Elias Hügel

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Siegel von Elias Hügel, von Alexandru Ciutureanu

Elias Hügel (* 17. Juni 1681 in Gemünden am Main, Franken[1]; † 22. August 1755 in Kaisersteinbruch, Ungarn, heute Burgenland) war ein deutsch-österreichischer Baukünstler[2], Bildhauer, kaiserlicher Hofsteinmetz- und Kirchenbaumeister des Barock, der bedeutendste Meister des Leithagebirges quer durch alle Zeiten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karlskirche, Mitarbeit beim Hochaltar
Mönchhof, Hochaltar
Mönchhof, Seitenaltar
Kaisersteinbruch, Seitenaltar, im Steinboden sein Epitaph, historisch
Purbach Anna-Kapelle

Elias war bei seiner Geburt ein Untertan von Peter Philipp Reichsgraf von Dernbach, zugleich Fürstbischof der Bistümer Bamberg und Würzburg. Drei Söhne des Gemündener Schusters Johann Franz Hügel erlernten das Steinmetz-Handwerk: Johann Gallus, der 1692 in Eggenburg, NÖ. als Meister arbeitete; Johann Jacob, der in Gemünden verblieb,[3] und Elias.

Lehrzeit im kaiserlichen Steinbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elias Hügel wurde 1694 Lehrjunge beim Hofsteinmetzmeister Ambrosius Ferrethi in Kaisersteinbruch. Sein Lehrherr starb am 20. Februar 1696, die Bruderschaft bestimmte Meister Martin Trumler als Nachfolger. Elias begann im März 1700 bei Richter Giovanni Battista Passerini eine Ausbildung zum Bildhauer. In den Jahren arbeiteten sie an Aufträgen des Fürsten Liechtenstein in Wien.

Heirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geselle Elias, 25 Jahre alt, heiratete am 14. November 1706 Maria Elisabetha Trumlerin, die 44 Jahre alt war, die Witwe von Martin Trumler. Trauzeugen waren Herr Richter Passerini und Johann Carl Trumler, Wiener Steinmetzmeister, sowie Johann Georg Haresleben und Johann Wieser. 1709, als Meister der Bruderschaft, ließ sie ihn neben sich ins Grundbuch schreiben, mit einem Steinbruch und zwei Häusern.

Gerichtsverfahren von 1712[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge Hausherr Elias Hügel, der künftige Herr Richter.[4]

Zeugenverhör mit Hans Haindl,[5] Inwohner in Steinbruch, wegen eines neben seinem Eheweib corisirten Menschen (im Sinne von Nebenbuhlerin) betreffend.

„Erstlichen ist genannter Haindl letzten Sommer 1710 zur Frühlingszeit in die Weingartenarbeit nach Neusiedl am See gegangen, aldorten ist er mit einem ledigen Menschen, welche auch in der Arbeit dort war, soweit mit ihr bekannt geworden, dass er sie zu sich in den Dienst zu kommen geheißen. Nur hat sie sich nicht gleich überreden lassen. Über eine Zeit ist er Haindl wiederum nach Neusiedl gekommen, hat er „das Mensch“ mit sich in den Steinbruch gebracht, welche aber alda nicht gleich geblieben, sondern hatte sich zu Sommerein eine Zeitlang mit Spinnen aufgehalten, deren Name war Maria Gentlin, gebürtig von Hartberg.

Am 15. Feber 1711 hat er sie zu sich in den Dienst genommen, mit dem Vorwand, dass selbe seines leiblichen Bruders Tochter sollte sein, welches aber nicht. Zur Frühlingszeit ist er Haindl mit ‚dem Menschen‘ nach Winden in die Weingartenarbeit gegangen, alwo sie in dem Wald nach ihrer Aussage, das erste Mal in die fleischliche Sündt zu fallen gepflogen.

Wie dann solches öfters, nach ihrer Aussage getrieben worden, bis zur Zeit den 5. Jänner 1712.

Zu seinem Weibe hat er gesprochen, er wolle auf den Heidboden zu einem Bauern gehen, ein künftiges Angebot als Schneider anzunehmen. Unter diesem Vorwand ist er fortgegangen, „das Mensch“ hatte sich längstens zwei Stunden danach auch aus dem Haus verloren.

