Glücklich wie Lazzaro

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Filmdaten
Deutscher TitelGlücklich wie Lazzaro
OriginaltitelLazzaro felice
ProduktionslandDeutschland, Frankreich, Italien, Schweiz
OriginalspracheItalienisch
Erscheinungsjahr2018
Länge127 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieAlice Rohrwacher
DrehbuchAlice Rohrwacher
ProduktionCarlo Cresto-Dina,
Gregory Gajos,
Tiziana Soudani,
Michael Weber
KameraHélène Louvart
SchnittNelly Quettier
Besetzung

Glücklich wie Lazzaro (Originaltitel Lazzaro felice) ist ein Filmdrama von Alice Rohrwacher, das am 13. Mai 2018 im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte und wo die Regisseurin für die Goldene Palme nominiert war. Am 31. Mai 2018 kam der Film in die italienischen und am 13. September 2018 in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bauernjunge Lazzaro, der so gutmütig ist, dass er oft für einfältig gehalten wird, trifft auf Tancredi, einen jungen, rebellischen Adligen. Sie leben in dem isolierten Hirtendorf Inviolata, in dem Tancredis Mutter, die Marchesa Alfonsina de Luna, die Königin der Zigaretten, das Sagen hat. Tancredi bittet Lazzaro, seine eigene Entführung vorzutäuschen. Zwischen den beiden jungen Männern entwickelt sich eine Freundschaft.

Bei einer späteren Suche nach Tancredi gelangt Lazzaro erstmals in die große Stadt. In dieser modernen Welt wirkt Lazzaro fast wie eine Erinnerung an die Vergangenheit. Wie sein biblischer Namensgeber erscheint der naive Landjunge Lazzaro hier wie ein Totgeglaubter.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden unter an­de­rem in der italienischen Gemeinde Bagnoregio in Viterbo statt, die dem Hirtendorf Inviolata als Kulisse diente

Regie führte die Italienerin Alice Rohrwacher, die auch das Drehbuch schrieb.

Der Film erhielt eine Produktionsförderung in Höhe von 150.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg[2] und wurde zudem von Eurimages und Aide aux Cinémas du Monde (CNC – Institut français) gefördert. Vom Medienboard Berlin-Brandenburg erhält er eine Verleihförderung in Höhe von rund 30.000 Euro.[3]

Für Adriano Tardiolo, der im Film in der Titelrolle von Lazzaro zu sehen ist, war dies sein erster Auftritt als Schauspieler überhaupt. Die Rolle von Tancredi in jüngeren Jahren wurde mit dem Popsänger Luca Chikovani besetzt. Nicoletta Braschi spielt Tancredis Mutter, die Marchesa Alfonsina de Luna. Alba Rohrwacher, die Antonia spielt, ist die Schwester der Regisseurin.

Die Dreharbeiten wurden am 7. August 2017 begonnen und fanden in Italien statt, so unter anderem in der italienischen Gemeinde Bagnoregio in Viterbo in der Region Latium, die dem Hirtendorf Inviolata als Kulisse diente.[4] Als Kamerafrau fungierte Hélène Louvart. Am 15. September 2017 wurden die Dreharbeiten beendet.

Der Film feierte am 13. Mai 2018 im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes seine Premiere. Dort sicherte sich Netflix die Vertriebsrechte am Film.[5] Länderbezogene Vertriebsrechte sicherten sich dort zudem iQiyi (China), Modern Film (Vereinigtes Königreich), PIFFL (Deutschland), Vertigo (Spanien) und Mauris (Russland bzw. GUS).[6] Am 31. Mai 2018 kam er in die italienischen und am 13. September 2018 in die deutschen Kinos.[7] Vorab wurde der Film im Juli 2018 beim Filmfest München im Rahmen des Wettbewerbs gezeigt und feierte hier seine Deutschlandpremiere.[8] Im August 2018 wurde der Film beim polnischen Filmfestival Nowe Horyzonty gezeigt[9] und ebenfalls beim Melbourne International Film Festival[10], im Oktober 2018 beim Sitges Film Festival[11] und beim New York Film Festival.[12] Im Herbst 2018 erfolgte auch eine Vorstellung beim Zurich Film Festival.[13] Am 25. Oktober 2018 eröffnete der Film die 56. Viennale.[14]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 12 Jahren freigegeben, in Begleitung der Eltern jedoch bereits ab 6 Jahren erlaubt. In der Freigabebegründung heißt es: „Die parabelhafte Geschichte über Menschlichkeit, Ausbeutung und Würde ist ruhig erzählt und von einer dichten Atmosphäre geprägt. Lediglich einzelne dramatische und gewalthaltige Szenen können Kinder unter 12 Jahren ängstigen.“[15]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alice Rohrwacher hat die Lazarus-Legende in ihr Drehbuch eingeflochten, hier in einer Illustration aus dem Vaux Passional

