Gwich'in

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Kutchin-Jäger 1847
Siedlungsgebiet der Gwich'in (mittleres blauviolett im Norden) u.a. First Nations im Yukon-Territorium, Nordwest-Territorien und Alaska vor Ankunft der Europäer. Karte (russisch) des Linguarium-Projektes der Lomonossow-Universität.

Die Gwich'in oder Gwitchin, gelegentlich auch Kutchin genannt, sind ein Indianerstamm, der im Grenzgebiet zwischen Kanada und Alaska lebt und sprachlich wie kulturell zu den Athabasken gerechnet wird. Im Französischen wurden sie als Loucheux oder Loucheaux, aber auch als Tukudh bezeichnet. Weitere Namen der Gwich'in sind Kutcha Kutchin, Yukon Flats Kutchin, Fort Indians, Ik-kil-lin, Gilder, Itchali, It-ka-lya-ruin, Nuwukmiut, Itkpe’lit, It-ku’dlin, Lowland people, Na-Kotchpo-tschig-Kouttchin und O-til’-tin.[1] Selbst bezeichnen sie sich bisweilen mit dem Ausdruck Dinjii Zhuu, was so viel wie kleine Leute bedeutet.

Die rund 9.000 Gwich'in leben in Alaska, im Yukon und in den Nordwest-Territorien. Die Vuntut Gwitchin leben als einzige Gruppe im Yukon, genauer um Old Crow. In den Nordwest-Territorien leben sie im Bereich des Mackenzie-Deltas um Inuvik, Aklavik, Fort McPherson, Tsiigehtchic, in Alaska vor allem um Beaver, Circle, Fort Yukon, Chalkyitsik, Birch Creek, Arctic Village und Venetie. Dabei ist Old Crow der nördlichste Ort; er liegt am Zusammenfluss von Yukon und Porcupine.

Heutige Stämme, First Nations und Bands der Gwich'in[Bearbeiten]

Die in Kanada lebenden Gwich'in sind heute als First Nations bzw. als vom kanadischen Staat laut Indian Act anerkannte Bands oder Tribes (Stämme) organisiert. In Alaska lebenden Gwich'in sind heute in sog. Alaska Native tribal entities (Stämmen) oder Alaska Villages organisiert. Ähnlich den kanadischen Inuit und First Nations, die als eigene Völker anerkannt sind, werden die indigenen Völker Alaskas in einigen rechtlichen Bereichen anders behandelt als die federally recognized tribes (Stämme) der Indianer im Rest der USA. Alle Gemeinden der Gwich'in haben sich 1999 im Gwich'in Council International zusammengeschlossen, um die Gwich'in Nation in den USA und Kanada als grenzüberschreitende Einheit im Arctic Council (Forum zum Interessenausgleich zwischen arktischen Anrainerstaaten und indigenen Völkern) zu vertreten, in dem sie als eine der sechs Dachorganisationen der Ureinwohner der Arktis als sogenannte Ständige Teilnehmer (Permanent Participants) ein garantiertes Beteiligungsrecht haben. Der Vorsitz des Gwich'in Council International wechselt alle zwei Jahre zwischen Yukon und Alaska, der Vice Chairman stammt immer aus Alaska. Alle Angaben bezüglich der Anzahl der Stammesmitglieder der kanadischen Gwich'in First Nations folgen jeweils den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development (AANDC) (Stand: Juni 2015).[2][3]

Gwich'in in Alaska[Bearbeiten]

Die sechs Gwich'in tribal entities (Stämme) bzw. Native Villages der Yukon Flats werden politisch gegenüber der US-Regierung durch das Council of Athabascan Tribal Governments (CATG) vertreten, das insgesamt aus zehn Alaska Villages besteht: Arctic Village, Birch Creek, Canyon Village, Chalkyitsik, Circle, Fort Yukon und Venetie (alles Gwich'in) sowie Beaver, Rampart und Stevens (zumeist Koyukon mit einigen Gwich'in und Inupiat Eskimo). Alle diese Siedlungen oder CPD's liegen im Yukon-Koyukuk Census Area, der mit einer Fläche von ca. 382.810 km² (größer als Deutschland) und einer Bevölkerung von 5.588 mit 0,0173 Einwohnern/km² die niedrigste Bevölkerungsdichte aller Bezirke der Vereinigten Staaten aufweist. Da der in den USA gültige Indian Reorganization Act vorsieht, dass die jeweiligen indigenen Gemeinschaften gegenüber der Regierung durch einen gewählten Stammesrat (Tribal Council) - bestehend aus einem Häuptling und dessen Beratern (Councilors) - vertreten werden müssen, besteht das CATG Board of Directors aus den zehn gewählten Häuptlingen der vertreten Villages zusammen. Zudem sind sie ebenfalls Mitglied der Tanana Chiefs Conference (TCC), eines regionalen Zusammenschlusses aller Alaska Athabasken (mit Ausnahme der Ahtna und Dena'ina).

Arctic Village (Vashrąįį K’ǫǫ) am East Fork des Chandalar River (T'eedriinjik) rund 160 km nördlich von Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh) gelegen ist heute Heimat der dort ansässigen Neets'ąįį Gwich'in / Chandalar River Kutchin („Bewohner der Nordseite“). Diese lebten bis in die 1950er Jahre weiterhin traditionell als nomadische Jäger und Sammler und betreiben bis heute weitgehend Subsistenzwirtschaft - wird zusammen mit dem Native Village of Venetie durch das Venetie Tribal Government vertreten.

