François Darlan

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Jean Louis Xavier François Darlan (* 7. August 1881 in Nérac, Département Lot-et-Garonne; † 24. Dezember 1942 in Algier) war ein französischer Admiral und Politiker.

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Karriere in der Marine[Bearbeiten]

Darlan besuchte 1902 die Marineakademie und kommandierte dann während des Ersten Weltkriegs eine landgestützte Marinebatterie. Danach setzte er seine Karriere in der Marine fort und wurde 1929 zum Konteradmiral und 1932 zum Vizeadmiral befördert. Zwischen 1926 und 1934 war er Kabinettschef von Marineminister Georges Leygues, danach kommandierte er das Atlantikgeschwader. 1936 wurde er zum Generalstabschef der Marine und zum Admiral befördert, wodurch er das Kommando über einen der größten Marineverbände der Welt erhielt. Am 6. Juni 1939 wurde er zum Amiral de la Flotte befördert; ein Titel, den nur Darlan erhielt, vergleichbar mit dem früheren Admiral von Frankreich oder dem Großadmiral.

In dieser Funktion hatte er häufig mit den verschiedenen Kabinetten der Dritten Republik zu tun, besaß jedoch andererseits nicht das Vertrauen seiner reaktionären, oftmals monarchistisch eingestellten Offiziere.

Darlan schuf sich ein Netzwerk von ihm persönlich Verpflichteten. Er wählte alle neuen Admiräle aus, kontrollierte alle Beförderungen und sorgte dafür, dass die ihm gegenüber positiv eingestellten Offiziere nachhaltig bevorzugt wurden. Aus diesem Grunde fühlten sich viele der von ihm protegierten Admiräle und Kapitäne als Angehörige einer Art Allianz. In der Marine selbst erhielten sie den Spitznamen A.D.D. («Amis de Darlan», Freunde Darlans).

Waffenstillstand[Bearbeiten]

Im Juni 1940 gehörte Darlan nicht zu den Offizieren, die den Kampf in Nordafrika gegen das Dritte Reich fortsetzen wollten, und er unterstützte die Forderung nach einem Waffenstillstand.

Er befahl die Mehrzahl der französischen Mittelmeerflotte nach Nordafrika, wo ein Teil von der Royal Navy in Mers-el-Kébir am 3. Juli mit ca. 1.300 Marineangehörigen an Bord versenkt wurde. Die Royal Navy wollte damit verhindern, dass die französische Flotte den Deutschen in die Hände fällt.

Darlan stellte aber auch danach die verbliebenen französischen Kriegsschiffe nicht unter deutsche Kontrolle. Auf Anordnung der Admiralität des französischen Vichy-Regimes wurde dessen Flotte im Hafen von Toulon am 27. November 1942 selbstversenkt.

Das Vichy-Regime[Bearbeiten]

Reichsmarschall Hermann Göring (rechts) mit Marschall Philippe Pétain (Mitte) und François Darlan (links) zu Gesprächen in St. Florentin-Vergigny (1941)

Machtzuwachs[Bearbeiten]

Darlan wurde Minister der Handels- und Kriegsmarine in der ersten Regierung Marschall Henri Philippe Pétain bzw. Vichy-Regime. Sogleich wurde er Vizepräsident des Staatsrats mit dem Haushalt für Innen- und Außenministerium. Im Dezember 1940 ersetzte er Pierre Laval als Regierungschef. Gleichzeitig übernahm er Außen-, Innen- und Kriegsministerium. Er wurde selbst designierter Nachfolger des greisen Marschalls durch den vierten Teil der konstitutionellen Akte vom 21. Februar 1941. Bis zum April 1942 leitete er die Regierung, als er auf Druck Adolf Hitlers zurücktreten musste, der Darlans Opportunismus und seiner „geschmeidigen Loyalität“ misstraute und lieber den klaren Pro-Nazi Laval auf diesem Posten sehen wollte. Aber er blieb designierter Nachfolger des Staatschefs Pétain und Oberkommandierender aller französischen Streitkräfte des Vichy-Regimes.

Kollaboration[Bearbeiten]

Darlan war ebenso wie Laval ein entschlossener Kollaborateur. Beispielsweise handelte er den Waffenstillstand von Compiègne mit den deutschen Militärs vom 22. Juni 1940 aus. Demzufolge hatte Frankreich Hitler-Deutschland drei Militärbasen zu übergeben: eine in Syrien, was sofort ausgeführt wurde, die übrigen in Bizerta (im heutigen Tunesien) und in Dakar in Französisch Westafrika. Diesem Waffenstillstandsvertrag zufolge ging die französische Armee überwiegend in deutsche Kriegsgefangenschaft, die verbleibende Waffenstillstandsarmee des Vichy-Regimes von 100.000 Mann hatte an der Seite Hitler-Deutschlands zu kämpfen, um die freien französischen Kolonien zu besetzen. Nicht zuletzt hatte der unter Darlans persönlichem Kommando stehende Marinegeheimdienst (Service de Renseignement Marine) der deutschen Kriegsmarine Informationen über die alliierten Schiffsbewegungen zu liefern.

Darlan schuf das Generalkommissariat für die „Judenfrage“ und verkündete das zweite Judenstatut im Juni 1941, das ihnen allerdings das Tragen des gelben Judensterns in der „nichtbesetzten Zone“ ersparte.

Seitenwechsel[Bearbeiten]

Am 7. November 1942 noch immer Oberkommandierender der Streitkräfte, die dem Vichy-Regime unterstanden, wurde Darlan unvorhergesehen nach Algier gerufen, um seinem Sohn in Lebensgefahr beizustehen, der im Hospital Maillot an der Eisernen Lunge lag.

Verhaftung Darlans durch die Résistance[Bearbeiten]

Darlan wurde von der Landung der Alliierten in Nordafrika anlässlich der Operation Torch überrascht. Er wurde zusammen mit General Alphonse Juin, dem befehlshabenden, vichy-französischen Kommandanten für Französisch-Nordafrika durch eine Handvoll Schüler des Lycée Ben Aknoun festgenommen, kommandiert vom Reservekadetten Pauphilet. Gemäß der geheimen Verabredungen von Cherchell vom 23. Oktober 1942 neutralisierten zur gleichen Zeit mehr als 400 andere Résistants, in der Mehrzahl schlecht bewaffnete Zivilisten und Reserveoffiziere unter dem Kommando eines 22-jährigen E.O.R., beim sogenannten Putsch vom 8. November 1942 das 19. Armeekorps von Algier und die Küstenartillerie von Sidi Ferruch. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte die kleine Truppe unter dem Kommando von José Aboulker, Henri d’Astier de la Vigerie und Oberst Germain Jousse nachts die meisten strategischen Punkte Algiers (die Allgemeine Regierung, die Préfecture, das Stabshauptquartier, die Telefonzentrale, die Kasernen etc.) besetzt und die Mehrzahl der Vichy-Militärs und zivilen Behördenchefs festgenommen. Diese Festnahme zog sich dank der Befreiung von Juin und Darlan fünfzehn Stunden hin und erlaubte die Einkreisung der Stadt durch die Alliierten. Darlan gelang die Rückkehr zur Admiralität, der er Widerstand gegen die Alliierten befahl. Befreit durch die Garde mobile, entsandte er am folgenden Morgen ein Telegramm nach Vichy, in dem er ein Bombardement der deutschen Luftwaffe auf die alliierten Truppentransporte im Raum Algier forderte.

Kapitulation und später Anschluss an die Alliierten[Bearbeiten]

Darlan in Algier (1942)

Am Abend kapitulierte Darlan selbst, aber nur für Algier. Juin und Darlan lehnten es drei Tage ab, einen Befehl, das Feuer einzustellen, an die Franzosen in Oran und in Marokko zu geben, wodurch 1.346 Franzosen und 479 Alliierte getötet und 1.997 Franzosen sowie 720 Alliierte verwundet wurden. Am 10. November 1942 befahlen Darlan und Juin unter dem Druck und der Drohung von General Mark W. Clark und unterstützt von Eisenhower die Feuereinstellung in Oran und am 11. November in Marokko. Deshalb wurde er von Pétain für abgesetzt erklärt. Daraufhin wurde die bisher „unbesetzte“ Südzone Frankreichs von der Wehrmacht im Unternehmen Anton ebenfalls besetzt.

Nach einer Debatte mit General Charles Noguès proklamierte er sich am 14. November zum Hochkommissar in Französisch Afrika im Namen des „verhinderten Marschalls“ unter Berufung auf den vierten Teil der konstitutionellen Akte, der ihn zum designierten Nachfolger von Marschall Pétain machte (siehe auch: Vichy-Regime im befreiten Afrika 1942 bis 1943).

Darlan setzte dort im Einverständnis mit General Eisenhower unter der Bezeichnung „Hochkommissariat von Frankreich in Afrika“ das im Mutterland faktisch entmachtete Vichy-Regime fort, unterstützt von einem «Conseil Impérial» (= Reichsrat), dem er die französischen Territorien und Streitkräfte in Nordafrika und im französischen Westafrika unterstellte. Dieses Vorgehen brachte General Charles de Gaulle enorm auf, der seit 1940 von London aus die Streitkräfte des France libre, des Freien Frankreich an der Seite der Alliierten kommandierte und bestätigte dessen Abneigung gegen die USA. Darlan unterschrieb am 13. November die Bedingungen des Abkommens Clark-Darlan. Nach einem erneuten Zusammentreffen seines Hochkommissariats mit dem Alliierten Kommando entschied er sich schließlich am 14. November, den Krieg gegen Hitler-Deutschland wieder aufzunehmen.

Aber er ging nicht davon ab, auch abseits des deutschen Drucks die Diskriminierungsgesetze Pétains gegen die Juden aufrechtzuerhalten und die Opfer des Vichy-Regimes in den Konzentrationslagern in Algeriens Süden gefangen zu halten. Forderungen nach Demokratisierung oder Emanzipation der muslimischen Bevölkerung Algeriens erteilte er ebenfalls eine Absage.

In den folgenden Tagen nahm Darlan nicht an der Selbstversenkung der Vichy-Flotte im Hafen von Toulon am 27. November teil, die von einem seiner intimen Feinde kommandiert wurde, Admiral Laborde. Laborde wurde ebenfalls der Kollaboration beschuldigt, nahm aber an der Wiedervereinigung mit Generalgouverneur Pierre Boisson und Französisch-Westafrika teil, die, gebunden an Vichy, nie die Wahl hatten, dem Krieg in Nordafrika beizutreten.

Die Mehrzahl französischer Truppen in Afrika folgte Darlans Befehl, aber einige Einheiten schlossen sich den deutschen Truppen im heutigen Tunesien an.

Am 24. Dezember 1942 fiel Darlan in seinem Hauptquartier in Algier einem Attentat zum Opfer. Er wurde von zwei Kugeln getroffen, die von Fernand Bonnier de La Chapelle abgefeuert wurden. Darlan starb einige Stunden später. La Chapelle wurde am 26. Dezember hingerichtet. Die Hintergründe dieses Attentats sind unklar; klar ist aber, dass der Attentäter monarchistischen Kreisen angehörte und mit gaullistischen Widerstandsgruppen zusammenarbeitete[1]. Bonnier de la Chapelle wurde am 21. Dezember 1945 rehabilitiert, als das Todesurteil von der Revisionskammer des Appellationsgerichts in Algier kassiert wurde. Die Begründung lautete, die Tat sei im Interesse der Befreiung Frankreichs geschehen. (« dans l’intérêt de la libération de la France ».)

Literatur[Bearbeiten]

Reportage[Bearbeiten]

  • René Pierre Gosset: Expédients provisoires, Fasquelle, Paris, 1945

Grundlegende historische Werke[Bearbeiten]

  • Henri Michel: Vichy, année 1940, Robert Laffont, Paris, 1967
  • Henri Michel: Darlan, Paris, Hachette, 1993
  • Yves Maxime Danan: La vie politique à Alger de 1940 à 1944, Paris, L.G.D.J., 1963
  • Christine Levisse-Touzet: L’Afrique du Nord dans la guerre, 1939-1945, Paris, Albin Michel, 1998
  • José Aboulker und Christine Levisse-Touzet: 8 novembre 1942: Les armées américaine et anglaise prennent Alger en quinze heures, Paris, « Espoir », n° 133, Paris, 2002
  • George F. Howe: North West Africa: Seizing the initiative in the West, Center of Military history, US Army, Library of Congress, 1991
  • Arthur L. Funck: The politics of Torch, University Press of Kansas, 1974

Offizielle Berichte der Epoche von Akteuren des Putsches vom 8. November 1942 in Algier[Bearbeiten]

  • Les Cahiers Français, La part de la Résistance Française dans les évènements d’Afrique du Nord (Rapports des chefs des groupes de volontaires qui se sont emparés d’Alger le 8 novembre 1942), Commissariat à l’Information du Comité National Français, Londres, août 1943.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Für das Attentat und die Hintergründe vgl. Jean-Louis Crémieux-Brilhac: La France Libre, Bd. 1: De l'appel du 18 juin à la libération, Paris, Gallimard, Neuausgabe 2001, S. 589ff.


Vorgänger Amt Nachfolger
Pierre Étienne Flandin Außenminister von Frankreich
10. Februar 194118. April 1942
Pierre Laval
Marcel Peyrouton Innenminister von Frankreich
14. Februar 194118. Juli 1941
Pierre Pucheu