Elena Ferrante

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Elena Ferrante ist das Pseudonym einer italienischen Schriftstellerin. Sie gilt als wichtigster italienischer Romancier ihrer Generation. Ihr wirklicher Name ist unbekannt,[1] da sie seit Erscheinen ihres Debütromans 1992 ihre Identität nicht preisgibt.[2][3] Sie äußerte die Ansicht, dass einmal vollendete Romane keine Autorenschaft mehr benötigen.[4]

Spekulationen über die Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Identität der Person hinter dem Pseudonym wurde in den Medien immer wieder spekuliert. Zeitweise galt die Schriftstellerin Fabrizia Ramondino als wahrscheinliche Kandidatin. Diese These wurde widerlegt, als nach ihrem Tod weitere Romane von Elena Ferrante veröffentlicht wurden. Die Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Neapel, Marcella Marmo, wurde vom Literaturkritiker Marco Santagata mit kriminalistischem Spürsinn als Autorin identifiziert.[5] Diese dementierte allerdings mehrfach.[6] Einige Vermutungen[7] deuten auf den Schriftsteller Domenico Starnone oder seine Frau, die Literaturübersetzerin Anita Raja hin;[8] Starnone weist diese Spekulationen jedoch von sich.[9] Ferrante hält es für eine Fehlentwicklung, dass in der Öffentlichkeit heute die Person des Autors wichtiger sei als sein Werk.[10]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Romandebüt gab Elena Ferrante mit L’amore molesto (1992), einem Roman, der 1994 in deutschsprachiger Übersetzung erschien und 1995 von Mario Martone verfilmt wurde. Das Buch handelt von der jungen Delia, welche sich mit dem Tod ihrer Mutter Amalia beschäftigt, die entweder ertrunken war oder ermordet worden sein soll. Zugleich wird diese Beschäftigung mit ihrer Mutter zu einer Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit und ihrer Herkunft aus einer aus Neapel stammenden Großfamilie.

In den zehn Jahren bis zu ihrer nächsten Romanveröffentlichung habe Ferrante weitere Manuskripte verworfen, sie seien ihr „überanstrengt“ erschienen und „ohne Wahrheit“.[10] In dem Roman I giorni dell’ abbandono (2002) schilderte sie ein in Turin lebendes Ehepaar, das sich voneinander trennt, und wie insbesondere die Ehefrau diese Trennung bewältigt und ihre eigene Identität findet. Der Roman wurde 2005 von Roberto Faenza verfilmt.

In dem Roman La figlia oscura (2006) steht eine erfolgreiche Frau in mittleren Jahren im Vordergrund, die ihren Urlaub an einem Strand in Süditalien verbringt. Dabei begegnet sie einer Großfamilie aus Neapel, wobei diese Begegnung ihr deutlich macht, welchen Preis sie für ihr eigenes Leben zahlen musste. Dieses vergangene Versagen führt bei ihr zu einer psychischen Krise.

2011 erschien der Roman L’amica geniale. 2015 wurde dieser Roman von der BBC-Auswahl der besten 20 Romane von 2000 bis 2014 zu einem der bislang bedeutendsten Werke dieses Jahrhunderts gewählt. Roberto Saviano schlug ihn 2015 für den Literaturpreis Premio Strega vor[11], was die Autorin akzeptierte.[12] Ihr Roman Storia della bambina perduta (Die Geschichte des verlorenen Kindes) wurde für den Man Booker International Prize 2016 nominiert.[13]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L’amore molesto, 1992
    • Lästige Liebe, dt. von Stefan Wendt; Fischer, Frankfurt am Main 1994. ISBN 3-596-11832-8
  • I giorni dell’abbandono, 2002
    • Tage des Verlassenwerdens, dt. von Anja Nattefort; List, München 2003. ISBN 3-548-68055-0
  • La frantumaglia, 2003
  • La figlia oscura, 2006
    • Die Frau im Dunkeln, dt. von Anja Nattefort; Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007. ISBN 978-3-421-04323-8
  • La spiaggia di notte, 2007
  • L’amica geniale, 2011
  • Storia del nuovo cognome. L'amica geniale volume secondo, 2012
  • Cronache del mal d'amore, 2012.
  • Storia di chi fugge e di chi resta. L'amica geniale volume terzo, 2013
  • Storia della bambina perduta. L'amica geniale volume quarto, 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philippe Ridet: Elena Ferrante, l’écrivain(e) masqué(e), Le Monde, 19. März 2015, abgerufen am 20. Juni 2015 (französisch).
  2. Elena Ferrante: Interviews, The Paris Review, abgerufen am 20. Juni 2015 (englisch).
  3. Meghan O'Rourke: Elena Ferrante: the global literary sensation nobody knows, The Guardian, 31. Oktober 2014, abgerufen am 20. Juni 2015 (englisch).
  4. James Wood: Women on the Verge, The New Yorker, 21. Januar 2013, abgerufen am 20. Juni 2015 (englisch).
  5. Dirk Schümer: Die geheimste Autorin der Welt, in: Die literarische Welt, 7. Mai 2016, S. 1f.
  6. Franz Haas: Wer steckt hinter Elena Ferrante und ihren brillanten Romanen? NZZ, 1. April 2016, abgerufen am 1. April 2016.
  7. Isabel Lucas: Elena Ferrante: este nome é um mistério, Público, 30. Januar 2015, abgerufen am 20. Juni 2015 (portugiesisch).
  8. Lizzy Davies: Who is the real Italian novelist writing as Elena Ferrante? The Guardian, 15. Oktober 2014, abgerufen am 20. Juni 2015 (englisch).
  9. Maurício Meireles: Elena Ferrante, que esconde sua identidade há mais de 20 anos, tem livro lançado no Brasil, O Globo, 28. Mai 2015, abgerufen am 20. Juni 2015 (portugiesisch).
  10. a b Liz Jobey: Anonymous writer of literary ficion, Interview, in: Financial Times, 12. Dezember 2015, S. 20.
  11. Roberto Saviano: cara Ferrante ti candido al premio Strega, in: Repubblica, 21. Februar 2015.
  12. Elena Ferrante: “Accetto la candidatura allo Strega”, in: Repubblica, 24. Februar 2015, abgerufen am 20. Juni 2015 (italienisch).
  13. Franz Haas: Literarisches Rätselraten in Italien. Grosse Quizfrage: Wer steckt hinter Elena Ferrante und ihren brillanten Romanen? In: Neue Zürcher Zeitung, 1. April 2016. S. 43.
  14. Franz Haas: Wer steckt hinter Elena Ferrante und ihren brillanten Romanen? In: Neue Zürcher Zeitung vom 1. April 2016, abgerufen am 18. April 2016.
  15. Mitteilung des Suhrkamp Verlages, abgerufen am 07. Juli 2016