Eplerenon

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Strukturformel
Strukturformel von Eplerenon
Allgemeines
Freiname Eplerenon
Andere Namen

Epoxymexrenon

Summenformel C24H30O6
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 107724-20-9
PubChem 150310
DrugBank APRD00707
Wikidata Q423804
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C03DA04

Wirkstoffklasse

Aldosteronantagonist

Wirkmechanismus
  • Kompetitive Hemmung von Aldosteron
  • Verstärkung der Na+-, Cl- und Wasser-Ausscheidung sowie K+-Retention
  • Senkung des Blutdrucks, Vorlastsenkung und Stärkung der Kontraktionskraft des Herzens
Eigenschaften
Molare Masse 414,49 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Löslichkeit
  • nahezu unlöslich in Wasser[1]
  • schlecht in DMSO (20 g·l−1)[1]
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Eplerenon (Handelsname Inspra® ; Hersteller Pfizer) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Aldosteronantagonisten, der in der Behandlung der Herzinsuffizienz nach einem Herzinfarkt eingesetzt wird.

Klinische Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungsgebiete (Indikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eplerenon ist als Ergänzung zur Standardtherapie bei der Behandlung der linksventrikulären Dysfunktion und einer bestehenden Herzinsuffizienz nach einem kürzlich aufgetretenen Myokardinfarkt (Herzinfarkt) zugelassen und wird in der weiterführenden Therapie nach diesem akuten Ereignis eingesetzt.[2][3]

Art und Dauer der Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

3 bis 14 Tage nach einem akuten Myokardinfarkt wird mit der Therapie mit der halben Erhaltungsdosis pro Tag begonnen. Innerhalb von 4 Wochen wird unter Kontrolle der Serum-Kalium-Spiegel eine Dosissteigerung auf eine feste Erhaltungsdosis vorgenommen. Die Einnahme ist sowohl mit als auch ohne Nahrung möglich. Aufgrund der engen therapeutischen Grenzen der Kaliumwerte ist eine regelmäßige Kontrolle der Serum-Kalium-Spiegel vorzunehmen. Falls eine Vorbehandlung oder Begleitmedikation mit schwachen bis mäßigen CYP3A4-Hemmern, wie z. B. Amiodaron, Diltiazem und Verapamil bestehen, stellt die Initialdosis gleichzeitig die Erhaltungsdosis dar.[2]

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Absolute Kontraindikationen für den Einsatz von Eplerenon sind Patienten[2][3]

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedingt durch die Verstoffwechselung über das Isoenzym CYP 3A4 des Cytochrom P450 ergeben sich Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen, die ebenfalls über diesen Weg abgebaut werden. Bei der Notwendigkeit der gleichzeitigen Gabe von schwachen bis mäßigen CYP3A4-Hemmern mit Eplerenon kommt es zur Kumulation des Wirkstoffes und somit zu einer verstärkten Wirkung, so dass die maximale Dosierung auf die Hälfte der sonst üblichen Erhaltungsdosis reduziert ist. Derselbe Umstand führt auch dazu, dass die gleichzeitige Gabe von starken CYP3A4-Hemmern kontraindiziert ist. Bekannte CYP3A4-Hemmer sind z. B. Grapefruitsaft,[4] Baldrian, Gelbwurzel oder Ginseng.

Im Falle der parallelen Verabreichung von CYP3A4-Induktoren, wie beispielsweise Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital oder Johanniskraut ist mit einer Wirkungsabschwächung bis hin zum Wirkverlust zurechnen. Beim gleichzeitigen Einsatz von Digoxin ist mit einer Erhöhung des Digoxin-Spiegels zu rechnen und dieser anhand der Blutwerte regelmäßig zu kontrollieren.

Eine Co-Medikation mit Ciclosporin oder Tacrolimus ist aufgrund zu erwartender Nierenfunktionsstörungen und der Erhöhung des Hyperkaliämie-Risikos zu vermeiden, ähnlich verhält es sich bei der Gabe von Trimethoprim, AT1-Antagonisten und ACE-Hemmer, die, wenn es die Indikation fordert, nur unter strenger Kontrolle des Serum-Kaliums stattfinden darf. Sollte eine Schmerztherapie mit NSAR notwendig sein, ist auf einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt zum Erhalt der Nierenfunktion zu achten. Bei einer Kombination von Eplerenon mit Alphablockern, Trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, Amifostin oder Baclofen besteht die Möglichkeit, dass die antihypertensive Wirkung oder eine orthostatische Hypotonie verstärkt werden. In diesen Fällen ist eine klinische Überwachung empfohlen. Glucocorticoide können bedingt durch eine Natrium- und Wasserretention zu einer blutdrucksteigernden Wirkung führen, der Eplerenone entgegenwirkt. Eine Wechselwirkung mit Lithium wurde bisher nicht untersucht, es wird aber angeraten die Lithium-Blut-Spiegel in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.[2][3]

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn tierexperimentelle Untersuchungen keine Auswirkungen auf das ungeborene Leben gezeigt haben, sollte Eplerenon nur nach strenger Indikationsstellung und mit Vorsicht eingesetzt werden, da noch keine ausreichenden Daten an Schwangeren erhoben wurden. Es ist nicht auszuschließen, dass der Arzneistoff in die Muttermilch übergeht, was zum Schutz des Kindes vor möglichen Nebenwirkungen ein Abstillen erforderlich macht.[2][3]

Besondere Patientengruppen (Diabetiker, Nierenkranke)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei bestehenden Stoffwechseldefekten oder Funktionbeeinträchtigungen gilt es den Einsatz von Eplerenon gründlich abzuwägen. Schwere Formen der Leber- oder Nierenfunktionsstörungen gelten als Kontraindikation (siehe auch dort). Patienten mit Typ-II-Diabetes und Mikroalbuminurie müssen vorsichtig und unter strenger Überwachung behandelt werden.[2]

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als häufige Nebenwirkungen sind Hyperkaliämie, Benommenheit, Hypotonie, Durchfall, Übelkeit, Nierenfunktionsstörungen, Kraftlosigkeit oder Unwohlsein anzusehen. Sie bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit und einer speziellen Überwachung.

Gelegentlich kann es auch zu Dehydratisierung, Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie, Hyponatriämie, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, orthostatische Hypotonie, Thrombose der Beinarterien, Pharyngitis, Blähungen, Erbrechen, Juckreiz, Rückenschmerzen, Krämpfe in den Beinen, erhöhten Blutharnstoffwerten oder erhöhten Kreatininwerten kommen.[2][3]

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eplerenon bindet mit hoher Selektivität an Mineralokortikoid-Rezeptoren, wo kompetitiv die Bindung von Aldosteron gehemmt wird. Da Aldosteron die Rolle eines Schlüsselhormons im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) besitzt, welches maßgeblich an der Blutdruckregulation und der Pathophysiologie von kardiovaskulären Erkrankungen beteiligt ist, kommt es auf diesem Wege zu einem anhaltenden Anstieg des Plasmarenins und Aldosterons im Serum, was eine Hemmung des negativen regulatorischen Feedbacks von Aldosteron auf die Reninsekretion zur direkten Folge hat. Dadurch kommt es dann zu einer verstärkten Na+-, Cl und Wasser-Ausscheidung, wodurch der Blutdruck und die Vorlast gesenkt werden und zu einer verstärkten K+-Retention, wobei durch das erhöhte K+-Angebot die Kontraktionskraft (Inotropie) des Herzmuskels gestärkt wird.[2][5]

Aufnahme und Verteilung im Körper (Pharmakokinetik)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Aufnahme wird die maximale Plasmakonzentration nach ca. zwei Stunden und ein Steady state innerhalb von 2 Tagen erreicht, wobei die Plasmaproteinbindung etwa 50 % und das scheinbare Verteilungsvolumen im Steady state 50 L betragen. Die Resorption erfolgt unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Der Metabolismus von Eplerenon wird hauptsächlich über CYP3A4 vermittelt. Es wurde mithilfe von radioaktiv markiertem Wirkstoff festgestellt, dass ca. 32 % mit der Fäzes und ca. 67 % mit dem Urin ausgeschieden werden und die Plasmahalbwertszeit ca. 3 bis 5 Stunden und die scheinbare Plasmaclearance ca. 10 L/h betragen.[2][5]

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Arzneistoff ist nicht hämodialysierbar, was sich bei einer aufgetretenen Kumulation problematisch gestaltet.[2]

Sonstige Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chemische und pharmazeutische Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eplerenon besitzt eine dem Steroid-Grundgerüst ähnliche Struktur, was sich dann auch in der Wirkweise widerspiegelt.

Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • B. Pitt, W. Remme, F. Zannad, J. Neaton, F. Martinez, B. Roniker, R. Bittman, S. Hurley, J. Kleiman, M. Gatlin: Eplerenone Post-Acute Myocardial Infarction Heart Failure Efficacy and Survival Study Investigators. Eplerenone, a selective aldosterone blocker, in patients with left ventricular dysfunction after myocardial infarction. In: N Engl J Med. 348(14), 2003 Apr 3, S. 1309–1321. PMID 12668699
  • F. Zannad, J. J. McMurray, H. Krum, D. J. van Veldhuisen, K. Swedberg, H. Shi, J. Vincent, S. J. Pocock, B. Pitt: EMPHASIS-HF Study Group. Eplerenone in patients with systolic heart failure and mild symptoms. In: N Engl J Med. 364(1), 2011 Jan 6, S. 11–21. PMID 21073363

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Datenblatt Eplerenone bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 15. Juni 2011 (PDF).
  2. a b c d e f g h i j DAZ-Neue Arzneistoffe / DAZ-Online (Stand: 1. Januar 2009).
  3. a b c d e ABDA-Datenbank (Stand: 1. Januar 2009) des DIMDI.
  4. Grapefruit - Neuer Interaktionsmechanismus entdeckt. In: Pharmazeutische Zeitung online. Nr. 35, 2008 (pharmazeutische-zeitung.de [abgerufen am 10. Januar 2011]).
  5. a b Andreas Ruß, Harald Bruckbauer: Arzneimittelpocket Plus 2008. 4. Auflage. 2007, ISBN 978-3-89862-287-5.
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