Da aber dieses von seinem Weibe und zwei Schwägern vermerkt worden, haben sie in Breitenbrunn erstmals gefragt... Haindl und „das Mensch“ kamen nach Purbach, dort sind sie bei einem Inwohner eingekehrt und gaben an, dass sie sein Weib wäre und in Willens, nachhause in die Steiermark zu reisen.

Worauf alsobalden sein Weib samt seinen zwei Schwägern selber alda angekommen. Von welchen gleich einer zum Marktrichter gegangen, solches angezeigt. Der Gerichtsdiener hat „das Mensch“ zum Herrn Richter gebracht - welcher sie nach einigen wenigen Examen wiederum gehen lassen!

Sie sind dann zurück in den Steinbruch. Wie dieses ihr Hausherr namens Elias Hügel vernommen, hat ers zu ihm berufen lassen, welche aber nicht erschienen. Genannter Hügel ist selbsten zu ihnen gegangen und beide mit sich in seine Behausung genommen, selbe examiniert, erstlich mit guten Worten, aber alles geleugnet. Er hat mit Schlägen gedroht, hat nichts geholfen, endlichen beide mit Schlägen tractiert.

Sie wurden im Steinbruch dem Gericht überantwortet, alwo sie die Sünd gleichermassen bekennen. Dass man aber die begangene Sünd an der Zahl nicht zu kennen gewiss - solches sei beiläufig bei 10 mal geschehen.

Schlussbemerkung: Diese kleine Geschichte vergegenwärtigt den jungen Elias, er war damals 31 Jahre alt. Es ist das nach seiner Heirat mit der Trumlerin 1706 das erste überlieferte Lebenszeichen.“

Natürlich muss man die Geschichte in ihrer Zeit lassen, so auch die heute störende Ausdrucksweise: das Mensch, das ledige Mensch ...

Befreiung von militärischer Einquartierung 1712[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Karl VI. erneuerte und bestätigte am 5. Dezember 1712 das Salva-Guardia-Privilegium den Meistern Johann Georg Haresleben, Sebastian Regondi, Johann Paul Schilck, Elias Hügel, Johann Baptist Kral und Simon Sasslaber. (in dieser Reihenfolge) Am 20. Dezember 1714 genehmigte und erneuerte der Kaiser das eigenständige Handwerk der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch.[6]

Karlskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Gesamtkunstwerk Karlskirche, als Mitarbeiter von Johann Bernhard Fischer von Erlach vollzog er den Schritt zum Künstler. Diese Arbeit brachte ihm viel Ehre, im April 1719 erhielt er den Rang eines Hofsteinmetzmeisters, das bedeutete, er bekam direkt Aufträge vom kaiserlichen Hofbauamt und gab diese, wenn es notwendig war an die Bruderschaft weiter.

Den monumentalen Auftrag der Steinmetzarbeiten im kaiserlichen Steinbruch für die kaiserliche Kirche organisierte Meister Johann Georg Haresleben, Elias Hügel war sein Partner.[7] Beide waren durch ihre Heiraten in den Ferrethi-Clan miteinander verbunden. Hügel übernahm nach Hareslebens Tod 1716 die Leitung. Noch Jahre später forderte Maria Regina Synnin, zuvor Hareslebin, von ihrem Stiefvater ausständige Gelder aus dieser Arbeitsgemeinschaft. Die Steinmetzarbeiten in den Eggenburger Steinbrüchen mit dem weißen Bildhauerstein organisierten die Meister Andreas Steinböck und Franz Strickner.

Kaiserliches Hofbauamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl VI. ernannte 1716 Gundacker Ludwig Graf Althan zum Hofbaudirektor, und unterstellte ihm alle Bauämter der Erblande. Graf Althan organisierte die Bautätigkeit des Hofes, wie die Karlskirche, die Hofbibliothek, den Vermählungsbrunnen, den Reichskanzleitrakt der Hofburg. Hügel war direkt dem kaiserlichen Hofbauamt unterstellt, und bei all diesen Aufträgen beteiligt.[8]

Die Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hügel amtierte als Richter von 1722 bis 1735, seine Mitmeister in diesen Jahren waren Johann Paul Schilck, Johann Baptist Kral, Simon Sasslaber, Johann Wieser, Franz Trumler, Joseph Winkler, Johann Baptist Regondi und Maximilian Trumler.

