Grossmünster

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Westfassade des Grossmünsters zur Limmat.
Grossmünster und dessen Zwölfbotenkapelle von Südosten (Kirchgasse)
Die Prozessionsachse Grossmünster, Wasserkirche und Fraumünster auf dem Murerplan von Zürich (1576)

Das Grossmünster ist eine evangelisch-reformierte Kirche in der Altstadt von Zürich. Die Kirchenpatrone sind Felix und Regula sowie Exuperantius. Bis zur Reformation war das Grossmünster zugleich Teil eines weltlichen Chorherrenstifts und Pfarrkirche. Das Grossmünster gehört zusammen mit dem Fraumünster und der St.-Peter-Kirche zu den bekanntesten Kirchen der Stadt Zürich. Seine charakteristischen Doppeltürme sind das eigentliche Wahrzeichen der Stadt.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name «Grossmünster» stammt erst aus dem 14. Jahrhundert. Ursprünglich wurde die Kirche in den Urkunden schlicht mit «Zürcher Kirche» (Turicina ecclesia) bezeichnet. 1272 taucht das «Münster» in der Bezeichnung Monasterium praepositurae Thuricensis erstmals auf. Monasterium, deutsch Münster, ist die lateinische Bezeichnung für Kloster. «Grossmünster» erscheint erstmals 1322,[1] wohl zur Unterscheidung vom kleineren Fraumünster.

Gründungslegende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste schriftliche Belege für die Gründungslegende des Grossmünsters finden sich aus dem 8. Jahrhundert. Die Wallfahrt zu den Gräbern der als Heiligen verehrten Felix und Regula ist wohl älter. Die beiden gehörten der sogenannten Thebäischen Legion an, die im 3. Jahrhundert in Agaunum, dem heutigen Saint-Maurice, wegen ihres Übertritts zum Christentum kollektiv den Märtyrertod erlitt. Felix und Regula flohen nach Zürich, wo sie ebenfalls hingerichtet wurden. Nach ihrer Enthauptung auf der kleinen Limmatinsel, auf der heute die Wasserkirche steht, sollen die Leiber der Patrone ihre abgeschlagenen Köpfe noch 40 Ellen bergaufwärts getragen haben bis zu der Stelle, an der sie begraben werden wollten. Die Gräber sollen dann erst von Karl dem Grossen wiederentdeckt worden sein. Der habe einst einen Hirsch von Aachen bis nach Zürich verfolgt, als sein Pferd plötzlich in die Knie gegangen sei, um den Gräbern der Heiligen die Reverenz zu erweisen. Karl habe darauf die Gebeine heben lassen und zur Ehre der Heiligen die Kirche und die Propstei Grossmünster gegründet. Die Gräber der Heiligen waren bis zur Reformation in der Zwölfbotenkapelle (Boten = Apostel) für die Pilger zugänglich. In der gleichen Kapelle wurden auch Reliquien Karls des Grossen aufbewahrt, die 1233 nach Zürich überführt worden waren.

Propstei St. Felix und Regula[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chorherrenstift und Grossmünster um 1835 mit Treppenaufgang zu den Emporen über dem Nordportal

Es handelt sich um ein in karolingischer Zeit «gewachsenes», nicht um ein «gegründetes Stift», anders als das im Jahr 853 gegründete Fraumünster.[2]

Die Propstei wies im Mittelalter 24 Chorherren und 32 Kaplane auf und war neben der Konstanzer Münster das bedeutendste Stift im historischen Bistum Konstanz. An der Spitze des ursprünglichen Konvents stand spätestens seit 1114 ein Propst, den das Stift gemäss den Privilegien ebenso wie den Priester selbst wählen durfte.

Ursprünglich lebten die Chorherren gemeinsam im Stiftsgebäude nach der Regel der Augustiner Chorherren unter Leitung des Propstes. Die in Zürich residierenden waren zur Teilnahme am Kirchendienst (Stundengebet) verpflichtet, hatten ihre geistlichen Aufgaben und führten die weltlichen Geschäfte des Stifts, legten aber, anders als Mönche, keine Gelübde ab. Seit dem 13. Jahrhundert wohnten die Chorherren in den Chorherrenhäusern in der Umgebung der heutigen Kirchgasse. Viele von ihnen studierten an ausländischen Universitäten und erwarben Doktorate.

Als Reichsstift verfügte das Grossmünster rund um Zürich über Güter und Einkünfte. Albisrieden, Schwamendingen, Fluntern, Höngg und Meilen waren die wichtigsten Güter. Daneben reichte Streubesitz bis an die Töss, den Rhein, die Reuss, den Zuger- und Obersee.

Bis zum Auftreten der Bettelorden im 14. Jahrhundert war das Stift Grossmünster im Bistum Konstanz führend in der Pflege der Musik.[3] Der Chorherr Konrad von Mure stiftete 1259 eine Pfründe für einen eigenen Kantor (Gesangsmeister) und redigierte 1260 den Liber ordinarius des Grossmünsters, eine detaillierte Ordnung über die Festgesänge, von denen einzelne von Chorherren selbst gedichtet und komponiert worden waren.[4] Weitere bedeutende Chorherren in der Geschichte des Stiftes waren Rüdiger III. Manesse, Rudolf von Homberg, Berater Kaiser Heinrichs V. und Bischof von Basel, und Johannes II. von Zürich, Kanzler König Albrechts, Bischof von Eichstätt und Strassburg.

Während der Reformation sicherten Propst Felix Frey (1482–1555) und das Kapitel, dem tüchtige Juristen angehörten, 1523, nach langen Verhandlungen mit dem Rat, das Fortbestehen des Stiftes. Die Vogt- und Gerichtsrechte wurden an den Rat von Zürich übertragen. Der Grundbesitz verblieb bis zur endgültigen Aufhebung des Stifts 1832 beim Grossmünster.

Nach der Reformation widmete sich das reformierte Chorherrenstift der Pflege des theologischen Nachwuchses. Neben einer Lateinschule und einem höheren Gymnasium befand sich in den Stiftsgebäuden eine von Ulrich Zwingli gegründete theologische Akademie, die zuerst «Prophezei» danach «Carolinum» genannt wurde. Hier wurde die Zürcher Bibel erarbeitet, wozu man 1525 aus dem Barfüsserkloster Basel den Hebraisten Conrad Pellikan berufen hat. Nach Zwinglis Tod in der Schlacht von Kappel 1531 wurde Heinrich Bullinger sein Nachfolger als Schulherr und Antistes. Das Stift und seine Bibliothek wurde zur Keimzelle der heutigen Universität Zürich (gegründet 1833), die in ihrem Siegel immer noch auf das Grossmünster verweist.

Nach der Aufhebung des Stifts 1832 wurden die Gebäude verkauft und 1849 abgerissen, um einem Neubau von Gustav Albert Wegmann im neoromanischen Stil Platz zu machen. In diesem sog. Grossmünsterschulhaus war bis 1976 die Töchterschule beheimatet, ein städtisches Gymnasium für Mädchen. Der Kreuzgang des Chorherrenstifts, der teilweise noch aus dem 12. Jahrhundert stammte, wurde beim Abriss zerlegt und 1851 mit vielen neuen Teilen ergänzt in den Neubau integriert. Seit 1976 befindet sich in den Gebäuden das theologische Seminar der Universität Zürich.[5]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion des Zustandes Mitte 15. Jahrhundert nach J. R. Rahn
Grossmünster um 1700. Darstellung von Gerold Escher
Das Grossmünster mit den Louis-XVI.-Balustraden 1770
Längsschnitt nach Berlepsch
Neugotische Turmkuppel des Grossmünsters

Erste Vorgängerbauten des Grossmünsters sind nur vermutet. Archäologische Funde weisen auf ein römisches Gräberfeld im Umfeld des Grossmünsters hin. Es bestand wohl ein kleineres Memorialgebäude und ein Konvent zur Betreuung von Pilgern. 870 wurde der Konvent von Karl dem Dicken in ein Chorherrenstift umgewandelt. Das Grossmünster stand als Grablege in einem Zusammenhang mit der Wasserkirche, der Hinrichtungsstätte von Felix und Regula, und dem Fraumünster auf der anderen Seite der Limmat, in dem die wichtigsten Reliquien der Heiligen aufbewahrt wurden. Verbunden durch den Münstersteg bildeten die drei Kirchen eine Prozessionsachse.

