Europäische Schule

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Dieser Artikel erläutert die gemeinsamen Schulen der EU-Staaten. Siehe auch Europaschule.
Europäische Schule (Schola Europaea) (ES)
Staat(en) diverse europäische Staaten
Schultyp (allgemein) gemeinsame Schule der EU-Länder
ISCED-Ebene 0–3A
Klassifikation Typ I[1]
Schulträger EU-Mitgliedstaaten (Oberster Rat der Europäischen Schulen)
Dauer 14 Jahre (Kindergarten 2, Grundschule 5, Sekundarschule 7)
Stufen: 0-13
Regelalter 4–18
Schulabschluss Europäisches Abitur
Anzahl 14 (2012)[2]
Schüler 23.367 (2011/12)[3]
Europäisches Abitur auch an den Typ II- und III-Schulen (Zugelassene Schule)[1]

Die Europäischen Schulen (Schola Europaea) wurden und werden gemeinsam von den Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union gegründet, um Kindern von Eltern, die in europäischen Institutionen arbeiten, einen Unterricht in der eigenen Muttersprache zu gewährleisten. Es sind auch Kinder von Nicht-EU-Mitarbeitern zugelassen, sofern die Schulkapazität dies erlaubt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Europäische Schule wurde auf Initiative einer Gruppe von Beamten der EGKS und mit der Unterstützung der Institutionen der Gemeinschaft und der luxemburgischen Regierung im Oktober 1953 in Luxemburg gegründet.

Die Erziehungserfahrungen unter Einbeziehung von Kindern unterschiedlicher Nationalität und Muttersprache erwies sich bald als erfolgreich und veranlasste die Bildungsministerien zu einer engen Zusammenarbeit im Bereich der Lehrpläne, der Auswahl der Lehrkräfte sowie der Überprüfung und Anerkennung der erreichten Studienabschlüsse.

Die Unterzeichnung des Protokolls machte die Europäische Schule Luxemburg zur ersten offiziellen Europäischen Schule. Die erste Europäische Abiturprüfung, die im Juli 1959 abgehalten wurde, öffnete den Abgängern den Weg zu den Universitäten der sechs Mitgliedstaaten.

Der Erfolg dieses gemeinsamen Erziehungsmodells ermutigte die Europäische Kommission und Euratom dazu, weitere Europäische Schulen an ihren jeweiligen Standorten zu gründen.

Europäische Schulen wurden daher dort gegründet, wo große europäische Institutionen ihren Standort haben. Alle Vollzeitlehrer werden von den nationalen Schulbehörden entsandt. Sie unterliegen der Gesetzgebung einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung in den jeweiligen Sitzländern. Ende 2005 waren 20.379 Schüler an Europäischen Schulen eingeschrieben.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schulen sind in bis zu 15 Sprachabteilungen pro Schule gegliedert. Die Kinder gehören üblicherweise der Sprachsektion an, die ihrer Muttersprache entspricht. Im Fremdsprachenunterricht, später auch in anderen Fächern, die in der ersten Fremdsprache unterrichtet werden, treffen sie auf Kinder anderer Sprachsektionen und bilden mit diesen eine Klasse. Schüler der Europäischen Schulen lernen ab dem ersten Schuljahr eine Fremdsprache (Deutsch, Englisch oder Französisch), ab dem 7. Schuljahr eine zweite (wählbar aus den Amtssprachen der Europäischen Union). Später ist es möglich, als Wahlfach eine dritte, vierte oder sogar fünfte Fremdsprache zu erlernen.

Der Schulabschluss ist das Europäische Abitur, das inzwischen ausnahmslos anerkannt wird und Zugang zu den Universitäten von insgesamt fünfundzwanzig Mitgliedstaaten sowie von vereinzelten anderen Ländern (Schweiz, USA) bietet. Keinem Absolventen darf also ein Hochschulplatz aufgrund seines Abiturlandes verwehrt werden. Schüler der Europäischen Schulen werden an den Universitäten behandelt wie lokale Absolventen.

Zuständige Behörde ist der Oberste Rat der Europäischen Schulen (Rat der EU-Erziehungsministern), betreut werden sie vom Büro des Generalsekretärs der Europäischen Schulen der Europäischen Kommission. Das Bildungssystem wird von vorbereitenden Ausschüssen (Lehrpläne u. ä.) und Inspektionsausschüssen gestaltet.[4]

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsbereich der Europäischen Schule in Frankfurt

Es gibt vierzehn Europäische Schulen:[2]

Darüber hinaus können nationale Schulen eine Akkreditierung als "anerkannte Europäische Schule" erhalten, wenn sie über einen Zulassungsvertrag "ein europäisches Unterrichts- und Erziehungsmodell anbieten, das den von den Europäischen Schulen festgelegten pädagogischen Anforderungen entspricht"[5], insbesondere am Standort kleinerer europäischer Behörden mit nicht ausreichend Mitarbeitern für eine vollständige europäische Schule. Sie sind aber juristisch, administrativ und auch finanziell vollständig im entsprechenden nationalen Bildungssystem verankert und nicht durch die europäischen Behörden finanziert. Teilweise sind auch nur einzelne Jahrgänge oder Klassen anerkannt. Dieses Verfahren der Akkreditierung wird seit 2005 angeboten, die erste Schule wurde 2009 anerkannt und aktuell im Juni 2016 sind zwölf Schulen anerkannt. In der Reihenfolge der Anerkennung sind dies:

Darüber hinaus befinden sich weitere zwei Schulen im Akkreditierungsverfahren:

Alumni[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Büro des Generalsekretärs des Obersten Rates, Europäische Kommission: Die Europäische Schulen. Broschüre (online, pdf)
  • Joachim Gruber: Europäische Schulen: Ein in die EG integriertes Völkerrechtssubjekt. In: Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht 65, 2005, S. 1015–1032 (pdf, zaoerv.de)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zugelassene Schulen vom Typ II und III → Einleitung: Was ist eine zugelassene Schule?, Schola Europaea, eursc.eu
  2. a b Links, Schola Europaea, eursc.eu
  3. Oberster Rat der Europäischen Schulen, Schola Europaea, Büro der Generalsekretärin: Daten zum Schuljahresbeginn 2011-2012 an den Europäischen Schulen. Sitzung am 6., 7. und 8. Dezember 2011 in Brüssel, Az.: 2011-10-D-30-de-1, Orig.: FR, Fassung: DE (pdf)
  4. Lit. Die Europäische Schulen, Kap. Verwaltungsorgane der Europäischen Schulen, S. 21
  5. http://www.eursc.eu/index.php?l=3
  6. whoswho.de - Ursula von der Leyen abgerufen am 8. Januar 2012