Nichte Catharina von Gemünden am Main heiratete in Kaisersteinbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungfer Catharina Rieffin von Gemünden am Main heiratete am 3. August 1727 in der Kaisersteinbrucher Kirche den böhmischen Steinmetzgesellen Johann Georg Gerner. Ihre Eltern waren Caspar und Margaretha Rieff, die Mutter eine geborene Hügelin, eine ältere Schwester von Elias, Trauzeugen waren Johann Georg Flaschütz, herrschaftlicher Jäger, Franz Gritsch von der herrschaftlichen Mühle. Bei ihrer Hochzeit war Catharina 25 Jahre alt, Johann Georg 35. Sie erwerben ein Haus und einen Krautgarten. Das Haus ist im Dienstbuch näher beschrieben: „das Haus linker Hand am Weg, wo man vom Brunnen hinauf geht.“

Heirat in der Kapelle von Königshof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hügels Ehefrau Maria Elisabetha starb am 5. September 1728, seine vier Stiefkinder Maria Regina, verheiratete Synnin, Franz, Ambrosius und Maximilian erhielten das mütterliche Erbe. Elias 47 Jahre alt, heiratete am 26. Dezember 1728 Catharina Dirr, Tochter eines Breslauer Wirts. Im Beisein der Steinmetzmeister Simon Sasslaber, Franz Trumler, sowie Franz Gritsch, Kastner der Herrschaft Königshof und Georg Fläschitz, herrschaftlicher Jäger. Das Paar war durch Pater Ladislaus Frieweiss, Profess von Stift Heiligenkreuz öffentlich copuliert worden.[9]

1730 kaufte Meister Elias den Hausbruch mit dem besten Kaiserstein. Aus seinem Werkeverzeichnis ist zu erkennen, Elias Hügel leitete ein großes Steinmetzunternehmen, das alle anderen Kaisersteinbrucher Meister weit überragte. Im März 1735 starb Sohn Franz Daniel, von seinen fünf Kindern waren vier tot.

Die Inschriften auf den Grabplatten der Kinder Franz Daniel und Maria Elisabetha lauten:

„ALHIER LIGDT BEGRABEN MARIA ELISABETA HIGELLIN IHRES ALTERS 2 JAHR 9 MONAT 24 TAG. IST GESTORBEN DEN 8. SEPTEMBER 1733. MEIN DOCHTER WIE HAST DU MICH BEDRIBT UND BIST SELBSTEN BEDRIBT WORDEN BIS IN DEN TODT.“
„ALHIER LIGDT BEGRABEN FRANTZ DANNIEL HIGEL SEINES ALTERS 8 MONATH, IST GESTORBEN DEN 16. MARTZI 1735. SOHN DIE WORDT DER GOTTLOSEN STELLEN DEM BLUT HEIMLIG NACH … VADTER VERZEIHE IHNEN, DAN DER HERR HAT MICH AUFGENOMMEN UMB MEIN UNSCHULT WILLEN UNDT HAT MICH VOR SEINEM ANGESICHT BE…TIGET EWIGLICH. PSALM.“

Mai 1735 stifteten Elias Hügel und Catharina Unser lieben Frauen zu Maria Loretha in Hungarn ein Capital von 800 Gulden. (Zum Vergleich: Fürst Esterházy mit 1.000 Gulden)[10] Er besaß damals drei Steinbrüche, fünf Häuser und seine eigene Schmiede. Februar 1736 wurde Sohn Joseph Elias geboren. Der Meister legte all seine Kunstfertigkeit in den Hochaltar der Mönchhofer Kirche. Hier war der Plan vorgegeben.

Altar- und Kirchenbaumeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er entwickelte mit der Vorstellungskraft seinen Altar, aus hartem weißem Stein, und doch luftig leicht. Die schlanken, seitlichen Säulen öffnen sich zu einem Tor für den Menschen, der sich die Gerechtigkeit erarbeitet und leiten den Blick zur Dreifaltigkeit. Die vergoldeten Kapitelle mit hochaufragenden Gebälk weisen direkt in den himmlischen Bereich. In „seiner“ Kaisersteinbrucher Kirche wird er das verwirklichen, als ein Beispiel der kaiserlichen Hofkunst in der Provinz.

