Czarne

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Czarne (Begriffsklärung) aufgeführt.
Czarne
Wappen von Czarne
Czarne (Polen)
Czarne
Czarne
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Człuchów
Gmina: Czarne
Fläche: 46,39 km²
Geographische Lage: 53° 41′ N, 16° 57′ OKoordinaten: 53° 41′ 0″ N, 16° 57′ 0″ O
Höhe: 136 m n.p.m.
Einwohner: 6051
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 77-330
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GCZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 201 (Szczecinek-) Gwda Mała ↔ Debrzno
DW 202 Czarne → Rzeczenica
Schienenweg: PKP-Linie 210 Runowo Pomorskie ↔ Chojnice
Nächster int. Flughafen: Flughafen Danzig
Flughafen Stettin
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 21 Ortschaften
10 Schulzenämter
Fläche: 235,00 km²
Einwohner: 9278
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2203023
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Piotr Zabrocki[2]
Adresse: ul. Moniuszki 12
77-330 Czarne
Webpräsenz: www.czarne.pl



Czarne ['ʈ͡ʂarnɛ] (deutsch Hammerstein) ist eine Kleinstadt mit Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Człuchowski (Schlochauer Kreis) der polnischen Woiwodschaft Pommern mit etwa 6000 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen am linken Ufer des Flusses Zahne in einem ausgedehnten Waldgebiet in 136 Metern über Meereshöhe, etwa 16 Kilometer ostsüdöstlich von Szczecinek (Neustettin) und 40 Kilometer westlich von Chojnice (Konitz). Nordwestlich verläuft die Draheimer Seenplatte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hammerstein westlich von Schlochau und Konitz und östlich von Neustettin auf einer Landkarte von 1908.
Platz im Stadtzentrum
Stadtkirche

Der Deutsche Orden verlegte in den 1380er Jahren einen befestigten Hof, ein sogenanntes Wildhaus, von Falkenwalde in die Nähe der heutigen Stadt, um hier den Übergang über den Fluss Zahne zu sichern. Die Burg erhielt den Namen Hammerstein, wohl nach einem dort vorhandenen Eisenhammer. Bereits 1388 und 1389 ist Hammerstein als Ort von Verhandlungen zwischen dem Orden und den Herzögen von Pommern genannt. 1395 verlieh der Hochmeister des Ordens Konrad von Jungingen für die zu besetzende Stadt das Kulmer Stadtrecht. Burg und Stadt gehörten zur Komturei Schlochau des Ordens.

Nach der Schlacht bei Tannenberg (1410) kam Hammerstein kurzzeitig an den mit Polen verbündeten pommerschen Herzog Bogislaw VIII., der es aber bereits mit dem Thorner Frieden von 1411 wieder an den Deutschen Orden herausgeben musste. Der Hochmeister Heinrich von Plauen bestätigte der Stadt ihre Rechte und verlieh ihr zusätzlich das Recht, sich eine Walkmühle zu bauen. Im Dreizehnjährigen Krieg (1454–1466) zwischen dem Preußischen Bund und dem Deutschen Orden stand die Stadt auf der Seite des Ordens, wurde zwar 1454 von den Truppen des Bundes besetzt, aber 1455 durch den Ordenshauptmann Kaspar Nostitz durch eine Kriegslist – er ließ zehn seiner Männer als Frauen verkleidet in die Stadt gehen – noch einmal für den Deutschen Orden zurückerobert.

Nach dem Dreizehnjährigen Städtekrieg kam Hammerstein im Zweiten Frieden von Thorn 1466 vom Deutschordensstaat Preußen zum autonomen Preußen Königlichen Anteils, das sich freiwillig der Oberhoheit der polnischen Krone unterstellt hatte. Die Ordensburg wurde der Sitz einer Starostei. Die Starosten wurden in den folgenden Jahrhunderten aus den Familien von Konarski, Sapieha, von Weiher, von Raczynski, von Wedelstädt und von Unruh gestellt. Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Sejm kündigte König Sigismund II. August die Autonomie des Königlichen Preußens (Westpreußen) jedoch unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[3][4] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[5]

Zur Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Hammerstein etwa 700 Einwohner, acht Tuchmacher, sechs Schuhmacher und fünf Schmiede gingen ihrem Gewerbe nach. Es gab ein Sägewerk, und an der Zahne wurde eine Wassermühle betrieben. 1624 suchte die Pest Hammerstein erstmals heim und raffte die Mehrzahl der Einwohner hin. Drei Jahre später litt die Stadt unter den Überfällen der am Polnisch-Schwedischer Krieg (1600–1629) beteiligten Truppen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte sich auch in Hammerstein das Luthertum ausgebreitet, und die Stadtkirche war von den Evangelischen übernommen worden. Es blieb aber bei Spannungen zwischen beiden Konfessionen. 1600 errangen die katholischen Einwohner wieder das Nutzungsrecht für die Stadtkirche. 1645 wurde der katholische Lehrer Jakob Büttner erschlagen, und Kirche, Pfarrhaus und Schule wurden demoliert. Die Stadt wurde zum Schadenersatz verurteilt. 1653 fielen die meisten Häuser einem großen Brand zum Opfer. Eine eigene evangelische Kirche wurde erstmals 1676 errichtet; sie wurde 1716, 1755 und 1819 jeweils neu erbaut.

