DB-Baureihe 483/484

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DB-Baureihe 483/484[1]
Triebwagen 484 002 auf der InnoTrans 2018
Triebwagen 484 002 auf der InnoTrans 2018
Nummerierung: 483 001–021 A/B
484 001–085 A/B/C/D
Anzahl: BR 483: 21 (bestellt)
BR 484: 85 (bestellt)
Hersteller: Stadler Pankow, Siemens Mobility
Baujahr(e): 2020–
Achsformel: BR 483 (Viertelzug):
(1A)Bo’+Bo’(A1)
BR 484 (Halbzug):
(1A)Bo’+Bo’(A1)+
(1A)Bo’+Bo’(A1)
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: BR 483: 36.800 mm
BR 484: 73.600 mm
Höhe: 3600 mm
Breite: 3140 mm
Drehgestellachsstand: 2100 mm
Radsatzfahrmasse: 13,5 t
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Traktionsleistung: BR 483: 840 kW
BR 484: 1680 kW
Anfahrzugkraft: BR 483: 104 kN
BR 484: 208 kN
Beschleunigung: 1,0 m/s²
Treibraddurchmesser: 820 mm
Laufraddurchmesser: 820 mm
Motorentyp: Drehstrom-Asynchron-Motor
Stromsystem: 750 V =
Stromübertragung: seitliche, von unten bestrichene Stromschiene
Anzahl der Fahrmotoren: BR 483: 6
BR 484: 12
Zugbeeinflussung: mech. Fahrsperre / ZBS
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: BR 483: 80
BR 484: 184
Stehplätze: BR 483: 94
BR 484: 202
Fußbodenhöhe: 1000 mm (durchgängig)
Klassen: Nur 2. Klasse

Die Fahrzeuge der DB-Baureihe 483/484 sind elektrische Triebwagen für Stromschienenbetrieb der S-Bahn Berlin.

Sie ist die jüngste Baureihe der S-Bahn Berlin. Die Baureihe 483 bezeichnet hierbei sogenannte Viertelzüge, bestehend aus zwei Wagen; die Baureihe 484 dagegen Halbzüge, bestehend aus vier Wagen. Die Züge kommen seit Anfang 2021 zum Einsatz.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1:1-Modell, 2016
Erster vormontierter Wagenkasten im Stadler-Werk Berlin-Pankow

Im April 2013 schrieb der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg im Auftrag der beiden Länder den Betrieb des S-Bahn-Teilnetzes Ring öffentlich aus, welches im Wesentlichen die Linien der Ringbahn und der südöstlichen Zulaufstrecken über die Görlitzer Bahn umfasst. Die Ausschreibung beinhaltete auch die Beschaffung von Neufahrzeugen durch den neuen Betreiber.[3] Nach Vergabe des Auftrags an die S-Bahn Berlin GmbH Ende 2015 schloss diese mit dem Herstellerkonsortium Stadler Pankow und Siemens einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu 1380 Wagen ab. Gleichzeitig erfolgte eine erste verbindliche Bestellung von 106 Zügen, bestehend aus 85 vierteiligen und 21 zweiteiligen Fahrzeugen. Hierbei ist die Fertigung von zehn Vorserienfahrzeugen für die nötigen Tests vereinbart, auch sollen Erkenntnisse für die anschließende Serienfertigung gewonnen werden. Der Konsortialführer Stadler übernimmt hierbei den mechanischen und wagenbaulichen Teil sowie die Fahrzeugproduktion. Siemens verantwortet den elektrischen Anteil mit dem Antriebs- und Bremssystem, der Bordnetzversorgung, Fahrzeugsteuerung, Zugsicherungs- und Fahrgastinformationssystem sowie die Drehgestelle.[4] Die S-Bahn Berlin investiert in die Fahrzeuge und in die notwendige Anpassung der Werkstatt Grünau rund 900 Millionen Euro.[5]

Im Oktober 2016 stellte die S-Bahn Berlin ein 1:1-Modell eines Endwagens vor. Mit dessen Hilfe wurden – zusammen mit Fahrgästen und Vertretern von Interessenverbänden – das Außen- und Innendesign sowie die Ausstattung und Funktionalität bewertet, um Anregungen ggf. in die Serienfertigung einfließen zu lassen.[6]

