1755

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Staatsoberhäupter · Nekrolog · Musikjahr

1755
Erdbeben von Lissabon
Durch das Erdbeben von Lissabon und den darauf folgenden Tsunami wird die Stadt beinahe zur Gänze zerstört.
Schlacht am Monongahela
In der Schlacht am Monongahela besiegen Franzosen und Indianer eine überlegene britische Armee.
Giacomo Casanova
Der Abenteurer Giacomo Casanova wird in den Bleikammern im Dogenpalast von Venedig inhaftiert.
Akadien 1754
Die Große Vertreibung der Akadier in Kanada beginnt.
1755 in anderen Kalendern
Armenischer Kalender 1203/04 (Jahreswechsel Juli)
Äthiopischer Kalender 1747/48 (Jahreswechsel 11./12. September)
Bengalischer Solarkalender 1160/61 (Jahresbeginn 14. oder 15. April)
Buddhistische Zeitrechnung 2298/99 (südlicher Buddhismus); 2297/98 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana)
Chinesischer Kalender 74. (75.) Zyklus

Jahr des Holz-Schweins 乙亥 (am Beginn des Jahres Holz-Hund 甲戌)

Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1117/18 (Jahreswechsel April)
Dangun-Ära (Korea) 4088/89 (2./3. Oktober)
Iranischer Kalender 1133/34 (um den 21. März)
Islamischer Kalender 1168/69 (Jahreswechsel 6./7. Oktober)
Jüdischer Kalender 5515/16 (5./6. September)
Koptischer Kalender 1471/72 (11./12. September)
Malayalam-Kalender 930/931
Seleukidische Ära Babylon: 2065/66 (Jahreswechsel April)

Syrien: 2066/67 (Jahreswechsel Oktober)

Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1811/12 (Jahreswechsel April)

Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik und Weltgeschehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Kolonien in Nordamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fort Beauséjour um 1755
  • 16. Juni: Britische Einheiten erobern nach rund zweiwöchiger Belagerung das französische Fort Beauséjour im Franzosen- und Indianerkrieg.
  • 9. Juli: Eine vor allem aus mit den Franzosen verbündeten Indianern bestehende Truppe fügt einem auf das französische Fort Duquesne, das heutige Pittsburgh, vorrückenden britischen Heer in der Schlacht am Monongahela eine vernichtende Niederlage zu und beenden damit vorläufig die britischen Versuche, sich im Tal des Ohio River festzusetzen. Sowohl der britische Kommandant Edward Braddock als auch der französische Kommandeur Daniel Liénard de Beaujeu kommen bei der Schlacht ums Leben, die als klassisches Beispiel für Führungsversagen gilt. Wesentlicher Grund für die schwere Niederlage der Briten ist die dilettantische Vorbereitung und Durchführung der Expedition, der Einsatz unerfahrener Soldaten sowie das sture Festhalten an der vom Reglement vorgeschriebenen, aber für den Kolonialkrieg völlig ungeeigneten linearen Gefechtsordnung.
  • 8. September: In der Schlacht am Lake George besiegen ein britisches Milizheer unter William Johnson verbündete französische und indianische Einheiten und setzt sich damit im Bereich der Großen Seen fest.
  • 24. November: Beim ersten Gnadenhütten-Massaker wird die Herrnhuter Brüdergemeine in Gnadenhütten, Pennsylvania, von mit den Franzosen verbündeten Indianern überfallen. Sämtliche dort lebenden Missionare und die christlichen sogenannten Mährischen Indianer werden von ihnen umgebracht.
Le Grand Dérangement – Die Deportation der Akadier

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pasquale Paoli

Pasquale Paoli kehrt nach Korsika zurück und bekämpft mit Erfolg die regierende Republik Genua, die aus dem Landesinneren vertrieben und in wenigen Hafenstädten eingeschlossen wird. Mit der von ihm entworfenen Verfassung regiert er von der Hauptstadt Corte aus die Insel. Einer seiner Weggefährten ist Carlo Buonaparte.

Afrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iyasu II., negus von Äthiopien aus der Solomonischen Dynastie, stirbt am 26. Juni unter ungeklärten Umständen, möglicherweise an einer Vergiftung. Nachfolger wird sein Sohn Joas I. Da er zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate alt ist, führt seine Großmutter Mentewab die Regentschaft über das Kaiserreich, das Iyasu finanziell ruiniert zurückgelassen hat, und das überdies unter regionalen Konflikten leidet.

Asien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kampf gegen die Mon erobert Alaungpaya die Stadt Dagon, gibt ihr den Namen Yangon und macht sie zur neuen Hauptstadt des birmanischen Reichs.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fayencemanufakturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Unternehmensgründungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geldwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imperial der Kaiserin Elisabeth, 1755

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaft und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehre und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kartographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitchell-Karte

Am 13. Februar wird die erste Ausgabe der Mitchell-Karte herausgegeben. Sie wird heute noch verwendet, um Dispute um die Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten beizulegen.

Linguistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neun Jahre nach Beginn seiner Arbeit veröffentlicht der englische Gelehrte und Schriftsteller Samuel Johnson am 15. April das Dictionary of the English Language. Es gilt bis heute als eines der einflussreichsten Wörterbücher in der Geschichte der englischen Sprache.

Naturwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt der Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels

Immanuel Kant verfasst die Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels, die er anonym veröffentlicht. Nach Kants Vorstellung ist unser Sonnensystem eine Miniaturausgabe der beobachtbaren Fixsternsysteme, wie zum Beispiel unser Milchstraßensystem und andere Galaxien. So entstehen und vergehen Sonnensysteme und Galaxien periodisch aus einem Urnebel, dabei verdichten sich die einzelnen Planeten unabhängig. Im dritten Teil der Schrift, Von den Bewohnern der Gestirne, entwickelt Kant eine Theorie des außerirdischen Lebens. Danach ist die Existenz von Lebewesen auf anderen Planeten unseres Sonnensystems sehr wahrscheinlich. Zudem formuliert Kant ein Sonnenabstandsgesetz, nach dem die geistigen Fähigkeiten von Lebewesen zunehmen, je weiter sie von der Sonne entfernt leben. Demnach seien Lebewesen auf dem Jupiter den Menschen geistig weit überlegen, während Merkurbewohner den Erdbewohnern intellektuell deutlich unterlegen seien. Aus einer geistigen Überlegenheit folge zudem eine moralische Überlegenheit, weswegen der Mensch aus geistiger und moralischer Perspektive nicht mehr als „Krone der Schöpfung“ zu betrachten sei.

Kunstgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite der Gedanken, 2. Auflage, 1756

Das Erstlingswerk von Johann Joachim Winckelmann, die Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst erscheint in Dresden in einer Auflage von knapp 50 Exemplaren.

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rousseau: Discours; Titelblatt der Ausgabe Amsterdam 1755

Jean-Jacques Rousseaus Werk Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes (Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen) erscheint in französischer Sprache beim Genfer Verleger Marc-Michel Rey in Amsterdam.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau von Schloss Benrath in Düsseldorf beginnt unter der Leitung von Nicolas de Pigage im Auftrag des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz.

Musik und Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung des angeblichen Mordes an Anderl von Rinn

Katastrophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinrichtung von Plünderern im ruinierten Lissabon, zeitgenössischer deutscher Kupferstich

Am 1. November wird Lissabon von einem Erdbeben und einem darauf folgenden Tsunami zu 2/3 zerstört. 30.000 bis 100.000 Menschen kommen dabei allein in Lissabon um, die ganze südliche Iberische Halbinsel und Nord-West-Afrika sind davon betroffen, ebenso die Azoren, Madeira und die Kapverdischen Inseln. Das Beben wird in ganz Europa bis nach Finnland registriert und verursacht zum Teil schwere Schäden in England, der Schweiz, dem Heiligen Römischen Reich bis hinauf nach Schweden. Es handelt sich damit um eine der verheerendsten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte. Der portugiesische König José I. entwickelt als Folge des Bebens eine unkontrollierbare Angst davor, innerhalb von vier festen Wänden zu leben, und lässt für seinen Hofstaat eine Zeltstadt in den Hügeln von Ajuda vor den Toren Lissabons errichten, in der er bis zu seinem Tod residiert. Der Wiederaufbau Lissabons wird von Sebastião José de Carvalho e Mello organisiert.

Die geologische Ursache des Bebens und des Tsunamis ist bis heute umstritten. Als wahrscheinlichste Ursache gilt die Plattentektonik der Azoren-Gibraltar-Bruchzone, an der die Afrikanische und die Eurasische Platte zusammenstoßen.

Auf viele Denker der Aufklärung macht das Erdbeben einen großen Eindruck. Zahlreiche zeitgenössische Philosophen erwähnen das Erdbeben in ihren Schriften oder spielen zumindest darauf an. Es wirft für Philosophen und Theologen das alte Theodizee-Problem neu auf: Wie kann ein allmächtiger und gütiger Gott ein so gewaltiges Unglück wie das Erdbeben von Lissabon zulassen? Warum hat das Beben die Hauptstadt eines streng katholischen Landes getroffen, das für die Verbreitung des Christentums in der Welt wirkte? Und warum überdies am Festtag Allerheiligen? Und warum sind zahlreiche Kirchen dem Beben zum Opfer gefallen, aber ausgerechnet das Rotlichtviertel Lissabons, die Alfama, verschont geblieben? Gelehrte wie Voltaire, Kant und Lessing diskutieren diese Fragen.

Das Beben hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Politik in Portugal. Sebastião José de Carvalho e Mello setzt sich mit seiner kompetenten Aufarbeitung der Katastrophe in den folgenden Jahren im seit langem schwelenden Machtkampf gegen den alteingesessenen Adel und die katholische Kirche durch.

Geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Quartal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter (I.) von Oldenburg als Jüngling
Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz

Zweites Quartal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drittes Quartal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viertes Quartal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marie-Antoinette als Baby
Der Herzog von Berry (Ludwig XVI.) und der Graf der Provence (Ludwig XVIII.) 1757
  • 17. November: Ludwig XVIII., König von Frankreich und Navarra († 1824)
  • 20. November: Franz Josef Gassmann, Schweizer Buchdrucker und -händler, Zeitungsgründer und Redaktor († 1802)

Genaues Geburtsdatum unbekannt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestorben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Januar bis April[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baron de Montesquieu, 1728
Anastasia Robinson, 1723
  • April: Anastasia Robinson, englische Opernsängerin und Händel-Interpretin, Countess of Peterborough and Monmouth (* um 1695)

Mai bis August[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Kuskwam (Gonder) aufbewahrten Gebeine von Mentewab, Iyasu II. und Joas I.
  • 26. Juni: Iyasu II., Negus negest von Äthiopien (* 1723)
  • Juni: George Ballard, englischer Antiquar und Biograph (* 1706)

September bis Dezember[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marie Zéphyrine von Frankreich als Madame Royale

Genaues Todesdatum unbekannt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: 1755 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien