Berlin-Karow

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Karow
Ortsteil von Berlin
BerlinBrandenburgBuchKarowWilhelmsruhRosenthalBlankenfeldeNiederschönhausenHeinersdorfBlankenburgFranzösisch BuchholzPankowPrenzlauer BergWeißenseeStadtrandsiedlung MalchowKarow auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 36′ 52″ N, 13° 28′ 11″ OKoordinaten: 52° 36′ 52″ N, 13° 28′ 11″ O
Fläche 6,65 km²
Einwohner 19.694 (31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte 2962 Einwohner/km²
Postleitzahl 13125
Ortsteilnummer 0305
Bezirk Pankow
Neu-Karow, Januar 2006

Berlin-Karow [ˈkaːʁoː] ist ein Ortsteil Berlins im Bezirk Pankow. Karow wurde als Dorf erstmals 1375 urkundlich erwähnt. Bei der Eingemeindung zu Groß-Berlin im Jahr 1920 hatte die Landgemeinde nur 949 Einwohner. Seinen dörflichen Charakter hat es trotz reger Siedlungstätigkeit in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg bis heute bewahrt. Durch ein großes geschlossenes Neubauvorhaben im Norden Karows (1992–1996) stieg die Einwohnerzahl stark an.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karow liegt im Nordosten des Berliner Bezirks Pankow. Nördlich wird der Ortsteil von der Bundesautobahn 10, südlich vom Berliner Außenring und westlich von der Panke begrenzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisher liegt kein archäologischer Befund aus der spätslawischen Zeit vor. Daher wird angenommen, dass Karow um 1230, vielleicht schon in den späten 1220er Jahren „aus wilder Wurzel“ entstand. Die Dorfkirche Karow wurde um 1250 errichtet. Die erste urkundliche Erwähnung datiert durch Fridericus de Kare indirekt ins Jahr 1244. Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 erschien Kare mit einem Krug sowie 42 Hufen, davon vier Pfarr- und sechs Ritterhufen. Letztere waren ein Lehen des Markgrafen von Brandenburg an die von der Groeben. Diese hatten sich vom Vasallendienst freigekauft und den Ritterhof als Afterlehen an die Brüder von Kare (de Kare) weitergereicht. Die Ratsfamilie aus Berlin war, anders als der Name vermuten lässt, nichtadeliger Herkunft, sie saßen „in Kare“, kamen „aus Kare“. Der Markgraf erhob im Dorf nur noch den Wagendienst, sodass zahlreiche Grundherren als seine Lehnsleute aus den restlichen 32 Hufen Abgaben bezogen.[1] Spätestens im Jahr 1572 hielten die von Röbel zu Buch den Ritterhof mit 412 Hufen.

Der Ortskern des ursprünglichen Straßendorfs liegt an der Straße Alt-Karow. Neben der Kirche, dem ehemaligen Schulgebäude und dem Gemeindehaus finden sich noch zahlreiche Bauernhäuser aus dem 19. Jahrhundert.

Mit Bau des Bahnhofs Karow erhielt der Ort 1882 Eisenbahnanschluss über die Stettiner Bahn nach Berlin und in der Gegenrichtung nach Bernau. Die äußeren Bereiche Karows entstanden größtenteils in den 1920er und 1930er Jahren, besonders um den S-Bahnhof im Nordwesten. Es waren fast ausschließlich kleinere Siedlungshäuser auf Grundstücken zur teilweisen Selbstversorgung.

Bis 1920 gehörte Karow zum brandenburgischen Kreis Niederbarnim und wurde aufgrund des Groß-Berlin-Gesetzes nach Berlin eingemeindet. Bis 1985 war Karow ein Ortsteil des Bezirks Pankow und wurde dann in den Bezirk Weißensee umgegliedert. Seit der Fusion der Bezirke Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee im Jahr 2001 gehört Karow wieder zum Bezirk Pankow.

Auf den ehemaligen Rieselfeldern im Norden sowie auf einigen Feuchtwiesen im südlichen und östlichen Teil der Gemarkung entstanden von 1992 bis 1996 viele Ein- und Mehrfamilienhäuser und mehrgeschossige Wohnblocks. Dazu kamen weitere Kindergärten, Schulen, ein kirchliches Begegnungszentrum, Geschäfte, Restaurants sowie ein zentrales Geschäftszentrum mit Wochenmarktplatz. Die Altbürger Karows nennen die Siedlung oft Neu-Karow, womit sie eine gewisse Distanz zur modernen, eher städtisch anmutenden Erscheinung der Siedlung ausdrücken.

Bauplanung

Bereits in den 1990er Jahren gab es Pläne zur Bebauung von drei bisher vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das Verfahren wurde wegen der geringen Nachfrage zunächst eingestellt, aufgrund des Bevölkerungswachstums allerdings wieder aufgenommen. Geplant ist keine Bestandsentwicklung des angrenzenden Ein- und Mehrfamilienhausgebietes, sondern eine höhere Bebauungsdichte. Auswirkungen auf derzeit wenig frequentierte Anliegerstraßen wie auch Frei- und Grünflächen werden erwartet. Auch stellen die bereits existierenden Kapazitätsprobleme ein Problem dar.

Aufgrund dieser Tatsachen gab das Stadtentwicklungsamt Pankow einen Rahmenplan in Auftrag. Er soll aktuelle Problemlagen analysieren und Handlungsbedarfe herausarbeiten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der verkehrlichen Situation des Ortes.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
2007 18.008
2010 18.824
2011 18.817
2012 18.608
2013 18.626
2014 18.733
Jahr Einwohner
2015 18.790
2016 19.231
2017 19.611
2018 19.577
2019 19.679
2020 19.694

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfkirche Karow, der spätromanische Bau wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts als dreiteilige Apsiskirche aus sorgfältig behauenem Feldsteinmauerwerk errichtet, gilt als das älteste Gebäude auf dem Barnim in Berlin
  • Karower Bilderbibel in der Dorfkirche Karow: 33-teiliger Bilderzyklus verschiedener und ungeklärter Provenienz von 1617 mit Szenen des Alten und Neuen Testaments[4]
  • Altes Schulhaus (Alt-Karow 15: Gemeindeschule Karow, 14. Volksschule), eingeweiht 1516, geschlossen seit 1934, restauriert 2006–2009
  • Altes Feuerwehr-Spritzenhaus (Alt-Karow 10/11), gebaut 1904, restauriert 2004–2006
  • Bauernhäuser des 19. Jahrhunderts entlang der Straße Alt-Karow
  • Bahnhof Berlin-Karow, ein Standardtypus aus dem späten 19. Jahrhundert
  • Karower Kaisereiche

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karower Kreuz 2018

Hauptverkehrsachse in Karow ist der Straßenzug Blankenburger Chaussee – Alt-Karow – Bucher Chaussee. Er verbindet den Ortsteil Blankenburg im Süden mit dem Ortsteil Buch im Norden. Unmittelbar westlich von Karow befindet sich die Autobahnanschlussstelle Bucher Straße der A 114. Es handelt sich um eine Teilanschlussstelle. Entlang der Nordgrenze zu Berlin-Buch verläuft die Trasse der A 10 (Berliner Ring). Hier war eine Anschlussstelle geplant, von deren Realisierung aber aufgrund zahlreicher Einsprüche durch Bürgerinitiativen Abstand genommen wurde.[5]

Der Ortsteil ist über den Bahnhof Karow an das Netz der Berliner S-Bahn (Linie S2) angeschlossen. Die Regionalbahnlinie RB27 der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) nach Groß Schönebeck beginnt in Karow.

Die Buslinien 150 und 158 der BVG verbinden Karow mit Buch und Blankenburg. Die Ringlinie 350 erschließt den Ortsteil.

Südlich des Bahnhofs Karow liegt das Karower Kreuz. Hier führt die Stettiner Bahn über den Berliner Außenring mit Verbindungskurven zwischen beiden Strecken. Am Kreuzungspunkt soll ab 2026[6] der Bahnhof Karower Kreuz entstehen, der als Turmbahnhof geplant ist.

Schulen und Jugendeinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule Alt-Karow, Bahnhofstraße 32, das Gebäude besteht seit 1932
  • Grundschule im Panketal, Achillesstraße 31
  • Robert-Havemann-Gymnasium, Achillesstraße 79
  • Jugendeinrichtung K14, Achillesstraße 14

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Pfannschmidt: Geschichte der Berliner Vororte Buch und Karow. Verlagsbuchhandlung Fr. Zillessen, Berlin Dezember 1927 (es gibt einen Nachdruck von 1994).
  • Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Bd. 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Bd. VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Barnym. Districtus Berlin. Kare, S. 121 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  • Adriaan von Müller: Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann. Berlin im Mittelalter. Berlin 1979.
  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI (Barnim). Potsdam 2011 (Reprint der Erstausgabe von 1980).
  • Ulrich Schöntube: Emporenbilderzyklen in der Mark Brandenburg. Ein Beitrag zum lutherischen Bildprogramm des 16.–18. Jahrhunderts. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-56861-3, S. 76–80: II. Beschreibung der Bilderzyklen: 1.5. Berlin-Karow: Dorfkirche (1617); S. 282–291: III. Quellengeschichte: 2.5. Die biblischen Holzschnitte Johann Teuffels als Quelle der alttestamentlichen Bilder in Karow; S. 336 f.: 3. Biblische Bilderzyklen einzelner Vorlagen: 3.3. Vorlagen der Zyklen in Großthiemig, Jüterbog, Wusterhausen, Wutike, Tangermünde, Senzke, Karow und Mehlsdorf: 3.3.6. Die neutestamentlichen Bilder in Karow (Zugl.: Berlin, Humboldt-Univ., Diss., 2006).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Berlin-Karow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Barnym. Districtus Berlin. Kare, S. 121.
  2. Rahmenplan Karow. Bezirksamt Pankow, abgerufen am 24. Juli 2020.
  3. Statistischer Bericht A I 5 – hj 2 / 20. Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 31. Dezember 2020. Grunddaten. S. 24.
  4. Claudia Rückert: Die Bilderbibel feiert Jubiläum. In: Die Kirche. Nr. 35, 27. August 2017, S. 15 (Der berühmte Bilderzyklus in der Dorfkirche Karow feiert in diesem Jahr 400-Jähriges: Die 33 Gemälde aus dem Alten und Neuen Testament schmücken die Empore und das Ältestengestühl im Chor der spätromanischen Feldsteinkirche seit 1617).
  5. Autobahnanschluß Karow/Buch vom Tisch. In: Pankower Aktuelle Zeitung. Abgerufen am 25. September 2020.
  6. Karower Kreuz S-Bahn im Nordosten wird im Sommer unterbrochen In: Berliner Zeitung Online, 16. April 2018.