Darum/Gretesch/Lüstringen

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Osnabrücker Rad.svg
Darum/Gretesch/Lüstringen
Stadtteil von Osnabrück
Karte:
Karte
Basisdaten
Fläche: 14,34 km²
Einwohner: 7.808 Stand: 31. Dezember 2014
Bevölkerungsdichte: 544 Einwohner/km²
Postleitzahl: 49086
Vorwahlen: 0541
05406 (Teile von Darum)
Gliederung
Stadtteilnummer:

21

Darum/Gretesch/Lüstringen ist ein Stadtteil der niedersächsischen Stadt Osnabrück mit 7.808 Einwohnern (12/2014)[1], die sich auf 14,34 km² Fläche verteilen[2]. Er befindet sich im Ostteil der Stadt und besteht ursprünglich aus diesen drei Ortschaften und einem Teilbereich der früheren Gemarkung Schinkel. Es gibt die evangelisch-lutherische Petruskirche und die katholische Marienkirche. Der Stadtteil liegt an der Straße der Megalithkultur.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet dieses Stadtteils hat eine lange Besiedlungsgeschichte, die noch heute in Form mehrerer jungsteinzeitlicher Großsteingräber wie den Gretescher Steinen[3], den Sundermannsteinen[4] und den in Voxtrup, nahe der Grenze zu Lüstringen liegenden Teufelssteinen[5] sichtbar ist.[6] Ebenfalls in Voxtrup, nahe der Grenze zu Lüstringen wurde im Jahr 2016 der Kupferschatz von Osnabrück mit einer Axt sowie drei Hals- und Brustschmuckstücken (Lunulae) entdeckt. Vorbehaltlich der näheren Ergebnisse schätzten die Archäologen das Alter der Fundstücke grob auf 4500 Jahre, was der Jungsteinzeit entspricht. Der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege Stefan Winghart hält einen kulturell-soziologischen Zusammenhang zu den oben genannten Großsteingräbern für sehr wahrscheinlich.[7] Sowohl die Großsteingräber, als vermutlich auch der Kupferschatz, stehen in Verbindung mit einem alten Fernweg, der südöstlich um die heutige Stadt Osnabrück herum durch das Gebiet der späteren Gemeinde Lüstringen führte und die Hase durch eine Furt querte.[8]

Die Bauerschaften Darum, Gretesch und Lüstringen gehörten mit Icker, Vehrte, Powe und Haltern ursprünglich zu dem im 9. Jahrhundert entstandenen Kirchspiel Belm. Ab dem 11. Jahrhundert bildeten die drei Orte die Markgenossenschaft Darum-Gretesch-Lüstringen. Später entwickelten sich die drei Orte als selbstständige Gemeinden im Landkreis Osnabrück bis zu ihrer Eingemeindung nach Osnabrück im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform, die am 1. Juli 1972 wirksam wurde.[9]

Von Ende des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 15. Jahrhunderts gab es im nordöstlichen Gemeindeteil eine Gräftenburg, deren künstlich erhöhte, rechteckige Innenfläche vollständig von einem mehrteiligen Wassergraben (Graft) umgeben war. An der Nordseite war eine Vorburg vorgelagert. Die Burg befand sich bis ins 14. Jahrhundert im Besitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts. 1457 wurde sie an das Wüllneramt in Osnabrück veräußert. Mit dem Niedergang der Osnabrücker Tuchindustrie im ausgehenden 18. Jahrhundert war das Wüllneramt 1787 gezwungen, die Burg an die Stadt Osnabrück zu verkaufen.[10] Nach ihrer Aufgabe wurde das gesamte Areal eingeebnet, so sind heute nur noch einzelne Bodenwellen in der Nähe der Papierfabrik Schoeller zu erkennen[11]. Südlich der Burg gab es noch eine Wehranlage, den sogenannten Gretescher Turm, der aber ebenfalls heute nicht mehr vorhanden ist.[12]

Von herausragender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung von Gretesch war und ist die dort ansässige Papierfabrik Felix Schoeller, die die Gemeinde mittels ihrer Gewerbesteuer, bis zu ihrer Eingemeindung, zu den reichsten Orten in Deutschland zählen ließ. In dieser Zeit betrieb die kleine Gemeinde ein eigenes Hallenbad und ließ ein Sportstadion mit Kunststoffbahn errichten, das heute Heimstatt der TSG Burg Gretesch ist. Bei der Eröffnung im September 1970 lief Gert Metz im 100-Meter-Lauf mit 10,0 Sekunden einen neuen Europarekord und Weltjahresbestzeit.

Weitere bedeutende Unternehmen mit Sitz in Darum/Gretesch/Lüstringen sind DIOSNA Dierks & Söhne, ein führender Hersteller von Anlagen für Lebensmittel- und Pharmaproduktion, und die HR Group GmbH, Muttergesellschaft der Schuhhandelskette Reno.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil liegt östlich der Bundesautobahn 33 und ist über die Anschlussstelle Osnabrück-Lüstringen an diese angebunden. Bis 1978 existierte die Bahnstation Lüstringen an der im Süden des Stadtteils verlaufenden Bahnstrecke Löhne–Rheine. Ferner verfügt die Papierfabrik Schoeller über einen Gleisanschluss.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Darum/Gretesch/Lüstringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Osnabrück, -Statistik- Bevölkerung nach Stadtteilen 12/2014 (PDF-Datei)
  2. Stadt Osnabrück, -Statistik- Größe der Stadtteile und Statistische Bezirke 11/2011 (PDF-Datei)
  3. http://www.stonepages.de/db/stone.php?rcrd=60&menu=Osnabr%C3%BCck@1@2Vorlage:Toter Link/www.stonepages.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. http://www.stonepages.de/db/stone.php?rcrd=106&menu=Osnabr%C3%BCck@1@2Vorlage:Toter Link/www.stonepages.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. http://www.stonepages.de/db/stone.php?rcrd=61&menu=Osnabr%C3%BCck@1@2Vorlage:Toter Link/www.stonepages.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Das Osnabrücker Land III, Bd. 44, 1979, S. 27ff
  7. Osnabrücker Sondengänger rettet wertvollen Schmuck in Neue Osnabrücker Zeitung vom 27. Juli 2016
  8. Dokumentarfilm Der Kupferschatz von Osnabrück auf Youtube (ca. 16 Minuten)
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 252.
  10. Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück. ND Osnabrück 2004, S. 126f.
  11. Burg Gretesch (Memento vom 15. Juni 2009 im Internet Archive)
  12. Gretescher Turm (Memento vom 15. Juni 2009 im Internet Archive)

Koordinaten: 52° 16′ N, 8° 8′ O