Google Driverless Car

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Ein zum „Google Driverless Car“ modifizierter Toyota Prius als Testfahrzeug.[1]
Toyota Lexus RX 450h Innenansicht

Das Google Driverless Car (Deutsch: Googles fahrerloses Auto) ist ein Projekt der Firma Google, um Technologien für autonom bzw. ganz ohne Fahrer fahrende Autos zu entwickeln. Die Software im System des Autos heißt Google Chauffeur.[2] Das Projekt leitet derzeit der Google-Ingenieur Sebastian Thrun, ehemals Professor für künstliche Intelligenz der Stanford University und außerdem Miterfinder von Google Street View.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Thruns Team in Stanford entwickelte bereits das Roboterfahrzeug Stanley, das den DARPA Grand Challenge 2005 gewann und den Preis von 2 Mio. USD des amerikanischen Verteidigungsministeriums erhielt.[3]

US-Bundesstaaten, die zurzeit Testfahrten mit autonom fahrenden Autos im öffentlichen Straßenverkehr erlauben.

Anfänge[Bearbeiten]

Im Dezember 2011 wurde bekannt, dass dem Internetunternehmen Google nach mehreren Jahren der Entwicklung ein US-Patent für die Technik zum Betrieb von autonomen Fahrzeugen gewährt wurde. Googles Testflotte hatte nach Aussage des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 257.000 km (160.000 Meilen) unter begrenzter Einwirkung des Fahrers sowie mehr als 1600 km (1.000 Meilen) ohne Fahrerbeteiligung zurückgelegt.[4]

Im Mai 2012 erhielt Google in den USA die erste Zulassung eines autonomen Fahrzeugs für den Test auf öffentlichen Straßen des US-Bundesstaates Nevada. Bedingung war jedoch, dass sich eine Person hinter dem Steuer befindet, die notfalls eingreifen kann.[5] Das Google Roboter-Auto soll aber bereits im Dezember 2013 sicherer gefahren sein als ein menschlicher Autofahrer.[6]

Im Mai 2014 stellte Google sein Roboterauto erstmals einer Gruppe von Journalisten vor, die im Vergleich zwischen menschlichem Fahrer und selbstfahrendem System keinen Unterschied im Fahrverhalten mehr feststellen konnten. Google erklärte jedoch, dass das Fahren bei Regen und Schnee nach wie vor Probleme bereite. Kritiker von Roboterautos monieren den zukünftig fehlenden Fahrspaß und wollen die Kontrolle nicht an eine Maschine abgeben, während die Ingenieure die zukünftig viel höhere Fahrsicherheit in den Vordergrund stellen. Bisher hatte noch kein Roboterauto einen echten Unfall im Straßenverkehr. Der Mensch ist der größte Fehlerfaktor beim Autofahren. Als Start für den Massenmarkt hatte Google-Mitgründer Sergey Brin kürzlich 2017 als Ziel für die USA angegeben, was die meisten Autofirmen für unrealistisch halten.[7][8]

Über lange Zeit versuchte Google für sein laufend an hierfür gekauften Modellen von Toyota, Honda, Audi, Lexus und VW weiterentwickeltes Technologiepaket Google Driverless Car einen passenden Autohersteller zu finden und favorisierte hierfür Tesla Motors.[9][10]

Ab Mai 2014 begann Google, 100 eigene Elektro-Testfahrzeuge zu bauen und erste Prototypen dieses neuen Fahrzeugtyps ohne Lenkrad, Bremse und Gaspedal mit körperlich bedürftigen und anderen interessierten Personen zu testen.[11][Video 1]

Ende 2014 stellte Google einen voll funktionsfähigen Prototypen vor, der auf eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h begrenzt ist, um auf kostspielige Sicherheitsmerkmale wie Airbags zu verzichten.[12] Dieser soll in kleiner Serie produziert werden und im Jahr 2015 auf öffentlichen Straßen in den USA getestet werden.[13]

Im Mai 2015 präsentierte Google eine Unfallbilanz. Google hat nach eigenen Angaben mehr als 20 Fahrzeuge im Einsatz. Diese haben in den vergangenen sechs Jahren mehr als 2,7 Millionen Kilometer zurückgelegt, davon gut 1,5 Millionen Kilometer computergesteuert. Während dieser Zeit sei das Google-Auto in elf Unfälle verwickelt gewesen. Dabei habe es sich um Blechschäden gehandelt. Menschen seien nicht verletzt worden. An keinem der Unfälle sei das selbststeuernde Auto schuld gewesen.[14]

Testfahrten[Bearbeiten]

Aktuell (Stand Mai 2015) legen die 20 Roboter-Fahrzeuge etwa 10.000 Meilen (etwa 16.000 Kilometer) pro Woche eigenständig zurück, etwas weniger als der durchschnittliche Amerikaner pro Jahr.[15]

Google gab am 15. Mai 2015 bekannt, dass die selbstfahrenden Fahrzeuge bereits in diesem Sommer die Teststrecke verlassen und bekannte Strecken in Mountain View (Kalifornien) befahren dürfen.[16][17]

Marktchancen[Bearbeiten]

Langfristig soll der Fokus auf der Bereitstellung einer Serviceleistung – zum Beispiel mit führerlosen Taxis – liegen und nicht unbedingt auf dem Eigentum des Fahrers am Fahrzeug. Googles Risikokapitalarm Ventures hatte sich hierfür bereits im August 2013 am App-basierten Luxus-Taxidienst Uber mit ca. 250 Millionen Dollar (knapp 188 Mio. Euro) beteiligt, um künftig Robotertaxis zu gehobenen Preisen anbieten zu können.[18]

Technik[Bearbeiten]

Technik und Autos wurden in Kooperation u.a. mit Audi entwickelt. Ein am 28. Mai 2014 der Öffentlichkeit vorgestellter Prototyp allerdings basierte nicht auf einem bestehenden Modell, sondern stellt eine originäre Eigenentwicklung in eigener Verantwortung von Google dar. Das Modell wird elektrisch betrieben werden und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h begrenzt. Das wenig ambitionierte Design des vorgestellten Prototyps unterstreicht die gleichzeitig seitens Google verbreitete Aussage, dass sich das Projekt in einem frühen Entwicklungsstadium befindet und ein serienreifes Fahrzeug nicht vor dem Jahr 2029 zu erwarten ist. Dies unterstreicht auch die Aussage des Entwicklungsleiter Chris Urmson. So kann die Software derzeit keine Anweisungen von Polizisten am Straßenrand erkennen. Auch der Einsatz des Wagens bei starkem Regen oder Schneefall ist nicht möglich, sowie das Erkennen von Ampeln bei Gegenlicht durch die Sonne führt zu Schwierigkeiten. [19]

Die Roboter-Autos von Google enthalten ca. 150.000 USD an Ausrüstung einschließlich eines 70.000 USD teuren Lidar-(Laser-Radar)-Systems.[20] Das Robotersystem beruhe auf selbstständigem Lernen und selbstständiger Erfassung und Interpretation der Umgebung. Der auf der Oberseite angebrachte Entfernungsmesser HDL-64E ist ein rotierender LiDAR-Sensor der Firma Velodyne, dieser arbeitet mit 64 unabhängigen Laserstrahlen. Dieser Sensor erlaubt es dem Fahrzeug eine detaillierte 3D-Karte der Umgebung zu erzeugen. Die Software nimmt dann diese generierten Karten und kombiniert sie mit den schon vorhandenen hochauflösenden Landkarten und produziert daraus verschiedene Arten von Datenmodellen, die es erlauben automatisch zu fahren.[21]

Recht[Bearbeiten]

Der rechtliche Rahmen für autonomes Fahren ist im deutschsprachigen Raum noch nicht geklärt. Zahlreiche Vorschriften, wie beispielsweise das Aufstellen von Warndreiecken bei Unfällen, müssen bei autonomen gelenkten Fahrzeugen neu geregelt werden.[19]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Test Driven Google Car. 30. April 2011. Abgerufen am 5. Mai 2014.
  2. Adam Fisher: Inside Google's Quest To Popularize Self-Driving Cars. In: Popular Science. 18. September 2013. Abgerufen am 5. Mai 2014.
  3. John Markoff: Google Cars Drive Themselves, in Traffic. In: The New York Times, 9. Oktober 2010. Abgerufen am 5. Mai 2014. 
  4. Artikel zum Google Driverless Car: Driverless car: Google awarded US patent for technology (en). In: BBC News, 15. Dezember 2011. Abgerufen am 1. Mai 2014.
  5. Artikel zur ersten Zulassung eines autonomen Fahrzeugs: Lisa Hemmerich: Nevada: Fahrerloses Auto von Google erhält erste Lizenz. In Web-Portal: netzwelt, 8. Mai 2012. Abgerufen am 1. Mai 2014.
  6. Artikel zur Behauptung, dass Computer die besseren Autofahrer sind: Google-Revolution: Computer ersetzen den Autofahrer. In: Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 25. Dezember 2013. Abgerufen am 1. Mai 2014.
  7. Artikel zu Googles selbstfahrendem Auto: Thomas Schulz (15. Mai 2014) Testfahrt in Google Self-Driving Car: Dieses Auto kommt ohne Sie aus. In Nachrichten-Website: Spiegel Online. Abgerufen am 29. Mai 2014
  8. Kritischer Artikel zum verlorenen Fahrspaß bei autonomen Autos: Sabine Stahl (15. Mai 2014) Testfahrt mit dem Google-Auto - Bei diesem Auto ist Langeweile das Ziel. Auf Website: Motor-Talk.de. Abgerufen am 29. Mai 2014.
  9. Artikel zur Kooperation von Google und Tesla: Matt Brian (7. Mai 2013) Elon Musk in talks with Google to bring driverless tech to Tesla cars. In Nachrichten-Website: The Verge. Abgerufen am 29. Mai 2014.
  10. Artikel zu einem möglichen Kauf von Tesla durch Google: Mike Kwatinetz (3. März 2014) Why Google should acquire Tesla. In Nachrichten-Website: CNN Fortune. Abgerufen am 29. Mai 2014.
  11. Artikel zum Google-eigenen Auto ohne Lenkrad (28. Mai 2014) Selbstfahrende Autos: Google baut ein eigenes Auto. In Web-Nachrichtenticker: Heise online. Abgerufen am 29. Mai 2014.
  12. Google bringt selbstfahrendes Auto ab Sommer auf die Straße In: automobil-produktion.de, 15. Mai 2015
  13. Artikel zum Google-Robotertaxi (24. August 2013) Googles selbstfahrendes Auto ist fertig. In Website: golem.de. Abgerufen am 14. April 2015.
  14. Wolfgang Stuflesser: Selbstfahrendes Google-Auto Unfall - auch ohne Fahrer möglich. In: tagesschau.de. 12. Mai 2015. Abgerufen am 12. Mai 2015.
  15. Linda Hofmann: Google zieht Unfallbilanz für Roboterautos. In: wuv.de. 12. Mai 2015. Abgerufen am 12. Mai 2015.
  16. Carsten Knobloch: Google: selbstfahrende Autos starten auf öffentlichen Straßen durch. In: stadt-bremerhaven.de. 15. Mai 2015. Abgerufen am 15. Mai 2015.
  17. Green lights for our self-driving vehicle prototypes. In: googleblog.blogspot.de. 15. Mai 2015. Abgerufen am 15. Mai 2015.
  18. Artikel zum Google-Robotertaxi (24. August 2013) Vorreiter bei autonomen Autos. In Website: Österreichischer Rundfunk. Abgerufen am 29. Mai 2014.
  19. a b Google Auto – problem(los) durch die Stadt. 2. Februar 2015. Abgerufen am 5. Mai 2014. 
  20. Alisa Priddle: Google discloses costs of its driverless car tests. In: USA Today, 14. Juni 2012. Abgerufen am 5. Mai 2014. 
  21. Erico Guizzo: How Google’s Self-Driving Car Works - IEEE Spectrum. Spectrum.ieee.org. 18. Oktober 2011. Abgerufen am 5. Mai 2014.
Videos
  1. Google-eigenes Video zum Google-eigenen Auto ohne Lenkrad (27. Mai 2014) A First Drive. Im Videoportal: YouTube. Abgerufen am 29. Mai 2014.