Ehrensäule für Elias Hügel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rest der Ehrensäule

Der herrschaftliche Verwalter im Schloss Königshof amtierte als Stellvertreter des Heiligenkreuzer Abtes und bestimmte im Steinbruch das Leben der Menschen. Der Orts-Pfarrer, immer ein Pater des Stiftes, der Lehrer, der Wirt, der Fleischhacker, auch der Dreißiger im Heiligenkreuzer-Steinbruch wurden vom Verwalter eingesetzt, und waren ihm verpflichtet. Pater Raymund Vitali herrschte von 1723 bis 1740 im Sinne eines Inquisitors, er beantwortete die Freiheitsbestrebungen des Richters Elias Hügel, indem er ihn unehrenhaft aus dem Richteramt entfernte. Die Mitmeister der Bruderschaft waren aufgefordert, in einem Schreiben an die Obrigkeit den Unabhängiger sein wollenden heftig zu beschuldigen. Dagegen durfte sich dieser nicht verteidigen.

Als nach Pater Raymunds Tod der Druck wich, errichtete die Bruderschaft noch 1740 um der Gerechtigkeit willen eine Elias Hügel-Ehrensäule, die heute in Resten vor dem Schloss Königshof steht.

Übrigens dem Hügel seine bei vorgewester Commission gebrauchte Unbescheidenheit, anzügige Ehrenrührungen und gegen der Commission verlorenen Respect allen Ernstes verwiesen sein.

Er sich auch künftighin von derlei Übertretungen bei wirklichen Personalarrest enthalten solle.

Die Söhne starben, zwei Töchter heirateten in nobilitierte Kreise, Catharina Herrn Johann von Naszvady, Stuhlrichter des Wieselburger Comitats, und Maria Franziska Franz Antoni von Cichini, kaiserlicher Postmeister zu Wimpassing an der Leitha.[11]

Befreiung von militärischer Einquartierung 1743[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1743 wurde der Kaisersteinbrucher Bruderschaft der königliche Beschluss Maria Theresias Consilium Regni überreicht.[12] Das von Ihrem Vater Kaiser Karl VI. gewährte Salva Quardia–Privilegium wird den Meistern Elias Hügel, Joseph Winkler, Johann Baptist Regondi, Maximilian Trumler, Johann Paul Schilck und Franz Trumler – in dieser Reihenfolge – erneuert und bestätigt. Sie hatten die Königin – Sacracissima Regia Majestas – um die Privilegsverlängerung gebeten.

Hügel als Weinhändler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prior der Unbeschuhten Karmeliten in der Wüste bei Mannersdorf am Leithagebirge in Niederösterreich kaufte 1747 zur Ergänzung seines Vorrates an altem Wein 39 Eimer je 4 Gulden 30 Kreuzer von „einem gewissen Herrn Hügel“ in Kaisersteinbruch.[13]

Als Nachfolger von Johann Baptist Regondi wählten ihn die Kaisersteinbrucher 1749 aus dem Dreier-Vorschlag des Stiftes ein zweites Mal zum Richter. Damit wurde der Gerechtigkeit zum Sieg verholfen. Ende 1751, 70-jährig, resignierte er. Sein Nachfolger wurde Meister Johann Michael Strickner von Eggenburg.

Die Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hügel amtierte als Richter von 1749 bis 1751, seine Mitmeister in diesen Jahren waren Johann Gehmacher, Johann Baptist Regondi, Andreas Kowalt, Johann Michael Strickner, Maximilian Trumler.

Kaiserliches Schreiben von Maria Theresia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschrift der Kaiserin

Als Richter wandte er sich an seine Kaiserin, Maria Theresia nahm am 6. März 1750 zu den Streitfragen zwischen Abt Robert Leeb vom Stift Heiligenkreuz und seinen Untertanen, den Bewohnern der Besitzung „Steinbruch“ Stellung.[14] Sie fordert, dass eine mögliche Lösung der Streitfragen nicht zu einem Unrecht an den abgabepflichtigen Bewohnern führt … In gnädigem Wohlwollen, Eure Kaiserin und Königin.

