Dobiegniew

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Dobiegniew
Wappen von Dobiegniew
Dobiegniew (Polen)
Dobiegniew
Dobiegniew
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Strzelecko-Drezdenecki
Fläche: 5,69 km²
Geographische Lage: 52° 58′ N, 15° 45′ OKoordinaten: 52° 58′ 0″ N, 15° 45′ 0″ O
Höhe: 58 m n.p.m.
Einwohner: 3113
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 66-520
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSD
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BerlinDanzig
Schienenweg: Stettin–Posen
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 27 Ortschaften
Fläche: 350,99 km²
Einwohner: 6703
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 19 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0806013
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Leszek Waloch
Adresse: ul. Dembowskiego 2
66-520 Dobiegniew
Webpräsenz: www.dobiegniew.pl



Dobiegniew [dɔ'bʲɛgɲɛf] (deutsch Woldenberg) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist dem Powiat Strzelecko-Drezdenecki (Friedeberg-Driesener Kreis) angegliedert.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Neumark, am westlichen Rand der Kroner Seenplatte, 46 Kilometer nordöstlich von Landsberg an der Warthe (Gorzów Wielkopolski). Im Norden der Stadt erstreckt sich der Große See. Durch die Stadt führt die Landesstraße 22 (droga krajowa 22) von Landsberg an der Warthe nach Elbing (Elbląg). Landsberg ist auch die nächstgelegene größere Stadt, 46 Kilometer westlich entfernt. Der Bahnhof der Stadt befindet sich an der Strecke Stettin–Posen.

Stadt Dobiegniew (Woldenberg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Woldenberg nordwestlich der Stadt Posen und südwestlich der Stadt Schneidemühl auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Woldenberg nordöstlich der Stadt Landsberg an der Warthe auf einer Landkarte von 1905
Woldenberg um 1890
Stadtkirche (bis 1945 evangelisch)

In der mit Sümpfen und Seen gefüllten Niederung des Woldenberger Fließes lässt sich eine Pfahlbautenbesiedlung aus der Jungsteinzeit nachweisen. Die erste schriftliche Quelle stammt aus dem Jahre 1250, als Herzog Przemysł I. von Großpolen die Ansiedlung „Dubegneve“ dem Zisterzienserkloster in Ovinsk überließ. Es wird vermutet, dass diese an einer heute verschwundenen Befestigungsanlage entstand, die zum Schutze der Handelsstraße von Küstrin über Landsberg und Friedeberg diente, die über den Dragepass in Hochzeit weiter nach Schloppe und ins Landesinnere führte.

Um 1295 gelangte „Dubgnew“ an Brandenburg, Markgraf Otto mit dem Pfeil bestätigte 1297 in der Stadt den Besitz des Klosters Ovinsk. Die askanischen Markgrafen weilten mehrfach in „Dubegnewe“, 1303 wurde hier der Vertrag der vier Markgrafen mit dem Bischof Heinrich von Cammin geschlossen und 1305 war es Woldemar, der von hier dem Kloster Marienwalde eine Besitzbestätigungsurkunde ausfertigte.

Im Jahre 1313 ist „Dubegnewe“ erstmals als Stadt genannt, als die Bürger die markgräfliche Mühle für 500 Mark Silber erwarben. Jedoch dürfte das Stadtrecht schon seit dem Ende des 13. Jahrhunderts bestanden haben. 1333 ist der Name „Waldinborg“ erstmals nachweisbar, der den alten Namen binnen kurzer Zeit vollständig ablöste. Woldenberg war eine ummauerte Stadt, von der ursprünglichen Stadtbefestigung mit 37 Weichhäusern sowie mehreren Wällen und Gräben sind heute nur noch die Ruinen eines Turmes erhalten.

Zwischen 1402 und 1454 war Woldenberg als Teil der Neumark im Besitz der Deutschordensritter und wurde 1433 von den Hussiten niedergebrannt. 1455 kam die Stadt wieder zur Mark Brandenburg und erhielt die Rechte einer Immediatstadt. In dieser Zeit entstand auch die dreischiffige Stadtkirche, eine gotische Hallenkirche aus Backsteinen. 1581 war Woldenberg Schauplatz eines Hexenprozesses, bei dem fünf Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Mehrfach wurde Woldenberg durch Stadtbrände zerstört, der letzte größere brach 1710 aus. Beim Wiederaufbau wurden der Marktplatz vergrößert und die Straßenzüge nach regelmäßigem Grundriss neu gestaltet. Der Standort des Rathauses wurde von der Mitte des Marktes an dessen Ostseite verlegt. In der Stadt kreuzten sich mehrere Handelswege nach Posen, Stettin und Küstrin, was die Ansiedlung von Kaufleuten begünstigte. Daneben war das Tuchmacherhandwerk ansässig. Bis zur Stilllegung der Papiermühle im Jahre 1847 war Woldenberg auch ein Zentrum der Papierherstellung.

