Emsdorf

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Emsdorf
Stadt Kirchhain
Koordinaten: 50° 52′ 2″ N, 8° 59′ 8″ O
Höhe: 295 (276–318) m ü. NHN
Fläche: 9,23 km²[1]
Einwohner: 751 (30. Jun. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 81 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06425
Emsdorf vom Hunburgturm in Burgholz. Im Hintergrund Erksdorf.
Emsdorf vom Hunburgturm in Burgholz. Im Hintergrund Erksdorf.

Die Ortschaft Emsdorf gehört zur Stadt Kirchhain im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Emsdorf liegt am Nordostrand der Gemarkung der Stadt Kirchhain in einer flachen Mulde vor den Ausläufern des Burgwaldes. Die Einwohner sind überwiegend katholischen Glaubens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung von Emsdorf findet sich in einer Übertragungsurkunde von Ländereien an das Kloster Haina im Jahr 1295 n. Chr. Wahrscheinlich ist der Ort jedoch älter. Schon frühzeitig hat Emsdorf zum Bereich des kurmainzischen Neustadt gehört. Dies ist durch mittelalterliche Urkunden aus dem Jahr 1324 in den Amöneburger Kellereiabrechnungen belegt. Vor allem im englischen Raum erlangte Emsdorf durch das „Gefecht bei Emsdorf“ Bedeutung. Im Siebenjährigen Krieg schlugen am 16. Juli 1760 alliierte Truppen (Briten, Hannoveraner und Hessen) einen großteils aus Bayern und Anhaltern bestehenden Verband der französischen Armee.[3]

Am 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Emsdorf im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Kirchhain eingegliedert.[4][5]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In historischen Dokumenten wurde der Ort unter den Namen Emesdorf (1295), Emistorph (1324), Emisdorff (1380) und Emßdorf (1437) erwähnt. Im 18. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Emsdorff.[1]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Emsdorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Kirchhain war die Verwaltung und das Justizamt Neustadt als Gericht erster Instanz für Emsdorf zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Neustadt 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Neustadt. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Neustadt. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Das Amtsgericht Neustadt wurde 15. Juni 1943 geschlossen. Sein Bezirk ging im Bezirk des Amtsgerichts Kirchhain auf. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

• 1582: 43 Hausgesesse
• 1624: 20 Ackerleute, 24 Einläuftige; 10 "wollten Freie sein"
• 1670: 34 Haushalte
• 1838: 480 Einwohner (79 nutzungsberechtigte Ortsbürger, 7 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 2 Beisassen).
Emsdorf: Einwohnerzahlen von 1747 bis 1967
Jahr  Einwohner
1747
  
337
1812
  
431
1834
  
480
1840
  
503
1846
  
475
1852
  
482
1858
  
452
1864
  
468
1871
  
451
1875
  
447
1885
  
403
1895
  
396
1905
  
416
1910
  
424
1925
  
462
1939
  
545
1946
  
821
1950
  
772
1956
  
700
1961
  
699
1967
  
733
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1861: 449 römisch-katholische, 11 evangelisch-lutherische Einwohner
• 1885: ein evangelischer (= 0,25 %), 402 katholische (= 99,75 %) Einwohner
• 1961: 23 evangelische (= 3,29 %), 674e katholisch (= 96,42 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1838: Familien: 49 Ackerbau, 23 Gewerbe, 14 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 209 Land- und Forstwirtschaft 149 Produzierendes Gewerbe, 11 Handel und Verkehr, 17 Dienstleistungen und Sonstiges.
Kirche Mariae Himmelfahrt

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Emsdorf

An zentraler Stelle im alten Ortskern befindet sich die im barocken Stil erbaute Kirche Mariä Himmelfahrt. Diese hat eine Rokoko-Ausstattung und gehört zu den Sehenswürdigkeiten im oberhessischen Raum.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der geringen Größe und Einwohnerzahl des Ortsteils herrscht ein reges Vereinsleben. Größter Verein mit über 300 Mitgliedern ist der über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Sportverein SV 1959 Grün-Weiß Emsdorf, der nach mehreren Jahren in der Kreisliga ab der Saison 2017/18 wieder in der Kreisoberliga Marburg spielt. Dem Verein gehören außer der Fußballabteilung auch Gymnastik- und Turnabteilung an, sowie der Karnevalsverein EKC. Die Fußballer tragen ihre Heimspiele auf dem Sportgelände an der Burgholzerstraße aus. Dort ist neben einem Tennen- und Rasensportplatz auch das Vereinsheim angesiedelt, welches in den 1970er Jahren in Eigenleistung erbaut und in den letzten Jahren umfangreich renoviert wurde.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die auf den Durchgangsstraßen im Ort zur Verkehrsberuhigung verbauten und wegen der damit verbundenen Lärmentwicklung umstrittenen Pflastersteine sind ein Geschenk der Partnerstadt Doberlug-Kirchhain. Diese Pflastersteine wurden vor einigen Jahren auf Grund der extremen Lärmbelastung für Anwohner wieder herausgerissen und durch eine neue Asphaltdecke ersetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Emsdorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Haushaltsplan 2018. In: Internetauftritt. Stadt Kirchhain, S. 3, abgerufen im Mai 2018.
  3. Gefecht bei Emsdorf
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 404.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 426 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)