Maria Theresia (Eigenhändige Unterschrift)
Graf Leopold von Nádasdy
Altar der Filialkirche St. Lorenz

Ein Lehrjunge von Meister Hügel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1717 wurde der Salzburger Georg Doppler Lehrling, 1722 zum Gesellen freigesprochen. Als Meister errichtete er im Bereich der Salzburger Zunft Marmor Altäre in der Filialkirche St. Lorenz am Mondsee, in Stadl-Paura in der Dekanatspfarrkirche zu St. Johann in Tirol.[15]

Hochaltar der Pfarrkirche Stotzing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Stotzing: 1749 schuf Meister Hügel sein künstlerisches Testament, den Marienaltar der Wallfahrtskirche zu Stotzing. Die Kunsthistorikerin Ana-Maria Altmann schreibt: In Sandstein gemeisselt und bichromatisch marmoriert, ist dieser Altar durch eine Bandbreite von phantasievollen Formulierungen gekennzeichnet. Illusionistische Effekte, wie der lichtdurchflutete Strahlenkranz, verleihen ihm eine durchaus sonore Feierlichkeit. In dem kleinen Provinzort Stotzing (nahe dem Wallfahrtsort Loretto) setzt der Kaisersteinbrucher Steinmetzmeister ein Zeichen für den Triumph der Kirche in Pomp und Gloria. Durch dieses Meisterwerk verwirklicht er gleichzeitig ein Symbol für all das, was die barocke Kunst an Ausgewogenheit zwischen irdischem und himmlischem Leben bedeutet hat.

Marienaltar, seitliche Sicht
Sicht von oben

Über einem doppelgeschossigen Sockel entfaltet sich ein zweisäuliges Retabel, dessen Mittelteil eine Figurennische einnimmt. In ihrem Zentralpunkt steht die Gestalt der gekrönten Muttergottes, von kleinen anbetenden Engeln umschwebt. Darüber erhebt sich schwungvoll und reich dekoriert der Altaraufsatz, in dessen Rahmeninnenfeld sich der Strahlenkranz befindet.

Nicht nur die elegante, geschwungene, fast theatralische Struktur des Altars, die uns in himmlische Sphären führen möchte, sondern auch die Lösung des Licht-Schattenspiels erreichen es, uns den Blick vom realen in den irrealen Raum harmonisch zu ermöglichen.[16]

Der Stotzinger Hochaltar ist der letzte (bekannte), sicher der ausgereifteste und noch zur Gänze erhaltene unter Hügels Altären. Bei seinem Anblick wird dem Betrachter vor Augen geführt, welch ein Meister im Entwerfen und in der Konstruktion der Künstler war.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. August 1755 starb Elias Hügel und wurde vor „seinem“ Kreuzaltar begraben. Die Seitenkapelle der Kaisersteinbrucher Kirche wurde zur Hügel -Kapelle, sein Epitaph, der von Maria Elisabetha, seiner ersten Ehefrau, sowie dreier Kinder sind dort befestigt. Witwe Catharina heiratete in Wien den adeligen Herrn Franz von Frid, Doctor Philosophiae et Medicina

Elias Hügel hinterließ ein Vermögen von ungefähr 50.000 Gulden. Um dieses Erbe wurde die nächsten zehn Jahre gestritten. Das Stift Heiligenkreuz forderte von der Witwe gerichtlich ausständige Geldbeträge. Zahlreiche Akten in den Archiven Mosonmagyaróvár und Stift Heiligenkreuz belegen das.

Das Steinportal seines Gutshofes nach Sommerein verlagert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das große Portal mit seinem Steinmetzzeichen und der Jahreszahl 1723, wurde in den 1960er Jahren von Kaisersteinbruch nach Sommerein verlagert und dort so kunstreich eingebaut, dass im Dehio Niederösterreich südlich der Donau, Teil 2, 2003, S 2254, zu lesen ist: Sommerein, Schloßstraße Nr. 22, ehemaliges Wohnhaus des Steinmetzen Elias Hügel, barocke 3seitige Hofanlage; mittlere Portalmauer mit gequadertem Korbbogenportal, im Keilstein bez. 1723. Der weitere Text ist stimmig. Dieses Ensemble wurde in eine bestehende barocke Anlage eingebaut. Elias Hügel hatte dort keinen Wohnsitz!