Die Fertigung der Wagenkästen erfolgt in Ungarn, die Endmontage der Fahrzeuge im Stadler-Werk in Berlin-Pankow und deren Inbetriebsetzung in Velten. Der erste fertige Wagenkasten – ein Kopfwagen eines vierteiligen Zuges – traf im Oktober 2017 zur weiteren Montage in Berlin ein.[5] Der erste rollfähig montierte Triebzug (484 001) wurde am 27. Juni 2018 im Stadler-Werk Pankow der Presse vorgestellt,[7] der zweite (484 002) dann im September 2018 auf der InnoTrans präsentiert. Letzterer wurde im Oktober 2018 ins Prüfcenter Wegberg-Wildenrath überführt, wo er rund ein Jahr lang mit statischen und dynamischen Tests unter Real- und Extrembedingungen geprüft wurde.[8] Im April 2019 hatten die ersten fünf Fahrzeuge rund 2000 der geplanten 160.000 Testkilometer absolviert.[9] Am 12. Juni 2019 traf der erste Viertelzug der Baureihe 483 (483 004) in der Hauptwerkstatt Schöneweide ein, wo er zunächst Ausbildungszwecken dient.[10] Nachweisfahrten und Fahrtechnik-Typtests auf speziellen Abschnitten des Berliner Netzes[9] während der Nachtstunden begannen Anfang September 2019.[11] Parallel dazu absolvierte der Zug 484 005 Tests im Klimakanal in Wien. Die zulassungsrelevanten Testfahrten sollten bis zum ersten Quartal 2020 absolviert sein, für das zweite und dritte Quartal war der vertraglich verbindliche Testbetrieb im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath und im Berliner S-Bahn-Netz geplant.[12] Hierfür verkehrte seit Anfang Mai ein Sechs-Wagen-Zug ganztags und nahezu ununterbrochen im S-Bahn-Netz, um bis Anfang Juli insgesamt 40.000 Kilometer abzufahren.[13]

Die Erprobungen konnten Ende August 2020 mit allen Vorserienfahrzeugen erfolgreich abgeschlossen werden. Parallel wurde die Serienfertigung bereits aufgenommen, die S-Bahn Berlin erwartet die Inbetriebnahme der ersten Serienzüge im 1. Quartal 2021.[14] Im Oktober 2020 erfolgte die Zulassung der Züge für den Einsatz im Personenverkehr durch das Eisenbahn-Bundesamt, sodass die Fahrzeuge seit dem 1. Januar 2021 planmäßig eingesetzt werden.[15]

Die ersten beiden Serienfahrzeuge der Baureihe 483 (483 006 und 483 007) wurden am 19. März 2021 zum Instandhaltungsstützpunkt Oranienburg überführt, wo sie in Betrieb gesetzt werden.[16]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum mit Wagenübergang
Führerstand

Die zweiteiligen Fahrzeuge werden als Baureihe 483 geführt, die vierteiligen als Baureihe 484. Im ersten Abruf werden die Fahrzeugnummern 483 001 bis 483 021 sowie 484 001 bis 484 085 vergeben. Hierbei gilt (abweichend zur bisherigen Nummerierung bei der S-Bahn Berlin) eine Fahrzeugnummer für den gesamten Triebzug, die einzelnen Wagen werden mit den zusätzlichen Buchstaben A/B bzw. A/B/C/D bezeichnet.[17] Im deutschen Fahrzeugeinstellungsregister werden die Wagen der Baureihe 483 als 0483 geführt. Die Endwagen der Baureihe 484 als 0484, die Mittelwagen als 1484.[18][19]

