Bad König

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad König
Bad König
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad König hervorgehoben
49.741259.0070833333333183Koordinaten: 49° 44′ N, 9° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Odenwaldkreis
Höhe: 183 m ü. NHN
Fläche: 46,73 km²
Einwohner: 9398 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 201 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64732
Vorwahl: 06063
Kfz-Kennzeichen: ERB
Gemeindeschlüssel: 06 4 37 001
Stadtgliederung: 7 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schloßplatz 3
64732 Bad König
Webpräsenz: www.badkoenig.de
Bürgermeister: Uwe Veith (Unabhängiger)
Lage der Stadt Bad König im Odenwaldkreis
Breuberg Höchst im Odenwald Lützelbach Bad König Brensbach Brombachtal Fränkisch-Crumbach Reichelsheim (Odenwald) Mossautal Michelstadt Erbach (Odenwald) Hesseneck Beerfelden Sensbachtal Rothenberg Landkreis Darmstadt-Dieburg Bayern Baden-Württemberg Baden-Württemberg Kreis Bergstraße Kreis Bergstraße Kreis BergstraßeKarte
Über dieses Bild

Bad König ist eine Kurstadt im zentralen Odenwald in Hessen (Deutschland). Die Stadt ist ein anerkanntes Heilbad[2].

Geografie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Bad König grenzt im Norden an die Gemeinden Höchst und Lützelbach, im Osten und Süden an die Stadt Michelstadt sowie im Westen an die Gemeinden Brombachtal und Brensbach.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt gehören neben der Kernstadt Bad König die Ortsbezirke Zell, Momart, Etzen-Gesäß, Fürstengrund, Kimbach, Nieder-Kinzig und Ober-Kinzig (mit Mittel-Kinzig und Gumpersberg).

Geschichte[Bearbeiten]

Altes Schloss und Rentschreiberei

„Quinticha“ ist der Name, mit dem Bad König in den Jahren 820 bis 822 urkundlich erwähnt wird. Im Mittelalter war es ursprünglich Reichsbesitz und gehörte dann zum Besitz des Reichsklosters Fulda. Bad König war schon im frühen Mittelalter befestigt und Mittelpunkt eines Zentgerichts und Zentamtes. Im Jahr 1477 wurde „Künnig als Chur Maintzisch Lehn“ an den Schenken Konrad von Erbach gegeben. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert errichteten die Grafen von Erbach das Schloss Bad König im heutigen Ortskern. Gemäß der Erbachischen Landesteilung 1747 kam das Amt König in den Besitz der Grafen der Linie Erbach-Schönberg. Als Teil der Grafschaft Erbach gehörte der Ort zum Fränkischen Reichskreis.

Im Jahr 1900 fand in Bad König die Verlobung der niederländischen Königin Wilhelmina mit Herzog Heinrich zu Mecklenburg statt. Es bestanden verwandtschaftliche Beziehungen zum Grafenhaus: Wilhelminas Mutter Emma war eine Schwester von Gräfin Elisabeth zu Erbach-Schönberg.

Die Anfänge als Kurbad gehen auf das 19. Jahrhundert und die Entdeckung von zwei heilsamen Quellen zurück. Doch erst im Jahr 1948 durfte sich König „staatlich anerkanntes Bad“ nennen, und am 10. Oktober 1980 erhielt das Odenwälder Heilbad die Stadtrechte.[3] Durch Neubauten nach 2000 (Odenwaldtherme[4] und neue Wandelhalle) befindet sich das Kurzentrum in Modernisierung.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurden die selbständigen Gemeinden Fürstengrund, Kimbach, Momart, Nieder-Kinzig und Ober-Kinzig eingegliedert. Etzen-Gesäß und Zell kamen am 1. August 1972 hinzu.[3]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

In (Bad) König bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1880 mit 100 Personen erreicht. Die Gemeinde war orthodox geprägt. Den jüdischen Familien gehörten am Ort Vieh- und Pferdehandlungen, Getreide- und Mehlhandlungen sowie Geschäfte für Manufakturwaren, Kolonialwaren, Glas und Porzellan. Die Firma J. Mannheimer hatte ein großes Geschäft für landwirtschaftliche Maschinen. Für jüdische Kurgäste bestand eine koschere Pension. Die 1795/97 erbaute Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 schwer beschädigt und 1939 abgebrochen. 1933 lebten noch 72 jüdische Personen in der Stadt. Auf Grund höchst brutaler Szenen im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom verließen die meisten den Ort, zumal sie seit 1939 keine Lebensmittel mehr kaufen durften. Mindestens zehn jüdische Personen aus Bad König wurden nach den Deportationen ermordet.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Franz Taurinus (1794–1874), Mathematiker
  • Friedrich Bergsträsser (1800–1847), hessischer Politiker und ehemaliger liberal-konservativer Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen
  • Lorenz Büchner (1817–1860), Bürgermeister von (Bad) König und Vater von Gottfried Büchner
  • Johann Adam Groh (1824–1881), Mitbegründer der landwirtschaftlichen Genossenschaftsvereine in Hessen
  • Carl Weyprecht (1838–1881), Polarforscher
  • Gottfried Büchner (1851–1919), Bürgermeister von (Bad) König und liberaler hessischer Landtagsabgeordneter
  • Georg Vetter (1891–1969), Maler
  • Peter Sehr (1951–2013), Filmregisseur

