informationen über die Zeidner Kirchenburg in den vier Sprachen rumänisch, deutsch, englisch und ungarisch.
    Die Kirchenburg und das ehemalige Rathaus an der Kirchenburg 1829 errichtet, stehen unter Denkmalschutz.[11]
  • Die Orthodoxe Kirche, erbaut nach der Genehmigung von 1783 des Kaiser Joseph II., dem Erbau einer steinernen Kirche.
  • Das Waldbad, angelegt in den Jahren 1903/1904 auf Initiative des Zeidner Verschönerungsvereins[12] direkt an der Quelle des Goldbaches, dessen Wasser angeblich sommers und winters beim Austritt aus der Felswand konstant 18 °C aufweist. Das angelegte Becken wurde in den 1930er Jahren wesentlich erweitert.[13] Die 100 Umkleidekabinen, die damals gezimmert wurden, wurden vor einigen Jahren an anderer Stelle durch einige Kabinen mit Plastikvorhängen statt Türen ersetzt. Eine große Wiese bietet viel Platz fürs Sonnenbad. Das Wasser im Becken ist, wegen des ständigen Durchflusses, kühl, doch sauber.[14]
  • Reste der Schwarzburg der sogenannten castrum Feketewholum, zwischen dem 10. und dem 13. Jahrhundert vom Deutschritterorden am Zeidner Berg errichtet, steht unter Denkmalschutz.[11]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ort liegt an der Bahnstrecke Brașov–Făgăraș und durch den Ort führt die Europastraße 68. Diese ist zwischen Brașov (Kronstadt) und Codlea vierspurig (ohne Mittelstreifen) ausgebaut. Auf halbem Weg liegt der Ort Ghimbav (Weidenbach). In nächster Zeit soll eine Autobahn von Rupea (Reps) kommend südlich am Ort vorbei Richtung Râșnov (Rosenau) und weiter nach Bukarest gebaut werden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

  • Gartenbau und Glashäuser nahmen an mehreren Stellen der Stadt eine riesige Fläche ein. Nach der Revolution von 1989 wurden über 1000 Beschäftigte in den Glashäuser entlassen.[15] Ab 2013 wird eine Fläche von etwa acht Hektar bewirtschaftet.[16]
  • Automobilzulieferer, Dräxlmaier Group hat hier ein Teile- und Zubehörwerk gebaut.[17]
  • Bienenzucht

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Als erster Ort in Siebenbürgen präsentierte man im August 2004 für Zeiden eine komplette Bibliographie, die alle jemals über den Ort verfassten Bücher beinhaltet.[20]