Die Farbgebung der Züge orientiert sich an den traditionellen Farben der S-Bahn Berlin, wurde jedoch leicht abgewandelt; die verwendeten Farben sind NCS S 2010-Y10R (senfgelb) und NCS S 1580-R (rot), die Türen sind tiefschwarz (RAL 9005) abgehoben und die Fahrwerke sind basaltgrau (RAL 7012). Die Viertel- bzw. Halbzüge werden durchgängig begehbar sein und – erstmals bei Zügen der S-Bahn Berlin – mit einer Klimaanlage ausgestattet. Die Sitze sind fast ausschließlich vis-à-vis angeordnet.[4] Darüber hinaus stehen Mehrzweckbereiche mit seitlichen Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Rollstuhlplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe des Führerstandes, die dortigen Türen erhalten eine Spaltüberbrückung. Eine automatische Türschließung verringert das Auskühlen bzw. Aufheizen der Innenräume. Ein dynamisches Fahrgastinformationssystem mit Echtzeit-Daten soll Auskünfte zum Fahrtverlauf und zu Anschlüssen geben. Alle Wagen sind mit einem Videoüberwachungssystem ausgestattet.[2]

Im Viertelzug stehen 94 Stehplätze sowie 80 Sitzplätze zur Verfügung, davon 20 Klappsitze. Im Halbzug sind es 202 Stehplätze sowie 184 Sitzplätze, davon 40 Klappsitze. Jeder Wagen verfügt beidseits über jeweils drei 1300 mm breite Türen für Fahrgäste, die Endwagen zusätzlich über jeweils eine Tür zum Führerstand. Kameras unterstützen die Überwachung des Fahrgastwechsels, sodass auf Außenspiegel verzichtet werden konnte.[1]

Gegenüber den Vorgängerbaureihen sollen sich die Züge durch eine deutlich gesenkte Geräuschentwicklung auszeichnen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Innerhalb eines Viertelzuges sind alle antriebsrelevanten Komponenten zweifach vorhanden, sodass bei einer Antriebsstörung lediglich ein Wagen ausfällt und der andere Wagen des Viertelzuges voll angetrieben bleibt. Jeder Viertelzug verfügt über eine Magnetschienenbremse, jeder Halbzug über zwei.[2]

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auslieferung der ersten zehn[4] Vorserienfahrzeuge erfolgte bis Ende 2020. Nach der mehrmonatigen Testphase mit über 150.000 absolvierten Kilometern im gesamten S-Bahn Netz kommen die Fahrzeuge seit dem 1. Januar 2021 auf der Linie S47 zwischen Spindlersfeld und Hermannstraße im Linienbetrieb zum Einsatz.[14]

Im Oktober 2020 gab die S-Bahn Berlin GmbH bekannt, im 1. Quartal 2021 auch die ersten Serienzüge in Betrieb nehmen zu wollen.[14] Ab Dezember 2021 soll die neue Linie S15 auf der S21-Neubaustrecke zwischen Hauptbahnhof und Gesundbrunnen mit einem Halbzug der neuen Baureihe im 10-Minuten-Takt betrieben werden. Mit Lieferung weiterer Serienfahrzeuge sollen diese (Stand: 2018) ab Juli 2022 alte Fahrzeuge auf der Linie S46 nach Königs Wusterhausen ersetzen. Weitere Fahrzeuge kommen ab Oktober 2022 auf der Linie S8 zwischen (Wildau–)Grünau und Hohen Neuendorf und zwischen April und Oktober 2023 auf den Ringbahnlinien S41/S42 zum Einsatz.[20] Im Dezember 2020 kündigte die S-Bahn Berlin GmbH an, Verhandlungen über einen ggf. früheren Einsatz der Neubaufahrzeuge auf den genannten Linien mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg an.[21]

Bis zum Abschluss der Lieferung im Jahr 2023 sollen insgesamt 382 neue Wagen in Betrieb gehen.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Geschäftsführer der Berliner S-Bahn verglich das äußere Erscheinungsbild der Baureihe 483/484 mit einem „rasenden iPad“.[22] Der Begriff „Lichtschalter“ für das Kopfdesign ist seit April 2017 belegt[23], verbreitete sich bei Eisenbahnfreunden,[24], und wurde schließlich neben „Tablet“ beim Aufruf zur Findung eines Spitznamens vom S-Bahn Berlin Social Media Team im Dezember 2020 aufgegriffen.[25][26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Berlin S-Bahn train type 483/484 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b S-Bahn – Neuer Vertrag – neue Fahrzeuge (II). In: Berliner Verkehrsblätter. April 2016, S. 63 ff.
  2. a b c Neue S-Bahnzüge aus Berlin für Berlin. In: s-bahn-berlin.de. S-Bahn Berlin GmbH, 27. Januar 2016, abgerufen am 10. Mai 2020.
  3. S-Bahn-Vergabeverfahren wird neu aufgelegt. (PDF; 27 kB) 9. April 2013, archiviert vom Original am 12. Oktober 2013; abgerufen am 28. Januar 2016.
  4. a b c Neue Züge für die Berliner S-Bahn. (Memento vom 13. Mai 2016 im Internet Archive)
  5. a b Erster Wagenkasten der neuen S-Bahn eingetroffen. In: punkt 3. Nr. 20, 2017, S. 2 (online [abgerufen am 4. November 2017]).
  6. Die neue S-Bahn soll die S-Bahn für alle werden. In: punkt 3. Nr. 19, 2016, S. 4 f. (online [abgerufen am 6. Oktober 2016]).
  7. Kurzmeldungen – S-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 8, 2018, S. 161.
  8. Kurzmeldungen – S-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 12, 2018, S. 248.
  9. a b Was für ein Fahrgefühl – die neue S-Bahn in Bewegung! In: punkt 3. Nr. 8, 2019, S. 4 f. (online [abgerufen am 4. Mai 2019]).
  10. Kurzmeldungen – S-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 7, 2019, S. 142.
  11. Haste nich jesehn? | S-Bahn Berlin GmbH. Abgerufen am 15. September 2019.
  12. Fahrzeuge Deutsche Bahn AG – Baureihe 483/484. In: Bahn-Report. Nr. 6, 2019, S. 24.
  13. Neue S-Bahn ist jetzt auf Testfahrt. In: punkt 3. Nr. 9, 2020, S. 5 (online [abgerufen am 30. Mai 2020]).
  14. a b c IGEB-Fahrgastsprechtag. S-Bahn Berlin GmbH, 7. Oktober 2020, abgerufen am 12. Oktober 2020.
  15. Berlins neue S-Bahnzüge sind startklar. S-Bahn Berlin GmbH, 18. Dezember 2020, abgerufen am 18. Dezember 2020.
  16. Überführung Berliner S-Bahn auf lok-report vom 20. März 2021; abgerufen am 22. März 2021
  17. Warum wird die neue Baureihe 483/484 heißen? In: punkt 3. Nr. 7, 2017, S. 5 (online [abgerufen am 12. April 2017]).
  18. www.revisionsdaten.de – Die ONLINE-Fahrzeugdatenbank im Internet. Abgerufen am 24. Dezember 2020.
  19. www.revisionsdaten.de – Die ONLINE-Fahrzeugdatenbank im Internet. Abgerufen am 24. Dezember 2020.
  20. Zeitlicher Plan zur Einführung der neuen Züge bis Ende Oktober 2023. In: s-bahn-berlin.de. S-Bahn Berlin GmbH, abgerufen am 18. Juli 2018.
  21. Neue Berliner S-Bahnen sollen doch nicht über Monate im Depot stehen. Abgerufen am 2. Januar 2021.
  22. Berliner S-Bahn testet neues Modell. In: Der Tagesspiegel. 16. September 2019, abgerufen am 20. September 2020.
  23. Namensgebung bei der S-Bahn - warum die neue Baureihe 483/484 so heißt. Kommentar am Betrag vom "S-Bahn-Berlin" Twitter account. 16. April 2017.
  24. Jens Bernhardt: Neue Berliner Siemens/ Stadler S-Bahn im Dauertest. Urban Transport Magazine. 28. Juni 2020.
  25. Jörn Hasselmann: Neue Berliner S-Bahnen sollen doch nicht über Monate im Depot stehen. Der Tagesspiegel. 27. Dezember 2020.
  26. Schatz, Liebling... normale Spitznamen kannn jeder!. Twitter S-Bahn Berlin. 27. Dezember 2020.