Mousquetaires de la garde

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Mousquetaires de la garde
Mousquetaires au prise de Gand en 1678.jpg

Mousquetaires de la garde bei der Einnahme von Gent im Jahr 1678 (Hôtel des Invalides)
Aktiv 1622 bis 1646, 1657 bis 1775, 1789 bis 1791 und 1814/15
Land Royal Standard of the King of France.svg Frankreich
Streitkräfte Armee des Ancien Régime
Truppengattung Kavallerie und Infanterie
Stärke ca. 100–600
Unterstellung Grand Royal Coat of Arms of France.svg Königliche Garde
Stationierungsort Paris
Motto Quo ruit est lethum (1. Kompanie)

Alterius Jovis altera tela (2. Kompanie)

Schlachten Belagerung von Maastricht 1673, Guastalla 1734, Dettingen 1743, Fontenoy 1745
Kommandeur
Kommandeur König von Frankreich

Die Musketiere der Garde (französisch Mousquetaires de la garde) waren ein Verband der Haustruppen des französischen Königs und fungierten als höfische Garde, Lehreinheit und Kampftruppe. Die Gardeeinheit wurde zwar als Musketiere bezeichnet, entsprach hinsichtlich Auftrag und Ausrüstung jedoch den Dragonern und bestand mit Unterbrechungen von 1622 bis 1815. Berühmtheit erlangte sie durch den Roman Die drei Musketiere von Alexandre Dumas sowie dessen Fortsetzungen und Verfilmungen. Beide Kompanien hatten ihre Garnison in Paris, die 1. in der Rue du Bac, die 2. in der damals vorstädtischen Rue du Faubourg Saint-Antoine.

Formationsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musketiere der Garde wurden 1622 durch Bewaffnung einer Kompanie Chevaulegers mit den damals neuen Musketen gebildet und setzten sich vor allem aus Adeligen zusammen.[1] Capitaine war Ludwig XIII. selbst. Das Kommando führte zunächst Capitaine lieutenant Jean de Bérard de Montalet, ab 1634 dann Jean-Armand du Peyrer, Comte de Tréville.[2] (Der Titel Capitaine lässt sich in diesem Zusammenhang mit Hauptmann bzw. Rittmeister nur unzureichend übersetzen, denn es handelte sich um einen formellen Ehrentitel ähnlich einem Ehrenoberst). Dem Kommandant waren ein Sous lieutenant, ein Ensigne, ein Maréchal des logis und zwei Brigadiers beiseite gestellt.[3] Des Weiteren verfügte jede Kompanie über einen „Fourrier“ (Furier), „Aumônier“ (Geistlicher), „Apothicaire“ (Apotheker), „Sellier“ (Sattler), „Maréchal-ferrant“ (Beschlagschmied), sechs „Tambours“ und vier „Haut bois“ (Hautboisten). Jeder Musketier musste für seine komplette Ausrüstung selbst aufkommen, der König lieferte nichts, sodass auch die Pistolen, Musketen und Degen selbst gekauft werden mussten.

Die Musketiere begleiteten den König nur außerhalb des Palastes und verrichteten ihren Dienst zu Fuß und zu Pferd, während andere Haustruppen den Monarchen innerhalb des Palastes bewachten. Zum Schutz des Kardinals Richelieu stellte man eine weitere Kompanie auf, die jedoch zunächst nicht zu den königlichen Haustruppen zählte.[3] Da Richelieus absolutistische Reformen die Vorrechte des Adels zugunsten des Königs beschnitten, zog er sich zwangsläufig den Hass des Adels (und damit der Musketiere als Adelsgarde) zu. Der Kardinal, der seinen ältesten Bruder Henri in einem Duell verloren hatte, erwirkte zudem 1626 das Verbot solcher Zweikämpfe und ließ es bei Androhung der Todesstrafe unerbittlich durchsetzen, was die Musketiere als Beschneidung der Privilegien ihrer Klasse und Kriegserklärung verstanden. De Tréville beteiligte sich 1642 sogar an der gescheiterten Cinq-Mars-Verschwörung zur Ermordung Richelieus.[4] Diese teilweise durchaus gewaltsam ausgetragenen Konflikte lieferten den Hintergrund für die Romane von Dumas.

Richelieus Nachfolger Mazarin sorgte nach dem Tod des Königs 1646 für die Auflösung der königlichen Musketierkompanie, doch 1657 wurde sie in Stärke von 150 Mann mit einem Capitaine lieutenant, einem Sous-lieutenant, einem Kornett, einem Ensigne und zwei Unteroffizieren neu aufgestellt.[3] 1660 überließ der Kardinal seine Wachen (etwa 300 Mann zu Fuß) dem König, der sie nach Mazarins Tod den Musketieren der Garde als 2. Kompanie eingliederte. Diese leistete beim König erst bis 1663 Dienst zu Fuß, dann auch beritten.[3] 1663 zählte jede Kompanie 300 Musketiere. 1664 löste man die 2. Kompanie auf, um sie sogleich nach Muster der ersten neu aufzustellen. Ab 1665 war der König auch Capitaine der 2. Kompanie.[5] Die 1. Kompanie ritt ab 1665[6] Grauschimmel oder Apfelschimmel (daher der Beiname Graue Musketiere oder mousquetaires gris), die 2. Kompanie Rappen (Schwarze Musketiere oder mousquetaires noirs).[5] Vermutlich in Anspielung auf den unterschiedlichen Zeitpunkt ihrer Indienststellung ebenso geläufig war für die 1. Kompanie die Bezeichnung Große bzw. Alte Musketiere (grands mousquetiers) und Kleine bzw. Junge Musketiere (petis mousquetaires) für die 2. Kompanie.[7]

1667 wurde d’Artagnan capitaine lieutenant der 1. Kompanie. 1668 sank die Sollstärke auf je 250 Musketiere je Kompanie; hinzu kamen noch jeweils 44 Offiziere und Unteroffiziere, sechs Trommler, vier Hautboisten, ein Apotheker sowie neun Chirurgen.[5] Im Kriegsfall dienten zusätzlich noch zahlreiche adelige Freiwillige (Gentilhommes) bei den Musketieren,[5] so dass diese faktisch auf Regimentsstärke anwuchsen. Gleich dem König gehörte der Dauphin beiden Kompanien an.[5] Die aus den Tagen Richelieus herrührende sprichwörtliche Rivalität beider Kompanien war noch so stark, dass der Thronfolger zur Meidung von Eifersucht abwechselnd die Uniformen der beiden Kompanien trug.[5] 1775/1776 wurden die Musketiere der Garde aus Sparsamkeitsgründen aufgelöst, um ausgerechnet im Revolutionsjahr 1789 neu aufgestellt zu werden. Bereits zwei Jahre später wurden sie wieder aufgelöst.[5]

Die Bourbonen stellten während der Ersten Restauration am 15. Juni 1814 beide Kompanien in Stärke von insgesamt 200 Musketieren und 56 Chargen wieder auf, um sie noch im gleichen Jahr in Saint Pol wieder zu verabschieden. Hatten sich die Musketiere des Ancien Régime die Achtung der Linientruppen redlich errungen, so schlug den Musketieren der Restauration wie der gesamten maison du roi vom Rest der Armee und den Alliierten tiefe Abneigung entgegen. Unter den insbesondere aus zurückgekehrten, adeligen Emigranten rekrutierten königlichen Garden befanden sich nur wenige Soldaten mit Kampferfahrung, so dass sie Ludwig XVIII. keinen echten Rückhalt bieten konnten.[8] Nach Napoleons zweiter Abdankung stellte sie der König daher zwar erneut auf, löste sie zum 31. Dezember 1815 jedoch endgültig auf.[6]

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Eskortendienst für den Monarchen leistete die 1. Kompanie von Anfang an auch regulären Gefechtsdienst.[1] Die 2. Kompanie erhielt ihre Feuertaufe erst 1663 in Lothringen.[5] 1667 führten die Musketiere bei Valenciennes zu Fuß den Angriff der Franzosen an.[5] Im Devolutionskrieg von 1667 taten sich die Musketiere bei der Belagerung von Lille hervor. Detachements beider Kompanien waren Teil des französischen Expeditionskorps, das 1669 die venezianische Besatzung des seit 21 Jahren von den Osmanen belagerten Candia verstärken sollte, doch auch sie konnten den Fall der Stadt nicht mehr verhindern.

Während des Französisch-Niederländischen Krieges (1672–1679) im Zuge der Belagerung von Maastricht fiel am 25. Juni 1673 der Chef der 1. Kompanie der Charles de Batz-Castelmore d’Artagnan vor der südwestlichen Stadtmauer durch einen Musketenschuss in die Kehle. Zwei mit großem Elan vorgetragene Sturmangriffe der Musketiere scheiterten am heftigen Feuer der Niederländer, aber letztlich mussten diese dann doch kapitulieren. 1675 wurden die Musketiere in die Bretagne geschickt, um einen Aufstand gegen die Stempelsteuer zu unterdrücken, doch 1676 kehrten sie auf den flämischen Kriegsschauplatz zurück, um an den erfolgreichen Belagerungen von Valenciennes, Cambrai und St. Omer teilzunehmen.

Im 18. Jahrhundert fochten die Musketiere mit Auszeichnung 1734 bei Guastalla, der Belagerung von Philippsburg und 1745 bei Fontenoy.[5] In der Schlacht bei Dettingen 1743 erlitt die 2. Kompanie hohe Verluste und verlor ihre Standarte, wozu in einem österreichischen Bericht detaillierte Angaben gemacht werden:

"Es hat dieselbe ein Englischer Sergeant vom Regiment Havoley [= Hawley] genommen, sie ist aber gantz mit Blute besprützt, und die Stange daran zerbrochen, auch ist der Cornet getödtet, aber auf dem Pferde sitzen geblieben, weil er auf dasselbe, und die Standarte an ihn, vest geschnallet gewesen. [...] Überhaupt ist von diesen Standarten zu gedencken, daß sich die an solchen angebrachte Devisen gar schlecht zu der verlohrnen Bataille schicken."[9]

In seinem Précis du siècle de Louis XV schildert Voltaire eine Anekdote zum großmütigen Umgang des Herzogs von Cumberland mit einem gefangenen genommenen Musketier namens Girardeau während der Schlacht bei Dettingen. Cumberland habe, obwohl er selbst verwundet gewesen sei, dem schwerverletzten Girardeau zuerst behandeln lassen.[10] Ein wohl nach Dettingen entstandenes Gemälde des im Auftrag von Cumberland arbeitenden Militärmalers David Morier zeigt ein unidentifiziertes Gefecht zwischen britischer Kavallerie und den Musketieren. Es sticht unter den zeitgenössischen Darstellungen der Gardeeinheit durch seine künstlerische Qualität heraus.[11] Während des Siebenjährigen Krieges waren die Musketiere 1761 bei der Schlacht bei Vellinghausen anwesend, aber wurden nicht eingesetzt.

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben ihren Aufgaben als Wach- und Feldverband fungierten die Musketiere der Garde auch als Ausbildungsanstalt für den militärischen Nachwuchs. Sie galten als Schule der jungen Herren und des Adels des Königreichs im Waffenhandwerk. Kadettenanstalten existierten bis in das 17. Jahrhundert noch nicht. Prinzen sowie spätere Generäle und Marschälle Frankreichs erhielten bei den Musketieren ihre ersten Lektionen und wurden zu vollendeten Edelleuten und Kriegern ausgebildet.[12] Das Mindestalter um bei den Musketieren eingeschrieben zu werden lag bei 15 Jahren, wobei für den Hochadel auch Ausnahmen gemacht wurden. Vergleichbar waren die Curricula von Ritterakademien. Ein junger Musketier lernte unter anderem Fechten, Tanzen und Reiten. Die Söhne namhafter Familien dienten oft über mehrere Generationen in ihrer Jugend bei den Musketieren. Beispielhaft dafür sind die Herzöge von Croÿ. Emmanuel von Croÿ (1718–1784), späterer Marschall Frankreichs, schrieb in seinem Journal:

„Am 6. April 1736 kam ich zu den Grauen Musketieren und wurde arg gedrillt, denn neben der Akademie wurde ich nun an Waffen ausgebildet, mußte voltigieren, exerzieren und ziemlich oft Wache stehen.“[13]

Er war zum diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt. 1738 erhielt de Croÿ den Befehl über das Kavallerieregiment Royal Roussilon und nahm daher am 1. Mai seinen Abschied von den Musketieren.[14] Sein Sohn, Anne-Emmanuel-Ferdinand-François de Croÿ (1743–1803), wurde im Alter von 13 Jahren am 30. März 1757 Grauer Musketier.[15] Weitere namhafte Musketiere waren der Herzog von Burgund, der Marschall Soubise, der Marquis de La Fayette und der Memorialist Saint-Simon.[16]

Der Militärhistoriker Michel Hanotaux urteilt, dass der König im 18. Jahrhundert die Formung von Offizieren als primäre Aufgabe der Musketiere ansah, was auch die Möglichkeit zum Einsatz im Kampf beeinflusste. Hohe Verluste im Kampf wie bei der Belagerung von Mons 1691 und in der Schlacht bei Dettingen 1743 waren aufgrund der elitären Zusammensetzung der Truppe und ihrer Ausbildungsfunktion für den französischen König sehr problematisch.[17]

Als Leibgarde sollten die Musketiere den König beschützen und durch Prachtentfaltung seine umfassende Macht repräsentieren. Sie leisteten keine regulären Wachdienste, sondern empfingen in Versailles in einem täglichen Ritual ihre Befehle: Am Morgen nach der Messe sprach der König in dem Vorzimmer seiner Appartements eine Ordonnanz der Musketiere. Diese erstattete dem Herrscher Bericht und leitete dessen Befehle für die folgenden 24 Stunden an ihre Vorgesetzten in Paris weiter. Die Order konnte auch Rien! (Nichts!) lauten, was mehr Zeit für Ausbildung und Training bedeutete.

Zu den meisten höfischen Anlässen außerhalb des Residenzschlosses, die ein militärisches Zeremoniell erforderten, wurden Detachements der beiden Kompanien der Musketiere abgeordnet. Dazu zählten Einzüge von den aus dem Ausland anreisenden Bräuten des Herrscherhauses oder von fremden Gesandten. Die Musketiere zogen im März 1722 mit der Verlobten Ludwigs XV., der dreijährigen Infantin Maria Victoria von Bourbon-Anjou, in Paris ein. Im Dezember 1742 waren sie am Empfang des osmanischen Gesandten Sahid Mehmed Effendi beteiligt. Am 21. August 1756 begleiteten sie König Ludwig XV. zum lit de justice, einem Höhepunkt in der Auseinandersetzung zwischen Monarch und Parlament. Bei Bestattungen von Mitgliedern der königlichen Familie waren sie Teil des Trauerzuges, so beispielsweise in den Jahren 1752, 1761, 1766, 1767 und 1768. Außerdem nahmen sie an Krönungsfeierlichkeiten in Reims teil, so zuletzt bei Ludwig XVI. im Jahr 1775.[18]

Unterbringung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldaten wurden in Frankreich bis zur Herrschaft Ludwigs XIV. überwiegend bei der Zivilbevölkerung einquartiert. Die Stadt Paris war vom König seit 1657 mit der Unterbringung der Grauen Musketiere in der Vorstadt Saint-Germain und seit 1668 mit der Unterbringung der Schwarzen Musketiere in der Vorstadt Saint-Antoine beauftragt worden. Die Musketiere waren die erste Kavallerieeinheit, die dauerhaft in der Hauptstadt stationiert wurde. Betroffene Bürger mussten jeweils zwei Musketieren eine möblierte Kammer sowie Stallplätze für zwei Pferde zur Verfügung stellen. Wer exempt war, leistete Ersatzweise einen Beitrag zur Möblierung der Zimmer. Die dezentrale Unterbringung der Pferde erwies sich auf Dauer als unpraktisch, weswegen die Stadt Paris für die 2. Kompanie in Saint-Antoine eine Scheune mietete und zu einem Stall umbauen ließ, während fehlenden Stallungen für die Grauen Musketiere weiterhin ein akutes Problem blieben.[19]

