Himmelsberg (Kirchhain)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Himmelsberg
Stadt Kirchhain
Wappen von Himmelsberg
Koordinaten: 50° 51′ 32″ N, 8° 54′ 59″ O
Höhe: 290 m
Fläche: 2,97 km²[1]
Einwohner: 182 (30. Jun. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 61 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06422
Karte
Lage von Himmelsberg in Kirchhain

Der Kirchhainer Stadtteil Himmelsberg ist ein Dorf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Himmelsberg im Landkreis wird umrahmt von den Ausläufern des südlichen, nicht mehr komplett bewaldeten Burgwaldes, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Deutschland. Aufgrund seiner Höhenlage von rund 290 m ist unter anderem ein Ausblick in das angrenzende Amöneburger Becken möglich.

Blick auf Himmelsberg, rechts des Kirchturmes die fast 1000-jährige Sommerlinde. Im Hintergrund der gut 43 km entfernte, 773 m hohe Vogelsberg, davor der unbewaldete, 358 m hohe Hochberg (Nördliches Vogelsberg-Vorland) mit dem Basaltwerk in Homberg-Nieder-Offleiden (rechts des Kirchturmes); rechts davon das bis 407 m hohe Lumda-Plateau, davor halbrechts die Amöneburg. Links des Kirchturmes im Hintergrund das Neubaugebiet Kirchhain-Nord am südlichen Fuße des Burgholz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

Auf das Jahr 1243 wird die erste urkundliche Erwähnung als „Himelesberg“ datiert; Graf Berthold von Ziegenhain übergab der Urkunde zufolge durch Schenkung den Ort an das Zisterzienserkloster Haina. Um 1360 erwarb der Mainzer Erzbischof im Tausch gegen andere Dörfer von dem Grafen von Ziegenhain unter anderem den Ort Himmelsberg, womit dieser der Mainzischen Amts- und Gerichtsverwaltung in Amöneburg unterstand. Von 1526 bis 1608 war Himmelsberg bedingt durch die Reformation protestantisch. Mit Vertrag von 1608 zwischen dem Mainzer Erzbischof Johann Schweickhard und dem hessischen Landgrafen Moritz bekam Himmelsberg den katholischen Glauben zurück und unterstand dem Zuständigkeitsbereich des Amöneburger St.-Johannes-Stifts.

Weitere Ereignisse in tabellarischer Übersicht:

  • 1803 – nachdem das Kurfürstentum Mainz seine Selbständigkeit verlor, kam das Amt Amöneburg und somit auch Himmelsberg zu dem neu errichteten Kurfürstentum Hessen.
  • 1821 – Himmelsberg wurde dem Amte Rauschenberg eingegliedert und gehörte zu dem neu geschaffenen Kreis Kirchhain, der bis 1932 bestand.
  • 1827 – Bau eines gemeindlichen Backhauses
  • 1871 – Einweihung der neu errichteten St. Nikolaus-Kirche
  • 1891 – Anschaffung einer Feuerspritze von J. Klee & Sohn Spritzen-Fabrik Marburg
  • 1914 – mit der Inbetriebnahme der Wohratalbahn wird Himmelsberg an das Eisenbahnnetz angeschlossen und erhält eine Haltestelle; die Strecke wurde zum 1. Januar 1982 stillgelegt
  • 1923 – Anschluss an das Elektrizitätsnetz
  • 1932 – Himmelsberg gehört dem Landkreis Marburg an
  • 1950 – Anschluss an das Allendorfer Wassernetz
  • 1960 – Errichtung einer Gemeinschaftsgefrieranlage, stillgelegt am 1. März 2006
  • 1970 – Auflösung der Schule nach fast 300-jährigem Bestehen

Am 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Himmelsberg im Rahmen der Gebietsreform in Hessen der Stadt Kirchhain eingegliedert.[3]

