François Darlan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Jean Louis Xavier François Darlan (* 7. August 1881 in Nérac, Département Lot-et-Garonne; † 24. Dezember 1942 in Algier) war ein französischer Admiral und Politiker. Er bekleidete in der Zeit des Vichy-Regimes wichtige politische und militärische Ämter.

Karriere in der französischen Marine[Bearbeiten]

Darlan besuchte 1902 die Marineakademie. Während des Ersten Weltkriegs kommandierte er eine landgestützte Marinebatterie. 1929 wurde er zum Konteradmiral und 1932 zum Vizeadmiral befördert. Zwischen 1926 und 1934 war er Kabinettschef des französischen Marineministers Georges Leygues, danach kommandierte er das französische Atlantikgeschwader. 1936 wurde er zum Generalstabschef der Marine und zum Admiral befördert, wodurch er das Kommando über einen der größten Marineverbände der Welt erhielt. Am 6. Juni 1939 wurde er zum Amiral de la Flotte befördert; ein Titel, den nur Darlan erhielt, vergleichbar mit dem früheren Admiral von Frankreich oder dem Großadmiral.

Rolle im 2. Weltkrieg und innerhalb des Vichy-Regimes[Bearbeiten]

Im Juni 1940 gehörte Darlan zu den Offizieren, die den Kampf Frankreichs in Nordafrika gegen das nationalsozialistische Deutschland nicht fortsetzen wollten. Er unterstützte die Forderung nach einem Waffenstillstand. Er befahl den Großteil der französischen Mittelmeerflotte nach Nordafrika. Ein Teil dieser Flotte, mit ca. 1.300 Marineangehörigen an Bord, wurde von der Royal Navy in der Operation Catapult am 3. Juli in Mers-el-Kébir versenkt. Die Royal Navy wollte verhindern damit, dass die französische Flotte den Deutschen in die Hände fiele. Auf Anordnung der Admiralität des französischen Vichy-Regimes wurde Darlans verbliebene Flotte im Hafen von Toulon am 27. November 1942 selbstversenkt.

Reichsmarschall Hermann Göring (rechts) mit Marschall Philippe Pétain (Mitte) und François Darlan (links) zu Gesprächen in St. Florentin-Vergigny (1941)

Darlan handelte mit den deutschen Militärs den Waffenstillstand von Compiègne vom 22. Juni 1940 aus. Demzufolge hatte Frankreich Hitler-Deutschland drei Militärbasen zu übergeben: eine in Syrien, was sofort ausgeführt wurde, die übrigen in Bizerta (im heutigen Tunesien) und in Dakar in Französisch-Westafrika. Diesem Waffenstillstandsvertrag zufolge ging die französische Armee überwiegend in deutsche Kriegsgefangenschaft, die verbleibende „Waffenstillstandsarmee” des Vichy-Regimes von 100.000 Mann hatte an der Seite Hitler-Deutschlands zu kämpfen, um die freien französischen Kolonien zu besetzen. Des Weiteren hatte der unter Darlans persönlichem Kommando stehende Marinegeheimdienst „Service de Renseignement Marine” der deutschen Kriegsmarine Informationen über die alliierten Schiffsbewegungen zu liefern.

Darlan wurde Minister der Handels- und Kriegsmarine in der ersten Regierung Marschall Henri Philippe Pétain (Vichy-Regime). Sogleich wurde er Vizepräsident des Staatsrats mit dem Haushalt für Innen- und Außenministerium. Im Dezember 1940 ersetzte er Pierre Laval als Regierungschef. Gleichzeitig übernahm er Außen-, Innen- und Kriegsministerium. Darlan schuf das Generalkommissariat für die „Judenfrage“ und verkündete das zweite „Judenstatut” im Juni 1941. Bis zum April 1942 leitete er die Regierung und musste dann auf Druck Adolf Hitlers zurücktreten. Er blieb aber designierter Nachfolger des Staatschefs Pétain und Oberkommandierender aller französischen Streitkräfte des Vichy-Regimes.

Gefangennahme im Algier, weiterbestehener Einfluss[Bearbeiten]

Am 7. November 1942 wurde Darlan unvorhergesehen nach Algier gerufen, um seinem Sohn in Lebensgefahr beizustehen, der im Hospital Maillot an der Eisernen Lunge lag. Dort wurde er von der Landung der Alliierten in Nordafrika (Operation Torch) überrascht. Er wurde zusammen mit General Alphonse Juin, dem befehlshabenden, vichy-französischen Kommandanten für Französisch-Nordafrika durch Schüler des Lycée Ben Aknoun festgenommen.

Darlan in Algier (1942)

Darlan gelang allerdings - befreit durch die Garde mobile - die Rückkehr zur Admiralität, der er Widerstand gegen die Alliierten befahl. Er sandte am folgenden Morgen ein Telegramm nach Vichy, in dem er ein Bombardement der alliierten Truppentransporte im Raum Algier durch die deutsche Luftwaffe forderte. Am Abend kapitulierte Darlan allerdings für Algier. Am 10. November 1942 befahlen Darlan und Juin unter dem Druck und der Drohung von General Mark W. Clark und unterstützt von Eisenhower die Feuereinstellung in Oran und am 11. November in Marokko. Daraufhin wurde er von Pétain für abgesetzt erklärt. Es erfolgte die Besetzung der bis dahin „unbesetzten“ Südzone Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht (Unternehmen Anton). Darlan unterschrieb am 13. November die Bedingungen des „Abkommens Clark-Darlan”.

Nach einer Debatte mit General Charles Noguès proklamierte sich François Darlan am 14. November zum „Hochkommissar” in Französisch-Afrika, im Namen des „verhinderten Marschalls“ und unter Berufung auf den vierten Teil der konstitutionellen Akte, der ihn zum designierten Nachfolger von Marschall Pétain erklärte (siehe auch: Vichy-Regime im befreiten Afrika 1942 bis 1943). Darlan setzte im Einverständnis mit General Eisenhower unter der Bezeichnung „Hochkommissariat von Frankreich in Afrika“ dort das im Mutterland faktisch entmachtete Vichy-Regime fort, unterstützt von einem «Conseil Impérial» (= Reichsrat), dem er die französischen Territorien und Streitkräfte in Nordafrika und im französischen Westafrika unterstellte. Dies brachte General Charles de Gaulle enorm auf, der seit 1940 von London aus die Streitkräfte des France libre, des „Freien Frankreich” an der Seite der Alliierten kommandierte und bestätigte dessen Abneigung gegen die USA.

Nach einem erneuten Zusammentreffen seines Hochkommissariats mit dem Alliierten Kommando entschied sich Darlan am 14. November, mit dem ihm unterstehenden Streitkräften in den Krieg gegen Hitler-Deutschland einzutreten. Die Mehrzahl französischer Truppen in Afrika folgte Darlans Befehl, aber einige Einheiten schlossen sich den deutschen Truppen im heutigen Tunesien an. Gleichzeitig hielt Darlan die Diskriminierungsgesetze Pétains gegen die Juden aufrecht und die Opfer des Vichy-Regimes in den Konzentrationslagern in Algeriens Süden weiter gefangen. Forderungen nach Demokratisierung oder Emanzipation der muslimischen Bevölkerung Algeriens erteilte er eine Absage.

Ermordung[Bearbeiten]

Am 24. Dezember 1942 fiel Darlan in seinem Hauptquartier in Algier einem Attentat zum Opfer. Er wurde von zwei Kugeln getroffen, die von Fernand Bonnier de La Chapelle abgefeuert wurden. Darlan starb einige Stunden später. Der Attentäter gehörte monarchistischen Kreisen an und arbeitete mit gaullistischen Widerstandsgruppen zusammen.[1] Darüber hinaus sind die näheren Hintergründe des Attentats unklar.

La Chapelle wurde am 26. Dezember 1942 hingerichtet, am 21. Dezember 1945 jedoch rehabilitiert, als das Todesurteil von der Revisionskammer des Appellationsgerichts in Algier kassiert wurde. Die Begründung lautete, die Tat sei im Interesse der Befreiung Frankreichs geschehen. (« dans l’intérêt de la libération de la France ».)

Literatur[Bearbeiten]

  • René Pierre Gosset: Expédients provisoires (Reportage) , Fasquelle, Paris, 1945
  • Henri Michel: Vichy, année 1940, Robert Laffont, Paris, 1967
  • Henri Michel: Darlan, Paris, Hachette, 1993
  • Yves Maxime Danan: La vie politique à Alger de 1940 à 1944, Paris, L.G.D.J., 1963
  • Christine Levisse-Touzet: L’Afrique du Nord dans la guerre, 1939-1945, Paris, Albin Michel, 1998
  • José Aboulker und Christine Levisse-Touzet: 8 novembre 1942: Les armées américaine et anglaise prennent Alger en quinze heures, Paris, « Espoir », n° 133, Paris, 2002
  • George F. Howe: North West Africa: Seizing the initiative in the West, Center of Military history, US Army, Library of Congress, 1991
  • Arthur L. Funck: The politics of Torch, University Press of Kansas, 1974
  • Les Cahiers Français, La part de la Résistance Française dans les évènements d’Afrique du Nord (Rapports des chefs des groupes de volontaires qui se sont emparés d’Alger le 8 novembre 1942), Commissariat à l’Information du Comité National Français, Londres, août 1943. (Offizielle Berichte der Epoche von Akteuren des Putsches vom 8. November 1942 in Algier)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Für das Attentat und die Hintergründe vgl. Jean-Louis Crémieux-Brilhac: La France Libre, Bd. 1: De l'appel du 18 juin à la libération, Paris, Gallimard, Neuausgabe 2001, S. 589ff.
Vorgänger Amt Nachfolger
Pierre Étienne Flandin Außenminister von Frankreich
10. Februar 194118. April 1942
Pierre Laval
Marcel Peyrouton Innenminister von Frankreich
14. Februar 194118. Juli 1941
Pierre Pucheu