DKW RT 175

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die DKW RT 175 war ein Motorrad der Auto Union. Neben anderen Motorrädern der Marke DKW baute das Unternehmen zwischen 1953 und 1958 in Ingolstadt drei RT-Modelle mit 175 cm³, auf die die Typbezeichnung hindeutet.

Die Abkürzung RT in Verbindung mit dem Markennamen DKW steht für Reichstyp und verweist auf die Verwandtschaft mit den Vorkriegsmotorrädern DKW RT 100 und RT 125. Nach dem Krieg wurden zunächst die RT 125, RT 200 und RT 250, dann zusätzlich die RT 175 und das Zweizylinder-Modell RT 350 hergestellt.

DKW RT 175[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DKW RT 175 (1954), hier in der ersten Ausführung

Im Herbst 1953 stellte die Auto Union die RT 175 auf der Internationalen Motorradausstellung in Frankfurt vor, gemeinsam mit dem größeren Modell RT 250/2. Dank ihrer Robustheit, Wirtschaftlichkeit und guten Fahreigenschaften gehörte die RT 175 auf Anhieb zu den meistverkauften Maschinen; Mitte der 1950er-Jahre war jedes zweite Motorrad in der Klasse bis 175 cm³ eine DKW RT 175.

Der neu entwickelte Motor mit 174 cm³ hatte eine Höchstleistung von 9,5 PS bei 5000/min und ein maximales Drehmoment von 13,7 Nm (1,4 mkg) bei 3600/min. Charakteristisch für den Motor war der flache Drehmomentverlauf über einen großen Drehzahlbereich. Der Motor ist mit Kupplung und Vierganggetriebe in einem geschlossenen Block zusammengefasst.

Weitere Merkmale der DKW RT 175 waren der geschlossene Kettenkasten, Teleskopgabel und eine Geradwegfederung des Hinterrades sowie der verkleidete Vergaser; die Verkleidung war so gestaltet, dass sich auch eine Ansauggeräuschdämpfung ergab. Die Trommelbremsen haben einen Durchmesser von 150 mm. Hinten ist die Vollnabenbremse nur vorgetäuscht, denn die Hinterradbremse befindet sich noch seitlich im Kettenkasten. Serienmäßig hatte die RT 175 kein Bremslicht. Der Kraftstoffverbrauch betrug durchschnittlich 2,8 Liter auf 100 km. Die RT 175 beschleunigte in 4 Sekunden auf 40 km/h und in 13 Sekunden auf 75 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit gab der Hersteller mit 101 km/h liegend und 94 km/h sitzend an. Für den Anschluss eines Seitenwagens war die RT 175 nicht ausgelegt.

Die RT 175 ist ca. 2000 mm lang und etwa 660 mm breit. Sie hat einen 13-Liter-Tank, wovon 2,5 Liter Reserve sind. Das Leergewicht der RT 175 beträgt 117 kg. Im Einzylinder-Zweitaktmotor mit Mischungsschmierung (1 : 25) und DKW-Umkehrspülung arbeitet ein Flachbodenkolben mit 62 mm Durchmesser bei 58 mm Kolbenhub. Daher nennt man diesen Typ von Motor einen 'Kurzhuber'. – Dieselben Zylinderabmessungen hat das seitenwagentaugliche Zweizylinder-Modell RT 350, das zwar bereits ab 1953 auf Messen gezeigt wurde, aber nur 1955/56 im Programm war.

Im Herbst 1954 erhielt die RT 175 vierfach geschlitzte Zylinderkühlrippen, um thermisch bedingte Probleme abzumildern, und eine neue Teleskopgabel mit nach oben verlegten Gummibälgen, wie sie auch beim Nachfolgemodell noch verwendet wurde. Der Preis für die „Normalversion“ war 1.420,00 DM, für die „Chromversion“ 1.475,00 DM

DKW RT 175 S[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DKW RT 175 S (1955), hier jedoch nicht mit dem serienmäßigen Stachelrippenzylinder

Im September 1955 kam mit der RT 175 S das Nachfolgemodell auf den Markt. Dabei steht das S für die nun – entsprechend dem damaligen allgemeinen Trend – eingeführte Hinterrad-Schwinge. Die DKW RT 175 S wurde auch optisch überarbeitet und wirkte mit dem auf 15 Liter vergrößerten Büffeltank und den beiden Seitenkästen links und rechts runder und gedrungener – die Gesamtlänge verkürzte sich aber nur um wenige Millimeter. Der Schwingsattel wurde durch ein Sitzkissen für den Fahrer ersetzt, ein Soziussitzkissen oder eine durchgehende Sitzbank waren auf Wunsch erhältlich. Die Hinterradbremse wurde nun als echte Vollnabenbremse mit vergrößerter Bremsfläche ausgeführt.

