Pierre Laval

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Pierre Laval 1931 als französischer Innenminister
Ministerpräsident Pierre Laval (rechts) und Außenminister Aristide Briand (links), beide die Melone ziehend, beim Staatsbesuch in Berlin, Oktober 1931
Pierre Laval (links) im Gespräch mit Carl Oberg 1943

Pierre Etienne Laval (* 28. Juni 1883 in Châteldon; † 15. Oktober 1945 in Fresnes) war ein französischer Politiker und mehrfacher Ministerpräsident. Gemeinsam mit Philippe Pétain war er für die Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland hauptverantwortlich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politische Laufbahn bis 1940[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laval begann seine politische Karriere bei den Sozialisten, rückte aber zunehmend nach rechts. 1919 zog er erstmals in das französische Parlament ein. Ab 1925 besetzte er verschiedene Ministerämter.

In den Jahren 1931 und 1932 sowie 1935 und 1936 war er französischer Ministerpräsident. 1934 vertrat er sein Land bei den Verhandlungen des Völkerbundes über die Saarfrage. Als Außenminister entwarf er 1935 zusammen mit seinem britischen Amtskollegen Samuel Hoare den Hoare-Laval-Pakt, durch den Italien Zugeständnisse in Äthiopien erhalten hätte. Insgesamt verfolgte er aber eine Großbritannien gegenüber kritische Außenpolitik, während er sich um eine Annäherung an die Sowjetunion und das faschistische Italien bemühte.

Mit dem Wahlsieg der Volksfront unter Léon Blum wurde Laval einer der entschiedensten Oppositionellen und schloss sich den konservativen Kreisen um Marschall Henri Philippe Pétain an.

Vichy-Regime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs sorgte Laval im Parlament dafür, dass die Macht am 10. Juli 1940 an Pétain übertragen und damit die Dritte Republik beendet wurde. Am 16. Juli 1940 wurde Laval stellvertretender Ministerpräsident – vorerst gab es keinen Ministerpräsidenten – und später Außenminister des Vichy-Regimes. Am 13. Dezember 1940 wurde Laval von Pétain entlassen und verhaftet, weil Pétain nicht so eng mit dem NS-Regime zusammenarbeiten wollte wie von Laval gefordert.

In der Hoffnung, die Beziehungen zur Besetzungsmacht zu verbessern, berief Pétain Laval am 18. April 1942 erneut zum Ministerpräsidenten,[1] woraufhin die US-Regierung ihren Botschafter aus Vichy abberief. In der folgenden Zeit wurde er der wichtigste Entscheidungsträger des Vichy-Regimes; der Einfluss des greisen Pétain wurde geringer.[2]

In einer Rundfunkansprache am 22. Juni 1942 bekräftigte er, er hoffe auf einen Sieg Deutschlands - andernfalls werde sich der Bolschewismus überall ausbreiten.[3] Er rief die Franzosen auf, sich freiwillig zum Service du travail obligatoire in der deutschen Industrie zu melden. In anderen Punkten versuchte er die Forderungen des deutschen Besatzungsregimes abzuschwächen, hatte damit aber kaum Erfolg. Im Juli 1942 sorgte er dafür, dass jüdische Kinder in die Vernichtungslager deportiert wurden, mit den Worten: „Aus Gründen der Menschlichkeit hat der Ministerpräsident (entgegen den ursprünglichen deutschen Anweisungen) durchgesetzt, dass Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren ihre Eltern begleiten dürfen.“ In Verhandlungen rang er der deutschen Militärregierung die Zusicherung ab, Menschen mit französischem Pass nicht zu deportieren.

Im Januar 1943 gründete Laval die Milice française, die unter der Führung von Joseph Darnand stand. Bis August 1944 blieb Laval Ministerpräsident.

Exil und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1944 wurde Laval – nach eigener Aussage gegen seinen Willen – nach Sigmaringen gebracht, wo er zunächst gemeinsam mit Marschall Pétain das Schloss Sigmaringen von Friedrich von Hohenzollern bewohnte. Im Januar 1945 zog er mit 19 Mitgliedern seines Kabinetts in das etwa 14 km entfernte Schloss in Wilflingen. Er führte in beiden Orten eine Exilmarionettenregierung mit Kabinettssitzungen, eigener französischer Tageszeitung, einem Rundfunksender und eigener Wache.

Am 20. April 1945 verließ er das Schloss Wilflingen[4] Später wurde er mit einer Maschine der Luftwaffe vor den anrückenden Truppen der Alliierten nach Barcelona ausgeflogen. Die Regierung von General Franco ging nach einer Bedenkzeit von 90 Tagen auf den Antrag der Regierung de Gaulle ein und lieferte Laval am 30. Juli 1945 in Österreich an die Amerikaner aus. Diese überstellten ihn unverzüglich der französischen Regierung in Paris.

Laval wurde angeklagt und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Nachdem er am 6. Oktober 1945 versucht hatte sich mit Zyankali umzubringen, wurde er im Gefängnis von Fresnes medizinisch versorgt und schließlich mit mehrtägiger Verspätung am Mittag des 15. Oktober 1945 durch ein Erschießungskommando hingerichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christiane Florin: Philippe Pétain und Pierre Laval. Das Bild zweier Kollaborateure im französischen Gedächtnis Frankfurt/M.: Peter Lang, 1997

Über den Prozess vor dem Haute cour de justice (Oktober 1945):

  • Fred Kupferman: Le Procès de Vichy : Pucheu, Pétain, Laval, Éditions Complexe, 2006 (frz.)
  • René de Chambrun: Le « Procès » Laval, France-Empire, Paris, 1984 (frz.)
  • Géo London: Le Procès Laval, Bonnefon, Lyon, 1946 (frz.)

Belletristik:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pierre Laval – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Glühender Hitler-Verehrer in Vichy. In: Deutschlandradio Kultur. (deutschlandradiokultur.de [abgerufen am 19. April 2017]).
  2. zur Frage, ob Pétain geradezu eine Marionette in den Händen einer Gruppe um Laval war siehe: Anja Köhler: Vichy und die französischen Intellektuellen: die "années noires" im Spiegel autobiographischer Texte, Tübingen 2001 (Diss.), S. 56 f. (online)
  3. Je souhaite la victoire allemande, parce que, sans elle, le bolchevisme demain s'installerait partout.
  4. Das Kriegsende in Sigmaringen 1945
Vorgänger Amt Nachfolger

Théodore Steeg
Fernand Bouisson
Philippe Pétain
François Darlan
Premierminister von Frankreich
27. Januar 1931–6. Februar 1932
7. Juni 1935–22. Januar 1936
16. Juli 1940–13. Dezember 1940
18. April 1942–19. August 1944

André Tardieu
Albert Sarraut
François Darlan
Charles de Gaulle

Aristide Briand
Louis Barthou
Paul Baudouin
François Darlan
Außenminister von Frankreich
14. Januar 1932–20. Februar 1932
13. Oktober 1934–24. Januar 1936
28. Oktober 1940–13. Dezember 1940
18. April 1942–20. August 1944

André Tardieu
Pierre-Étienne Flandin
Pierre-Étienne Flandin
Georges Bidault

Georges Leygues
Pierre Pucheu
Innenminister von Frankreich
27. Januar 1931–14. Januar 1932
18. April 1942–20. August 1944

Pierre Cathala
Adrien Tixier

René Renoult
Justizminister von Frankreich
9. März 1926–19. Juli 1926

Maurice Colrat