Im Native Village of Venetie (Vįįhtąįį) am Nordufer des Chandalar River (T'eedriinjik) rund 70 km nordwestlich von Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh), leben heute meist Neets'ąįį Gwich'in / Chandalar River Kutchin („Bewohner der Nordseite“) und einige Nachfahren der Di'hąįį Gwich'in / Upper Koyukuk River Kutchin („Volk, das am weitesten flussabwärts lebt“) und Gwichyaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin sowie K'iitł'it Gwich'in / Ketlit Kutchin („Volk von K'iitł'it, d.h. vom Upper Koyukuk River und Anaktuvuk Pass“), Letztere haben jedoch ihre separate Identität verloren. Die Familien des Stammes betreiben ebenfalls weitgehend saisonale Subsistenzwirtschaft - wird zusammen mit dem Arctic Village durch das Venetie Tribal Government vertreten.

Zudem werden durch Gwich'in des Venetie Tribal Government zumeist folgende Siedlungen noch saisonal genutzt: Canyon Village (Łąįį Tree Zhee), Christian Village und Sheenjak Village.

Der Birch Creek Tribe ist heute ansässig im namensgebenden Birch Creek (Deenduu) am Ufer des Birch Creek, ca. 42 km südwestlich von Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh) gelegen; er besteht größtenteils aus Nachfahren der Dendu Gwich'in / Birch Creek Kutchin („Volk im Vorgebirge der Tanana Hills und White Mountains“) sowie der Tennuth Gwich'in / Birch Creek Kutchin („Volk entlang des Birch Creek“), wobei es sich bei beiden Bands evtl. um ein und dieselbe Gruppe handelt und deren Bezeichnungen nur abweichenden Schreibvarianten sind.

Chalkyitsik Village (Jałgiitsik - „Ort des Angelhakens“) liegt am Nordufer des Black River (Draan'jik) ca. 80 km nordöstlich von Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh) und ist die Heimat der Draan'jik Gwich'in / Black River Kutchin („Volk entlang des Black River (Draan'jik)“). Früher lebten sie als Halbnomaden mit Winterdörfern am Oberlauf und Sommerdörfern am Unterlauf des Black River; trotzt ihrer Ansiedlung leben sie heute größtenteils - wie manche subarktische und arktische Völker ebenfalls - immer noch von der Subsistenzwirtschaft.

Die Circle Native Community (Danzhit Khaiinląįį) befindet sich im gleichnamigen Village am Südufer des Yukon River und am westlichen Rand der Yukon Flats gelegen, und ist heute Heimat der erst durch ihre dortige Ansiedlung neu formierten Gwich'in Band namens Danzhit Hanlaih Gwich'in („Volk, wo das Wasser aus den Bergen fließt“).

Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh) am Zusammenfluss von Yukon River (Yuukon - „großer Fluß“) und Porcupine River (Ch’ôonjik), ist die Heimat der Gwichyaa Zhee Gwich'in („Volk von Fort Yukon“) - vormals The Native Village of Fort Yukon genannt - , die größtenteils aus Nachfahren der Gwichaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin („Volk der Yukon Flats (Yukon Ebenen)“) bestehen sowie einigen zugezogenen Neets'ąįį Gwich'in / Chandalar River Kutchin („Bewohner der Nordseite“), Dendu Gwich'in / Birch Creek Kutchin („Volk im Vorgebirge der Tanana Hills und White Mountains“), Draan'jik Gwich'in / Black River Kutchin („Volk entlang des Black River (Draan'jik)“) sowie Gwichyaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin (nicht identisch mit den Gwichaa Gwich'in). Zu ihnen wurden im November 2009 424 Menschen gerechnet.[4]

nicht offiziell als Gwich'in Villages zählende (jedoch mit Nachfahren von ihnen):

In Beaver Village (Koyukon: Ts’aahudaaneekk’onh Denh) am Nordufer des Yukon River, leben meist Athabasken mit Gwichaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin („Volk der Yukon Flats (Yukon Ebenen)“) und Koyukon-Vorfahren sowie Iñupiat Eskimo. Heute ist immer noch die saisonale Subsistenzwirtschaft eine wichtige Quelle für ihren Lebensunterhalt.

In Rampart Village am Südufer des Yukon River gelegen, leben heute meist Koyukon und einige Nachfahren der Tatsa Gwich'in / Tatsakutchin.

Im Native Village of Stevens (Koyukon: Dinyea oder Denyeet - „mouth of the canyon“) - inmitten der Yukon Flats gelegen - leben heute zumeist Koyukon sowie Nachfahren der K'iitł'it Gwich'in / Ketlit Kutchin („Volk von K'iitł'it, d.h. vom Upper Koyukuk River und Anaktuvuk Pass“), wobei sich Letztere heute ebenfalls als Koyukon identifizieren.

Gwich'in im Yukon und Nordwest-Territorium[Bearbeiten]

Die Vuntut Gwitchin First Nation besteht aus Nachfahren der Van Tat Gwich'in / Crow River Kutchin („Volk inmitten der Seen“) sowie aus einigen Dagudh Gwich'in / Upper Porcupine River Kutchin und ist die einzige Gwich'in First Nation im Yukon-Territorium. Der Hauptwohnort ist Old Crow (Teechik, heute: Van Tat) unterhalb der Mündung des Old Crow River in den Porcupine River (Ch’ôonjik) gelegen und mit 128 km nördlich des Polarkreises zugleich die nördlichste Gemeinde in Yukon. Einige wohnen auch derzeit im CPD Eagle Village nahe der Stadt Eagle (in Häɬ goɬan: Tthee T’äwdlenn), das jedoch mehrheitlich von Han (Hän Hwëch'in) bewohnt wird (die fälschlich unter der Bezeichnung Hankutchin als eine Band der Gwich'in betrachtet wurden). Heute gibt es laut AANDC 543 Stammesmitglieder, von denen 240 noch im Reservat leben.

Die vier Gwich'in First Nations bzw. Bands entlang des Mackenzie River und dessen Delta im Nordwest-Territorium werden politisch gegenüber der kanadischen Regierung durch das Gwich'in Tribal Council (GCI) in Verhandlungen über Landansprüche vertreten. Zudem fördert die Organisation internationale Kontakte rund um die Arktis, sowie Kulturinitiativen.

Die Aklavik First Nation (offizielle Bezeichnung) oder das Ehdiitat Gwich'in Council (eigene Bezeichnung) lebt im Weiler (Hamlet) namens Aklavik (Uummarmiutun Inuvialuktun: „Platz des Grizzly“) am Peel Channel im Mackenzie Delta in der Inuvik Region, ca. 100 km südlich der Beaufort Sea, einem einst für Siglit Inuit sowie Gwich'in wichtigen Handelsposten, an dem beide Völker sich trafen oder auch bekämpften. Die in Aklavik lebenden Gwich'in sind Nachfahren der Edhiitat Gwich'in / Ehdii Tat Gwich'in („Volk im Mackenzie River Delta“), die heute größtenteils - zusammen mit den ebenfalls hier ansässigen Uummarmiutun Inuit - versuchen ihr traditionelles halbnomadisches Leben mit saisonaler Subsistenzwirtschaft aufrechtzuerhalten. Sie leben deutlich stärker von Touristen, die durch das Delta, aber auch die Richardson Mountains angezogen werden. Aklavik war das administrative Zentrum für die westliche Arktis, bevor in den 1950er diese Rolle durch das neu gebaute Inuvik übernommen wurde. Heute zählt die First Nation nach AANDC 430 Stammesmitglieder, von denen 260 in der Siedlung leben.

Die Tetlit Gwich'in Council in Fort McPherson (Teet'lit Zheh) („Am Kopf der Wasser“) am Ostufer des Peel River, ca. 187 km südlich von Inuvik, sind mit aktuell 1.429 Stammesmitgliedern (wovon 938 in Fort McPherson leben) die größte First Nation im Nordwest-Territorium und Nachfahren der Teetł'it Gwich'in / Teetl'it Zheh Gwich'in / Peel River Kutchin („Volk am Oberlauf des Peel River (Teetl'it njik)“). Zuerst wurde ein Handelsposten namens Peel River House, dieser wurde jedoch 1840 nach Murdoch McPherson von der Hudson’s Bay Company in Fort McPherson unbenannt. Nach einer Überschwemmung wurde es rund 6 km flussabwärts verlegt und beim traditionellen Gwich'in Dorf Chii Tsal Dik als Handelsposten und Fort wieder aufgebaut. Heute lebt die First Nation immer noch überwiegend von Jagd, Fallenstellerei, Fischfang und Tourismus. Am 26. Juli 1921 unterzeichnete Häuptling Julius Salu einen Vertrag mit der kanadischen Regierung. Am selben Ort unterzeichneten die Teel'it Zheh am 22. April 1992 das Gwich’in Comprehensive Land Claim Agreement , 1999 wurde der Stammesrat gegründet, der über zahlreiche Rechte einer Gebietskörperschaft in der Beaufort Delta Area (Gwich’in zusammen mit Inuvialuit) verfügt.

Die Gwichya Gwich'in Nation (offizielle Bezeichnung) oder Gwichya Gwich'in Council (eigene Bezeichnung) leben heute in der Charter Community of Tsiigehtchic (vormals: Arctic Red River) am Zusammenfluss des Mackenzie River (Nagwichoonjik) und des Arctic Red River (Tsiigèhnjik) („Eiserner Fluss“) in der Inuvik Region. Tsiigehtchic bedeutet in Gwich'in etwa „an der Mündung des eisernen Flusses, d.h. des Arctic Red River“, diese Bezeichnung als auch die englische könnte sich auf die gefundenen Eisenerze und Mineralien im Flusssediment des Arctic Red River beziehen. Sie sind Nachfahren der Gwichyaa Gwich'in / Kutchakutchin / Yukon Flats Kutchin („Volk der Yukon Flats (Yukon Ebenen)“) - die fälschlicherweise auch als Nakotchokutchin / Mackenzie Flats Kutchin bezeichnet wurden (jedoch stammt diese Bezeichnung wahrscheinlich von einer anderen Gwich'in Band, die damit zum Ausdruck brachten, dass Gwichyaa Gwich'in auch im Delta des Mackenzie River (Nagwichoonjik) lebten). Heute zählt die First Nation 469 Stammesmitglieder, von denen noch 133 in der Siedlung leben.

Die Inuvik Native oder Inuvik Nation (offizielle Bezeichnung) oder das Nihtat Gwich'in Council (eigene Bezeichnung) sind Nachkommen der Nihtat Gwich'in („gemischte Völker“), deren Name sich darauf zurückführt, dass mehrere verschiedene Gwich'in Bands gezwungen wurden, sich politisch als eine Band zu betrachten und in einer gemeinsamen Siedlung sich niederzulassen. Sie leben heute in Inuvik am East Channel des Mackenzie River, 120 km südlich des Arktischen Ozeans sowie 200 km nördlich des Polarkreises. Inuvik wurde durch die kanadische Bundesregierung in den 1950er neu errichtet, um Aklavik zu ersetzen, das immer wieder Opfer von Überschwemmungen im Frühjahr wurde und keinen Raum zur Erweiterung der Siedlung bot. Heute zählt die First Nation 599 Stammesmitglieder, von denen allerdings nur noch 195 in Inuvik leben.

Sprache[Bearbeiten]

Die Sprache der Gwich'in (Dinjii Zhu’ Ginjik) gehört zur Familie des Athapaskischen. Es gibt eine westliche und eine östliche Dialektgruppe, wobei jedes Dorf wiederum einen eigenen Dialekt aufweist. 1998 sprachen von den damals als Gwich'in anerkannten nur noch 40 ihre Muttersprache zu Hause, weitere gaben an, sie zu beherrschen. Ein Revitalisierungsprogramm versucht die Sprache an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Zugehörige Stämme und Clans[Bearbeiten]

Einst unterteilten sich die Gwich'in in neun separate regionale Bands, die wiederum in mehrere Lokalgruppen gegliedert waren. Jede dieser Bands sprach ihren eigenen Dialekt, konnte sich jedoch gegenseitig verständigen.

Historische Gwich'in Bands von West nach Ost:

  • Di'hąįį Gwich'in / Di'haii Gwich'in / Upper Koyukuk River Kutchin („Volk, das am weitesten flussabwärts lebt“; lebten vom Colville River im Norden Alaskas bis zum Upper Koyukuk River, wurden Mitte des 19.Jhd. von den Nunamiut Iñupiat aus ihrer Heimat vertrieben, schlossen sich hierauf den südöstlich lebenden Neets'ąįį Gwich'in an; heute: Venetie (Vįįhtąįį), Alaska)[5]
  • Neets'ąįį Gwich'in / Neets'it / Natsikutchin / Chandalar River Kutchin („Bewohner der Nordseite“; lebten am Nordufer des Yukon River (Yuukon - „großer Fluß“) sowie im Flussgebiet des Chandalar River (T'eedriinjik) ostwärts bis zum Sheenjek River; heute: Arctic Village (Vashrąįį K’ǫǫ) und Venetie sowie einige in Fort Yukon, Alaska)
  • Dendu Gwich'in / Deenduu / Dendoo Gwich'in / Birch Creek Kutchin („Volk im Vorgebirge der Tanana Hills und White Mountains“; lebten meist am Südufer des Yukon River sowie im Flussgebiet des Birch Creek; heute: Birch Creek (Denduu) sowie einige in Fort Yukon, Alaska)[6]
  • Gwichaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin („Volk der Yukon Flats (Yukon Ebenen)“, lebten in den Yukon Flats beiderseits des Yukon River bis zum Zusammenfluss von Yukon und Porcupine River; heute: Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh), Circle und Beaver, Alaska)
  • Draan'jik Gwich'in / Tranjikutchin / Black River Kutchin („Volk entlang des Black River (Draan'jik)“, lebten östlich der Gwichaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin im Flussgebiet des Black River und des Salmon Fork River; heute: Chalkyitsik (Jałgiitsik) sowie einige in Fort Yukon, Alaska)
  • Van Tat Gwich'in / Vuntut / Vantee Gwitchin / Crow River Kutchin („Volk inmitten der Seen“; heute: Old Crow (Van Tat), Yukon) - manchmal auch als Middle Porcupine River Kutchin bezeichnet.
  • Dagudh Gwich'in / Tukudh Kutchin / Tukkuthkutchin / Upper Porcupine River Kutchin (schlossen sich nach einer Epidemie den Van Tat und Teetł'it Gwich'in an)
  • Teetł'it Gwich'in / Teetl'it Zheh Gwich'in / Tatlitkutchin / Peel River Kutchin („Volk am Oberlauf des Peel River (Teetl'it njik)“; heute: Fort McPherson, Northwest Territories)
  • Gwichyaa Gwich'in / Kutchakutchin / Yukon Flats Kutchin („Volk der Yukon Flats (Yukon Ebenen)“, östlichste Gwich'in Band, lebte von den Yukon Flats ostwärts entlang der Flussgebiete des Arctic Red River (Tsiigèhnjik), des Mackenzie River (Nagwichoonjik), des Travaillant River (Khaii Luk Tshik - „winter fish Creek“) sowie des Tree River; heute: Tsiigehtchic (früher: Arctic Red River), Northwest Territories sowie Fort Yukon und Venetie, Alaska) - diese wurden fälschlicherweise auch als Nakotchokutchin / Mackenzie Flats Kutchin bezeichnet, da sie im Mackenzie River (Nagwichoonjik) Delta lebten.

Oftmals werden diese neun Bands auch folgend aufgeführt (mit variierender Namensbezeichnung): Dihai (Upper Koyukuk River Kutchin), Kutcha (Yukon Flats Kutchin), Natsit (Chandalar River Kutchin), Tennuth (Birch Creek Kutchin), Tranjik (Black River Kutchin) und Vunta (Crow River Kutchin) in Alaska sowie die Nakotcho (Mackenzie Flats Kutchin), Takkuth/Tukkuth (Upper Porcupine River Kutchin) und Tatlit (Peel River Kutchin) in Yukon und Northwest Territories in Kanada.

Um die jeweils verschiedene Dialekte sprechenden Bands der Gwichaa Gwich'in und Gwichyaa Gwich'in / Kutchakutchin, die sich beide als „Volk der Yukon Flats“ bezeichnen, voneinander unterscheiden zu können, nennen sich Erstere heute oftmals Gwichyaa Zhee Gwich'in „Volk von Fort Yukon“ und Letztere „Volk am Arctic Red River (Tsiigèhnjik)“.


Während der Kolonialisierung und des Pelzhandels hatten sich neue Gwich'in Bands rund um die errichteten Handelsposten formiert und teilweise angesiedelt, andere kleinere Bands bzw. Lokalgruppen wurden wiederum durch eingeschleppte Seuchen ausgelöscht, die Überlebenden schlossen entweder benachbarten Bands an oder bildeten neue regionale Bands; zuletzt wurden oftmals mehrere Gwich'in Bands zwangsweise in einer Siedlung durch die kanadische und amerikanische Regierung angesiedelt.

Nicht mehr existierende Gwich'in Bands:

  • K'iitł'it Gwich'in / K'iitl'it / Ketlit Kutchin / Keet la Koo chin („Volk von K'iitł'it, d.h. vom Upper Koyukuk River und Anaktuvuk Pass“ - wurden von benachbarten Gwich'in als Yeedi' Gwich'in Nąįį - „Volk, das flussabwärts lebt“ bezeichnet; schlossen sich nach zwei verlustreichen Schlachten gegen Nunamiut Iñupiat und Koyukon sowie einem Scharlach-Ausbruch den Di'hąįį Gwich'in / Di'haii Gwich'in an, später als Teil dieser dann den Neets'ąįį Gwich'in; heute: Venetie, Alaska, einige sind auch unter den Draan'jik Gwich'in / Tranjikutchin und Van Tat Gwich'in zu finden - Nachfahren gibt es auch in Stevens Village, Alaska - sie identifizieren sich jedoch heute als Koyukon)[7]
  • Tatsa Gwich'in / Tatsakutchin (manchmal als Lokalgruppe der Gwichyaa Gwich'in / Kutchakutchin betrachtet, lebten beiderseits des Yukon bis zur Mündung des Tanana Rivers im Gebiet des heutigen Rampart, Alaska)[8]
  • Shoo Draanjik (vermutlich eine Lokalgruppe der Draan'jik Gwich'in / Tranjikutchin)
  • Tennuth Gwich'in / Tennuthkutchin / Birch Creek Kutchin („Volk entlang des Birch Creek“, einem Nebenfluss des Yukon in Alaska; heute evtl. einige Nachfahren unter den Dendu Gwich'in / Deenduu / Dendoo Gwich'in in Birch Creek, Alaska)

Neu entstandene / formierte Gwich'in Bands:

  • Danzhit Hanlaih Gwich'in („Volk, wo das Wasser aus den Bergen fließt“; heute: Circle (Danzhit Khaiinląįį), Alaska)
  • Edhiitat Gwich'in / Ehdii Tat Gwich'in („Volk im Mackenzie River Delta“; heute: Aklavik, Northwest Territories)
  • Nihtat Gwich'in („gemischte Völker“, ein Zusammenschluss mehrerer Gwich'in Bands; heute: Inuvik, Northwest Territories)

Oftmals werden als Edhiitat Gwich'in / Ehdii Tat Gwich'in sowohl die heutigen Nihtat Gwich'in als auch die Edhiitat Gwich'in / Ehdii Tat Gwich'in bezeichnet, da deren Dialekt eine Mixtur der Dialekte der Teetł'it Gwich'in und Gwichyaa Gwich'in ist.


Fälschlich als Gwich'in Bands gruppierte Athabaskische Völker:

Die sprachlich eng verwandten südlich lebenden Hän (Hän Hwëch'in) wurden in der älteren Fachliteratur meist als Hankutchin bezeichnet (abgel. vom Gwich'in-Wort hangʷičʼin - „Volk entlang des Flusses, d.h. des Yukon River“) und somit oftmals fälschlich als eine Band der Gwich'in betrachtet; sie sind jedoch von diesen zu unterscheiden und begreifen sich als zwar verwandte jedoch separate Ethnie.

Ähnliches gilt für die Tutchone (Huč’an / Ku Dän) die ebenfalls in älteren Quellen oft als Tutchonekutchin bezeichnet werden.

Zudem sind unter den jeweiligen Gwich'in-Bezeichnungen Teetsii Gwich'in („Volk im Schatten, d.h. der dichten Wälder“) die Koyukon (Hut’aane / Hotana) und Tanan Gwich'in („Volk entlang des Tanana River“) die nach dem Fluss benannten Tanana Athabasken (Kokht'ana / Koxt'een / Kohtʼiin) zu verstehen.


Soziale Gruppierung in Gwich'in Clans:

Drei große Clans, darunter einer mit niedrigerem Status, lassen sich unterscheiden. Die Nantsaii, wörtlich „Die ersten auf dem Land“, und Chits'aa, „die Helfer“, dominieren das Clansystem. Der dritte Clan, die Tenjeraatsaii, die „Unberührbaren“ oder „Unabhängigen“, steht ihnen nach. Dieser dritte Clan nimmt alle auf, die innerhalb ihres Clans geheiratet haben, was als Tabubruch gilt. Dazu kommen alle, die keinem Clan angehören. Auch Kinder von Nicht-Gwich'in gehören zu ihm, doch der nicht zum Stamm gehörende Elternteil bleibt auch außerhalb des Clansystems.

Geschichte[Bearbeiten]

Kutchin-Familie aus Forty Mile City, 1899

Die Gwich'in leben wohl seit mehr als 10.000 Jahren im heutigen Wohngebiet. Im Nordosten des in Alaska gelegenen Gates of the Arctic National Park, an der Putu Site fanden sich 11.000 Jahre alte Spuren menschlicher Anwesenheit. Zwar gibt es möglicherweise noch ältere Spuren, doch sind sie umstritten. Die ebenfalls nordöstlich des Parks gelegene Gallagher Flint Station ist rund 10.500 Jahre alt. Die so genannten Northern Archaic people sind die ersten Bewohner, die sich einem engeren Kulturraum zuweisen lassen. Sie erschienen um 4.500 v. Chr. Sie gelten bereits als indianische Kultur, die bereits auf Fisch und Karibu basierte.

