Denen man nicht vergibt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Denen man nicht vergibt
Originaltitel The Unforgiven
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1960
Länge 125 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie John Huston
Drehbuch Ben Maddow
Produktion Harold Hecht
James Hill
Burt Lancaster
Musik Dimitri Tiomkin
Kamera Franz Planer
Schnitt Russell Lloyd
Besetzung

Denen man nicht vergibt ist ein US-amerikanischer Western aus dem Jahr 1960 unter der Regie von John Huston. Grundlage der Verfilmung ist der Roman The Unforgiven von Alan Le May aus dem Jahr 1957.

Der ungewöhnliche Film war ursprünglich dazu gedacht, die Spielarten des Rassismus im Wilden Westen zu beleuchten. Allerdings sind die Schwierigkeiten hinter den Kulissen, die zu häufigen Skriptänderungen führten, in diesem Fall bekannter als das Werk selbst. Huston wird in diesem Zusammenhang häufig damit zitiert, dies sei der ihn am wenigsten zufriedenstellende seiner Filme.[1] Dessen ungeachtet und sämtlichen Querelen sowie Unfällen am Set im mexikanischen Durango wie auch der fehlenden Zuschauer-Resonanz zum Trotz gilt der sich als eine Art Umkehrung von Der Schwarze Falke (1956) verstehende Streifen – Le May hatte bekanntlich auch den Roman zum John Ford-Klassiker geschrieben – einigen Fachleuten des Westerns als Meisterwerk, weil Huston einige sonst in diesem Genre ganz selten vorzufindende künstlerische Elemente einbaute, wie zum Beispiel ein Klavier, auf dem Lillian Gish sogar Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart spielt. Darüber hinaus wird von der Literatur die herausragende schauspielerische Leistung von Joseph Wiseman als Abe Kelsey unterschlagen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden von Texas („panhandle“-Region) nach Ende des Bürgerkriegs: Während der für die Ranch verantwortliche Ben Zachary aus geschäftlichen Gründen in Wichita weilt und dessen jüngere Brüder „Cash“ sowie „Andy“ ihrer Cowboy-Arbeit nachgehen, hat Schwester Rachel beim Ausritt mit ihrem weißen Hengst eine merkwürdige Begegnung: Ein geheimnisvoller Alter, einen Säbel tragend und biblische Sprüche klopfend, versteigt sich zu der Behauptung, sie sei gar keine Zachary. Zurück im direkt an einen Hügel angelehnten Ranchgebäude, wird sie von ihrer Mutter Mattilda beruhigt, es habe sich um ein einsamen Herumtreiber gehandelt, wie es sie nach dem Krieg häufig gab. In Wirklichkeit aber schwant der alten Witwe, dass mehr hinter dem Fremden stecken könnte, und als dieser auch noch dreist vor ihr erscheint, hat sie die Gewissheit: Es ist „Abe“ Kelsey, der einst mit ihrem Mann William Zachary ein Vergeltungs-Massaker an den Kiowas verübt hatte und nur ein kleines Baby verschont ließ; dieses wurde dann von den Zacharys adoptiert und großgezogen - Rachel.

Niemand außer Mattilda, auch nicht Rachel, weiß um diesen Fakt, und er sollte auch besser nicht bekanntwerden, da die im Laufe der Jahre immer wieder Überfälle begangen habenden Kiowas äußerst unpopulär bei den weißen Rinderzüchtern sind. Das Erscheinen des lange Zeit untergetauchten Kelsey bringt also große Gefahren.