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
32,3 %
26,6 %
26,6 %
8,7 %
5,8 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 30
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-11,9 %p
-18,6 %p
+26,6 %p
+4,3 %p
+5,8 %p
-6,2 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[6]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 32,3 9 44,2 12 42,3 13
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,6 7 45,2 12 45,7 14
ZBK Zukunft Bad König 26,6 7
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 8,7 2 4,4 1
BL Bürgerliste Bad König 5,8 2
FDP Freie Demokratische Partei 6,2 2 2,9 1
GAL Grün-Alternative Liste Bad König 6,7 2
ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft Bad König 2,4 1
Gesamt 100,0 27 100,0 27 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 47,9 47,4 59,6

Ortsbeiräte bestehen in den Stadtteilen Etzen-Gesäß, Fürstengrund, Kimbach, Nieder-Kinzig, Ober-Kinzig und Zell.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Bad König pflegt seit 1982 eine Städtepartnerschaft mit Argentat in der Region Limousin im Südwesten Frankreichs.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ein Wirtschaftsunternehmen ist die seit 1912 in Zell ansässige Jakob Maul GmbH.

Kuranlagen und medizinische Einrichtungen[Bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei Quellen entdeckt: Eine eisen- und manganhaltige Stahlquelle und eine 32 °C warme Thermalquelle (Odenwaldquelle), ein Natrium-Calcium-Magnesium-Hydrogencarbonat-Sulfat-Chlorid-Wasser. Beide wurden zunächst für Trinkkuren verwendet.

Bad König ist staatlich anerkanntes Kurbad seit 1948. Es befindet sich heute in Wandlung von einem herkömmlichen Kurort zu einem zeitgenössischen Wellness- und Freizeitzentrum. Zugleich ist es Rehabilitation-Therapiezentrum, verfügt über mehrere Kliniken

  • Asklepios Schlossberg-Klinik (Frührehabilitation bei Hirnschädigungen)
  • Odenwaldklinik (Onkologische Fachklinik)
  • Z.F.M. Zentrum für Fernöstliche Medizin und Naturheilverfahren GmbH + Co KG

und ein dichtes Netz von Ärzten und Apotheken.

1952 gab es die ersten Initiativen, den morastigen Wiesengrund der Mümling zu einem Kurpark umzugestalten. Unter erheblichem technischen Aufwand wurden in den 1960er Jahren zwei artifizielle Seen (seit 1991 mit Wasserfontäne), umgeben von Grünflächen und Promenadenwegen, angelegt. Der Kurpark ist heute ein erweiterter Familien-Freizeitpark mit Restaurant und Biergarten, Minigolfplatz, Freiluftschach, Bocciabahn, Kneipp'schem Wassertretbecken (1987) und Tennisplätzen sowie seit Frühjahr 2012 einem Wasserspielplatz. Es gibt organisierte Nordic Walking- und Kurparklauf-Aktivitäten. Im Juli 2012 wurden 10 große Sandstein-Skulpturen verschiedener Bildhauer im Park aufgestellt.[7] Mit einer der Nordic Walking-Routen fällt teilweise ein 1997 angelegter Planetenweg von ca. 3 km Länge zusammen, auf dem an zehn Stationen die Sonne und die neun Planeten unseres Sonnensystems erklärt sind; die Stationen liegen im Abstand so zueinander, wie es der Konstellation im Sonnensystem entspricht. Die Erklärungstafeln für die Sonne und die inneren Planeten befinden sich dicht aufeinanderfolgend im Eingangsbereich des Kurparks, die letzte Station (Pluto) an der Grenze zum Ortsteil Zell. Zum astronomischen Didaktikprogramm im Kurpark gehören bereits seit 1987 drei Sonnenuhren, an denen die bis 1893 gültige wahre Ortszeit (WOZ), die MEZ und die Sommerzeit erklärt sind; der natürliche Mittag (Sonnenhöchststand) von Bad König (9 °C östliche Länge) ist 24 Minuten später als der für die Festlegung der MEZ auf 12.00 Uhr ausschlaggebende Mittag auf dem 15. Längengrad (Görlitzer Zeit); im Sommer ist – eine Stunde später – Sonnenhöchststand in Bad König um 13.24 h (Görlitz 13.00 h).