Um 2200 v. Chr. änderten sich die Werkzeuge, die arktische Kultur der kleinen Werkzeuge setzte sich durch, oder es fand eine Zuwanderung statt, möglicherweise Inuit. Sie war nicht, wie die vorangegangene Kultur, eine reine Festlandskultur, sondern weist auch Anzeichen einer Küstenkultur auf, und könnte von daher mit der um 3000 v. Chr. beginnenden Zuwanderung von Inuit-Gruppen zusammenhängen. Sie reichte ostwärts bis Grönland. Der letzte Komplex dieser arktischen Kultur war der Ipiutak-Komplex, der bis um 500 n. Chr. reichte.

Zahlreiche Erzählungen beinhalten Bruchstücke aus der fernen Vergangenheit der Stämme in verklausulierter Form. Sie beginnen häufig mit „In den alten Tagen“ (Deenaadai), und setzen fort, „als alle Menschen mit den Tieren sprechen konnten, und alle Tiere mit den Menschen sprechen konnten“. Die spirituelle Welt der Gwich'in benötigt keinen Gott, denn alle Dinge und Lebewesen besitzen einen Geist. Dabei galten die Inupiat vom Kobuk River als herausragende Schamanen. Solche Dinjii Dazhan standen in hohem Ansehen, hatten Kontakt zu übernatürlichen Kräften, konnten das Verhalten der Beutetiere beeinflussen und verfügten über heilende Kräfte und Kenntnisse.

Europäische Entdecker und Pelzhändler[Bearbeiten]

Alexander Mackenzie war wohl 1789, auf seiner Entdeckungsfahrt zur Beaufortsee, der erste Europäer, der den Gwich'in begegnete. Sie waren zu dieser Zeit in neun Stämme geteilt. Er legte ihnen den Namen „Quarrellers“ bei. Die späteren Pelzhändler, die teils Französisch, teils Englisch sprachen und der North West Company angehörten, nannten sie „Squinters“, „Squinteye“ oder „Loucheux“, also „Schieler“ oder „Schielauge“.

Der eigentliche Pelzhandel begann 1806 mit der Errichtung von Fort Good Hope an der Mündung des Blue Fish River, doch wurde dieser Posten noch vor 1811 flussabwärts Richtung Hare-Indian-Flussmündung verlegt, was wohl auf den Einfluss der Indianer zurückging, die den Posten in ihrer Nähe wünschten. Er war der nördlichste Handelsposten der Gesellschaft.

Dieser Tatsache verdanken wir Einblicke in eine noch vergleichsweise wenig von den Europäern beeinflusste Gesellschaft.[9] Dabei brachte zunächst der Handel Europäer und Indianer in Kontakt. Gegen blaue und weiße Perlen, dazu Metallgegenstände, tauschten die Indianer vor allem Biber- und Nerzpelze. Dabei standen die Perlen so hoch im Kurs, dass sie 1814 ihre Pelze kurzerhand wieder mitnahmen, als nicht genügend davon im Fort waren. Im Sommer 1823 zog das Fort erneut weiter flussabwärts, diesmal gegen den Widerstand der Hare und der Indianer am Great Bear Lake.

1823 führte ein Mann die indianischen Fallensteller an, den die Männer der Handelsgesellschaft „Barbue“ nannten, was möglicherweise auf die französische Bezeichnung für den „Bärtigen“ zurückgeht. Erst zwei Jahre später tauchte er mit 1.500 Bisamfellen wieder auf und bot seine Unterstützung bei John Franklins zweiter Polarexpedition an. Mit 20.000 Bisamfellen und 2.000 Nerzen brachten die Gwich'in und die Hare, die weiter im Süden lebten, drei Viertel bzw. ein Drittel des Gesamtertrags der Provinz. Biber und Luchs hingegen stammten ausschließlich von weiter südlich siedelnden Gruppen um Fort Simpson und Liard.

Das nördlichste Fort hing dabei von der Fleischversorgung der Gwich'in ab. Sie lieferten allein 1826 rund 10.000 Pfund frisches und 3.500 Pfund getrocknetes Fleisch, 1.000 Karibu-Zungen und 3.000 Fische. Dafür erhielten sie Eisenwaren, wie Messer, Äxte, Nadeln, Picken usw., dazu Hüte, Gürtel, Kapuzen, Decken, Hosen, Kämme, aber auch Gewehre, Munition und Schießpulver. Dabei waren die Gwich'in offenbar nicht auf die Briten und Franzosen angewiesen, denn sie handelten über Mittelsmänner auch mit den Russen im Westen.

George Simpson, Governor des Northern Department, erkannte die Schwäche seiner Position durchaus. Die Gwich'in wollten hauptsächlich weiße Perlen, gewissermaßen ein Modeartikel, auf den sie notfalls auch verzichten konnten, und waren selbst hierin nicht von der North West Company abhängig. Allerdings hatte er dabei verkannt, dass die Gwich'in die Perlen inzwischen als eine Art Geld und Tauschmittel einsetzten, und dies noch auf Jahrzehnte taten. Ihm jedenfalls schwebte eine handfestere Abhängigkeit vor.

1826 und 1827 kam es zu Kämpfen mit Barbues Nachbarn, die in den „Lower Loucheux’s Lands“ lebten. Die Ursache lag in seiner Familie. Sein Sohn hatte aus Eifersucht seine Frau erschossen, die die Tochter des Häuptlings jener Gegend war, der wiederum den Tod seiner Tochter rächen wollte. Bei Barbues Stamm handelte es sich wohl um die Nakotcho Gwich'in (Upper Loucheux). Bei ihnen und ihren Nachbarn folgte üblicherweise der älteste Sohn dem Vater als Führer des Stammes. Diese Führungsrolle galt auch für den Pelzhandel. Dennoch beanspruchten die Pelzhändler der Company ein Mitspracherecht, wer mit ihnen handeln durfte.

Die Nakotcho traten offenbar als Zwischenhändler für die weiter entfernten Stämme auf, was zu weiteren, dauerhaften Konflikten führte, nicht nur mit den benachbarten Indianern, sondern auch mit Inuit. Im Frühjahr 1826 führten diese offenbar eine Art Strafexpedition mit 60 Kanus und zahlreichen kleinen Booten durch. Allein auf den Kanus, die mit 8 bis 9 Mann besetzt waren, befanden sich mehr als 500 Männer. Ohne die Gewehre der Pelzhändler hätten die Gwich'in die Inuit wohl kaum vom direkten Zugang zum Fort und seinen Reichtümern abhalten können. Sie verteidigten also mit Waffengewalt ihr Monopol. Dieses Monopol hielten sie bis um 1850, als sie von Epidemien dezimiert wurden. Zugleich monopolisierten sie den Bisamfang im Upper Mackenzie Delta, damals einem Niemandsland, das Inuit und Indianer trennte.

Doch zwischen Gwich'in und Inuit gab es noch einen anderen Konfliktherd. Als die Karibus recht früh im Jahr nordwärts zogen, schnitten die Inuit die Gwich'in von der Riesenherde ab. Diese wiederum fragten im Fort nach mehr Gewehren, doch es gab nicht genug, so dass die Indianer schwer unter Hunger litten. Auch das Fort konnte dabei nicht helfen. Dies wiederum lag daran, dass die Company auf Verschuldung der Indianer am Mackenzie gesetzt hatte, Schulden, die sie durch Pelzlieferungen ausgleichen sollten. Doch bald gab es zu viele Pelze und die Preise fielen. So kamen weniger Waren in den Norden. Das Fort hatte sogar selbst Probleme, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, zumal die Händler nichts von der Tierwelt der Region verstanden. Barbues Stamm geriet in äußerste Not. Als er mit 30 seiner Leute vor dem Fort erschien, hatte zudem eine Epidemie unter ihnen gewütet, der auch sein Schwiegersohn zum Opfer gefallen war. Barbue erkrankte, doch genas er bald.

Aus Furcht vor den Inuit schlug der Leiter des Forts im Sommer 1827 den Hare und „Loucheux“ vor, das Fort wieder in der Nähe der Stromschnellen, jedenfalls weiter weg von den „Esquimeaux“, zu erbauen.

1828 erkrankte Barbue erneut und kam am 2. Juli zum Fort. Doch starb er am 21. Juli, obwohl mehrfach Schamanen versuchten, ihn zu retten. Es gingen Gerüchte von Zauberei, aber auch von dem Verlust des Geistes und davon um, er sei mit schlechter Medizin beworfen worden. Normalerweise versuchte ein Schamane die Krankheit aus dem Körper zu befördern, indem er biss, blies oder saugte. Auch andere Heilmethoden waren verbreitet, wie Aderlass, wobei man an dem Häuptling eine sehr spezielle Methode erprobte: Man legte ihn in eine Grube, auf moosbedeckte, heiße Steine und zündete vier Feuer an, die erst gelöscht wurden, als der Patient es nicht mehr aushielt. Zwar konnte der unter Atemnot und Schlaflosigkeit leidende, alte Mann nun schlafen, doch rettete ihm dies nicht das Leben. Er starb zwei Tage später.

Dennoch sollte man die Heiltechniken der Gwich'in nicht unterschätzen. Noch in den 1890er Jahren wurde berichtet, dass eine zerschmetterte Kniescheibe erfolgreich und ohne Infektion genäht wurde. Pflanzen mit heilender Wirkung waren den Gwich'in bekannt, und haben manchem, auch Europäern, das Leben gerettet.

Zwar wurden die Schamanen zunächst reich, da sie für ihre Heilung, die immer häufiger erbeten werden musste, beschenkt wurden, doch sie scheiterten auch immer häufiger an den unbesiegbaren Krankheiten Masern, Grippe und vor allem Pocken. So wandten sich viele Gwich'in augenscheinlich stärkeren Mächten zu, vor allem dem Christentum.

Mission[Bearbeiten]

In den 1850er Jahren erschienen erste Missionare, katholische und episkopalistische, im Gebiet der Gwich'in. Die Diakone Hudson Stuck, Alexander Hunter Murray, William Loola und Albert Tritt waren hierbei die hauptsächlichen Protagonisten. Die Tukudh-Bibel basierte dabei auf der King-James-Bibel. Geschrieben in einer eigens dazu geschaffenen Schrift, wurde diese Schrift dennoch später durch einen stringenteren Vorschlag von Bill Schneider ersetzt. Bis heute sind die Häuptlinge zugleich die Priester, wie etwa David Salmon von Chalkyitsik oder Trimble Gilbert von Arctic Village.

Der erste Missionar der Church of England war 1861 Rev. William West Kirkby, der nach Fort Yukon kam. Als er 1862 erneut in die Gegend kam und Fort Simpson besuchte, traf er auf seinen Kollegen Rev. Robert McDonald. Der spätere Archidiakon von Mackenzie River und Übersetzer des Gebetbuchs in Tukudh-Kutchin hatte sein Hauptquartier in St. Matthew’s Mission, am Peel River. Er entwickelte eine Silbenschrift für die Indianersprache. 1873 erschien sein A Selection from the Book of Common Prayer in der Schriftsprache.