Ehrenvolles Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bildhauersymposium Kaisersteinbruch des Jahres 1992 wurde ihm zu Ehren mit Elias-Hügel-Symposium bezeichnet. In Kaisersteinbruch gibt es die Elias Hügelgasse, in Winden am See die Elias Hygel-Gasse. Seine Geburtsstadt Gemünden am Main ließ 1996 am neu geschaffenen Elias-Hügel-Platz eine Ehrensäule vom ungarischen Bildhauer Ferenc Gyurcsek aufstellen. In der Kaisersteinbrucher Kirche das Gemälde „Apotheose des Elias Hügel“ von der Künstlerin Raja Schwahn-Reichmann.

Elias Hügel-Ehrenzeichen

Elias Hügel-Ehrenzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zehn gemeinsamen Vereinsjahren überreichte Obmann Helmuth Furch seinen Mitarbeitern dieses 2,3 cm große, aus Messing bestehende Dankes-Zeichen. Unser Bildhauer Alexandru Ciutureanu hatte für diesen Anlass das Meisterzeichen vom Seitenaltar (Hügel-Altar) mit der Signatur des Künstlers dargestellt.

Dazu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elias Hügel aus mündlicher Überlieferung

Das Steinmetzzeichen von Meister Hügel ist auf dem Kaisersteinbrucher Ortsstein des Bildhauers Alexandru Ciutureanu eingemeisselt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eintrag Högl Elias und Familie. In: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 3. 1994.
  • Helmuth Furch: Elias Hügel, Hofsteinmetzmeister. 1681–1755. Kaisersteinbruch 1992 ISBN 978-3-9504555-2-6.
Anneliese Lussert: Einer zog aus und wurde berühmt (Elias Hügel). Hörbild im Bayerischen Rundfunk, aufgeschrieben in Nr. 22.
Familie Hügel aus Gemünden am Main. Nr. 42.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Elias Hügel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diözesanarchiv Würzburg: Pfarrbuch Gemünden ab 1598
  2. Architekt Friedrich Kurrent nach Studium des Stotzinger Marienaltares
  3. Alfons Pfrenzinger: Mainfränkische Auswanderung nach Ungarn und österr. Erblande. Schriftenreihe deutscher Forschungen in Ungarn, geleitet von Franz Anton Basch. Wien 1941
  4. Archiv Stift Heiligenkreuz, Rubr. 51, fasc. IV, Nr. 10. Protocolle von Gerichtstagen, zu lesen in Mitteilungen Nr. 49, S. 23–25.
  5. Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Haindl Johann 1710, S. 186, 1. Band, Kaisersteinbruch 2004.
  6. Hans Kietaibl: Die Bruderschaft der Maurer und Steinmetze in Kaisersteinbruch 1714. In: Helmuth Furch: Elias Hügel, Hofsteinmetzmeister. 1681–1755.
  7. Hofkammerarchiv Wien: Hofzahlamtsbücher 1715–1730, Karlskirche und Camerale Zahlamtsbücher, Hofbauamtsakten
  8. Herbert Haupt: Das Hof- und hofbefreite Handwerk im barocken Wien 1620 bis 1770. Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte. Nr. 46. Studien-Verlag, Innsbruck, Wien, Bozen 2007, ISBN 978-3-7065-4342-2
  9. Protocolle der Herrschaft Königshoffen 1728 - 1731
  10. Ungarisches Staatsarchiv Budapest: Stiftungsurkunde 28. Mai 1735
  11. Hofkammerarchiv Alte Postakten: Franz Antoni Cichini, Postmeister zu Wimpassing an der Leitha. In Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Nr. 21, Juli 1992, S 4-11.
  12. Archiv Mosonmagyaróvár Nr. 36/1494 Königlicher Beschluss von Maria Theresia
  13. Oberst Albert Schatek: Die Chronik der Wüste. 1935/1936.
  14. Archiv Mosonmagyaróvár
  15. Alois Kieslinger: Die nutzbaren Gesteine Salzburgs. 1964, S 289.
  16. Aufsatz der Kunsthistorikerin Ana-Maria Altmann vom 25. September 2001
  17. Wiener Stadt- und Landesarchiv: Harrer, Wien, seine Menschen, Kultur und Bauten. Vermählungsbrunnen. 1955
  18. Stift Heiligenkreuz Archiv: Steinmetz-Vertrag zur Dreifaltigkeitssäule am 4. Oktober 1729, Wiener Tor, Kapelle in Königshof