DB-Baureihe 483/484

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DB-Baureihe 483/484 [1]
1:1-Modell
1:1-Modell
Nummerierung: 483 001–021 A/B
484 001–085 A/B/C/D
Anzahl: BR 483: 21 (bestellt)
BR 484: 85 (bestellt)
Hersteller: Stadler Pankow, Siemens
Baujahr(e): 2020–
Achsformel: BR 483 (Viertelzug):
(1A)Bo’+Bo’(A1)
BR 484 (Halbzug):
(1A)Bo’+Bo’(A1)+
(1A)Bo’+Bo’(A1)
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: BR 483: 36.800 mm
BR 484: 73.600 mm
Höhe: 3.600 mm
Breite: 3.140 mm
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Traktionsleistung: BR 483: 840 kW
BR 484: 1.680 kW
Beschleunigung: 1,0 m/s²
Motorentyp: Drehstrom-Asynchron-Motor
Stromsystem: 750 V =
Stromübertragung: seitliche, von unten bestrichene Stromschiene
Anzahl der Fahrmotoren: BR 483: 6
BR 484: 12
Zugbeeinflussung: mech. Fahrsperre / ZBS
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: BR 483: 80
BR 484: 184
Stehplätze: BR 483: 94
BR 484: 202
Fußbodenhöhe: 1.000 mm (durchgängig)

Die DB-Baureihe 483/484 ist ein in Entwicklung befindlicher Typ elektrischer Triebzüge für Stromschienenbetrieb der S-Bahn Berlin. Die Baureihe 483 bezeichnet hierbei sogenannte Viertelzüge, bestehend aus zwei Wagen; die Baureihe 484 dagegen Halbzüge, bestehend aus vier Wagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster vormontierter Wagenkasten im Stadler-Werk Berlin-Pankow

Im April 2013 schrieb der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg im Auftrag der beiden Länder den Betrieb des S-Bahn-Teilnetzes Ring öffentlich aus, welches im Wesentlichen die Linien der Ringbahn und der südöstlichen Zulaufstrecken über die Görlitzer Bahn umfasst. Die Ausschreibung beinhaltete auch die Beschaffung von Neufahrzeugen durch den neuen Betreiber.[2] Nach Vergabe des Auftrags an die S-Bahn Berlin GmbH Ende 2015 schloss diese mit dem Herstellerkonsortium Stadler Pankow und Siemens einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu 1380 Wagen ab. Gleichzeitig erfolgte eine erste verbindliche Bestellung von 106 Zügen, bestehend aus 85 vierteiligen und 21 zweiteiligen Fahrzeugen. Der Konsortialführer Stadler übernimmt hierbei den mechanischen und wagenbaulichen Teil sowie die Fahrzeugproduktion. Siemens verantwortet den elektrischen Anteil mit dem Antriebs- und Bremssystem, der Bordnetzversorgung, Fahrzeugsteuerung, Zugsicherungs- und Fahrgastinformationssystem sowie die Drehgestelle.[3] Die S-Bahn Berlin investiert in die Fahrzeuge und in die notwendige Anpassung der Werkstatt Grünau rund 900 Millionen Euro.[4]

Im Oktober 2016 stellte die S-Bahn Berlin ein 1:1-Modell eines Endwagens vor. Mit dessen Hilfe wurden – zusammen mit Fahrgästen und Vertretern von Interessenverbänden – das Außen- und Innendesign sowie die Ausstattung und Funktionalität bewertet, um Anregungen ggf. in die Serienfertigung einfließen zu lassen.[5]

Die Fertigung der Wagenkästen erfolgt in Ungarn, die Endmontage der Fahrzeuge im Stadler-Werk in Berlin-Pankow und deren Inbetriebsetzung in Velten. Der erste fertige Wagenkasten – ein Kopfwagen eines vierteiligen Zuges – traf im Oktober 2017 zur weiteren Montage in Berlin ein.[4] Der erste Triebzug soll im Jahr darauf fertiggestellt und rollfähig sein[6] und im September 2018 auf der Innotrans ausgestellt werden. Ab 2019 erfolgen Probefahrten im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath, ab 2020 sind nächtliche Testfahrten auf der Ringbahn geplant.[7]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum mit Mehrzweckbereich (1:1-Modell)

Die zweiteiligen Fahrzeuge werden als Baureihe 483 geführt, die vierteiligen als Baureihe 484. Im ersten Abruf werden die Fahrzeugnummern 483 001 bis 483 021 sowie 484 001 bis 484 085 vergeben. Hierbei gilt (abweichend zur bisherigen Nummerierung bei der S-Bahn Berlin) eine Fahrzeugnummer für den gesamten Triebzug, die einzelnen Wagen werden mit den zusätzlichen Buchstaben A/B bzw. A/B/C/D bezeichnet.[8]