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Clarence Alexander, 1. Häuptling der Kutchin, Fort Yukon 1980 - 1994

An der Abhängigkeit von der Porcupine-Karibuherde hat sich nicht viel geändert. Dazu kommen Fischfang und Gelegenheitsarbeiten. Daher wehren sich die Gwich'in gegen Versuche, in ihrem Gebiet Öl zu fördern. Das gilt vor allem für das Arctic National Wildlife Refuge und das Yukon Flats National Wildlife Refuge.[10]

1999 wurde der Gwich'in Council International gegründet, um die grenzübergreifende Nation der Gwich'in als Einheit im Arctic Council zu vertreten, in dem sie eines von sechs ständigen Mitgliedern bilden. Der Rat vertritt die sechs Gwich'in-Gemeinden von Arctic Village, Chalkyitsik, Fort Yukon, Birtch, Circle und Venetie, zwei Körperschaften des Stammes, die Vuntut Gwitchin First Nation, die wiederum die Vuntut Gwitchin in Old Crow vertritt und den Gwich'in Tribal Council als Vertreter von vier Gemeinden im Gebiet des Beaufort-Deltas in den Nordwest-Territorien. Kontakte bestehen zum Arctic Athabaskan Council (AAC), sowie zum Council of Yukon First Nations.

2000 und 2001 wurden 24 ältere Stammesmitglieder (Elders) interviewt,[11] um ihr Wissen über die traditionelle Lebensweise aufzuzeichnen.

Der Klimawandel trifft die nördlichsten Indianer besonders hart. Das Auftauen des Permafrostbodens führt zu starken Veränderungen in der Landschaft: Die Böden erodieren, rutschen an Hängen ab und der trockene Torf wird zur idealen Nahrung für vernichtende Tundrabrände. Das schnellere Abtauen der Gletscher und größere Regenmengen führen zu häufigen Überschwemmungen in den Flusstälern, wo sich die meisten Gwich'in-Dörfer befinden. Allein 2009 wurden etwa 20 Dörfer überschwemmt. Dies alles hat zudem drastische Auswirkungen auf die Tierwelt, so dass u.a. die Zugwege der überlebensnotwendigen Lachse gestört werden, von denen die rund 60 Dörfer im Yukon-Gebiet abhängen.[12]

Die bekannteste Vertreterin ihres Volkes ist die 1960 geborene Schriftstellerin Velma Wallis, die das traditionelle Leben ihrer Vorfahren in verschiedenen Erzählungen beeindruckend geschildert hat. Auch die Skilangläuferinen Roseanne Allen und die Zwillingsschwestern Shirley und Sharon Firth gehören diesem Stamm an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alestine Andre/Alan Fehr: Gwich'in Ethnobotany: Plants Used by the Gwich'in for Food, Medicine, Shelter and Tools, Tsiigehtchic, North West Territories: Gwich'in Social and Cultural Institute 2001, ISBN 1-896337-04-X
  • Asen Balikci: Vunta Kutchin Social Change: A Study of the People of the Old Crow, Yukon Territory, Ottawa: Northern Co-ordination and Research Centre, Department of Northern Affairs and National Resources 1963
  • Kate C. Duncan/Eunice Carney: The Kutchin Beadwork Tradition, University of Alaska Press, 1998, ISBN 978-0-912006-88-8
  • Michael K. Heine: Gwichya Gwich'in Googwandak: The History and Stories of the Gwichya Gwich'i ; As Told by the Elders of Tsiigehtchic, Tsiigehtchic: Gwich'in Social and Cultural Institute 2001, ISBN 1-896337-05-8
  • Richard E. Morlan: The Cadzow Lake Site (MjVi-1): A Multi-Component Historic Kutchin Camp, Ottawa: Archaeological Survey of Canada, National Museum of Man, National Museums of Canada 1972
  • Richard K. Nelson: Hunters of the Northern Forest: Designs for Survival Among the Alaskan Kutchin, Chicago: University of Chicago Press 1973, ISBN 1-57805-114-2
  • Cornelius Osgood: Contributions to the Ethnography of the Kutchin, New Haven: Yale University Press 1936, ISBN 978-0-87536-522-0

Weblinks[Bearbeiten]


Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Aus dem Artikel Kutchin vom Indianer-Wiki übernommen.
  2. Tribal Council Detail - GWICH'IN TRIBAL COUNCIL
  3. Vuntut Gwitchin First Nation, Registered Population
  4. Nach Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development, First Nation Profiles, Gwichya Gwich'in
  5. Alaska Native Place Names
  6. Einige Historiker und Anthropologen glauben, dass diese Band durch eine Scharlach-Epidemie in den 1880er Jahren ausgelöscht wurde
  7. Alaska Native Knowledge Network - Preliminary Study of the Western Gwich'in Bands
  8. Cultural History of the Yukon Flats
  9. Das Folgende nach: Shepard Krech III, The Death of Barbue, a Kutchin Trading Chief, in: Arctic 35/2 (1962) 429-437.
  10. Der Bericht der Episcopal Church findet sich hier (PDF, 2 MB): A moral choice for the United States. The Human Rights Implications for the Gwich’in of Drilling in the Arctic National Wildlife Refuge, Hg. Gwich’in Steering Committee, The Episcopal Church 2005.
  11. Life Histories of Elders.
  12. “We Are Having a Hard Time Surviving” Gwich’in Elder Sarah James on How Climate Change Is Altering Life in the Alaskan Arctic, Democracy Now, 8. Dezember 2009