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann ein Bauprogramm für Kasernen, wobei der Schwerpunkt an der Grenze zum Heiligen Römischen Reich und den Niederlanden lag. Die Hôtels der Musketiere zählten zu den ersten Kasernen, die dauerhaft einer bestimmen Einheit zugewiesen waren.[20] 1659 erwarb Ludwig XIV. die seit 1643 leerstehende Halle Barbier in der Rue du Bac und ließ sie zu einer Kavalleriekaserne umbauen. 1674 konnte der Gebäudekomplex die gesamte 1. Kompanie aufnehmen. Die Bausubstanz scheint jedoch von schlechter Qualität gewesen zu sein, denn 1707–1720 gab es zwei Projekte zu einem vollständigen Neubau an anderer Stelle, welche beide aus finanziellen Gründen scheiterten. Stattdessen wurden 1720 bis 1721 umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt.[21]

Der Bau des Hôtels der Schwarzen Musketiere in der Rue du Faubourg Saint-Antoine dauerte im Kern vom Sommer 1699 bis Frühjahr 1704, während die letzten Ausbauten erst um 1720 abgeschlossen waren. Beim architektonische Entwurf wurde aufgegriffen, dass sich die Kaserne der Grauen Musketiere (1150 Toises) als zu klein für Kavallerieübungen erwiesen hatte und die Fläche der zweiten Kaserne deshalb mit 5.236 Toises deutlich großzügiger bemessen.[22]

Nachdem die Musketiere Kasernen erhalten hatten, mussten die Bürger von Saint-Germain seit 1671 und von Saint-Antoine seit 1699 eine Steuer für die Befreiung von den Einquartierungen zahlen. Die Einnahmen wurden für den Bau der Kasernen und ihren Erhalt genutzt.[23] Der Kasernenbau entlastete die Pariser Bevölkerung, war als Unterbringungsform militärisch effektiver, erlaubte zugleich eine stärkere Kontrolle der Soldaten durch ihre Offiziere und die Militäradministration und trug darüber hinaus zur Verschönerung eines Viertels bei und platzierte zugleich ein architektonisches Zeichen königlicher Macht im Stadtbild.[24]

Kommandanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandanten des Korps der Musketiere (1622 bis 1646)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean de Bérard de Montalet, 1622 bis 1627
  • Hercule-Louis de Bérard de Montalet Vestric, 1627 bis 1632
  • Jean de Vieilchastel, 1632 bis 1634
  • Jean-Armand du Peyrer, 1634 bis 1646

Kommandanten der 1. Kompanie (1657 bis 1776)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philippe Julien Mancini Mazarin, 1657 bis 1667,
  • Charles de Batz de Castelmore, 1667 bis 1673,
  • Louis de Forbin, 1673 bis 1684
  • Louis de Melun, 1684 bis 1716,
  • Joseph de Montesquiou dArtagnan, 1716 bis 1729
  • Louis de Bannes, 1729 bis 1736
  • Pierre-Joseph Chapelle, 1736 bis ?
  • François de Portalès, ? bis 1776

Kommandanten der 2. Kompanie (1657 bis 1776)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. de Marsac, 1661 bis 1665
  • Édouard-François Colbert, 1665 bis 1672
  • François, comte de Montberon, 1672 bis 1674
  • Henri de Hautfaye, 1674 bis 1692
  • Jean de Garde d’Agoult, 1692 bis 1716
  • Jean de Montboissier-Beaufort-Canillac, 1716 bis 1724
  • Vakanz von 1724 bis 1729
  • Philippe-Claude de Montboissier-Beaufort-Canillac, 1729 bis 1754
  • Joseph-Yves-Thibault-Hyacinthe, marquis de La Rivière, 1754 bis 1766
  • Philippe-Claude de Montboissier-Beaufort-Canillac, 1766 bis 1776

Erscheinungsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uniformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 17. Jahrhundert war ein vom König gestellter, breiter, mantelartiger Überwurf (Kasack) in blau charakteristisches Element der Paradeuniform der Musketiere der Garde, deren Erscheinungsbild sonst dem Stil der Zeit folgte. Den Kasack löste seit 1688 eine schlank geschnittene Supraweste (soubreveste) ab.[25][26] Beide Bekleidungsstücke wurden von den Mannschaften und Unteroffizieren angelegt, nicht aber von den Offizieren.[27]

Der aufwendig bestickte, blaue Kasack zeigte auf Brust, Rücken und den beiden Ärmelstücken ein weißes Lilienkreuz mit je drei roten (1. Kompanie) bzw. fünf gelben (2. Kompanie) Flammenzungen in den Kreuzwinkeln. Die Supraweste war, unter Verzicht auf die Ärmel, ähnlich gestaltet. Sie war indes eng anliegend und verlor 1772 Vorder- und Hinterschöße.

Die 1677 neu eingeführte, unter Kasack und Supraweste getragene eigentliche Uniform war durchgehend rot mit reichem Tressenbesatz (1. Kompanie gold, 2. silbern).[25][28] Den schwarzen Hut zierte eine weiße Plumage und Kokarde.[25]

Während der Restauration folgte die Uniform mit gleicher Farbgebung lose dem Vorbild der napoleonischen Kürassiere, wobei die Supraweste an Stelle des Kürass trat. Die Hosen waren nun weiß. Rock und Sattelzeug waren reichst bestickt, Bandeliers und Koppel aus Tresse in der Kompaniefarbe.[29] Die 1. Kompanie trug eine Art Kürassierhelm aus Weißmetall mit vergoldetem Zierrat, weißem Stutz und schwarzem Roßhaarschweif; bei der 2. Kompanie krönte den Helmkamm zusätzlich eine schmale Raupe.[29]

Feldzeichen und Musiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Zwitterstellung zwischen Infanterie und Kavallerie führten die Musketiere bis 1663 Fahne, Trommeln und Pfeifen beim Dienst zu Fuß, während beim Dienst zu Pferd Standarten und Trompeten verwendet wurden; dann ersetzten berittene Trommler und Hautboisten die Trompeter.[5] 1665 erhielten die Musketiere pro Kompanie drei Oboisten (später vier) und einen zusätzlichen berittenen Trommler.[30] Die Musiker der Musketiere wurden häufig bei höfischen Festen in Verbund mit den 24 violons du roi oder eigenständig eingesetzt. Sie musizierten bei Komödien, Bällen und Ballettaufführungen. Für die Gardeeinheit wurden Märsche von den bedeutendsten Komponisten Ludwigs XIV., Jean-Baptiste Lully (1632–1687) und André Philidor (1652–1730), geschrieben. Letzterer war von 1667 bis 1677 als Oboist Musketier und nahm an mehreren Feldzügen teil. Sein jüngerer Bruder Jacques Philidor (1657–1708) war ebenfalls Oboist bei den Musketieren und spielte daneben auch Pauken und Fagott. Vom Pfeifer Nicolas Desrosiers ist eine assemblée erhalten. Das Orchester La Simphonie du Marais unter Leitung von Hugo Reyne hat bisher die erste historisch informierte Einspielung mit originaler Instrumentenbesetzung vorgelegt. Auf die tänzerische und musikalische Ausbildung der Musketiere verweist ein Ballet des Mousquetaires du Roy aus dem Jahr 1635, welches eigens für die Gardeeinheit geschrieben wurde, aber in dieser Form einzigartig ist.[31]

Nachwirkung in Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

D’Artagnan und die drei Musketiere (Illustration von 1894)