Bei der ersten polnischen Teilung 1772 kam Hammerstein zum Königreich Preußen und hier in die neugeschaffene Provinz Westpreußen. Im Rahmen der preußischen Territorialreformen wurde die Stadt 1818 dem westpreußischen Landkreis Schlochau zugeordnet. 1819 wurde für die evangelische Gemeinde am Markt eine Kirche errichtet. Noch immer war Hammerstein eine Stadt der Schuh- und Tuchmacher, 1850 gab es dort fast 200 Schuhmacher. Daneben lagen in der Stadt aber auch mehrere größere Bauernhöfe. In diesem Jahr entstand auf dem Gelände der inzwischen verfallenen Ordensburg das Schloss des Amtsrates George von Livonius. Der Anschluss an die Pommersche Centralbahn erfolgte mit dem Streckenabschnitt von Neustettin nach Schlochau im Jahre 1878. Das war der Startschuss für die Ansiedlung größerer Industriebetriebe des Baustoffgewerbes und der Holzverarbeitung. Zu einem weiteren bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelte sich der von Preußen ab 1885 angelegte Truppenübungsplatz. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Hammerstein eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge und ein Amtsgericht.[6] Im Ersten Weltkrieg gab es hier ein großes Lager für russische Kriegsgefangene.

Als nach dem Ersten Weltkrieg viele Bewohner der an Polen abgetretenen Ostprovinzen in das Reichsgebiet umsiedelten, entstanden in Hammerstein in Richtung Süden und zum Truppenübungsplatz hin neue Siedlungen, sodass die Bevölkerungszahl um über 30 Prozent anstieg. Hammerstein selber gehörte zu dem schmalen Streifen Westpreußens, der bei Deutschland geblieben war und wurde in die neu eingerichtete Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert.

Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Hammerstein eine Flächengröße von 43,9 km², und in dem Stadtgebiet standen zusammen 439 Wohnhäuser an 14 verschiedenen Wohnorten:[7]

  1. Bahnhof Hammerstein (Kr. Schlochau)
  2. Birkenwäldchen
  3. Bürgershof
  4. Forsthaus Hardelbruch
  5. Forsthaus Jägersberg
  6. Forstsekretärgehöft Hasselberg
  7. Hammerstein
  8. Heinrichsburg
  9. Karlsberg
  10. Louisenhöh
  11. Neumannshof
  12. Schießplatz Hammerstein
  13. Walkmühle
  14. Ziegelei

Im Jahr 1925 wurden in Hammerstein 4.122 Einwohner gezählt, die auf 1.111 Haushaltungen verteilt waren.[7]

Mit der Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen wurde Hammerstein 1938 in die Provinz Pommern eingegliedert. 1939 errichteten die Nationalsozialisten ein großes Strafgefangenenlager, später kam noch ein Kriegsgefangenenlager (Stalag II-B) hinzu.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hammerstein am 26. Februar 1945 von sowjetischen Truppen eingenommen. Während der Kämpfe wurden 40 Prozent der Stadt zerstört. Im Sommer 1945 wurde Hammerstein von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Für Hammerstein wurde die polnische Ortsbezeichnung Czarne eingeführt. Soweit sie nicht geflohen war, wurde die deutsche Bevölkerung in der darauf folgenden Zeit aus Hammerstein vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 0670 [8]
1780 0876 bei 138 Feuerstellen, fast alle Deutsche lutherischer Konfession[9]
1816 1.188 [8]
1831 1.586 größtenteils deutsche Evangelische[10]
1852 2.120 [11]
1871 2.612 darunter 2.100 Evangelische und 260 Katholiken[12]
1875 2.790 [13]
1880 2.856 [13]
1900 3.025 meist Evangelische[6]
1925 4.122 davon 3.594 Protestanten, 411 Katholiken und 61 Juden[7]
1933 4.423 [13]
1934 4.420 [8]
1939 4.387 [13]
1983 5.892 [14]

Einwohnerentwicklung von Czarne

Balkendiagramm der Einwohnerzahlen bis heute

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist nur über die Woiwodschaftsstraße 201 oder mit der Eisenbahn (Staatsbahnlinie von Chojnice (Konitz) nach Runowo Pomorskie (Ruhnow)) zu erreichen.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der niedersächsischen Gemeinde Langlingen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Czarne gehören 21 Ortschaften, die 10 Ortsteilen mit einem Schulzenamt (sołectwo) zugeordnet sind (* = Schulzenamt):

polnischer Name deutscher Name
Biernatka* Bärenhütte
Bińcze* Bärenwalde
Czarne Hammerstein
Domisław* Domslaff
Domyśl Eggebrechtsmühle
Grabowiec Klein Hasselberg
Janowiec Hansfelderbrück
Kijno* Marienhof
Krzemieniewo* Krummensee
Lędyczek Drugi Landeck II
Łoża Loosen
Malinowo Amalienruh
Nadziejewo* Hansfelde
Prądy Landeckermühle
Raciniewo* Ruthenberg
Sierpowo* Breitenfelde
Sokole* Falkenwalde
Wierzbnik Franzenhof
Wronkowo Idashof
Wyczechy* Geglenfelde
Wygonki Zehnruthen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Czarne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Gemeinde, Władze Gminy Czarne, abgerufen am 8. Februar 2015
  3. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  4. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  5. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  6. a b Meyers Großes Konversationsa-Lexikon, 6. Auflage, 8. Band, Leipzig und Wien 1907, S. 704.
  7. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Hammerstein im ehemaligen Kreis Schlochau in Pommern (2011).
  8. a b c Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9 , S. 308–310.
  9. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 73–74, Nr. 5.).
  10. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 380, Nr. 12.
  11. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 220.
  12. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 55–56, Ziffer 11.
  13. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Pommern - Kreis Schlochau (2006).
  14. Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Würzburg 1996, S. 150.