Die Züge zeichnen sich außen durch ein modernes Design aus, behalten jedoch gleichzeitig die traditionelle gelb-rote Farbgebung Berliner S-Bahnzüge. Die Viertel- bzw. Halbzüge werden durchgängig begehbar sein und – erstmals bei Zügen der S-Bahn Berlin – mit einer Klimaanlage ausgestattet. Die Sitze sind fast ausschließlich vis-à-vis angeordnet.[3] Darüber hinaus stehen Mehrzweckbereiche mit seitlichen Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Rollstuhlplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe des Führerstandes, die dortigen Türen erhalten eine Spaltüberbrückung. Eine automatische Türschließung verringert das Auskühlen bzw. Aufheizen der Innenräume. Ein dynamisches Fahrgastinformationssystem mit Echtzeit-Daten soll Auskünfte zum Fahrtverlauf und zu Anschlüssen geben. Alle Wagen sind mit einem Videoüberwachungssystem ausgestattet.[9]

Im Viertelzug stehen 94 Stehplätze sowie 80 Sitzplätze zur Verfügung, davon 20 Klappsitze. Im Halbzug sind es 202 Stehplätze sowie 184 Sitzplätze, davon 40 Klappsitze. Jeder Wagen verfügt beidseits über jeweils drei 1.300 mm breite Türen für Fahrgäste, die Endwagen zusätzlich über jeweils eine Tür zum Führerstand. Kameras unterstützen die Überwachung des Fahrgastwechsels, sodass auf Außenspiegel verzichtet werden konnte.[1]

Gegenüber den Vorgängerbaureihen sollen sich die Züge durch eine deutlich gesenkte Geräuschentwicklung auszeichnen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Innerhalb eines Viertelzuges sind alle antriebsrelevanten Komponenten zweifach vorhanden, sodass bei einer Antriebsstörung lediglich ein Wagen ausfällt und der andere Wagen des Viertelzuges voll angetrieben bleibt. Jeder Viertelzug verfügt über eine Magnetschienenbremse, jeder Halbzug über zwei.[9]

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auslieferung der ersten zehn[3] Vorserienfahrzeuge ist für Ende 2020 vorgesehen. Diese sollen zur Erprobung auf der Linie S47 zwischen Südkreuz und Spindlersfeld zum Einsatz kommen. Der Fahrgastbetrieb dort ist ab Januar 2021 geplant. Mit Lieferung der Serienfahrzeuge erfolgt ab Juli 2022 die sukzessive Umstellung des Fahrzeugeinsatzes auf der Linie S46 zwischen Königs Wusterhausen und Hauptbahnhof über Südkreuz und Westkreuz, ab Oktober 2022 auf der Linie S8 und zwischen (Wildau-)Grünau und Hohen Neuendorf und zwischen April und Oktober 2023 auf den Ringbahnlinien S41/S42.[10]

Bis zum Abschluss der Lieferung im Jahr 2023 sollen insgesamt 382 neue Wagen in Betrieb gehen.Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin S-Bahn train type 483/484 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b S-Bahn – Neuer Vertrag – neue Fahrzeuge (II). In: Berliner Verkehrsblätter. April 2016, S. 63 ff.
  2. S-Bahn-Vergabeverfahren wird neu aufgelegt. 9. April 2013, abgerufen am 28. Januar 2016 (PDF; 27 kB).
  3. a b c Neue Züge für die Berliner S-Bahn. (Memento vom 13. Mai 2016 im Internet Archive)
  4. a b Erster Wagenkasten der neuen S-Bahn eingetroffen. In: punkt 3. Nr. 20, 2017, S. 2 (online [abgerufen am 4. November 2017]).
  5. Die neue S-Bahn soll die S-Bahn für alle werden. In: punkt 3. Nr. 19, 2016, S. 4 f. (online [abgerufen am 6. Oktober 2016]).
  6. Kommt die S-Bahn diesmal pünktlich? In: Der Tagesspiegel. 13. September 2017, abgerufen am 14. September 2017.
  7. Neue S-Bahn-Züge für Berlin werden montiert. In: rbb 24. 20. November 2017.
  8. Warum wird die neue Baureihe 483/484 heißen? In: punkt 3. Nr. 7, 2017, S. 5 (online [abgerufen am 12. April 2017]).
  9. a b Neue S-Bahnzüge aus Berlin für Berlin. S-Bahn Berlin GmbH, 27. Januar 2016, abgerufen am 28. Januar 2016.
  10. Zeitlicher Plan zur Einführung der neuen Züge bis Ende Oktober 2023. S-Bahn Berlin GmbH, abgerufen am 18. Juli 2018.