Reste eines Vorgängerbaus der heutigen Kirche wurden bei Renovationsarbeiten in den 1930er Jahren entdeckt und dem 11. Jahrhundert zugewiesen. Die heute noch bestehende romanische Kirche wurde um 1100 begonnen und 1220 vollendet. Der Vorgängerbau wurde dazu schrittweise abgebrochen. Der Bau wurde in sechs Etappen vollzogen, die jeweils Abweichungen vom ursprünglichen Bauplan aufweisen, da neue Stilrichtungen in der Architektur aufgenommen wurden. Veränderungen im Innern und am Äussern der Kirche wurden jedoch fortlaufend bis ins 20. Jahrhundert vorgenommen. Erst zwischen 1487 und 1492 wurden die Türme auf Initiative von Hans Waldmann auf gleiche Höhe gebracht und mit Nadelhelmen versehen. 1498 wurde der Dachreiter in seiner heutigen Form vollendet.

Die deutschschweizerische Reformation ging vom Grossmünster aus, da der Reformator Huldrych Zwingli seit 1519 dort als Leutpriester predigte. Auf seine Initiative liess der Stadtrat von Zürich 1524 die Altarbilder aus der Kirche entfernen. 1526 wurde vor dem Chor ein Kanzellettner eingebaut, der aus den zerstörten Altären der Zürcher Kirchen bestand.[6] Damit wurde die Umnutzung der Kirche deutlich. Nicht mehr «Gottesdienst» an den Altären im Chor, sondern die Predigt stand nun im Zentrum. Die Überreste von Felix und Regula wurden von Zwinglis Nachfolger, Heinrich Bullinger, aus der Zwölfbotenkapelle entfernt. Dabei seien nur einige Knochenreste, Kohle, ein Ziegelstein und eine Haselnuss zum Vorschein gekommen.

Am Abend des 24. August 1763 zerstörte ein Blitzschlag den Glockenturm und entzündete den mit Schindeln gedeckten Spitzhelm. Mit nassen Ochsenhäuten konnten die Glocken vor dem Schmelzen gerettet werden. Während mehrerer Jahre blieb der Turm eine Brandruine und es wurde über einen Gesamtneubau des Grossmünsters nach Plänen Gaetano Matteo Pisonis diskutiert. Der Widerstand des Pfarrers Johann Jakob Breitinger verhinderte einen Abbruch.

1770 wurden die Türme mit einer flachen Terrasse und Balustraden im Stile Louis-seize versehen. 1781 bis 1787 entstanden die heutigen charakteristischen neugotischen Turmabschlüsse durch Johann Caspar Vögeli und Johannes Haggenmiller. Am Nordturm wurde das romanische Glockengeschoss abgerissen und durch eine Kopie des spätgotischen Südturms ersetzt. Beide Türme wurden zudem mit einer Wächterstube aufgestockt. Auch im Innern wurde im Stil des Barocks umgebaut.

Ab 1845 wurde das Grossmünster massiv umgestaltet. Das Treppenhaus zu den Emporen über dem nördlichen Hauptportal wurde abgerissen und ins Innere verlegt – und zwar in den Teil der ehemaligen Zwölfbotenkapelle, wo sich die Heiligengräber befunden hatten. Baumeister August Stadler liess auch den Lettner abreissen. 1849 wurden das Stiftsgebäude abgebrochen und bis 1897 sämtliche barocken Elemente wie Stuckaturen und Gips entfernt. Man wollte ganz nach dem denkmalpflegerischen Verständnis des 19. Jahrhunderts den ursprünglichen romanischen Innenraum wiederherstellen und zerstörte dazu jüngere Bausubstanz. 1913–1915 wurde die Innenrenovation und gleichzeitige Rekonstruktion durch den Stadtbaumeister Gustav Gull und den Kantonsbaumeister Hermann Fietz abgeschlossen. Das Äussere wurde 1931–1936 gründlich renoviert, wobei die 62 Meter hohen Türme etwas verändert wurden. 1989/1990 wurden diese Veränderungen wieder rückgängig gemacht.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht des Chors mit Fenstern von Augusto Giacometti

Typisch für die deutsche Romanik ist die Westfassade ohne Portal.

Die Hauptfassade liegt im Norden. Das triumphtorartige Hauptportal ist der Anfang des Prozessionsweges von den Gräbern der Heiligen Felix und Regula bis zu deren Reliquien im Fraumünster. Das Portal hat nur wenig romanische Originalsubstanz. Auf dem linken Kapitell ist König David mit einem Streichinstrument abgebildet. Seit 1950 sind am Türsturz folgende Worte Zwinglis zu lesen:

«Verschaffend dass das Gottlich Wort Truewlich by üch gepredget werde + damit werdend ir üwer vatterland behalten + ob’s glych dem Tüfel Leid wär + denn wo Gotzforcht ist + da ist die Hilff Gottes + Huldriych Zwingli».

Die 1950 von Otto Münch geschaffene Bronzetüre zeigt einzelne biblische Geschichten. Auch die Tür der Südfassade stammt von Münch und zeigt Bilder aus der Reformationsgeschichte.

Die Westfassade ist geprägt von zwei quaderförmigen, 64 Meter hohen Doppeltürmen. Der Karlsturm genannte Südturm kann bestiegen werden: 187 Stufen führen zur Aussichtsplattform in 50 Meter Höhe. Aussen am Turm in Richtung Limmat ist eine Sitzfigur von Kaiser Karl den Grossen angebracht. Der Nordturm – auch als Glockenturm bezeichnet – wird von einem Relief des Reformators Heinrich Bullinger verziert. Hoch darüber schwebt ein Pferd mit Reiter, das die älteste Reiterdarstellung nördlich der Alpen sein soll. Die Figur stammt von ca. 1180 und könnte ein Herrschaftszeichen des Stadtherrn Berchthold IV. von Zähringen sein, das auf die benachbarte Pfalz hinwies.

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum ist schlicht gehalten. Er enthält neben den Sitzbänken und einem Chorgestühl nur eine Kanzel (1853) und einen Taufstein (1598), der zugleich als Abendmahlstisch dient.

Seit 1933 zeigen drei farbige Chorfenster von Augusto Giacometti die Weihnachtsgeschichte. Sehenswert sind die romanischen Kapitelle im Schiff und Reste der ursprünglichen Ausmalung im Chor. An der Nordwand ist in einer Nische eine kleine Darstellung des Schweisstuches der Veronika aus dem 16. Jahrhundert erhalten.

Krypta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krypta mit der originalen Sitzfigur vom Südturm (15 Jh.)

In der Krypta, dem ältesten Teil der Kirche, sind stark verblasste Wandmalereien aus dem 14./15. Jahrhundert zu sehen, die das Martyrium der Patrone Felix und Regula darstellen. Sie werden Hans Leu dem Älteren zugeschrieben. Hier ist auch das Original der Sitzfigur Karls des Grossen vom Südturm deponiert.

Auch im Rest der ehemaligen Zwölfbotenkapelle sind Reste von Fresken zu sehen und ein Modell des ursprünglichen Münsterbaus. Von der ehemaligen Ausstattung der Zwölfbotenkapelle ist ein Teil der ältesten Zürcher Stadtansicht von Hans Leu d. Ä. gerettet worden. Die Tafeln wurden stark verkleinert und teilweise übermalt, da die im Vordergrund abgebildeten Szenen aus dem Martyrium der Stadtheiligen nach der Reformation nicht mehr interessant schienen. Kopien der Tafeln können im Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich, die Originale im Schweizerischen Landesmuseum besichtigt werden.

Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 veranstaltete die Kirchgemeinde einen Einladungswettbewerb, um die bisher weiss gebliebenen westlichen Fenster im Längsschiff neu zu gestalten. Die Mittel stammten aus einem Legat mit künstlerischem Auftrag. 2006 fiel die Wahl auf den Kölner Gegenwartskünstler Sigmar Polke. Seine Gestaltung versieht die sieben hinteren westlichen Fenster des Schiffs mit abstrakten Mustern aus geschnittenen Achaten und die fünf vorderen mit buntem gerasterten Glas. Gegen den Chor hin zeigen die bunten Glasfenster vom Abstrakten ins Figurative übergehende Darstellungen mit alttestamentlichen Bezügen. Als grösstes und letztes von Polkes Werken sind die Fenster seit Oktober 2009 fertiggestellt.[7][8]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metzler-Orgel

Die Orgel wurde 1960 von der Orgelbaufirma Metzler (Dietikon) erbaut. Das Instrument steht auf der Empore im Westteil der Kirche. Der Neubau ersetzte ein Instrument, das 1876 von Johann Nepomuk Kuhn erbaut worden war.[9] Die Orgel hat 67 Register auf vier Manualen und Pedal.[10]

I Chorpositiv C–
Portunalflöte 8′
Principal 4′
Quintatön 4′
Gemshorn 2′
Sedecima 1′
Scharf III 23
Sesquialtera II
Krummhorn 8′
Musette 4′
II Hauptwerk C–
Principal 16′
Principal 8′
Flauto 8′
Gedackt 8′
Octave 4′
Nachthorn 4′
Octave 2′
Flachflöte 2′
Quinte 223
Cornet V 8′
Terz 135
Mixtur V 2′
Trompete 8′
Span. Trompete 16′
Span. Trompete 8′
III Oberwerk C–
Stillgedeckt 16′
Principal 8′
Rohrgedackt 8′
Spitzgambe 8′
Unda Maris 8′
Octave 4′
Querflöte 4′
Salicet 4′
Nasard 223
Cornet d’echo II
Piccolo 2′
Plein jeu V 2′
Basson 16′
Trompette harm. 8′
Oboe 8′
Clarion 4′
IV Schwellpositiv C–
Suavial 8′
Copula 8′
Rohrflöte 4′
Principal 2′
Spitzgedackt 2′
Larigot 113
Terz 45′ + 135
Glockenzimbel II 135
Holzregal 16′
Vox Humana 8′
Pedal C–
Principalbass 32′
Praestant 16′
Holzprinzipal 16′
Subbass 16′
Octavbass 8′
Gedacktpommer 8′
Octave 4′
Rohrflöte 4′
Choralbass 2′
Mixtur IV 223
Gross-Sesquialtera III
Bombarde 16′
Dulcian 16′
Trompete 8′
Bärpfeife 8′
Klarine 4′
Schalmey 2′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordturm beherbergt ein vierstimmiges Geläut, das von Jakob Keller (Unterstrass bei Zürich) im Jahre 1889 gegossen wurde und in der Schlagtonfolge c1–e1–g1–c2 erklingt. Seit einer Sanierung der Glockenanlage hängen die Glocken an kunstvoll geschnitzten Holzjochen und verfügen über weichere Eisenklöppel. Im Dachreiter hängt die fünfte Glocke im Schlagton c2; sie erklingt abends um 20 Uhr. Zum täglichen Betläuten ertönen mittags um 11 Uhr die e1-Glocke und abends um 18 Uhr (im Winter 17:30 Uhr) die dritte Glocke (g1). Am Samstagabend um 19 Uhr läuten, gemeinsam mit den übrigen Innenstadtkirchen, alle vier Glocken 15 Min. lang den Sonntag ein. Zum Sonntagsgottesdienst gibt es ein – nach alter «zwinglianischer» Sitte – zweimaliges Zeichenläuten mit der dritten Glocke; um 08:55 und 09:25 Uhr. Zum Gottesdienst selbst rufen wiederum alle Glocken. Die grosse Glocke wird am Sonntagabend um 19 Uhr genutzt, um den Sonntag auszuläuten. Ebendiese findet auch zum «Sechseläuten» Verwendung.

Nr. Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Nominal Inschrift
1 1800 4050 c1 Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.
2 1330 1680 e1 Einen andern Grund mag Niemand legen, ausser dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
3 1100 0965 g1 Lasset das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.
4 0830 0420 c2 Befiehl dem Herrn deinen Weg und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen.

Veranstaltungen im Grossmünster Zürich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Grossmünster gibt es nebst Gottesdiensten viele andere Veranstaltungen, wie z. B. Orgelkonzerte. In der Woche vor Ostern singt La Lupa jeweils Lamenti vom Turm herab.

Stiftsbibliothek Grossmünster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orte der Buchaufbewahrung:

Orte der Buchaufbewahrung

Seit der Gründung waren die für die Liturgie und die Seelsorge notwendigen Bücher vorhanden. Sie wurden vom 12. Jahrhundert an in der sog. «Grossen unteren Sakristei» (Abb. siehe «A») aufbewahrt, von Mitte des 13. Jahrhunderts an im sog. «Schatzgewölbe», der «oberen Sakristei» (Abb. siehe «B»). Von 1482 bis 1522 wurde über dem Westflügel des Kreuzgangs eine neue Bibliothek erbaut und eingerichtet, die hier bis zur Aufhebung des Stifts im Jahre 1808 bestehen blieb (Abb. siehe «C») und später zum Grundstock für eine Kantons- und Universitätsbibliothek wurde, seit 1914 Zentralbibliothek Zürich.[11]

Zuwachs: Chorherren und Stifter äufneten die Bibliothek. Während der Ungarneinfälle brachten die Benediktinermönche von Disentis im Jahr 940 die Reliquien sowie 3 Kreuze, 9 Glocken und 9 Bücher nach Zürich in Sicherheit. Mitte 13. Jahrhundert wurde der als Kantor wirkende Chorherr Konrad von Mure als Schriftsteller bekannt; er hatte in Paris studiert und dort eine juristische Pergamenthandschrift gekauft, die heute noch in der Zentralbibliothek Zürich (Ms. Car. C 151) vorhanden ist.

Verwaltung: Die überlieferten Statutenbücher des Stifts, angelegt im Jahr 1346, enthalten auch die Vorschriften über die Rechte, Pflichten und Einkünfte des Bibliothekars (Librarius genannt). Er hatte die Bücher des Stifts, die zum Stiftsschatz gehörten, sorgfältig zu verwahren, für Pflege und Reparaturen zu sorgen und Ausleihen gegen eine schriftliche Quittung zu überwachen. Ausleihen nach auswärts (extra muros) brauchten die Zustimmung des Kapitels. Der Propst musste jährlich den Buchbestand zusammen mit zwei Chorherren überprüfen; für fehlende Bücher haftete der Librarius persönlich.[12]

Bis zur Reformation: Der vielseitig schriftstellerisch tätige Chorherr Felix Hemmerlin, der sein Doktorat in Rechtswissenschaften in Bologna erworben hatte und in Zürich die grösste Privatbibliothek nördlich der Alpen sein eigen nannte, hat viele der noch vorhandenen Handschriften des Stifts mit Notizen und oft mit seinem Namenszug versehen. Seine eigene Bibliothek wurde nach seiner Gefangensetzung in alle Winde zerstreut. - Weitere mittelalterliche Handschriften stammen aus dem Besitz des Chorherrn Jacobus de Cham (1446–1496), der als Jurist an der Universität Pavia doktoriert hatte, Kaplan des Herzogs Galeazzo Sforza von Mailand gewesen und von 1473 bis 1494 Propst des Grossmünsters war. Zwei Bände Jurisprudenz in Papier-Handschriften, in Zürich eingebunden, stammen aus seinem Besitz. - Zu Lebzeiten verkaufte Peter Numagen, der humanistisch interessierte Kaplan zu St. Leonhard, seine gut dotierte Bibliothek an das Stift, welches zu Gunsten seiner unehelichen Tochter eine Schuldverschreibung ausstellte, die im Jahre 1551 noch nicht abbezahlt war. - Der Chorherr Johannes Mantz († 1518) vergabte seine etwa 60 Bücher an die Stiftsbibliothek, und sein Bruder Caspar vollzog das Legat 1519.

Ein prominenter Benutzer der Bibliothek war der Freiburger Ritter, Notar und Staatsmann Peter Falck, der vor Antritt seiner zweiten Reise nach Jerusalem 1519 das Stift besucht hat. Von Propst Frey erhielt er die Erlaubnis, die Sammelhandschrift (heute Zentralbibliothek Zürich Ms. Car. C 58) zu benutzen, welche die Reisebeschreibungen des Aachener Theologie-Professors Guillelmus Textor (Zewer) ins heilige Land, sowie jene des Bernhard von Breidenbach, geschrieben von Textors Adoptivsohn Peter Numagen im Jahr 1491 enthalten.

