Franz Ludwig von Cancrin

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Franz Ludwig von Cancrin

Franz Ludwig Cancrin, seit 1786 von Cancrin, latinisiert Franz Ludwig von Cancrinus (* 21. Februar 1738 in Breidenbach; † 29. Märzjul./ 10. April 1816greg. in Staraja Russa bei Nowgorod), war ein Ingenieur, Mineraloge, Metallurge und Baumeister in noch vorindustrieller Zeit.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er stammte aus einer Familie, die dem Berg- und Hüttenwesen eng verbunden war. Er war der Sohn des hessen-darmstädtischen Bergmeisters Johann Heinrich Cancrin, seine Mutter war Anna Katherina, geborene Fresenius, deren Vater Berginspektor war.[1] Mitglieder der Familie leiteten in den Jahren 1736–1790 die Silberbergwerke von Bieber im Spessart in der damaligen Grafschaft Hanau. Er heiratete 1773 Maria Louise Philippine Kröber, ebenfalls Tochter eines Bergrates, aus dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessen-Hanau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadttheater Hanau

Von Landgraf Wilhelm VIII. erhielt er ein Stipendium und studierte Mathematik und Rechtswissenschaft an der Universität Jena. Auch beschäftigte er sich mit Architektur.

Franz Ludwig Cancrin stand deshalb zunächst in Diensten des späteren Landgrafen Wilhelm IX./I. von Hessen-Kassel (1743–1821), der seit 1760 die Grafschaft Hanau regierte. Franz Ludwig Cancrin begann seine Karriere in der Verwaltung der Grafschaft, war dort in der Rentkammer und der Bauverwaltung tätig, abschließend mit dem Titel: Hofbaudirektor. Höhepunkt war seine Ernennung zum Direktor der Münze, der Salinen (im heutigen Bad Nauheim) und der Bergwerke. Auch unterrichtete er an der Hohen Landesschule.

1778 erbaute er das Theater in der Stadt Hanau und war der Architekt von Wilhelmsbad. Unter anderem konstruierte er dort ein großes, heute noch erhaltenes Karussell.

Hessen-Kassel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1782 kam es zum Bruch zwischen Franz Ludwig Cancrin und Wilhelm IX., da Cancrin sich in einem Projekt engagiert hatte, das den Interessen seines Landesherrn zuwiderlief. Nach einigen Monaten Festungshaft im Schloss Babenhausen fand er zunächst bei dem Vater von Wilhelm IX., Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel, Anstellung und setzte seine Karriere in Kassel fort. Er wurde dort Mathematikprofessor an der Militärakademie, oberster Baumeister der Landgrafschaft, Direktor des Theaters und der Münze.

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Ludwig Cancrin verfasste die zwölfbändigen erste Gründe der Berg- und Salzwerkskunde. Von Katharina II. erhielt er so das Angebot, Direktor der Salzwerke in Staraja Russa im Gouvernement Nowgorod zu werden. 1783 ging er deshalb ins Russische Kaiserreich. In Sankt Petersburg wurde er Mitglied der Kaiserlichen Freien Ökonomischen Gesellschaft und Staatsrat (1798). Nach der Nobilitierung hieß er Franz Ludwig von Cancrin.

Der Staatsmann und General Georg Cancrin war sein Sohn.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuranlage Wilhelmsbad
Kollegiengebäude Darmstadt

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Bott: Heilübung und Amüsement. Das Wilhelmsbad bei Hanau. CoCon-Verlag, Hanau 2007, ISBN 978-3-937774-00-8, (Schriften zur hessischen Kulturgeschichte = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 27, 3).
  • Franz Ludwig Cancrin: Geschichte und systematische Beschreibung der in der Grafschaft Hanau Münzenberg, in dem Amte Bieber und anderen Aemtern dieser Grafschaft, auch den dieser Grafschaft benachbarten Ländern gelegenen Bergwerke. Hertel, Leipzig 1787, (Fotomechanischer Nachdruck: Mit einer Biografie des Verfassers, einer Bibliografie seiner Schriften und einem Glossar bergtechnischer Begriffe von Ernst Ludwig Hofmann. Verlag Orbensien, Bad Orb 1979).
  • Wilhelm von GümbelFranz Ludwig von Cancrin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 740–742.
  • Hermann van Ham: Cancrin, Franz Ludwig von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 118 f. (Digitalisat).
  • Karl Siebert: Hanauer Biographien aus drei Jahrhunderten. Hanauer Geschichtsverein, Hanau 1919 (= Hanauer Geschichtsblätter NF 3/4), S. 28–30.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bott, S. 74.