First Cow

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Filmdaten
OriginaltitelFirst Cow
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2019
Länge121 Minuten
Stab
RegieKelly Reichardt
DrehbuchJonathan Raymond,
Kelly Reichardt
ProduktionNeil Kopp,
Vincent Savino,
Anish Savjani
MusikWilliam Tyler
KameraChristopher Blauvelt
Besetzung

First Cow ist ein Filmdrama von Kelly Reichardt, das am 30. August 2019 im Rahmen des Telluride Film Festivals seine Premiere feierte. Der Film basiert auf einem Roman von Jonathan Raymond.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eine junge Frau mit ihrem Hund einen Wald in Oregon durchstreift, buddelt das Tier einen menschlichen Schädel aus. Als sie den umgebenden Dreck langsam entfernt, entdeckt sie zwei Skelette, die nebeneinander liegend Händchen halten.

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte zuvor im Oregon-Territorium. Otis Figowitz, genannt Cookie arbeitet als Koch für eine Gruppe von Pelzfängern. Als er beim Pilzesammeln eine Pause macht, findet er sich plötzlich auf den Rücken gedreht wieder. Ein nackter, fremder Mann hat sich dort im Wald versteckt. Zuerst geht Cookie davon aus, dass dieser exotisch aussehende Mann ein amerikanischer Ureinwohner ist, er ist jedoch ein Chinese, ein Seemann namens King-Lu, der sich auf der Flucht vor einer Gruppe von Russen befindet. Er bringt dem verzweifelten und hungrigen Fremden Essen und Wasser und verbirgt ihn vor seiner Trapperbande. Im Schutz des Waldes folgt King-Lu der Gruppe, die sich flussabwärts bewegt, bis er sicher entkommen kann. Einige Zeit später treffen sich die beiden Männer zufällig in einer Bar in der Royal West Pacific Trading Post wieder. King-Lu lädt Cookie in seine Hütte im Wald ein, wo sie sich eine Flasche Whisky teilen.

Cookie, der inzwischen mit King-Lu zusammenlebt, malt sich aus, wie gut es wäre, etwas Milch für die Herstellung von Buttermilchkeksen zu haben, und King-Lu will wissen, welche anderen Zutaten er benötigen würde. Fortan unternehmen sie regelmäßig nächtliche Streifzüge, um auf einer Weide eine große braune Kuh zu melken. Diese einzige Kuh in der ganzen Gegend gehört Chief Factor, einem englischen Grundbesitzer und kaufmännischen Leiter der Siedlung. Cookie, dessen Mutter bei der Geburt starb und der auch seinen Vater in jungen Jahren verloren hat und eine Zeit lang bei einem Bäcker in Boston in die Lehre ging, beginnt nun sein „Ölbrot“ zu backen. Als sie einige dieser Kekse auf dem Markt verkaufen, sind diese ein voller Erfolg. King-Lu übernimmt den Verkauf, und die Nachfrage steigt von Tag zu Tag, weil die Kekse die Kunden so sehr an "Zuhause" erinnern.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorlage, Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film ist von dem Roman The Half-Life: A Novel von Jonathan Raymond inspiriert

Der Film ist von dem Roman The Half-Life: A Novel von Jonathan Raymond aus dem Jahr 2004 inspiriert[1], der diesen gemeinsam mit der Regisseurin Kelly Reichardt auch für den Film adaptierte. Raymond, der in Lake Grove aufwuchs, lässt seinen Roman ebenfalls in Oregon spielen. Dieser gliedert sich in zwei parallele Handlungsstränge, einen in den 1820er Jahren, in dem sich Cookie Figowitz und Henry Brown auf der Flucht befinden, und einen 160 Jahre später um das Jahr 1980 herum, der von zwei jungen Frauen erzählt, Tina Plank und Trixie Volterra. Als diese in der Nähe von Portland zwei Skelette ausgraben, wird eine Verbindung zwischen ihrem Leben und dem von Cookie und Henry hergestellt.[1] Der Roman wurde von Publisher Weekly als „Best Book 2004“ ausgezeichnet.