Nach der Reformation: In den Wirren der Reformation gingen vor allem die liturgischen Pergamenthandschriften verloren, und Buchbesitz von Kirchen und Klöstern in Stadt und Land zerstreute sich. Nach Zwinglis Tod wurde die Stiftsbibliothek neu gegründet. Das Stift kaufte dessen Bibliothek aus den Händen seiner Witwe. Conrad Pellikan erstellte als Bibliothekar von 1532 bis 1551 einen Katalog, in welchen er die noch vorhandenen Bücher der mittelalterlichen Stiftsbibliothek und die seitherigen Neuzugänge eingetragen hat. Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Stiftsbibliothek konnte anhand von Konrad Pellikans Katalog von 1531/1552 rekonstruiert werden, und der Buchbestand ist zum grössten Teil in der Zentralbibliothek Zürich erhalten.[13]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grossmünster am Abend (Blick vom Münsterplatz her)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Gutscher: Das Grossmünster in Zürich. Eine baugeschichtliche Monographie (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 5), Bern 1983, ISBN 3-85717-017-4.
  • Urs Hafner: Kult, Macht und Glaube. Eine kleine Geschichte des Zürcher Grossmünsters. Verlag NZZ Libro, Zürich 2007, ISBN 978-3-03823-355-8.
  • Gottfried Boehm, Jacqueline Burckhardt, Bice Curiger, Ulrich Gerster, Regine Helbling, Claude Lambert, Käthi La Roche, Urs Rickenbach, Katharina Schmidt, Marina Warner: Sigmar Polke: Fenster – Windows Grossmünster Zürich. Parkett Publishers und Grossmünster Zürich, Zürich/New York 2010, ISBN 978-3-907582-27-5.
  • Ulrich Gerster: Die Kirchenfenster des Grossmünsters Zürich. Augusto Giacometti – Sigmar Polke (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 71). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2012, ISBN 978-3-03797-071-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grossmünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gutscher (1983:9).
  2. Die Statutenbücher der Propstei St. Felix und Regula (Grossmünster) zu Zürich, hrsg. von Dietrich Walo Hermann Schwarz; Verlag Schulthess, Zürich 1952; LXXXI, 400 S., Einleitung S. XIX.
  3. Magdalen Bless-Grabher: Zürich und seine Bettelordensklöster. In: Barbara Helbling u. a. (Hrsg.): Bettelorden, Bruderschaften und Beginen in Zürich: Stadtkultur und Seelenheil im Mittelalter. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2002, ISBN 3-85823-970-4, S. 11–24, bes. S. 22.
  4. Peter Stotz: Zum Lob der Zürcher Stadtpatrone, liturgische Dichtungen zum Fest von Felix und Regula. In: Peter Stotz u. a. (Hrsg.): Turicensia latina: lateinische Texte zur Geschichte Zürichs aus Altertum, Mittelalter und Neuzeit. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2003, ISBN 3-03823-013-8, S. 60–67.
  5. Gutscher: Das Grossmünster in Zürich. S. 16–18.
  6. Daniel Gutscher: Zwinglis Kanzellettner im Zürcher Grossmünster. In: Peter Niederhäuser, Regula Schmid (Hrsg.): Querblicke, Zürcher Reformationsgeschichten (= Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Band 86.) Chronos Verlag, Zürich 2019, ISBN 978-3-0340-1498-4, S. 130–137.
  7. Sigmar Polke - Kirchenfenster Grossmünster Polke (Memento des Originals vom 31. Oktober 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.grossmuenster.ch, (abgerufen am 2. November 2010)
  8. Ulrich Gerster: Die Kirchenfenster des Grossmünsters Zürich. Augusto Giacometti – Sigmar Polke. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 915, Serie 92). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2012, ISBN 978-3-03797-071-3.
  9. Nähere Informationen zur Orgel (Memento des Originals vom 17. September 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.grossmuenster.ch
  10. Zur Disposition (Memento des Originals vom 5. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.grossmuenster.ch
  11. Jean-Pierre Bodmer, Martin Germann: Kantonsbibliothek Zürich 1835-1915, zwischen Bibliothek des Chorherrenstifts Grossmünster und Zentralbibliothek, Ausstellungskatalog, Zentralbibliothek, Zürich 1985, ISBN 3-299-00006-3, 116 S., ill.
  12. Die Statutenbücher der Propstei St. Felix und Regula (Grossmünster) zu Zürich, hrsg. von Dietrich Walo Hermann Schwarz; Verlag Schulthess, Zürich 1952; LXXXI, 400 S., mit Tafeln, bes. S. 42.
  13. Martin Germann: Die reformierte Stiftsbibliothek am Großmünster Zürich im 16. Jahrhundert und die Anfänge der neuzeitlichen Bibliographie. Mit Edition des Bibliothekskataloges von 1532/1551 von Conrad Pellikan (= Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen. Band 34). Harrassowitz, Wiesbaden 1994, ISBN 3-447-03482-3 (XIII, 413 Seiten).

Koordinaten: 47° 22′ 12″ N, 8° 32′ 39″ O; CH1903: 683501 / 247161