Durch die preußische Verwaltungsreform von 1815 wurde Woldenberg in den brandenburgischen Kreis Friedeberg eingegliedert. Im 19. Jahrhundert erfolgte die Anbindung an bedeutende Verkehrswege. Die 1829 angelegte Chaussee von Berlin nach Königsberg (Preußen), die spätere Reichsstraße 1, führte durch Woldenberg. 1847 wurde die Eisenbahnstrecke nach Stargard eingeweiht, die im Jahre 1849 noch in südöstliche Richtung bis Kreuz als Anschluss an die Ostbahn und von dort nach Posen weitergeführt wurde.

1938 wurde Woldenberg zusammen mit dem Landkreis Friedeberg in die Provinz Pommern eingegliedert. Dies geschah im Rahmen einer größeren Gebietsumgliederung, die vor allem durch die Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen bekannt ist, die verwaltungstechnisch in den Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen umgestaltet wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde 1939 in Woldenberg das Stalag II C errichtet, das zwischen 1940 und 1941 zum Offiziersgefangenenlager Oflag II C Woldenberg mit einer Fläche von 25 Hektar erweitert wurde und bis 1945 bestand. Ein Teil der Gefangenen des Lagers wurde im Januar 1945 in mehreren Kolonnen in einem Fußmarsch nach Westen verbracht. So traf eine Gruppe von etwa 400 Gefangenen des Lagers Woldenberg im März 1945 in Murnau am Staffelsee ein. Die im Lager Woldenberg verbliebenen etwa 4.000 Gefangenen kamen frei, als am 30. Januar 1945 die Rote Armee die Region besetzte.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatten bei Woldenberg Anfang 1945 schwere Kämpfe stattgefunden, bei denen die Stadt zu 85 Prozent zerstört wurde. Das bedeutendste Baudenkmal, die spätgotische Stadtkirche, blieb erhalten, während große Teile der Innenstadt heute aus Grünflächen bestehen. Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee besetzt und bald darauf von der sowjetischen Militärkommandantur unter polnische Verwaltung gestellt. Die gesamte eingesessene Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1750: 1.291[2]
  • 1801: 1.721[2]
  • 1840: 2.900[2]
  • 1858: 3.772, davon 22 Katholiken und 119 Juden[2]
  • 1875: 4.089[3]
  • 1890: 4.676, davon 44 Katholiken und 157 Juden[3]
  • 1925: 4.787, davon 143 Katholiken und 60 Juden[4]
  • 1933: 5.103[3]
  • 1939: 5.344[3]
  • 2006: 3.152[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Dobiegniew[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet der heutigen polnischen Stadt- und Landgemeinde Dobiegniew hat eine Fläche 351 km² (einschließlich der Stadt), auf der ca. 7500 Einwohner leben.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Dobiegniew umfasst die Ortschaften und Wohnplätze Chomętowo (Hermsdorf), Chrapów (Grapow), Czarnolesie (Kesselgrund), Derkacze (Dicking), Dębogóra (Eichberg), Głusko (Steinbusch), Grabionka (Grabershof), Grąsy (Gramsfelde), Jarychowo (Neuhütte), Kępa Zagajna (Friedrichslust), Lipinka (Jägersburg), Lubiewko (Brandsheide), Łęczyn (Lenzenbruch), Ługi (Lauchstädt), Mierzęcin (Mehrenthin), Osiek (Wutzig), Ostrowiec (Rohrsdorf), Podlesiec (Waldowshof), Radachowo (Heidekavel), Radęcin (Regenthin), Sarbinowo (Schüttenburg), Sławica (Krügergrund), Słonów (Schlanow), Słowin (Lämmersdorf), Stare Osieczno (Hochzeit) und Wołogoszcz (Wolgast).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 456–457.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Band 3, Brandenburg 1856, S. 472–474.
  • Paul van Nießen: Geschichte der Stadt Woldenberg i. N. Mit Unterstützung des Vereins für Geschichte der Neumark und der Stadt Woldenberg, Burmeister, Stettin 1893

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dobiegniew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Woldenberg in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d Riehl und Scheu (1861): S. 456–457.
  3. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/friedeberg.html#ew39ewoldenber
  4. http://stadt.woldenberg.kreis-friedeberg.de/
  5. Główny Urząd Statystyczny, abgerufen am 5. Januar 2008.
  6. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 4: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern. Anklam 1868, S. 799–803.