Zunächst aber geht alles seinen gewohnten Gang. Ben kehrt zufrieden aus Wichita zurück und überrascht seine beiden Frauen mit einem umsonst weil dank einer gewonnenen Wette erstandenen Klavier; wenig später kommen die Nachbarn von der Rawlins-Familie zu seinem Besuch, bei dem es auch um eventuelle Vermählungen geht: Die rothaarige Rawlins-Tochter Georgia zeigt immerhin einiges Interesse an dem trinkfreudigen und großmäuligen Cash, doch ernsthafter in Erwägung gezogen wird eine Liaison zwischen Rachel und dem schüchternen Charlie Rawlins. Als das Gespräch auf den seltsamen Fremden kommt, ist die bis dahin gute Stimmung dahin, zumal sich die ihr Wissen auf keinen Fall preisgeben wollende Mattilda kurzerhand ans Klavier „flüchtet“. Der freilich von einem Verdacht befallene Ben macht sich in der darauffolgenden Nacht mit Cash auf die Suche; tatsächlich finden sie Kelsey in der von Kakteen überwucherten Wildnis und können sein Pferd töten, verlieren aber seine Spur in einem heftigen Sandsturm wieder. An einem anderen Tag kommt es beim Zureiten eines Wildpferdes zu Spannungen zwischen Cash - durch den Tod seines Vaters während einer Kiowa-Attacke zum Indianerhasser geworden - und Johnny Portugal, einem rothäutigen Pferde-Experten, den Ben in Wichita angeheuert hatte. Dieser wird dann auch von Ben zurechtgestutzt, weil er sich eine fesche Bemerkung in Bezug auf Rachel geleistet hat, darf aber seinen Job zum Unwillen von Cash behalten. Derweil stiehlt Kelsey unbemerkt Rachels Vierbeiner, sodass sie mit Ben, für den sie mehr als geschwisterliche Gefühle hegt, den Rückweg antreten muss; auch er erscheint nicht nur als ihr Beschützer, gibt aber überraschend sein „Okay“ zu einem vermutlich unmittelbar bevorstehenden Antrag Charlies.

Während die Zacharys beim Abendbrot versammelt sind, erscheinen plötzlich drei Kiowas auf dem Ranchgelände; ihr Anführer namens Lost Bird verlangt, offensichtlich von Kelsey informiert, vom verdutzten Ben die Herausgabe Rachels, was dieser entschieden verweigert. Das Auftauchen der Indianer nach langer Abwesenheit sorgt für Unruhe, auch unter den Angestellten von Zeb Rawlins, dem Patriarch der Nachbarfamilie. Derweil macht sich Charlie auf den Weg zu den Zacharys, um seinen Heiratsantrag offiziell zu formulieren. Nach Rachels Einwilligung tritt er beschwingt den Rückweg an, wird jedoch von einem Kiowa-Pfeil getötet. Als die gesamte Zachary-Familie ihr Beileid bekunden will, kommt es zum Eklat: Die Mutter des Toten beschimpft Rachel als „Kiowa-Squaw“ und „rothäutige Niggerin“, und Ben kann den Bruch mit seinem Geschäftspartner Zeb vorerst nur verhindern, weil er eine Posse formiert, um Jagd auf Kelsey zu machen, damit sämtliche Anschuldigungen widerlegt werden (Ben kennt nur die Version, dass Rachel ein Findelkind massakrierter Weißer ist). Die nicht einfache Aufspürung des Unheilstifters gelingt, weil Johnny Portugal nach einer entdeckten Spur mit dem Zugriff beauftragt wird; dieser kann dank seiner mitgeführten Reservepferde den Fliehenden einfangen. Auf die Rawlins-Ranch gebracht, wird ihm rasch der Strick um den Hals gelegt - das allgemeine Schicksal eines Pferdediebs. Kelsey verneint den Vorwurf; schließlich hat er Rachel bestohlen, und die sei eine Kiowa. Zeb will nun eine genaue Auskunft, doch Ben mischt sich ein, stempelt alle Aussagen Kelseys als Lügen ab und erzählt seine Version. Der Streit eskaliert, und als sich der Alte zu Mattilda umdreht und behauptet, dass diese die ganze Wahrheit wisse, gibt die entsetzte Witwe dem Pferd, auf dem der Todeskandidat sitzt, einen Hieb - Kelsey ist gehenkt. Zeb Rawlins ist jedoch noch nicht zufrieden; er verlangt nun zur endgültigen Klärung, dass Rachels Haut (die am Körper dunkler sein soll als im Gesicht) von den Frauen seiner Ranch untersucht wird. Das verhindert Ben, womit allerdings auch der Bruch zwischen den Nachbarn endgültig vollzogen ist.