  • 1973 – Errichtung des Dorfgemeinschaftshauses mit Feuerwehrgeräteraum
  • 1983 – Errichtung einer Grillhütte
  • 1987 – Erstes gebrauchtes Feuerwehrfahrzeug TSF Ford Transit (Baujahr: 1976, Aufbau: Ziegler)
  • 1993 – Feier zum 750-jährigen Bestehen und Herausgabe einer Dorfchronik
  • 1998 – Silbermedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft
  • 2001 – Herausgabe der Briefmarke im Rahmen der Sonderpostwertzeichen-Serie „Naturdenkmäler in Deutschland“
  • 2004 – Erstellung eines Gemeindewappens
  • 2008 – Eröffnung eines Premiumwanderweges „Extratour Himmelsberg“
  • 2009 – Erweiterung/Umbau der Grillhütte
  • 2010
    • Erweiterung/Umbau des Feuerwehrgeräteraumes
    • Herausgabe eines Kinderbuches „Fast wie im Himmel: Geschichte von der Linde in Himmelsberg“
  • 2011 – Ersatzbeschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges Tragkraftspritzenfahrzeug TSF-W Mercedes-Benz Sprinter (Aufbau: Ziegler)
  • 2011/12 – Erweiterung/Umbau des Dorfgemeinschaftshauses mit energetischer Sanierung
  • 2012 – Gründung des Fördervereins Dorfgemeinschaftshaus Himmelsberg e.V.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten, denen Himmelsberg unterstand, im Überblick:[1][4]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Rauschenberg war als Gericht erster Instanz für Himmelsberg zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[6]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Rauschenberg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Rauschenberg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[7] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Rauschenberg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[8]

Das Amtsgericht Rauschenberg wurde 1932 geschlossen. Sein Bezirk ging im Bezirk des Amtsgerichts Kirchhain auf. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

1585: 13 Hausgesesse
1664: 15 Haushalte
1747: 80 Haushalte
1838: 137 Einwohner (20 nutzungsberechtigte, 4 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 2 Beisassen). Familien: 11 Ackerbau, 4 Gewerbe, 7 Tagelöhner.
1861: alle Einwohner römisch-katholisch
1961: 155 römisch-katholisch, 2 evangelische Einwohner. Erwerbspersonen: 50 Land- und Forstwirtschaft, 23 Produzierendes Gewerbe, 7 Handel und Verkehr, 7 Dienstleistungen und Sonstiges.
Himmelsberg: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
146
1840
  
152
1846
  
161
1852
  
165
1858
  
141
1864
  
137
1871
  
131
1875
  
140
1885
  
148
1895
  
136
1905
  
115
1910
  
113
1925
  
155
1939
  
141
1946
  
191
1950
  
158
1956
  
163
1961
  
158
1967
  
181
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Himmelsberg
  • Verschönerungsverein Himmelsberg e.V.
  • Verein für Heimat, Brauchtum und Kultur Himmelsberg e.V.
  • Förderverein Dorfgemeinschaftshaus Himmelsberg e.V.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt im Ortskern befindet sich eine einst als Tanzlinde fungierende, mindestens 700 Jahre alte (angeblich 1000-jährige) Sommerlinde vor der St.-Nikolaus-Kirche. Der Baum ist etwa 25 Meter hoch bei einem Stammumfang von rund 9 Meter; der Stammdurchmesser beträgt zirka 2,9 Meter. Die Krone misst 22 Meter im Durchmesser.

Der Baum ist seit 1971 ein Naturdenkmal; zu seinen Ehren ist 2001 eine Sondermarke Linde zu Himmelsberg der Deutschen Post in der Serie Naturdenkmäler in Deutschland erschienen.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfgemeinschaftshaus

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Preis Malerfachbetrieb
  • FEGRA Gravuren und Werbetechnik

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Himmelsberg, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 20. April 2017)
  2. Bürgerbüro Kirchhain, abgerufen am 4. August 2015
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  6. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  8. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  9. Briefmarke Linde zu Himmelsberg bei briefmarken-archiv.de.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Schneider: Himmelsberg – Der Werdegang eines oberhessischen Dorfes. Hrsg. Ortsbeirat des Stadtteiles Kirchhain-Himmelsberg, 1993.
  • Ute Verena Schneidewindt: Fast wie im Himmel: Geschichte von der Linde in Himmelsberg. Hrsg. Magistrat der Stadt Kirchhain, 1. Auflage, Oktober 2010, ISBN 978-3-936291-47-6.
  • Chronik „Himmelsberg – Der Werdegang eines oberhessischen Dorfes“.
  • Literatur über Himmelsberg in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Himmelsberg (Kirchhain) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien