Garde du corps du roi

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Garde in Uniform für den Dienst zu Fuß

Die Garde du corps du roi (Leibgarde des Königs) war zunächst ein leichter, später ein schwerer Kavallerieverband in der Garde (Maison militaire du roi) des Königs von Frankreich. Sie bestand bis 1791.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Vorläufer der Garde du corps war die Garde écossaise, eine aus schottischen Soldaten aufgestellte Kompanie, die von König Karl VII. noch vor 1423 errichtet wurde. Die Angehörigen dieser Garde wurden Archers du corps du roi (Bogenschützen des Königs) genannt. Als Bogenschütze wurden zur damaligen Zeit die leicht bewaffneten Reiter bezeichnet, im Gegensatz standen dazu die schweren Reiter der Gens d'armes bzw. die Kürassiere (cavaliers cuirassés). Ludwig XI. fügte dieser Garde dann zwei weitere Kompanien französischer Reiter hinzu. Am 27. März 1515 wurde von Franz I. eine vierte Kompanie aufgestellt. In dieser Epoche zählten auch die französischen Kompanien nominell zur Garde écossaise.

Diese vier Kompanien der ab dem 16. Jahrhundert so genannten Garde du corps (der Name Garde écossaise war im Laufe der Zeit verdrängt worden) hatten jedoch, obwohl zu einem Corps gehörend, keine Verbindung untereinander. Die schottische Kompanie wurde stets von einem Angehörigen des schottischen Königshauses der Stuart geführt, die französischen Kompanien durch die Marschälle von Frankreich (Maréchaux de France). In diesem Jahrhundert fand auch noch die Umwandlung von den leichten Reitern in die schwere Kavallerie (cavalerie lourde) statt.

1664 wurde den Kompanien der Garde du corps durch König Ludwig XIV. ein gemeinsamer Führungsstab zugewiesen. Im gleichen Jahr wurde auch den ranghohen Offizieren die Praxis des Verkaufs der freiwerdenden Stellen untersagt. Die Kosten für die vier Kompanien beliefen sich in diesem Jahr auf die für damalige Verhältnisse exorbitante Summe von 80.000 Livres.

Die Garde du corps wurde 1791 aufgelöst. Eine größere Anzahl der Gardisten schloss sich danach den Truppen der königstreuen Konterrevolution an.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst nur aus 100 Mann pro Kompanie bestehend, wuchs der Personalbestand kontinuierlich, von 400 Mann unter Franz I. bis zu 1.600 Mann unter Ludwig XIV. Sein Nachfolger reduzierte den Bestand dann 1715 auf zunächst 1.440 Mann, der sich dann aber letztendlich auf 1.500 Mann (inklusive des Führungsstabs) einpendelte. Aufnahmevoraussetzung waren adelige Herkunft und römisch-katholische Konfessionszugehörigkeit.

Der Erlass vom 6. Januar 1737 legte die Stärke des Corps auf 330 Reiter je Kompanie fest. Die Kompanie wiederum war unterteilt in zwei „Escadrons“, deren jede wiederum aus sechs „Brigaden“[1] bestand. Jede Eskadron verfügte über zwölf Brigadiers, zwölf Sous-brigadiers, sechs Standartenträger, sechs Trompeter und einen Pauker.

Uniform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gardes de corps trug zum Innendienst zu Fuß und zum Dienst zu Pferde unterschiedliche Uniformen. Die Innendienstuniform war schlichter gehalten, statt der Kürassierstiefel wurden rote Strümpfe und Schnallenschuhe getragen. Die Farbe des Rocks war blau, die Weste und Hosen waren rot. Der Rock war hier nach Art eines Fracks geschnitten und nicht mit Litzen ausgestattet. Die Gardisten trugen als Bewaffnung einen Stichdegen und eine Muskete. Die Klinge des Degens war mit der Inschrift „Vive le Roy“ versehen.

Devise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Zeit von Ludwig XIV. lautete die Devise dieser königlichen Leibgarde „Erit haec quoque cognita monstris“ ; zu Deutsch nach Alison Saunders : „Auch sie wird den Ungeheuern bekannt werden“ [„Elle sera pareillement connue aux monstres“].[2]

Nach Leslie Gilbert Pine ist dieser Wahlspruch zusammen mit dem zugehörigen Wappenbild Ludwig XIII. zu interpretieren, welches bei diesem Herrscher eine Keule zeigt. Das lateinischehaec“ (diese, dieses, dieser) meint laut Pine ebendiese Keule, die – wie die beiden des Herkules – den Ungeheuern schon bekannt werden würde, wobei hier mit den Ungeheuern die Häresie und die Rebellion gemeint waren.[3] Demnach ergibt sich wieder die deutsche Übersetzung: „Auch sie (die Keule) wird den (beiden) Ungeheuern bekannt werden“.

Später unter Ludwig XIV. lautete das Motto des Kavallerieverbandes „Nec pluribus impar“, zu Deutsch: „Auch nicht mehreren unterlegen“.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit den Cent-suisses, bewachten die Gardes du corps den König innerhalb der Residenzen. Zur Nacht lösten sie die Garde de la porte ab und übernahmen von diesen die Schlüssel und die Verantwortung für die Türen. Bei Reisen des Königs, sowie bei Feldzügen hielt sich stets eine Wache zur rechten Hand des Souveräns.

Innerhalb der Schottischen Kompanie (compagnie écossaise) waren 24 ausgewählte ältere und erfahrene Gardisten mit dem Titel Gardes de la manche versehen. Sie eskortierten ständig den König. Unter diesen Gardes de la manche waren weitere sechs zu „Gardes ecossais“ bestimmt worden. Diese traten nur bei außergewöhnlichen Vorkommnissen, z. B. der Fronleichnamsprozession oder bei einer Hochzeit im Königshaus in Aktion.

Privilegien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Garde du corps nahm in der Gardekavallerie den ersten Rang, vor den Gendarmes de la garde und den Chevau-légers de la garde ein.

Durch die Exklusivitäte des Corps war der Zugang nur Leuten von Adel oder finanziell gutsituierten Bürgern gestattet. Bewerber musste die Größe von mindestens 5 Fuß/ 4 Zoll (ca. 1,70 m) erreichen. Sie durften keine körperlichen Gebrechen haben und mussten der heiligen römischen Kirche angehören. Offiziersstellen konnten nur von Adeligen besetzt werden. Der Rang eines Gardisten in der Garde du corps entsprach dem eines Leutnants in der Linien-Kavallerie, der eines Brigadiers einem Hauptmann der Linie. Bei Beförderungen wurden nur Mitglieder der Aristokratie berücksichtigt.

Quartier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kasernen der Garde du corps du roi befanden sich in Versailles, in der Avenue de Sceaux, am Beginn der Rue de l'Orangerie.

Standarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernard Barbiche: Les Institutions de la monarchie française à l'époque moderne. XVIe – XVIIIe siècle. Presses Universitaires de France, Paris 1999, ISBN 2-13-048195-7.
  • Gilbert Bodinier: Les Gardes du corps de Louis XVI. Étude institutionnelle, sociale et politique, dictionnaire biographique. Éditions Mémoire & Documents u. a., Versailles u. a. 2005, ISBN 2-914611-35-8.
  • Henri Bouchot: L'Épopée du costume militaire français. Aquarelles et dessins originaux de JOB. Société Française d'Éditions d'Art, Paris 1898.
  • Jean Chagniot: Maison militaire du roi. In: Lucien Bély (Hrsg.): Dictionnaire de l'Ancien régime. Presses Universitaires de France, Paris 1996, ISBN 2-13-047731-3.
  • Hervé Drévillon: L'Impôt du sang. Le métier des armes sous Louis XIV. Tallandier, Paris 2005, ISBN 2-8473-4247-8.
  • Léon de Forges de Parny: Les Gardes du corps du roi. Devaye, Cannes 1972.
  • François Grouvel: Histoire des Gardes du Corps du Roi pendant la Période Révolutionnaire. F.G.C., Coudoux 1998.
  • Liliane Funcken, Fred Funcken: Le costume et les armes des soldats de tous les temps. Band 1: Des pharaos à Louis XV. Casterman, Tournai 1966.
  • Liliane Funcken, Fred Funcken: L'uniforme et les armes des soldats de la Guerre en dentelles. Band 1: France, maison du roi et infanterie sous Louis XV et Louis XVI, Grande-Bretagne et Prusse, infanterie, 1700 à 1800. Casterman, Paris 1975, ISBN 2-203-14315-0.
  • David C. O'Brien: Traditional virtues, Feudal ties and Royal Guards: The Culture of service in the Eighteen-century „Maison Militaire du Roi“. In: French History. Vol. 17, Nr. 1, ISSN 0269-1191, S. 19–47, doi:10.1093/fh/17.1.19.
  • Rigo [d. i.: Albert Rigondaud]: Le Plumet. L'uniformes et les drapeaux de l'armée de l'Ancien régime et du 1er Empire. Paris 1971.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kein Großverband im heutigen Sinne
  2. Alison Saunders: The Seventeenth-Century French Emblem. A Study in Diversity (= Travaux du grand siècle. Vol. 18). Droz, Genf 2000, ISBN 2-600-00452-1, S. 133, online in der Google-Buchsuche.
  3. Leslie Gilbert Pine: A Dictionary of Mottoes. Routledge & Kegan Paul, London / Boston 1983, ISBN 0-7100-9339-X, S. 65, online in der Google-Buchsuche.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]