  • Paul Meedt: Zeiden. Die land- und volkswirtschaftlichen Zustände dieser Gemeinde. Vortrag gehalten bei der Jahresversammlung des landwirtschaftlichen Bezirksvereines am 16. November 1890 in Zeiden (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 1, ZDB-ID 741174-1). 2. Ausgabe, (Nachdruck der Ausgabe 1892). P. Hedwig, Erlangen 1983, OCLC 74554816.
  • Friedrich Reimesch: Burzenländer Sagen und Ortsgeschichten. (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 2). 5. Ausgabe, (unveränderter Nachdruck der 4. Auflage, Kronstadt, Zeidner, 1933). P. Hedwig, Erlangen 1985, OCLC 165389907.
  • Gotthelf Zell: 100 [Hundert] Jahre Zeidner Männerchor. Eine Dokumentation zur Musikgeschichte Siebenbürgens. Ehrenblätter über die Zeidner Chortätigkeit“ (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 3). Kraus, Raubling 1986, OCLC 75061590.
  • Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Die Zeidner Freiwillige Feuerwehr. Protokolle aus den Jahren 1891–1990 (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 7). Gesammelt von Hermann Kassnel. Bearbeitet von Carmen B. Kraus. Zeidner Nachbarschaft, Raubling 2001, OCLC 76770436.
  • 50 Jahre Zeidner Nachbarschaft. Festschrift. (1953–2003) (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 8). Zusammengestellt von Hans Königes. Bearbeitet von Carmen B. Kraus. Zeidner Nachbarschaft, Raubling 2003, OCLC 163160514.
  • Erhard Kraus: Die Landwirtschaft in Zeiden im 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation ihrer Entwicklung (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 9). Zeidner Nachbarschaft u. a., Raubling u. a. 2006, ISBN 3-929848-47-3.
  • Balduin Herter, Helmuth Mieskes: Bibliographie von Zeiden (Codlea – Feketehalom) und der Zeidner Nachbarschaft = Bibliographie Zeiden (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 10). Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde Heidelberg u. a., Gundelsheim am Neckar u. a. 2004, ISBN 3-929848-39-2.
  • Brigitte Stephani: Eduard Morres. Ein siebenbürgischer Künstler (1884–1980) (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 11). Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, Gundelsheim 2006, ISBN 3-929848-57-0.
  • Hans Wenzel: Áondàrm Zàoednàr Biàrech. Zàoednàr Riàdànsuàrt. Zeidner Wortschatz. Wörterbuch der siebenbürgisch-sächsischen Mundart aus Zeiden (Codlea/Feketehalom) (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 12). Zeidner Nachbarschaft, München u. a. 2006, ISBN 3-929848-58-9.
  • Gernot Nussbächer: Aus Urkunden und Chroniken. Band 6: Beiträge zur Geschichte von Zeiden in Mittelalter und Früher Neuzeit (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 13). Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, Heidelberg 2006, ISBN 3-929848-59-7.
  • Franz Buhn: Das Laientheater in Zeiden. Dokumente, Erinnerungen, Aufzeichnungen, Bilder (= Zeidner Denkwürdigkeiten. H. 14). Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, München u. a. 2007, ISBN 978-3-929848-67-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Codlea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. Alte Militärkarte vom südlichen Teil des Burzenlandes
  3. a b Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hrsg.): Reisehandbuch Siebenbürgen. Kraft-Verlag, Würzburg 1993, ISBN 3-8083-2019-2, S. 138.
  4. Erwin Reimer: Kandidaten für den Todesorden. In: 50. Jahrestag der Deportation nach Rußland (= Zeidner Gruss. Jg. 42, Nr. 78, 1995, ISSN 1861-017X). Zeidner Nachbarschaft, Raubling 1995, S. 3, ZEIDNER GRUSS 78
  5. Stiftung Zeiden auf der Website der Zeidner Nachbarschaft
  6. E. Varga: Statistik der Einwohnerzahlen nach Ethnie im Kreis Brașov laut Volkszählungen von 1850–2002 (ungarisch; PDF; 784 kB)
  7. Dieter Drotleff: Pfarrer, Kuratoren, Seelenzahlen. In: Allgemeine Deutsche Zeitung. Beilage: Karpatenrundschau, 4. März 2010, S. 3.
  8. Bilder der Kirchenburg auf privater Website
  9. Bilder der evangelischen Kirche auf privater Website
  10. Porträt auf Wikimedia Commons
  11. a b Liste historischer Denkmäler des rumänischen Kulturministeriums, 2010 aktualisiert (PDF; 7,10 MB)
  12. Gasthaus am Waldbad, ca. 1918
  13. Waldbad vor 1945 mit den Umkleidekabinen
  14. Schwimmbecken im Waldbad
  15. Unkraut an Stelle von Tomaten in Codleas Glashäuser am 16. Februar 2011 bei adevarul.ro abgerufen am 19. März 2015 (rumänisch)
  16. Webdarstellung von MAGNUM DYNAMIC GRUP
  17. Webdarstellung von Dräxlmaier Group in Codlea
  18. Gudrun-Liane Ittu: Eduard Morres: Maler von europäischem Format bei siebenbuerger.de
  19. Georg Aescht: Michael Königes: „Ich habe nie Erfolg gehabt“ bei siebenbuerger.de
  20. Zeidner Denkwürdigkeiten, bei WorldCat.