Regisseurin Kelly Reichardt, die gemeinsam mit Raymond dessen Roman für den Film adaptierte, konzentriert sich in erster Linie auf die in den 1820er Jahren spielende Geschichte. Von der späteren, im Roman parallel erzählten Geschichte bleibt nur ein kurzer Prolog übrig, in dem eine junge Frau, gespielt von Alia Shawkat, im Wald umherirrt, als ihr Hund einen menschlichen Schädel ausbuddelt.[2] Reichardt lässt die zwei männlichen Skelette im Film nebeneinander liegend Händchen halten. Ab diesem Moment verschwinden Wendy und Lucy von der Bildfläche. Von da an entfaltet sich First Cow in der Vergangenheit, wodurch der Film stark von Raymonds Romanvorlage abweicht. Zudem verdienen sie im Roman ihr Geld mit Castoreum, einer wohlriechenden Substanz, mit der Biber ihr Territorium markieren, im Film wird daraus „fettiges Brot“, das sie aus der Milch der Kuh herstellen, die sie einem wohlhabenden Kolonialisten gestohlen haben.[3] Bereits in Meek's Cutoff wurde das Leben der Pioniere entlang des Oregon Trail erforscht, was Reichardt und der in Oregon lebenden Autor Raymond mit Old Joy begonnen hatten und auch in ihrer Zusammenarbeit bei First Cow fortgeführten.[4][5]

John Magaro spielt Otis Figowitz, genannt Cookie, der als Koch für eine Gruppe von Pelzfängern arbeitet.[6] Orion Lee spielt den Flüchtigen King-Lu, Toby Jones den englischen Grundbesitzer und kaufmännischen Leiter der Siedlung.

Dreharbeiten und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten wurden im November 2018 begonnen.[7]

Der Film feierte am 30. August 2019 im Rahmen des Telluride Film Festivals seine Premiere.[8] Ende September, Anfang Oktober 2019 soll der Film beim New York Film Festival gezeigt werden.[9]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Debruge von Variety bemerkt, dass es in diesem Film von Kelly Reichardt auffallend wenige weibliche Figuren gibt und diese allenfalls in Nebenrollen, sei dem Umstand geschuldet, dass die Regisseurin auf eine Art homophile Verbindung aufmerksam machen wollte, die sich dort zwischen den beiden Männern in der Wildnis des pazifischen Nordwestens im Laufe der Zeit entwickelt.[10]

David Rooney von The Hollywood Reporter schreibt, ein anderer Filmemacher hätte das Keksgeschäft möglicherweise eher wie eine Filmkomödie behandelt oder die sich anbahnende Tragödie verschleiert, in Reichardts Film gebe es hingegen Elemente beider Gattungen. Den Rahmen bilde das realistisch dargestellte Leben von Pionieren, deren unwahrscheinliche Beziehung auf gegenseitigem Vertrauen, Verständnis und einer unausgesprochenen Zuneigung beruht. Eingebettet ist ihr Leben in die Begegnungen mit Jägern, Händlern, Wanderern, Siedlern und den Indianern, die am Rande der Stadt leben. Das Herzstück des Films seien jedoch John Magaro und Orion Lee und die Beziehung zwischen diesen von ihnen gespielten, völlig gegensätzlichen Figuren, die so glaubwürdig sei, dass man mitfiebere, wenn sie getrennt werden, und man sich freue, wenn sie wieder zueinander finden. Während in First Cow im Vergleich mit den meisten zweistündigen Erzählfilmen nicht viel passiere und man sich ein weniger offenes Ende wünsche, war Rooney von der lyrischen Erzählweise des Films gefesselt und nimmt in seiner Kritik Bezug auf das zu Beginn erwähnte Zitat von William Blake: „The bird a nest, the spider a web, man friendship.“[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b https://www.bloomsbury.com/us/the-half-life-9781596918870/
  2. https://www.hollywoodreporter.com/review/first-cow-review-telluride-2019-1234367
  3. https://variety.com/2019/film/reviews/first-cow-review-1203319530/
  4. https://variety.com/2019/film/reviews/first-cow-review-1203319530/
  5. https://www.hollywoodreporter.com/review/first-cow-review-telluride-2019-1234367
  6. https://www.hollywoodreporter.com/review/first-cow-review-telluride-2019-1234367
  7. Eric Lavallée: Her Old Joy: Kelly Reichardt Finds Oregon by Way of China in „First Cow“. In: ioncinema.com, 31. Oktober 2018.
  8. Gregory Ellwood: Telluride 2019: 'Ford v. Ferrari', 'Judy' & 'Uncut Gems' Are Official World Premieres. In: theplaylist.net, 29. August 2019.
  9. Kate Erbland: NYFF Announces 2019 Main Slate, Including 'Parasite', 'Portrait of a Lady on Fire', and More. In: indiewire.com, 6. August 2019.
  10. https://variety.com/2019/film/reviews/first-cow-review-1203319530/
  11. https://www.hollywoodreporter.com/review/first-cow-review-telluride-2019-1234367