Der Motor blieb in seiner Leistung von 9,6 PS nahezu unverändert, denn die Auto Union konzentrierte sich bei der Weiterentwicklung des Motors vor allem auf Ausdauer und Robustheit. So wurde die Schmierung der Kurbelwellenlager verbessert. Der neue Stachelrippenzylinder sollte die thermische Belastbarkeit abermals erhöhen. Sein typisches Aussehen mit den zahlreichen seitlich versetzten Einschnitten in den Kühlrippen führte umgangssprachlich zur Bezeichnung „Stachelschweinzylinder“ – auch in der Fachpresse.

Schon vor dem Verkaufsstart gewann die deutsche Nationalmannschaft mit drei RT 175 S die Internationale Sechstagefahrt, die inoffizielle Weltmeisterschaft im Geländesport. Die RT 175 S und ihr Nachfolgemodell, die RT 175 VS, wurden auch in olivgrüner Ausführung an die Bundeswehr geliefert.

DKW RT 175 VS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DKW RT 175 VS (1956) mit dem in der Fachpresse „Stachelschwein“ genannten Zylinder

Nur ein Jahr später, im Herbst 1956, brachte die Auto Union die RT 175 VS heraus, bei der auch das Vorderrad mit einer Schwinge gefedert ist. Die Bezeichnung VS steht für Vollschwinge. Scheinwerfer und Lenker waren bei dem VS-Modell verkleidet; auch die Form des Tachometers wurde geändert. Ansonsten war die RT 175 VS bis auf kleine Details identisch mit dem Vorgängermodell. So wurde etwa der Regler der Lichtmaschine in den Batterieseitenkasten verlegt, um ihn vor Überhitzung zu schützen.

Als die DKW RT 175 VS auf den Markt kam, war in Deutschland der Motorradmarkt bereits eingebrochen, denn durch den wirtschaftlichen Aufschwung konnten immer mehr Menschen auf das Auto umsteigen. Am 1. Oktober 1958 verkaufte deshalb die Auto Union die gesamte Motorradfertigung an die Victoria AG in Nürnberg, die als Zweirad-Union Restbestände der DKW RT 175 VS auch noch im Jahr 1959 vertrieb.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DKW RT 175 DKW RT 175 S DKW RT 175 VS
Bauzeit 1953–1955 1955–1956 1956–1958
Stückzahl 40.500 13.645 15.010
Motor 1-Zylinder-Zweitakt
Hubraum 174 cm³
Bohrung × Hub 62 × 58 mm
Leistung 9,5 PS 9,6 PS
Höchstgeschwindigkeit 94 km/h 95 km/h
Federung vorne Teleskopgabel Schwinge
Federung hinten Geradweg Schwinge
Preis in DM 1.420–1.475 1.475–1.525 1.525–1.575

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frieder Bach, Woldemar Lange, Siegfried Rauch: DKW – MZ: Zwei Marken – eine Geschichte. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-613-01395-9
  • Frank Rönicke: Typenkompass DKW-Motorräder 1920–1979. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02214-1
  • Audi AG: Das Rad der Zeit. Delius Klasing, 3. Auflage, ISBN 3-7688-1011-9
  • DKW Prospekt MB 1940 (200 J 110 II) von 1955
  • DKW Prospekt MB 922 (1053) von 1953
  • Auto Union GmbH: DKW Praxis 2. Jahrgang Heft 10; Oktober 1953
  • Auto Union GmbH: DKW Praxis 4. Jahrgang Heft 9; September 1955
  • Auto Union GmbH: DKW Praxis 5. Jahrgang Motorradheft 5; September/Oktober 1956
  • Auto Union GmbH: Betriebsanleitung DKW-Motorrad RT 175; Ausgabe Mai 1954

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: DKW RT175 – Sammlung von Bildern