Hannah Pilarczyk von Spiegel Online meint, ein Blick in die Bibel sowie eine Recherche zu den diversen Mythen, die sich um Lazarus entsponnen haben, verrieten fast schon zu viel von diesem Film und seinen magischen Wendungen. Viele kleine und ein großes Wunder fahre Alice Rohrwacher auf, doch keines fühlt sich auftrumpfend oder unverdient an, denn Lazzaro Felice balanciere das Magische und das (Neo-)Realistische meisterlich aus, so Pilarczyk weiter. Rohrwacher lasse in der besten Tradition des italienischen Kinos ein proletarisches Italien auferstehen, das nicht zur Verklärung dient, aber dennoch im kollektiven Gedächtnis gehalten werden muss. Der Film finde zu einigen prägnanten Beobachtungen darüber, wie es aussehen kann, wenn man an den Rand gedrängt wird, so Pilarczyk.[16]

Susanne Ostwald von der Neuen Zürcher Zeitung erklärt, die Regisseurin verorte mit ihrem märchenhaft verklärenden Ton ihre Geschichte im zeitlichen „Es war einmal“, und dies aus gutem Grund, da auf der Tabakplantage der Marchesa Alfonsina de Luna tatsächlich Zustände wie zur finstersten Feudalzeit herrschten. Auch Ostwald bemerkt, es sei raffiniert, wie Rohrwacher die Lazarus-Legende, ihre verschiedenen Versionen, Motive und Deutungen in ihr Drehbuch eingeflochten habe: „Es geht um Wiederauferstehung sowie die Gabe, Tiere und Pflanzen, die als ausgestorben galten, wiederzufinden – und um den Armen, der nur begehrt, was von der Tafel des Reichen fällt. Hier setzt Rohrwachers Sozialkritik an, die sich indes einer realistischen Betrachtung verweigert. Vielmehr führt sie den gleichnishaften Ton der Legende fort und setzt sie anspielungsreich ins Bild.“ Das sei traurig-schön, mitunter auch komisch und vor allem ziemlich grotesk, so Ostwald, und so gelinge mit dem Film eine prägnante Gegenwartsanalyse auf der Folie christlicher Symbolik.[17]

Der Filmkritiker Rüdiger Suchsland erklärt, wörtlich bedeute der Name Lazarus „Gott hat geholfen“ und bemerkt, dass ein weiteres Motiv die Legende von Romulus und Remus sei. Wenn in der Mitte des Films Lazzaro von einem Felsen stürzt und tot scheint, werde er von einem Wolf wieder zum Leben erweckt und ihm so etwas wie ewige Jugend verleiht, was Suchsland an die die mythologischen Zwillinge, die auch von einer Wölfin gerettet wurden, erinnert. Weiter sagt Suchsland in seiner Kritike, der Umstand, dass Rohrwacher mit 16-mm-Film gedreht hat, betone den nostalgischen Flair dieses aus der Zeit gefallenen Films. Die Regisseurin setze den Traditionsstrang des italienischen Neorealismus auf ihre Weise sehr eigenwillig fort, und knüpfe dabei vor allem an Pier Paolo Pasolini an, den vielleicht größten Kino-Märchenerzähler des 20. Jahrhunderts. Er nennt Rohrwachers Film ein Märchen, erfüllt von leisem Humor und feiner Poesie, wobei sie souverän mit verschiedenen Zeitebenen und verschiedenen Realitätsformen spiele, wodurch ihr Film zwischen Phantasien für Erwachsene, Naturalismus und einer Naivität schwanke, wie man sie aus den Filmen von Robert Bresson und Pasolini kennt. Das sei im Ergebnis so dermaßen wohltuend und optimistisch, dass man es in Worten nicht mehr angemessen beschreiben kann, sondern im Kino sehen müsse, so Suchsland: „Lazzaro felice ist, anders gesagt, einer der allerbesten Filme des Jahres.“[18]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung versah Glücklich wie Lazzaro mit dem Prädikat Besonders wertvoll. In der Jury-Begründung heißt es: „Als moderne Version des biblischen Lazarus inszeniert Rohrwacher ihre Hauptfigur zu einem Heiligen, einem Engel, dem Symbol einer vergangenen Zeit, der Natur und der Verwurzelung. In einem wunderschönen Moment, in dem Orgelmusik aus einer Kirche der Reichen sich einfach der Dorfgemeinschaft anschließt, manifestiert sich die Aura des Religiösen um Lazzaro.“[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäischer Filmpreis 2018

Filmfest München 2018

  • Nominierung im Wettbewerb

Filmfestspiele von Cannes 2018

Independent Spirit Awards 2019

Jerusalem Film Festival 2018

  • Auszeichnung als Bester Film (Alice Rohrwacher)[24]

London Film Festival 2018

  • Nominierung als Bester Film im offiziellen Wettbewerb (Alice Rohrwacher)[25]

LUX-Filmpreis 2018

  • Nominierung als Bester Film (Alice Rohrwache)[26]

Sitges Film Festival 2018

  • Nominierung im Fantàstic Competición (Alice Rohrwacher)[27]

Chicago International Film Festival 2018

  • Auszeichnung mit dem Gold Hugo für den besten Spielfilm[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Glücklich wie Lazzaro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Glücklich wie Lazzaro. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 180901/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Medienboard Förderzusagen Mai 2017. In: medienboard.de. Abgerufen am 3. Juni 2018. (PDF; 233 KB)
  3. https://www.filmbiznews.de/filmfoerderung/medienboard-berlin-brandenburg-foerdert-der-fall-collini-von-marco-kreuzpaintner-mit-1100000-euro/15571/2018/10/
  4. Lazzaro Felice, iniziano le riprese. In: helivr.it, 25. August 2017.
  5. Dave McNary: Netflix Buys Cannes Winners 'Happy as Lazzaro', 'Girl' for North America, Latin America. In: Variety, 19. Mai 2018.
  6. https://variety.com/2018/film/festivals/happy-as-lazzaro-cannes-sells-around-world-1202825033/
  7. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 5. Juni 2018.
  8. Glücklich wie Lazzaro. In: filmfest-muenchen.de. Abgerufen am 6. Juli 2018.
  9. Happy As Lazzaro. In: nowehoryzonty.pl. Abgerufen am 15. Juli 2018.
  10. Happy As Lazzaro. In: miff.com. Abgerufen am 13. Juli 2018.
  11. Nicolas Cage and Ed Harris will receive the Grand Honorary Award at a Sitges Festival hitting its high point with a concert by John Carpenter. In: sitgesfilmfestival.com, 19. Juli 2018.
  12. Jordan Raup: 56th New York Film Festival Main Slate Announced. In: filmlinc.org, 7. August 2018.
  13. https://zff.com/de/archiv/20640/
  14. "Lazzaro felice" eröffnet Viennale. In: orf.at. Abgerufen am 25. Oktober 2018.
  15. Freigabebegründung für Glücklich wie Lazzaro In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 13. September 2018.
  16. Hannah Pilarczyk: Palmen-Favorit "Lazzaro Felice": Cannes erlebt ein Filmwunder. In: Spiegel Online. 14. Mai 2018, abgerufen am 9. Juni 2018.
  17. Susanne Ostwald: Wird eine Frau in Cannes das Rennen machen? In: Neue Zürcher Zeitung, 18. Mai 2018.
  18. https://www.artechock.de/film/text/kritik/g/glwila.htm
  19. Glücklich wie Lazzaro. Jury-Begründung: Prädikat besonders wertvoll. In: Deutsche Film- und Medienbewertung. Abgerufen am 10. August 2018.
  20. David González: Cold War tops European Film Awards nominations. In: cineuropa.org, 10. November 2018.
  21. Five Films Nominated for European University Film Award (EUFA). Artikel vom 25. September 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  22. European University Film Award für "Glücklich wie Lazzaro" von Alice Rohwacher. Artikel vom 7. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  23. Independent Spirit Awards: 'Eighth Grade,' 'First Reformed' Among Best Feature Nominees. In: The Hollywood Reporter, 16. November 2018.
  24. Happy as Lazzaro. In: jff.org. Abgerufen am 22. Juli 2018.
  25. 2018 Official Competition selection announced at 62nd BFI London Film Festival. In: bfi.org.uk, 29. August 2018.
  26. Das sind die 10 Kandidaten für den LUX-Filmpreis 2018. In: europa.eu, 2. Juli 2018.
  27. https://sitgesfilmfestival.com/eng/film?id=10005326
  28. Cinema Chicago: Awards Announced for 54th Chicago International Film Festival. Abgerufen am 23. Oktober 2018.