Zu den Kuranwendungen bei Muskel- und Gelenkproblemen, Stoffwechsel- und vegetativen Störungen gehörten in der Vergangenheit vor allem Kohlesäure- und Sauerstoffbäder, Unterwassermassagen, Fangopackungen und Wannenbäder; das Pendant in der Freizeit bestimmten traditionelle Heimatvorträge, Theateraufführungen, Kurkonzerte und Tanztees im Kurcafé der ehemaligen Wandelhalle. Diese Wandelhalle des Kurzentrums wurde 2010 durch einen Neubau ersetzt, der 2011 eröffnet werden und neue Angebote bereitstellen soll.

2000 wurde die Odenwald-Therme mit dem 32° warmen Thermalwasser (Innen- und Außenbecken, Sprudelliegen, Strömungskanal, Whirlpool) und Saunalandschaft eröffnet. Zu den heutigen Kuranwendungen in der Therme zählen Aqua-Fit-Gymnastik und Massagen, Thalasso-Therapien, Peelings, Physio-Therm-Infrarot-Behandlungen und 45-minütige Inhalationsaufenthalte in einer Salzgrotte mit einer Mischung aus Himalaya- und Schwarzmeersalz zur Behandlung von Allergien und Befreiung der oberen Atemwege.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof

Durch die Bundesstraße 45 (HanauEberbach) ist die Stadt an das Verkehrsnetz angeschlossen. Die Odenwaldbahn (RMV-Linie 65) verbindet Bad König sowie den Ortsteil Zell mit dem Neckartal sowie Frankfurt und Darmstadt.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet führen folgende Radwanderwege:

  • An der Mümling verläuft der 225 km lange 3-Länder-Radweg als Rundweg durch das Dreiländereck von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Entlang von Mümling, Neckar und Main erkundet die Route den Odenwald. Teil dieser Route ist der 75 Kilometer lange Mümling-Radweg, der Obernburg mit Hirschhorn am Neckar verbindet.
  • Der Hessische Radfernweg R4 beginnt in Hirschhorn am Neckar und verläuft mit einer Gesamtlänge von 385 Kilometern von Süd nach Nord durch Hessen, entlang von Mümling, Nidda und Schwalm nach Bad Karlshafen an der Weser.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Kirche (1750/51) mit Wehrkirchturm von 1479

Die Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich rund um den Schlossplatz mit dem Schloss Bad König, bestehend aus Altem und Neuem Schloss, Rentmeisterei, evangelischer Kirche, Barock-Freitreppe und Lustgarten. Dort befindet sich auch ein Heimatmuseum zur Dokumentation lokalen Handwerks.

Die barocke evangelische Kirche (1750–1751) hat noch einen dreigeschossigen Wehrkirchturm von 1479 vom Vorgängerbau, der in den Wehrkirchhof integriert war (Gründungsstein mit Inschrift im Untergeschoss). Im Mauerwerk des zweiten Geschosses war ein römischer Grabstein mit der Inschrift „D. M. L. SEXTII VALE“ eingebunden; er befindet sich jetzt im Tordurchgang der Rentmeisterei und wurde an Ort und Stelle durch eine Kopie ersetzt. Über dem Sandsteinportal an der Westseite (Inschrift mit Datierung 1751) ist das von zwei Putti flankierte Wappen des Hauses Erbach angebracht. Der Innenraum ist ein Saal mit Flachdecke und einer Orgel aus dem 18. Jahrhundert.

Seit 1999 ist dem Heimatmaler Georg Vetter ein kleines Museum mit Gemälden und Zeichnungen sowie ausgestopften Tieren gewidmet.

Ca. 1 km östlich der Stadt im Kimbacher Tal steht die im Kern romanischer Friedhofskapelle mit einer spätgotischen Vorhalle aus dem Jahre 1514, rechteckigem Langhaus und ebenfalls rechteckigem eingezogenem Chor (14. Jh.). Die These, dass der Vorgänger karolingischen Ursprungs sei, konnte bisher nicht bestätigt werden. Bei Restaurierungsarbeiten im Frühjahr 2005 wurden Wandmalereien des 14. Jahrhunderts (Heiligenfiguren und Passionsszenen) freigelegt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  79. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 21. November 2012. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 9, 2014, ISSN 0724-7885, S. 187.
  3. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 358 und 359.
  4. http://www.odenwald-therme.de/
  5. Informationen zur jüdischen Geschichte
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  7. http://www.skulpturenpark-odenwald.de.tl/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad König – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien