Gruson-Gewächshäuser

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Gruson-Gewächshäuser

Die Gruson-Gewächshäuser sind ein Botanischer Garten in Magdeburg und enthalten eine bedeutende, bis in das 19. Jahrhundert zurückgehende, Pflanzensammlung. Sie gehört heute zum Netzwerk Gartenträume Sachsen-Anhalt.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den zehn Schauhäusern der Gewächshausanlage werden unter 4000 m² überdachter Fläche ca. 4500 Pflanzenarten (Stand Februar 2018) in über 6000 Herkünften gehalten. Die von der Stadt Magdeburg betriebene Anlage beherbergt Pflanzen aus fünf Kontinenten. Direkt an die Anlage grenzt der Klosterbergegarten.

Schauhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Echinocactus grusonii im Kakteenhaus
Palmenhaus nach der Neubepflanzung 2015

Das 16 Meter hohe Palmenhaus ist Standort für ca. 50 Palmenarten, Baum-Strelitzien und auch für den Riesenbambus. Ein im Haus befindlicher Baumkronenpfad ermöglicht es den Besuchern, bis in die Höhe der Baumwipfel aufzusteigen.

Mit zum Teil über 130 Jahre alten Farnen präsentiert sich das Farnhaus. Neben Baum- und Palmfarnen finden sich unter anderem Frauenhaar-, Saum-, Geweih- und Schwertfarne sowie sehr große Exemplare der Gattungen Cibotium und Angiopteris.

Im Mittelmeerhaus werden Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und von den Kanarischen Inseln gezeigt. Im Kanarenbereich sind viele Arten von Natternköpfen, Kanarenmargeriten und Kanarenhauswurz sowie weitere Vertreter der endemitenreichen Kanarenflora zu sehen. Typische Vertreter des Mittelmeerbereichs sind Lorbeer, Zwergpalme und Ölbäume. Dazu gesellen sich weitere typische und teilweise sehr seltene Vertreter dieses beliebten Urlaubsziels. Abgerundet wird es durch Pflanzen der Anzuchthäuser, die in Töpfen kultiviert und zur Blütezeit dort ausgestellt werden. Darunter auch eine der größten Sammlungen mediterraner Zwiebel- und Knollenpflanzen in Deutschland.

Das kleine Königin-der-Nacht-Haus zeigt einige Vertreter dieser nachtblühenden Gattung. Ergänzt durch Arten der Porzellanblumen und Korallenkakteen.

Meerwasseraquarium

Darauf folgt das Große Tropenhaus, das Pflanzen der Tropen der Alten Welt beherbergt. Eine größere Anzahl von Ficus-Arten, Ingwer- und Aronstabgewächsen ist dort zu sehen. In einem Trockenbereich werden mehrere Sansevieria-Arten ausgestellt. Außerdem wachsen dort, als Vertreter wichtiger tropischer Nutzpflanzen, eine regelmäßig blühende Bananenstaude, ein größerer Kaffeestrauch, Mango, Pfeffer und Ölpalme. Dieses Tropenhaus ist auch die Heimstatt zweier weiblicher Brauen-Glattstirnkaimane, die sich ihr Becken mit Wasserschildkröten und diversen Buntbarschen teilen. In einer Voliere kann man Chamäleons und Taggeckos entdecken. Angeschlossen an das große Tropenhaus ist der Aquarienbereich mit sieben Süßwasser- und einem Meerwasserbecken sowie zwei Terrarien, eins für Färberfrösche und eins mit Himmelblauen Taggeckos.

Im Kleinen Tropenhaus sind Pflanzen der Tropen des amerikanischen Doppelkontinents zu sehen, darunter Helikonien und diverse Bärenklaugewächse. Angeschlossen ist das Viktoriahause, das im Sommer als größte Attraktion die Riesenseerose Victoria cruziana beheimatet. In diesem Schauhaus wachsen auch Mimosen, Passionsblumen, Reis, Zuckerrohr und eine Riesen-Pfeifenblume (Aristolochia gigantea). In beiden Tropenhäusern ist eine Gruppe von Straußwachteln unterwegs.

Männliche Straußwachtel (Rollulus rouloul)

Im Orchideenhaus findet man Orchideen, einen Teil der großen (über 400 Arten) Bromeliensammlung und, in jeweils einer klimatisierten Vitrine, fleischfressende Pflanzen sowie Miniatur-Orchideen. Drei regelmäßig blühende Vanille-Arten klettern im Giebelbereich umher.

Der Wintergarten ist einmal Winterquartier einiger größerer Kübelpflanzen wie Engelstrompeten, Eisenholzbaum und Paradiesvogelblume, aber auch Pflanzfläche für diverse Hibiskus und andere Kalthauspflanzen. Darunter größere Palmfarne der Gattungen Encephalartos und Cycas.

Daran schließt sich das Bromelienhaus an. Hier wird das Sortiment des Orchideenhauses durch Ananasgewächse der Trockengebiete ergänzt, etwa Puya, Dyckia und Hechtia.

Zu guter letzt kommt man ins Kakteenhaus mit seinen mehreren Hundert Arten von Kakteen- und anderen Sukkulenten. Darunter befindet sich auch eine Gruppe von Echinocactus grusonii, dem „Schwiegermutterstuhl“, mit einem circa 150 Jahre alten Exemplar. Dieser berühmte Kaktus wurde zu Ehren des Begründer des Hauses benannt.

Seit 2013 wurde ein großzügiger Substrataustausch vorgenommen und dabei ein Teil der Schauhäuser (Palmenhaus, Mittelmeerhaus, Großes und Kleines Tropenhaus) komplett neu gestaltet und bepflanzt. Folgen sollen in den nächsten Jahren das Farn-, Orchideen-, Bromelien- und Kakteenhaus sowie der Wintergarten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büste Grusons

Nach dem Tod des Magdeburger Industriellen und Pflanzensammlers Hermann Gruson schenkte dessen Familie im Jahr 1895 seine von ihm zusammengetragene umfangreiche Pflanzensammlung der Stadt Magdeburg. Außerdem spendeten der Sohn Hermann und Gruson Ehefrau Helene 100.000 Mark, um der Stadt die Annahme zu erleichtern. Die Spende an die Stadt hatte auch einen pragmatischen Grund. Der Unternehmer hatte wohl nicht die Absicht, seinen Wohnsitz auf dem Werksgelände in Buckau zu erhalten. Nachdem das Werk bereits 1893 von der Friedrich Krupp AG übernommen worden war, wollte er den Erhalt seines privaten Besitzes geklärt wissen, denn er hatte lebenslanges Wohnrecht auf dem Gelände. An die Übernahme der Pflanzensammlung knüpfte die Familie Gruson daher fünf Bedingungen:

  1. Nur die Stadt sollte die Unterhaltung der Sammlung unternehmen.
  2. Der Unterhalt der Pflanzen sollte im Sinne Grusons erfolgen.
  3. Die Sammlung sollte „für alle Zeiten“ den Namen Grusons tragen.
  4. Die Pflanzen sollten jedem zugänglich gemacht werden, wenn nötig, mit eintrittsfreien Tagen für die Ausstellung.
  5. Die Stadt musste Grusons Gärtner und in der Ausbildung befindliche Lehrlinge übernehmen.

Für die bis dahin in der Freien Straße untergebrachte Sammlung wurde 1896 die große öffentliche Gewächshausanlage am Klosterbergegarten errichtet. Gruson hatte mit Hilfe seines Obergärtners Albert Mathsson die zum damaligen Zeitpunkt wohl größte Sammlung an Kakteen und Sukkulenten in Europa zusammengetragen. 1889 war Mathsson im Auftrage Grusons sogar zu einer Sammelexpedition nach Mexiko aufgebrochen. Auch hatte Gruson sich über seinen in Mexiko lebenden Freund Karwinsky viele Exemplare schicken lassen. Bereits zu Lebzeiten erfuhr er dafür mehrere Ehrungen. Die deutsche Kakteengesellschaft hielt 1894 ihm zu Ehren ihre Hauptversammlung in seinen Gewächshäusern ab. Vier Kakteenarten erhielten seinen Namen, darunter der Schwiegermutterstuhl oder Goldkugelkaktus. Außerdem lud Gruson regelmäßig Gäste, Besucher, Interessierte und Geschäftsfreunde in seinen Garten und seine Gewächshäuser ein. Allein für die Bewässerung und Pflege der Kakteen und Sukkulenten gab er jährlich etwa 20.000 Mark aus.

Am 12. April 1896 erfolgte die Eröffnung der Anlage unter dem Namen Gruson Gewächs- und Palmenhäuser der Stadt Magdeburg. Die Ausstellung war von Beginn an gut besucht und die Häuser waren beliebte Veranstaltungsziele für Vereine und Tagesausflüge von Schulklassen. Bis in die 1920er Jahre war ein Besuchstag in der Woche eintrittsfrei. Mehrere Magdeburger Bürger spendeten den Häusern wertvolle Pflanzen. Eine Büste Grusons befindet sich noch heute im Haus.

Verwaltungsgebäude

Aus der Gründungszeit ist das Verwaltungsgebäude mit anschließendem Gewächshaus, das Mittelmeerhaus und das heute als Unterrichtsraum genutzte damalige Kakteenhaus erhalten. Der Unterrichtsraum besteht zum Teil aus Bauteilen, die im Schalenhartguss, einem von Hermann Gruson entwickelten Verfahren, hergestellt worden waren.

Im Jahr 1910 entstand das ebenfalls noch erhaltene Viktoriahaus als betonummantelte Stahlkonstruktion.

Während des Zweiten Weltkriegs kam es bei einem Luftangriff auf Magdeburg im September 1944 zu schweren Zerstörungen in der Anlage. Praktisch alle Glasscheiben waren zerbrochen. Das Palmenhaus war zerstört. Auch der wertvolle Pflanzenbestand hatte Verluste erlitten.

Nach Ende des Krieges wurden schnell einige Kriegsschäden beseitigt. Bereits im Sommer 1945 wurden das Kakteenhaus (heute Botanikschule), das Sukkulentenhaus (heute Mittelmeerhaus) und das Große Tropenhaus wieder eröffnet. Die weiteren Häuser folgten. Das große Palmenhaus wurde jedoch erst nach mehr als 40 Jahren im Jahr 1986 wieder eröffnet. Der ursprüngliche repräsentative Eingang wurde erst im Jahr 2010 neu errichtet. Damit wurde der provisorische Eingang am Verwaltungsgebäude nach 65 Jahren abgelöst. 1975 wurde eine Botanikschule eröffnet. In dem Schulungsraum werden interessierte Gruppen und vor allem Schulklassen zu Themen der Botanik geschult.

In den ersten 100 Jahren verzeichneten die Gruson-Gewächshäuser ungefähr sechs Millionen Besucher.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ballerstedt Maren u. a., 100 Jahre Gruson – Gewächshäuser Magdeburg – Exotische Pflanzensammlung – 1896 – 1996, Magdeburg 1996.
  • Duvigneau Johann August, Magdeburg 1825 – 1925, in: Denkschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Industrie- und Handelskammer zu Magdeburg, hg.v. Leonhard, Magdeburg 1925, S. 87–138.
  • Gruson Ernst, Aus den Tagen unser Vorfahren – und aus unserer Zeit. Geschichte der Familie Gruson, Quedlinburg 1924.
  • Mothes Volker, Hermann Gruson. Unternehmer und Wissenschaftler aus Magdeburg, in: Abhandlungen und Berichte für Naturkunde, Bd. 28 (2005), S. 53–70.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Koordinaten: 52° 6′ 49,8″ N, 11° 37′ 53,8″ O