Die Musketiere der französischen Könige waren militärgeschichtlich von überschaubarer Bedeutung, doch durch Alexandre Dumas’ Romane und deren Verfilmungen erlangten sie bis heute enorme Popularität. Dumas wurde durch den Schriftsteller und Musketier Gatien de Courtilz de Sandras inspiriert, der die Lebensgeschichte des Musketiers Charles d’Artagnan de Batz-Castelmore aufgezeichnet hatte. Im Mittelpunkt von deren Handlung steht das undisziplinierte und turbulente Leben der Musketiere d’Artagnan, Aramis, Athos und Portos, die sich der Obrigkeit teilweise vehement widersetzten. Die aus dem Übergang vom Spätfeudalismus zum Absolutismus resultierenden Widersprüche als Ursache dieser Konflikte wurden dabei zugunsten eines romantisierenden Geschichtsbildes ausgeblendet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Essais historiques sur les deux compagnies des mousquetaires du roi de France, supprimées le 1er janvier 1776, 2 Bände, Den Haag 1778.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • René Chartrand: French Musketeer 1622–1775 (Warrior, 168), Oxford 2013.
  • Liliane Funcken, Fred Funcken: Historische Uniformen. Band 1: 18. Jahrhundert. französische Garde und Infanterie, britische und preußische Infanterie. Mosaik-Verlag, München 1977, ISBN 3-570-04361-4.
  • Liliane Funcken, Fred Funcken: Historische Uniformen. Band 5: 19. Jahrhundert. 1814–1850. Frankreich, Großbritannien, Preußen. Infanterie, Kavallerie, technische Truppen und Artillerie. Mosaik-Verlag, München 1982, ISBN 3-570-14961-7.
  • Philip Haythornthwaite: Uniformen und Schlachten. 1815–1850. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-81028-7.
  • Richard Knötel, Herbert Sieg: Farbiges Handbuch der Uniformkunde. Die Entwicklung der militärischen Tracht bis 1937. Band 2: Die europäischen und aussereuropäischen Staaten mit Ausnahme der in Band 1 behandelten Streitkräfte der deutschen Staaten, Österreich-Ungarns und der Schweiz. Neuauflage. Spemann, Stuttgart 1994.
  • Rémi Masson: Les mousquetaires ou la violence d'État (Le temps de la guerre), Paris 2013.
  • Olivier Renaudeau (Hg.): Mousquetaires! [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des musée de l'Armée vom 2. April bis 14. Juli 2014 im Hôtel des Invalides], [Paris] 2014.
  • Julien Wilmart: L'édification des hôtels des deux compagnies de Mousquetaires du roi à Paris, 1657–1720: réflexions et évolutions autour des premiers plans de casernes de cavalerie, in: Bertrand Fonk/Nathalie Genet-Rouffiac (Hg.): Combattre et gouverner. Dynamiques de l'histoire militaire de l'époque moderne (XVIIe–XVIIIe siècles) (Histoire), Rennes 2015, S. 333–349.
  • Julien Wilmart: Des chevaux et des mousquetaires dans le Paris des XVIIe et XVIIIe siècles, in: Histoire urbaine 44 (2015), S. 21–40.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Musketiere der Garde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ausstellung: Mousquetaires! im Musée de l'armée, Paris, 2. April bis 14. Juli 2014

Bildquellen

Märsche

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Liliane und Fred Funcken: Historische Uniformen. Bd. 1, München 1976, S. 24 ff.
  2. histoiredumonde.net abgerufen am 4. Mai 2008
  3. a b c d Liliane und Fred Funcken: Historische Uniformen. Bd. 1, München 1976, S. 24.
  4. Tanja Kinkel: Meister der Intrige, ARTE-Magazin, Dezember 2007 abgerufen am 6. Mai 2008 und erneut am 1. Juni 2015
  5. a b c d e f g h i j k Liliane und Fred Funcken: Historische Uniformen, Bd. 1, München 1976, S. 26.
  6. a b Liliane und Fred Funcken: Historische Uniformen. Bd. 5, München 1980, S. 18.
  7. René Chartrand: French Musketeer 1622-1775, Oxford 2013 (Osprey Publishing), S. 12
  8. Philip Haythornthwaite: Uniformen und Schlachten 1815-1850. München 1976, S. 18 f.
  9. Geschichte und Thaten Der Allerdurchlauchtigsten und Großmächtigsten Fürstin und Frau Maria Theresia jetztregierenden Königin in Hungarn und Böheim etc. mit unpartheyischer Feder pragmatisch beschrieben und hin und wieder mit nützlichen Anmerckungen erläutertn, Zweyter Theil: [...], ohne Ort 1744, S. 295. URL: Google Books
  10. Palissot (Hg.): Œuvres de Voltaire, Bd. 1: Précis du siècle de Louis XV, Neue Aufl. Paris 1792. URL: Google Books. Vgl. René Chartrand: French Musketeer 1622-1775, Oxford 2013 (Osprey Publishing), S. 51.
  11. David Morier (um 1705–1770): A Skirmish between English and French Cavalry, Öl auf Leinwand, um 1760, 61,4 x 101,1 cm, Royal Collection Trust (Großbritannien), Inventarnr. RCIN 406882. URL: "Royal Collection Trust"
  12. Alexandre-Jacques du Condray: Nouveaux essais historiques sur Paris, […], Bd. 1, Paris 1781, S. 75.
  13. Hans Pleschinski (Hg.): Nie war es herrlicher zu leben. Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ, 1718–1784, München 2011, S. 17.
  14. Hans Pleschinski (Hg.): Nie war es herrlicher zu leben. Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ, 1718–1784, München 2011, S. 19–20.
  15. Hans Pleschinski (Hg.): Nie war es herrlicher zu leben. Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ, 1718–1784, München 2011, S. 149–150.
  16. Die große Bedeutung der Musketiere für die Ausbildung der höheren Offiziere der französische Armee lässt sich anhand der Personeneinträge des von Bodinier verfassten Lexikons zur Generalität der königlichen Armee erahnen. Eine systematische Untersuchung dieses Themenkomplexes ist bisher nicht vorgenommen worden. Gilbert Bodinier: Dictionnaire des officiers généraux de l'Armée royale, 1763–1792, 4 Bände, Paris 2009–2017.
  17. Michel Hanotaux: La journée du Mousquetaire, in: Renaudeau (Hg.): Mousquetaires!, S. 228–229, hier 228.
  18. Dominique Prévôt: Les Mousquetaires du roi (1715-1814), in: Renaudeau (Hg.): Mousquetaires!, S. 223–225, hier 224. Michel Hanotaux: La journée du Mousquetaire, in: Renaudeau (Hg.): Mousquetaires!, S. 228–229.
  19. Wilmart: L'édification des hôtels des deux compagnies de Mousquetaires, S. 334, 336–337.
  20. Wilmart: L'édification des hôtels des deux compagnies de Mousquetaires, S. 333.
  21. Wilmart: L'édification des hôtels des deux compagnies de Mousquetaires, S. 338–341.
  22. Wilmart: L'édification des hôtels des deux compagnies de Mousquetaires, S. 342, 346.
  23. Wilmart: L'édification des hôtels des deux compagnies de Mousquetaires, S. 337–338.
  24. Wilmart: L'édification des hôtels des deux compagnies de Mousquetaires, S. 343, 348.
  25. a b c Richard Knötel, Herbert Sieg: Farbiges Handbuch der Uniformkunde. Band 2. Stuttgart 1994, S. 23 f.
  26. René Chartrand: French Musketeer 1622-1775, Oxford 2013 (Osprey Publishing), S. 40
  27. Encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences des arts et des métiers. Bern,Lausanne 1780, Band 22, Teil 1, S.429
  28. René Chartrand: French Musketeer 1622-1775, Oxford 2013 (Osprey Publishing), S. 40
  29. a b Liliane und Fred Funcken: Historische Uniformen. Band 5. München 1980, Farbtafeln S. 19 u. 21.
  30. René Chartrand: French Musketeer 1622-1775, Oxford 2013 (Osprey Publishing), S. 15.
  31. Alexandre-Jacques du Condray: Nouveaux essais historiques sur Paris, […], Bd. 1, Paris 1781, S. 74. Siehe insbesondere: http://www.simphonie-du-marais.org/musiques-pour-les-mousquetaires-2/. Vers du Ballet des Mousquetaires du Roy. Représentant le Carnaval mort, & ressucité par Bacchus, Paris: Mathieu Colombel 1635.