Auf der eigenen Ranch angekommen, wird ein Tuch mit indianischen Schriftzeichen vorgefunden, das die Bergung Rachels im Kleinstkindalter durch Weiße symbolisiert; auch Mattilda kommt nun nicht mehr umhin, die Wahrheit zuzugeben. Nach einem heftigen Streit über die weitere Vorgehensweise verlässt Indianer-Hasser Cash die Familie und sucht Zuflucht bei der darüber erfreuten Georgia, derweil die Kiowas eine vernichtende Attacke auf das Zachary-Anwesen vorbereiten. Rachel will zwecks Vermeidung eines Blutvergießens zu ihrem Stamm zurückkehren, doch mit dem ersten aus dem mit Schießscharten gesicherten Haus heraus getöteten Indianer ist dieses Ansinnen hinfällig. Lost Birds Übermacht ist dennoch bedrohlich; eine auf das Dach getriebene Kuh-Herde und das in Brand gesteckte Gebäude verschlimmern die Lage. Mattilda kommt durch eine Kugel ums Leben, während sich Ben, Rachel und Andy nur noch im hinteren Teil ihrer Behausung aufhalten können. Cash glaubt in großer Entfernung, die Attacke zu vernehmen, und reitet zurück, so in letzter Minute seinen Geschwistern zur Rettung verhelfend - die Kiowas ziehen ab, nachdem ihr Anführer ausgerechnet von Rachel eliminiert worden war. Diese beschließt, Bens Frau zu werden.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgesehen von der ungewöhnlichen Besetzung einer Indianerrolle mit Audrey Hepburn fiel der Film vor allem durch Probleme hinter den Kulissen auf. Die Produktion musste 1959 für mehrere Monate ausgesetzt werden, nachdem sich Hepburn bei den Proben zu einer Szene einen Rückenwirbel gebrochen hatte, als sie vom Pferd fiel. Sie hatte sich zwar gut erholt, der Unfall wurde jedoch unter anderem für ihre anschließende Fehlgeburt verantwortlich gemacht. Mehreren veröffentlichten Hepburn-Biografien zufolge gab Huston sich selber die Schuld an dem Unfall. Zwar stellte er den Film nach Hepburns Genesung fertig, lehnte ihn aber insgesamt ab. Hepburn nahm sich das Jahr darauf frei, brachte ein gesundes Kind zur Welt und kehrte 1961 mit Frühstück bei Tiffany auf die Leinwand zurück.

Des Weiteren gab es permanent Auseinandersetzungen zwischen Huston und Burt Lancaster bzw. seiner Produktionsfirma darüber, wie der Stoff zu verfilmen sei. Lancaster und seine Geldgeber wünschten einen kommerziellen und von daher wenig kontroversen Film, während Huston die Verwurzelung des Rassismus in Amerika aufzeigen wollte.[2] Am Ende bekam keine Seite das, was sie eigentlich haben wollte[3]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Szene mit Audrey Hepburn und Burt Lancaster

Das Lexikon des internationalen Films urteilt, der Film sei ein „formal beachtlicher Edelwestern, der John Hustons Fähigkeit zu kraftvoller Inszenierung bezeugt, das Thema Rassenhass jedoch nicht aufarbeitet.“[4] Joe Hembus meint, Denen man nicht vergibt sei ein „Prestigefilm“, der sich „bewußt der Bewunderung seiner Zuschauer“ empfehle, von der „lässigen Kraft, die hinter den besseren Huston-Filmen steckt“, sei hier nichts zu spüren.[5] Phil Hardy nennt den Film „faszinierend“, lobt Planers Kameraarbeit „in weichen, natürlichen Farben“ und stellt heraus, dass Murphy in diesem Film die beste Leistung seiner Filmkarriere abgebe.[6]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Darsteller Synchronsprecher[7]
Ben Zachary Burt Lancaster Arnold Marquis
Rachel Zachary Audrey Hepburn Maria Körber
Cash Zachary Audie Murphy Dietmar Schönherr
Johnny Portugal John Saxon Herbert Stass
Zeb Rawlins Charles Bickford Klaus W. Krause
Abe Kelsey Joseph Wiseman Walther Süssenguth
Andy Zachary Doug McClure Paul Edwin Roth
Verlorener Vogel Carlos Rivas Gert-Günther Hoffmann

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Goatdog's Movies – The Unforgiven (27. März 2006)
  2. Dennis Schwartz (18. Januar 2005) Ozu's World Movie Reviewers – The Unforgiven
  3. Rob Schmidt (14. Juni 2007) Review of The Unforgiven
  4. Denen man nicht vergibt. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  5. Joe Hembus: Western-Lexikon – 1272 Filme von 1894–1975. Carl Hanser Verlag München Wien 2. Auflage 1977. ISBN 3-446-12189-7. S.114
  6. Phil Hardy: The Encyclopedia of Western Movies. Woodbury Press Minneapolis 1984. ISBN 0-8300-0405-X. S.277
  7. Eintrag in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 26. November 2007