Eduard Lohse

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Eduard Lohse (2 v.r.) mit Altbundespräsident Walter Scheel (3. v.l.), Bischof Hermann Kunst (2 v.l.) und anderen beim 70. Geburtstag von Kurt Aland (li.) (1985)

Eduard Lohse (* 19. Februar 1924 in Hamburg; † 23. Juni 2015 in Göttingen[1]) war ein deutscher lutherischer Theologe, Professor für Neues Testament und Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche.[2]

Leben[Bearbeiten]

Lohse besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg (Abitur 1942) und leistete von 1942 bis 1945 Militärdienst als Schnellbootkommandant in der Kriegsmarine. Von 1945 bis 1949 studierte er Theologie an der Kirchlichen Hochschule Bethel und an der Georg-August-Universität Göttingen, wo er 1949 mit seiner Dissertation über Die Ordination im Spätjudentum und im Neuen Testament[3] promovierte. Von 1950 bis 1953 war er als Konviktsinspektor an der dann in die Universität Hamburg eingegliederten Kirchlichen Hochschule in Hamburg als Vikar und Hilfsprediger tätig. 1953 habilitierte er sich mit seiner Arbeit über Märtyrer und Gottesknecht: Untersuchungen zur urchristlichen Verkündigung vom Sühntod Jesu Christi an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und war dort bis 1956 Privatdozent für Neues Testament. Von 1956 bis 1971 war er Professor für Neues Testament, zunächst an der Universität Kiel (bis 1964), dann von 1964 bis 1971 an der Georg-August-Universität Göttingen; im akademischen Jahr 1970/71 war er ihr Rektor. Einer seiner Schüler ist Peter von der Osten-Sacken. Am 24. November 1970 wurde er zum Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gewählt. Er trat dieses Amt nach Ablauf seines Rektorats im Sommer 1971 an und bekleidete es bis 1988. Von 1979 bis 1985 war er Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In seine Zeit als Vorsitzender des Rates der EKD und der Deutschen Bibelgesellschaft fiel die Revision der Lutherbibel im Jahr 1984. Sie sei „das wichtigste Dokument deutscher Sprache“. Als „verunglücktes Unternehmen“ bezeichnete er hingegen die Bibel in gerechter Sprache, in der unter anderem Erkenntnisse der feministischen und der Befreiungstheologie verarbeitet sind.[4] 1988 wurde er auch Präsident des Weltbundes der Bibelgesellschaft.[5]

Privates[Bearbeiten]

Eduard Lohse war der ältere Bruder des Hamburger Theologen Bernhard Lohse. Der Humanmediziner und Pharmakologe Martin Lohse ist eines seiner drei Kinder. Er war mit der Studienrätin Roswitha Lohse-Flitner verheiratet.[6] Er wird auf dem Friedhof des Klosters Loccum beigesetzt.[1]

Weitere Ämter, Mitgliedschaften und Auszeichnungen[Bearbeiten]

weitere Ämter und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Texte aus Qumran. Hebräisch und Deutsch 4. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1986 (5. Auflage ebda. 2001 mit Annette Steudel) ISBN 3-534-11613-5
  • Die Offenbarung des Johannes (= Das Neue Testament deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk. Teilbd. 11). 8. Auflage, 1. Auflage der neuen Bearbeitung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen u. a. 1960 (15. Auflage. ebenda 1993, ISBN 3-525-51378-X).
  • Die Briefe an die Kolosser und Philemon (= Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament. Bd. 9, 2). 14. Auflage, 1. Auflage dieser Neuauslegung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1968 (2. Auflage. ebenda 1977, ISBN 3-525-51636-3).
  • Umwelt des Neuen Testaments (= Grundrisse zum Neuen Testament. = NTD-Ergänzungsreihe. Bd. 1, ZDB-ID 1195245-3). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1971 (10., durchgesehene Auflage. ebenda 2000, ISBN 3-525-51360-7).
  • Die Entstehung des Neuen Testaments (= Theologische Wissenschaft. Bd. 4). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1972, ISBN 3-17-239011-X (6. Auflage = unveränderter Nachdruck der 5. Auflage. 1991. ebenda ISBN 3-17-017041-4).
  • Grundriß der neutestamentlichen Theologie (= Theologische Wissenschaft. Bd. 5, 1). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1974, ISBN 3-17-001071-9 (5., unveränderte Auflage. ebenda 1998, ISBN 3-17-015790-6).
  • Theologische Ethik des Neuen Testaments (= Theologische Wissenschaft. Bd. 5, 2). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1988, ISBN 3-17-010060-2.
  • Ich lobe dich von ganzer Seele. Auslegungen zu allen 150 Psalmen (herausgegeben mit Walter Kasper, Walter Klaiber, Paul-Werner Scheele, Theodor Schober, Theo Sorg). Kreuz-Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 978-3-783-11288-7
  • Das Neue Testament als Urkunde des Evangeliums 1. Auflage 2000. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 978-3-525-53876-0
  • Der Brief an die Römer (= Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament. Bd. 4). 15. Auflage, 1. Auflage dieser Auslegung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-51630-4.
  • Freude des Glaubens. Die Freude im Neuen Testament 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-63375-5
  • Das Vaterunser. Im Licht seiner jüdischen Voraussetzungen (= Lucas-Preis 2007). Mohr & Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-16-149-623-3 (Neuer Abdruck Darmstadt 2011, 2. Auflage 2012, ISBN 978-3-650-25470-2).
  • Das Urchristentum. Ein Rückblick auf die Anfänge. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-53382-6
  • Paulus, Lehrer der Kirche (zusammen mit Karl Lehmann), Publikationen Bistum Mainz 2009 (Mainzer Perspektiven: Orientierungen. 7), ISBN 978-3-934450-41-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eduard Lohse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Beate Ney-Janßen: Alt-Bischof Eduard Lohse in Göttingen gestorben, Meldung im Göttinger Tageblatt vom 24.Juni 2015.
  2. Lohse: Vita, landeskirche-hannovers.de, abgerufen am 26. Juni 2015.
  3. Kieler Gelehrtenverzeichnis, gelehrtenverzeichnis.de, abgerufen am 26. Juni 2015.
  4. Altbischof Lohse kritisiert „Bibel in gerechter Sprache“, idea.de, Meldung vom 29. Januar 2008.
  5. Nachruf auf Altbischof Prof. Dr. Eduard Lohse, landeskirche-hannovers.de, Meldung vom 24. Juni 2015.
  6. Kondolenz zum Tod von Eduard Lohse, bundespraesident.de, Meldung vom 24. Juni 2015.
  7. Lohse: Kurzvita, ekd.de, abgerufen am 26. Juni 2015.
  8. Preisträger des Niedersächsischen Staatspreises, niedersachsen.de, abgerufen am 26. Juni 2015.